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Disentis/Mustér


Disentis/Mustér
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden GR
Region: Surselva
BFS-Nr.: 3982
Postleitzahl: 7180
UN/LOCODE: CH DIS
Koordinaten:
Höhe: 1'130 m ü. M.
Fläche: 90,98 km²
Einwohner: 2058 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 23 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Francestg Cajacob
Website: www.disentis.ch

Blick über Disentis nach Westen

Karte

Disentis/Mustér (deutsch Disentis, rätoromanisch Mustér [muˈʃteː]?/i; seit 1963 ist Disentis/Mustér die offizielle Bezeichnung) ist eine politische Gemeinde in der Region Surselva des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Ortsname

Disentis leitet sich von Desertina (‚Einöde‘) ab[2], das romanische Mustér vom lateinischen monasterium (‚Kloster‘).

Geographie

Der Wintersport- und Kurort liegt in der Cadi im oberen Teil der Surselva, am Zusammenfluss des Medelser Rheins mit dem Vorderrhein. Zur Gemeinde gehören die Dörfer Segnas, Mompé Medel und Cavardiras.

Geschichte

Anfang des 8. Jahrhunderts errichtete der Mönch Sigisbert aus einem burgundischen Kloster eine Zelle in der «Desertina»[3]. Der einheimische Rätier Placidus half ihm dabei und wurde auf Weisung des Landesherrn ermordet. Um 720/750 errichtete Bischof Ursicin über den Grabstätten der Heiligen Sigisbert und Placidus ein Kloster nach den Regeln des Heiligen Benedikt. 940 wurde das Kloster mit seinen wertvollen Kunstgegenständen von Sarazenen durch Brand zerstört (Deckengemälde in der Klosterkirche). Die nach der Flucht zurückkehrenden Mönche bauten die Abtei wieder auf. Ihre Hauptfunktion war dann die von «Hütern des Lukmanierpasses», über den die deutschen Kaiser Otto I., Heinrich II., Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) und Sigismund in ihre italienischen Reichsteile reisten. Es entstand der reichsunmittelbare Klosterstaat Cadi (Casa Dei – ‚Haus Gottes‘), zu dem nicht nur das Gebiet von Brigels bis jenseits des Oberalppasses gehörte, sondern zeitweise auch Gebiete in der Lombardei. Der Disentiser Abt wurde Reichsfürst. Die Fürstäbte wirkten bei der Gründung des Grauen Bundes und des Kantons Graubünden mit, wodurch sie allerdings ihre Machtstellung einbüssten. Das Kloster blieb kultureller Mittelpunkt von Graubünden.

Ende des 17. Jahrhunderts entstand im barocken Baustil eine neue Klosteranlage und 1696 bis 1712 die Klosterkirche St. Martin mit Doppelturmfassade nach Plänen von Caspar Moosbrugger. 1799 steckten französische Truppen das Dorf Disentis, Kloster und Kirche in Brand, nachdem sich die Einwohner gegen die Besatzer erhoben hatten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Klosteranlage umfassend restauriert. Seit 1880 führt das Kloster ein Gymnasium mit Mönchen als Lehrkräften. Bis 2002 blieb Disentis Gerichtsort der Cadi, dem oberen Teil des Bündner Oberlandes.

Um 1750 errichtete Sebastian von Castelberg das Schloss Caschliun. Es brannte 1830 ab und verfiel anschliessend ganz.

Wirtschaft

Die Zai AG hat seit 2003 ihren Sitz in Disentis/Mustér. Aus der in den Siebzigerjahren Lehrwerkstatt der Landis&Gyr entstand 1989 die Distec AG , welche mit modernster Technologie im Formen- und Metallbau tätig ist. Dort werden Präzisionsteile für die Aviatik, den Fahrzeugbau und die Industrie gefertigt.

Tourismus

Auf dem Areal des zerfallenen Schlosses Caschliun errichtete der Arzt Augustin Condrau 1877 das Hotel «Disentiser Hof», das ab 1909 die Radonquelle S. Placidus nutzte. Dadurch entwickelte sich ein erster Badetourismus. Die Quelle ist inzwischen nicht mehr in Betrieb. Das alte Hotel wurde 1967 durch einen Neubau ersetzt.

