Die Wüste - LinkFang.de





Die Wüste


Die Wüste[A 1] ist ein Theaterstück von Tankred Dorst, das am 26. Februar 2005 unter der Regie von Hermann Schmidt-Rahmer im Theater Dortmund uraufgeführt wurde.[1]

In elf Szenen erhält der Zuschauer Einblicke in das Leben des französischen Offiziers, Nordafrika-Forschers und späteren Eremiten Baron Charles de Foucauld (* 1858; † 1916). Im Jahr 1962 hatte Tankred Dorst während der Arbeit an einem Film über Camus die Klause des Einsiedlers beaugenscheinigt.[2]

Inhalt

Szene 2: Hotel Molière in Algier

Der begüterte, dekadente Kolonialoffizier Leutnant de Foucauld will die Pariser Prostituierte Mimi auf einem Fest der Garnison in Algier als Jeanne d’Arc auftreten lassen. Foucaulds Freund Laperinne rät ab. Das könne den Offiziersfrauen nicht zugemutet werden. Der Oberst hält viel von seinem Leutnant und möchte ihn ebenfalls umstimmen. Mimi ist zugegen. Nachdem die Pariserin den Oberst einen „Arsch“[3] genannt hat, wird de Foucauld sofort aus der französischen Armee entlassen.

Szene 3: Wer bin ich?

Laperinne schlendert mit befreundeten jungen Offizieren durch Algier. Er wähnt den Freund im fernen Frankreich, begegnet ihm aber am Wege. Ein schlechter Scherz – der reiche Foucauld hat sich, als zerlumpter, verlauster Bettler verkleidet, beinahe unkenntlich gemacht.

Szene 4: Farce

Zeitsprung vorwärts: Als hochdekorierter verdienter Nordafrika-Forscher wieder daheim in Frankreich, sucht Foucauld seine Geliebte Marie de Bondy in deren Schloss auf. Marie will den ihr verhassten Gatten Hector mit einem Gläschen präparierten Bittermandellikör aus der Welt schaffen. Ihr Cousin[4] Foucauld trinkt das Glas schnell aus und legt sich vergeblich zum Sterben hin. Der Likör war nicht vergiftet. Die Amateur-Psychologin Marie hat lediglich studienhalber mit dem Geliebten gespielt.

Szene 6: Mon Ange

Marie trauert auf ihrem Schloss um den verunglückten Gatten. Die Bombe eines Terroristen hat Hector zerfetzt. Marie ist frei. Foucauld erscheint zusammen mit seinem Gefährten, dem jungen Tuareg Ouksem. Marie bekommt von dem Cousin einen Korb.

Szene 8: Die Wörter

Ortswechsel: Foucauld, im Hoggar-Gebirge Eremit geworden, empfängt in seiner einsamen, engen Einsiedelei den bleichen Bischof von Algier. 2327 Kilometer quer durch Algerien hat der dickliche Herr in Begleitung des Obersten (siehe oben, Szene 2), eines Telegrafie-Ingenieurs und Laperinnes zurückgelegt. Der Bischof würdigt die zivilisatorische Leistung des Einsiedlers. Foucauld prophezeit den Kriegsausbruch in Europa[A 2]: „Man redet so viel von ihm, und plötzlich entsteht der Krieg aus den Wörtern.“[5] Vor dem Gespräch mit Foucauld hatte der Bischof den Novizen Michel, der mit dem Einsiedler die Behausung teilt, nach der Rechtschaffenheit des Zellengenossen befragt. Der ehrfürchtige Michel hatte ein Bild von einem heiligen Foucauld gemalt und Ouksem als dessen Freund benannt.

Szene 9: Es ist mir gesagt worden

Ouksem sitzt neben dem toten Foucauld. Chamäleon und Webervogel plappern beziehungsweise zwitschern dummes Zeug.

Szene 10: Monolog und Szene 11: Antik heroisch streng

Laperinne, auf der Suche nach dem Mörder des Freundes, fliegt mit dem Leichnam von Oase zu Oase kreuz und quer über die Sahara.[A 3] Tatverdächtige müssen unterwegs den Finger auf die Wunde des Toten legen. Wenn daraufhin die Wunde zu bluten beginnt, ist der Mörder gefunden. Laperinne hat schließlich Erfolg. Ouksem ist es.

Form

In der letzten Szene erweist sich Ouksem als Foucaulds Mörder (siehe oben). Tankred Dorst bereitet den Zuschauer in der ersten und sechsten Szene auf die schnöde Tat vor: In der ersten Szene lässt Foucauld seinen Gefährten Ouksem mit der kostbaren Duellpistole spielen, die der junge Tuareg in der sechsten Szene von Marie geschenkt bekommt.

Wie faszinierend, aber auch menschenverschlingend die Sahara ist, malen „heutige Menschen“ in der fünften Szene in schrecklichen Bildern aus. Mit den heutigen Menschen meint Tankred Dorst unsere Zeitgenossen, die etliche Jahrzehnte nach Handlungsende (das ist das Jahr 1916) erzählen. Heutige Menschen äußern sich auch noch gegen Ende der siebten Szene. Letztere ist phantastisch geraten: Der tote, von der Bombe entstellte Hector spielt darin neben dem – vor dem Dorfpfarrer – reuigen Sünder Foucauld eine Hauptrolle.

Inhaltskurzangaben der Szenen, die allesamt am Anfang des Textes stehen und Szeneninhalte differieren in mehr als einem Fall. Zum Beispiel wird in der Inhaltsangabe zu Szene 9 die Wüste als Sprecherin angekündigt. Als es dann ernst wird, schweigt die Sahara.

Rezeption

Literatur

Textausgaben

Anmerkungen

  1. Gemeint ist in erster Linie die algerische Sahara.
  2. Der Eremit haust seit 1911 in seiner Klause.
  3. Laperinne fliegt der Reihe nach folgende Oasen an: El Oued, In Salah, Bilma, El Golea, Beni Isguen, Ghardia, Guargla, Beni Abbes, Djanet, Ghadames, Timoudi, Teghit, Timia, Therir (frz. l'oasis d'therir ) und Ghat (Verwendete Ausgabe, S. 160, 12. Z.v.u.).

Einzelnachweise

  1. Synopse bei suhrkamp.de . Mit einem Foto des Autors von Isolde Ohlbaum
  2. Sich im Irdischen zu üben. Frankfurter Poetikvorlesungen in der verwendeten Ausgabe, S. 361,11. Z.v.o.
  3. Verwendete Ausgabe, S. 123, 3. Z.v.u.
  4. Verwendete Ausgabe, S. 143, 6. Z.v.u.
  5. Verwendete Ausgabe, S. 155, 14. Z.v.o.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Die Wüste (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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