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Die drei Sprachen


Die drei Sprachen ist ein Märchen (ATU 517, 725, 671). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 2. Auflage von 1819 an Stelle 33 (KHM 33).

Inhalt

Ein alter Graf schickt seinen einzigen Sohn, weil er nicht lernen kann, dreimal für je ein Jahr zu berühmten Meistern. Danach sagt der Sohn, er habe gelernt, was die Hunde bellen, was die Vögel sprechen und schließlich, was die Frösche quaken. Der zornige Vater verstößt seinen Sohn. Seine Leute sollen ihn im Wald töten, aber sie haben Mitleid und bringen stattdessen Augen und Zunge eines Rehs zum Wahrzeichen. Auf seiner Wanderung erlöst der Jüngling eine Gegend von spukenden Hunden, indem er einen Schatz unter einem Turm hebt, weil er ihre Sprache versteht. Er geht nach Rom. Die Kardinäle wollen ihn als Papst, weil sich zwei weiße Tauben zum Wunderzeichen Gottes auf seine Schultern setzen. Er hatte es schon unterwegs von den Fröschen gehört, was ihn nachdenklich und traurig gemacht hatte. Er stimmt zu, als die Tauben ihm zureden. Als er eine Messe lesen muss, sagen sie ihm alles in sein Ohr.

Hinweise

In früheren Ausgaben bekommt der Held auch die Tochter des von den Hunden erlösten Landes zur Frau.

Grimms Anmerkung notiert als Übersender Hans Truffer aus Oberwallis und nennt Hinweise, dass sich das Märchen auf Papst Silvester II. oder Innozenz III. beziehen könnte. (siehe auch Gregorius von Hartmann von Aue)

Das Märchen ist ab dem Mittelalter vielfach ähnlich nachweisbar, am ältesten in der Sammlung Scala coeli von Johannes Gobi (Nr. 520).

Vergleiche KHM 42 Der Herr Gevatter und KHM 44 Der Gevatter Tod. Zum dummen Sohn, der sich als weise herausstellt, vgl. KHM 28 Der singende Knochen, KHM 54 Der Ranzen, das Hütlein und das Hörnlein, KHM 57 Der goldene Vogel, KHM 62 Die Bienenkönigin, KHM 63 Die drei Federn, KHM 64 Die goldene Gans, KHM 97 Das Wasser des Lebens, KHM 106 Der arme Müllerbursch und das Kätzchen, KHM 165 Der Vogel Greif, KHM 64a Die weiße Taube. Vgl. in Giambattista Basiles Pentameron I,6 Die Aschenkatze.

Interpretation

Das Märchen gilt wegen der Sprache der Tiere, die schweigend erlernt wird, als Beispiel für schamanistische Wurzeln im Erzählgut.

Laut Bruno Bettelheim passt die Verstoßung mit Mordversuch, wie in Schneewittchen, zu einem pubertären Konflikt. Der vom Vater unverstandenen Lernstoff stelle offenbar dessen Autorität in Frage. Hunde stehen Menschen besonders nahe und verträten hier das Ich, wobei das Schatzhüten auch auf Analbesitzgier hinweise. Mit Vogel- und Froschsprache (die Elemente Luft und Wasser) integriere der Held auch Über-Ich und Es. Die Frösche als Amphibie verkörperten den Übergang von einer niedrigeren auf eine höhere Lebensstufe und Sexualität. Die integrierte Persönlichkeit vermag nun auf die weißen Tauben zu hören, in der religiösen Symbolik der Heilige Geist. [1]

Literatur

  • Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. Vollständige Ausgabe, 19. Auflage. Artemis und Winkler, Düsseldorf u. a. 2002, ISBN 3-538-06943-3, S. 207–209.
  • Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort (= Universal-Bibliothek 3193). Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichten Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Nachdruck, durchgesehene und bibliografisch ergänzte Ausgabe. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-003193-1, S. 75–76, 456.
  • Brüder Grimm: Die schönsten Märchen. Ausgewählt von Ute Bogner. Delphin-Verlag, München u. a. 1984, ISBN 3-7735-5183-5, S. 208–211.
  • Hans-Jörg Uther: Handbuch zu den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Entstehung – Wirkung – Interpretation. de Gruyter, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-11-019441-8, S. 84–85.

Einzelnachweise

  1. Bruno Bettelheim: Kinder brauchen Märchen. 31. Auflage 2012. dtv, München 1980, ISBN 978-3-423-35028-0, S. 113-119.

Weblinks

 Wikisource: Die drei Sprachen – Quellen und Volltexte

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