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Deutsche Verkehrswacht


Die Deutsche Verkehrswacht e. V. (DVW) ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein auf dem Gebiet der Verkehrserziehung und Verkehrsaufklärung.

Geschichte

Der Verein wurde am 8. November 1924 in Berlin gegründet, war zwischen 1933 und 1945 verboten und konstituierte sich am 13. Dezember 1950 als Bundesverkehrswacht e. V. neu. Sitz des Verbandes war seit 1950 Bonn. Im Juli 2009 zog die Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin.

Die Organisation wird von rund 70.000 ehrenamtlichen Mitgliedern getragen, die in 630 Orts-, Gebiets- und Kreisverkehrswachten organisiert sind, die sich wiederum auf 16 Landesverkehrswachten verteilen.

Durch Initiative der DVW und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, der Wirtschaft und von Privatspendern werden Programme und Maßnahmen zur Verkehrssicherheit erstellt.

Zu den Aktionen, die die DVW durchführt, gehören Programme für Vorschulkinder in Kindertagesstätten und Kindergärten, Aufklärungsaktionen für junge Fahrer, Programme für ältere Verkehrsteilnehmer, örtliche Fahrradtage, der maßgeblich vom Verband der Automobilindustrie finanzierte Schülerlotsendienst, die gemeinsam mit dem Kraftfahrzeuggewerbe durchgeführte Aktion "Licht-Test", Programme zur schulischen Verkehrserziehung, die Verkehrskadetten und über viele Jahre die Fernsehsendereihe Der Siebte Sinn. Durchgeführt werden u. a. Fahrsicherheitstrainings. Außerdem gibt es eine Auszeichnung als bewährter Kraftfahrer für „normale“ Kraftfahrer, Berufskraftfahrer und Straßenbahnführer. In Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst Stiftung Björn Steiger e. V. vergibt die DVW seit 1974 den Deutschen Verkehrssicherheitspreis für herausragende Leistungen in der Verkehrssicherheitsarbeit.

Seit 1929 erscheint ein Magazin unter unterschiedlichen Titeln. Die Zeitschrift mobil und sicher informiert seit 1994 sechsmal im Jahr über Themen in den Bereichen Verkehrssicherheit, Verkehrserziehung, Verkehrspsychologie, Verkehrspolitik, Verkehrstechnik, Verkehrsrecht, Unfallforschung, Verkehr und Umwelt sowie Unterhaltung. Zudem wird jährlich ein Wettbewerb für alle örtlichen Verkehrswachten zu Verkehrssicherheitsaktionen ausgelobt.

Über den nationalen Horizont hinaus auch europäischen Zielen verpflichtet, trat die DVW 2005 der Europäischen Charta für Straßenverkehrssicherheit (European Road Safety Charter) der Europäischen Kommission bei.

Selbstverständnis und Zielsetzung

Oberste Zielsetzung der Deutschen Verkehrswacht ist es, in freiwilliger Mitarbeit möglichst vieler engagierter Mitglieder und in eigener Initiative vor Ort die Verkehrssicherheit zu fördern, Verkehrserziehung und Verkehrsaufklärung zu betreiben, Verkehrsunfälle durch geeignete Maßnahmen zu verhüten, die Interessen aller Verkehrsteilnehmer auf ausreichende Sicherheit im Verkehr zu vertreten, Mitglieder und Behörden in Fragen der Verkehrssicherheit zu beraten und bei ihrer Arbeit Belange des Umweltschutzes einzubeziehen.

Mit ihrer Vision Zero (= Null Verkehrstote), einem Postulat, das sich ein möglichst unfallfreies Verkehren zum Ziel setzt, hat sich die Deutsche Verkehrswacht ein sehr ehrgeiziges Ziel vorgenommen und einen Horizont proklamiert, dem man sich anzunähern bemüht sein will.

Mitglieder

Unter den Mitgliedern befinden sich laut eigener Auflistung

Präsidium und Vorstand

Im Präsidium sind derzeit vertreten:

  • Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht e. V., Bundesverkehrsminister a. D.
  • Hans-Joachim Hacker, Präsident der Landesverkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern
  • Kay Lindemann, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA)
  • Gudrun Lukin, MdL, Vorsitzende der Landesverkehrswacht Thüringen
  • Gabriele Pappai, Sprecherin der Geschäftsführung der Unfallkasse in Nordrhein-Westfalen
  • Horst Schneider, Vizepräsident und Schatzmeister der Landesverkehrswacht Bayern und Mitglied des Vorstands der TÜV Süd AG
  • Wolfgang Schultze, Vorsitzender der Landesverkehrswacht Niedersachsen
  • Gero Storjohann, MdB, stellvertretender Vorsitzender des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages
  • Gunter Zimmermeyer, ehemals Robert Bosch GmbH, Honorarprofessor für Umweltschutz an der Fachhochschule Agricola in Bochum

Dieser Personenkreis sowie weitere Vertreter aus den Landesverbänden bilden den Vorstand. Geschäftsführer ist Daniel Schüle.

