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Dingelstädt


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum königlich preußischen Oberst siehe Levin August von Dingelstädt. Für den gleichlautenden Ort am Huy siehe hier
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: EichsfeldVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verwaltungs­gemeinschaft: Dingelstädt
Höhe: 335 m ü. NHN
Fläche: 20,45 km²
Einwohner: 4372 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 214 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37351
Vorwahl: 036075
Kfz-Kennzeichen: EIC, HIG, WBS
Gemeindeschlüssel: 16 0 61 025
Adresse der
Stadtverwaltung:
Geschwister-Scholl-Str. 26/28
37351 Dingelstädt
Webpräsenz: VG Dingelstädt
Bürgermeister: Arnold Metz (CDU)
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Dingelstädt ist eine Landstadt im thüringischen Landkreis Eichsfeld und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Dingelstädt.

Lage

Dingelstädt liegt zwischen Heilbad Heiligenstadt und Mühlhausen an der oberen Unstrut. Im Norden begrenzt der Höhenzug Dün das Stadtgebiet.

Geschichte

Dingelstädt wurde erstmals im 9. Jahrhundert in einer undatierten Urkunde erwähnt und gehört damit zu den ältesten benannten Siedlungen des Eichsfelds. Der Name verweist auf eine alte germanische Thingstelle/-stätte (Gerichtsstätte). Forscher vermuten auf dem „Kerbschen“ Berg (= kirchbergischen Berg) eine ehemalige Königspfalz. Es gibt aber bis auf die Lage und einen nachgewiesenen Rundwall von 110 Meter Durchmesser keine konkreten Hinweise darauf. Eine Burg war sicher am Ort, denn 1134 wurde ein Ritter von Kirchberg genannt. Die Kirchberger waren Lehnsleute des Mainzer Erzbischofs. Als dieses Geschlecht ausstarb, wurde ein Heinrich von Bodungen belehnt. Berg und das nachgewiesene Dorf wurden 1546 als wüst angegeben, aber die Kirche St. Martin gab es noch. Sie war Erzpriestersitz und daher wohl sehr alt. Dorthin pilgerten noch im 19. Jahrhundert, jeweils am 1. Mai, die Leute der umliegenden Orte. 1700 wurde die Kirche neu errichtet. Es folgten Erweiterungsbauten, und seit 1994 wird das Kloster vom Ursulinen-Orden genutzt.[2]

Die erste Schule Dingelstädts, zunächst nur für Jungen, lässt sich im Jahr 1606 nachweisen. Damals wurde für die knapp 70 Schüler im Rathaus ein Klassenzimmer eingerichtet, wobei neben dem Unterricht im selbigen Gebäude dieses auch als Tanzsaal und Schenke fungierte. Ebenfalls befand sich im Rathaus die Gefängniszelle der Gemeinde.[3] Die erste Möglichkeit für die Dingelstädter Mädchen die Schule zu besuchen, ergab sich 1729. Knapp hundert Jahre später, 1833 baute man den Tanzsaal und die Schenke des Rathauses zu Unterrichtsräumen für Mädchen und Jungen um. Damals besuchten 118 Schüler die Knabenschule, 113 die Mädchenschule, sowie 256 die Knaben- und Mädchenschule. Als 1852–1855 die St.-Gertrudis-Kirche erbaut wurde, riss man das Rathaus ab; die Kirchengemeinde wies zur Entschädigung sieben Häuser, einschließlich deren Nebengebäude in der „Langen Nacht“, zur Nutzung zu. Im Oktober 1854 wurde das Schulgebäude gerichtet und ein Jahr später seiner Nutzung übergeben. Bis 1932 war es notwendig, wegen einer stetig steigenden Zahl an Schülern diverse Nebengebäude auszubauen und weitere zu errichten. 1959 kam die Polytechnische Oberschule (POS) „Käthe Kollwitz“ hinzu, die heute den Namen „St. Josef-Gymnasium“ trägt, 1981 wurde zudem der Grundstein für die POS „A. S. Makarenko“ gelegt, der heutigen Regelschule „Johann Wolf“.

Dem Ort wurde am 14. Februar 1859 das Stadtrecht verliehen. Seit 1815 (bis 1945) gehörte Dingelstädt zum Regierungsbezirk Erfurt der preußischen Provinz Sachsen, zuvor seit 1807 zum Königreich Westphalen (Kanton Dingelstädt).

Am 7. April 1945 erfolgte die kampflose Besetzung des Ortes durch US-amerikanische Soldaten. Zwei Zivilisten wurden erschossen, durch vorausgehende Jagdbomberangriffe waren Gebäudeschäden entstanden. Nach Besetzung durch die Rote Armee Anfang Juli 1945 wurde Dingelstädt Bestandteil der SBZ und 1949 der DDR.