Rund um Disentis erstrecken sich über 150 km Wanderwege und 30 km Loipen für den Wintersportler. Das auf knapp 3000 m ü. M. reichende Skigebiet wird unter dem Namen «Disentis 3000» durch die Bergbahnen Disentis AG betrieben.

Beim Campingplatz Fontanivas am Vorderrhein ist ein Badesee mit grossem Kinderspielplatz angelegt. Daneben besteht die Möglichkeit, Gold aus dem Rhein zu waschen.

Verkehr

In Disentis gabelt sich die Strasse aus Chur zum Lukmanierpass und zum Oberalppass. Ausserdem endet hier die Vorderrheinlinie der Rhätischen Bahn. Sie wird nach Westen von der Matterhorn-Gotthard-Bahn weitergeführt. Der Bahnhof dient somit auch dem Lokwechsel bei den durchgehenden Glacier-Express-Zügen, da die Strecke der MGB über den Oberalppass mit Zahnstangenabschnitten ausgerüstet ist.

Über den Lukmanierpass führt eine Postautolinie. Seit 2000 ist die Strasse auch im Winter offen, allerdings besteht die Postautoverbindung in den Süden nur im Sommer.

Sehenswürdigkeiten

  • Das Kloster Disentis mit der Klosterkirche St. Martin, der Marienkirche, sowie dem Klostermuseum (sakrale mittelalterliche Kunst aus Graubünden) ist das bedeutendste Bauwerk im Ort.
  • Sehenswert sind auch die Kapelle St. Agatha, die barocke Marienkapelle in Acletta[4], die St. Placiduskirche und die barocke Pfarrkirche St. Johannes Baptist mit ihrem prachtvollen spätgotischen Strigel-Altar[5].
  • Schulhaus[6]
  • Ein moderner Sakralbau ist das Evangelische Gemeindezentrum Aua Viva
  • Klosterhof Salaplauna, 2010, Architekt: Gion A. Caminada[7]
  • Mädcheninternat, 2004[8]
  • Kapelle St. Luzius, in Disla[9]
  • Im Mineralienmuseum Cristallina sind einheimische Bergkristalle von besonderer Schönheit ausgestellt.
  • An der Grenze zur Nachbargemeinde Sumvitg liegt die alte Russeinerbrücke.
  • Der Verein Stalusa zeigt die alten Festungen aus dem 1. und 2. Weltkrieg

Persönlichkeiten

Literatur

  • Autorenkollektiv: Der Große ADAC Alpenführer. ADAC, München 1992. Seiten 334-335. ISBN 3-87003-470-X.
  • Gion Condrau (Hrsg.): Disentis – Mustér. Geschichte und Gegenwart. Gemeinde Disentis 1996, ISBN 3-952108-10-3.
  • Kurt Derungs: Baumzauber. Die 22 Kultbäume der Schweiz. Edition Amalia, Grenchen 2008, ISBN 978-3-905581-27-0 (Eiche im heiligen Hain)
  • Das Kloster Disentis. Informations-Broschüre. Hrsg. Kloster Disentis, etwa 2010.

Weblinks

 Commons: Disentis/Mustér  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Disentis in der Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Disentis – Mustér. Geschichte und Gegenwart. Hrsg. Gion Condrau. Disentis 1996. S. 1
  3. Disentis – Mustér. Geschichte und Gegenwart. Hrsg. Gion Condrau. Disentis 1996. S. 37
  4. Kapelle St. Maria auf www.graubuendenkultur.ch.
  5. Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist auf www.graubuendenkultur.ch.
  6. Schulhaus auf www.graubuendenkultur.ch.
  7. Klosterhof Salaplauna auf www.graubuendenkultur.ch.
  8. Mädcheninternat auf www.graubuendenkultur.ch.
  9. Kapelle St. Luzius auf www.graubuendenkultur.ch.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Disentis/Mustér (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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