Ausgehend von einem Dingelstädter Betrieb kam es im Dezember 1974 und Anfang 1975 durch Erfrischungsgetränke zu einer Hepatitis A-Epidemie mit 594 Erkrankten in den Nordkreisen des Bezirks Erfurt. Der Betrieb hatte, nach Starkregen mit Fäkalien verunreinigtes Quellwasser zur Produktion der Getränke (Vita Cola) verwendet.[4]

Wappen

Blasonierung: „In Silber ein bewurzelter grüner Eichenbaum mit einem freischwebenden goldenen Ring um den Stamm.“

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994: 5.073
  • 1995: 5.101
  • 1996: 5.105
  • 1997: 5.092
  • 1998: 5.070
  • 1999: 5.082
  • 2000: 5.059
  • 2001: 5.024
  • 2002: 4.965
  • 2003: 4.922
  • 2004: 4.860
  • 2005: 4.798
  • 2006: 4.766
  • 2007: 4.713
  • 2008: 4.676
  • 2009: 4.698
  • 2010: 4.665
  • 2011: 4.381*
  • 2012: 4.338
  • 2013: 4.324
  • 2014: 4.322
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
* ab 2011: Fortschreibung Zensus 2011

Wirtschaft

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Dingelstädt einer der wenigen Orte im Eichsfeld, in dem sich größere Industrieunternehmen ansiedelten. Neben der traditionellen Wollkämmereien und Kammgarnspinnereien waren es vor allem Zigarrenfabriken, Webereien, Strickereien, Spinnereien, Feilenhauereien, Mühlenbaufirmen und Maschinenfabriken die zum guten Ruf der Stadt beitrugen. Bis 1989 arbeiteten viele Dingelstädter in der Textilindustrie (Eichsfelder Obertrikotagenwerk), der Zigarrenfabrikation (Zigarrenfabrik) oder der Polstermöbelherstellung. Es existierten über 80 private Handwerks- und Gewerbetriebe, was für die Verhältnisse in der DDR enorm viele waren. Heute sind in Dingelstädt über 300 Handwerks- und Gewerbebetriebe ansässig. Im industriellen Bereich gab es nach der Umgestaltung der Wirtschaft zahlreiche Neuansiedlungen und Neugründungen. Das 1991 erschlossene Gewerbegebiet ist voll ausgelastet und im Südwesten der Stadt entstand ein 100 ha großes Industriegebiet. Der Schwerpunkt liegt heute in der metallverarbeitenden Industrie.

Politik

Stadtrat

Die Sitzverteilung stellt sich nach der Kommunalwahl 2014 wie folgt dar:

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[5]

Bürgermeister

Der Bürgermeister Arnold Metz wurde am 7. Mai 2006 gewählt und am 22. April 2012 wiedergewählt.[6]

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Feste und Feiern

  • Gertrudismarkt im April
  • Schützenfest im Juli
  • Breikuchenfest (Stadtfest) am dritten Wochenende im August
  • Kleine Kirmes zum Fest Mariä Geburt im September
  • Weihnachtsmarkt im Dezember

Persönlichkeiten

Literatur

  • Johann Vinzenz Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. (Reprint). Cordier, Heiligenstadt 1994, ISBN 978-3-929413-12-0., – als Digitalisat bei Google Books
  • «Dingelstädt». In: Hans Patze (Hrsg.): Thüringen. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 9. Alfred-Kröner-Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 77–78.
  • Carl Duval: «Dingelstedt». In: Das Eichsfeld. (Reprint). Harro von Hirschheydt Verlag, Hannover-Dören 1979, ISBN 3-7777-0002-9, S. 540–551.
  • Wilfried Dallmann, Nikolaus Keil: Dingelstädt. 15 Jahre Altstadtsanierung. Hrsg.: Stadt Dingelstädt. Dingelstädt 2008, S. 130.
  • Heinrich Koch: Chronik der Stadt Dingelstädt.. Hrsg.: Norbert Günther. Teil1, Teil 2. Dingelstädt 2004, S. 204.
  • Heinrich Koch: Dingelstädter Heimatgeschichte für Schülerinnen und Schüler der katholischen Volksschule. Hrsg.: Norbert Günther. Dingelstädt 2004, S. 92.
  • Annelie Günther, Anni Raub, Vinzenz Weinrich: Bi uns do wärt gelacht. Eichsfelder Schnurren. Hrsg.: Dingelstädter Verein für Heimatpflege. Mecke, Duderstadt 2005, ISBN 3-936617-43-0, S. 144.

Weblinks

 Commons: Dingelstädt  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik  (Hilfe dazu).
  2. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 32/33
  3. Winfried Körner u. Rolf Barthel: Zur Geschichte des Schulwesens in Dingelstädt. In: Eichsfelder Heimathefte. Band 2, 1982, S. 181–183.
  4. Bernd Schulze: Eine durch Trinkwasserverunreinigung verursachte massive Hepatitis-Epidemie 1974/75 im Eichsfeld. Ärzteblatt Thüringen 25 (2014), 115-117
  5. Kommunalwahlen in Thüringen am 25. Mai 2014. Abgerufen am 19. Oktober 2015.
  6. Kommunalwahlen 2006.Endgültige Ergebnisse. Wahlen der Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister. Der Landeswahlleiter, archiviert vom Original am 16. Dezember 2013, abgerufen am 6. März 2010 (PDF; 2,4 MB).

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Dingelstädt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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