Gesellschaftliche Leistung

Die Deutsche Verkehrswacht e. V. kann als Vorreiter und Wegbereiter der heutigen Verkehrserziehung in Deutschland gelten:[1]

1924 als gemeinnützige Bürgerinitiative gegründet, wurde sie bereits Jahrzehnte bevor die akademische Pädagogik die gesellschaftliche Bedeutung der Verkehrserziehung erkannte und die Allgemeinbildenden Schulen sie 1972 als fächerübergreifenden Bildungsauftrag von der Politik übertragen bekamen in der Verkehrsertüchtigung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aktiv.[2] Die anfangs sehr pragmatisch als praktische Verkehrseinweisung und Regellehre betriebene „Verkehrskunde“ wurde zunächst vorrangig aus der dringlichen Notwendigkeit der Unfallverhütung geboren und gerechtfertigt.[3] Entscheidendes Anliegen war es nämlich, die mit der rapide wachsenden Motorisierung jährlich zunehmenden Unfallzahlen bei Kindern zu bremsen und die Risiken des Straßenverkehrs vor allem für die besonders gefährdeten Schulanfänger zu senken. Unter dieser Zielsetzung wurden die Kinder geschult, wurde Elternaufklärung betrieben, wurden die Kraftfahrer regelmäßig (vor allem zu Schuljahrsbeginn) für die Problematik sensibilisiert, wurden Politiker, Stadtplaner und Kraftfahrverbände zu Maßnahmen gedrängt. Man ging mit Broschüren, Elternbriefen, Lehrgängen, Aufklärungsmaßnahmen, Vorführungen, einer eigenen Zeitschrift („mobil und sicher“)[4] in die Öffentlichkeit, band zunehmend Polizei, Elternverbände, Kommunalpolitiker, Autoclubs, Industriefirmen und Schulverwaltungen in die gemeinsame Verantwortung ein. Die Ausbildung von Schülerlotsen, Schulbusbegleitern, Moderatoren, Fachberatern schuf ein Multiplikatorensystem, das die Erkenntnis einer gemeinsamen Verantwortung förderte. Inzwischen über 800 Jugendverkehrsschulen mit ebenso vielen Verkehrsübungsplätzen, regelmäßige Wettbewerbe, Fußgänger- und Radfahrprüfungen, Anzeigenkampagnen, Abzeichen und Auszeichnungen machten die Bedeutung einer guten Verkehrserziehung öffentlichkeitswirksam bekannt. Organisatorisch entstand ein flächendeckendes Netz von gemeinnützigen Verbänden auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Man tauscht sich bis heute international regelmäßig aus, etwa mit gleichartigen Verbänden in den Nachbarländern Österreich und Schweiz.[5]

Auch das Erreichen der Einbindung der Hochschulen und Schulen in die Verkehrserziehung mit der ersten KMK-Empfehlung von 1972 und der damit verbundene Durchbruch zur Entwicklung eines vollgültigen, allgemein anerkannten Erziehungsbereichs muss in wesentlichen Teilen der Initiative und den Anstrengungen der Deutschen Verkehrswacht zugerechnet werden.[6] Die 1994 und 2012 jeweils aktualisierten Empfehlungen der Kultusminister haben zwar nicht zu einer ländereinheitlichen Harmonisierung der Verkehrserziehung, aber doch zu weithin erfolgreichen Kooperationen der verantwortlichen Stellen geführt. Hieran hat die Deutsche Verkehrswacht einen wesentlichen Anteil.[1]

Literatur

  • Deutsche Verkehrswacht (Hrsg.): mobil und sicher. Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck zweimonatlich seit 1994.
  • Dieter Hohenadel: Erziehung und Verkehrswirklichkeit. 2. Auflage, Braunschweig 1986.
  • Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) (Hrsg.): Empfehlungen zur Verkehrserziehung in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 7. Juli 1972 i. d. F. vom 17. Juni 1994. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1994.
  • Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln. 6. Auflage. Schneider-Verlag, Baltmannsweiler 2009, ISBN 978-3-8340-0563-2.
  • Verkehrserziehung im Aufbruch – Tendenzen der Verkehrserziehung in der Bundesrepublik Deutschland. Vortrag zur Jahreshauptversammlung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit Wien am 9. November 2000 in Wels/Österreich, Wien 2001.
  • Aspekte einer zeitgemäßen Verkehrserziehung. Festvortrag zum 50-jährigen Jubiläum der Landesverkehrswacht e. V. Karlsruhe von Siegbert A. Warwitz am 30. Juni 2001 in Karlsruhe, Karlsruhe 2002.

Weblinks

 Commons: Deutsche Verkehrswacht  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Aspekte einer zeitgemäßen Verkehrserziehung. Festvortrag zum 50-jährigen Jubiläum der Landesverkehrswacht e. V. Karlsruhe von Siegbert A. Warwitz am 30. Juni 2001 in Karlsruhe
  2. Empfehlungen zur Verkehrserziehung in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 7. Juli 1972 i. d. F. vom 17. Juni 1994. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1994
  3. Dieter Hohenadel: Erziehung und Verkehrswirklichkeit. 2. Auflage, Braunschweig 1986
  4. Deutsche Verkehrswacht (Hrsg.): mobil und sicher, Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck
  5. Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung im Aufbruch – Tendenzen der Verkehrserziehung in der Bundesrepublik Deutschland. Wels/Österreich, 2009.
  6. Siegbert A. Warwitz: Das Aufgabenfeld der Verkehrserziehung. In: Ders.: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln. 6. Auflage. Baltmannsweiler 2009, S. 4–34.

Kategorien: Verkehrspädagogik | Interessenverband (Verkehr) | Fahrzeugsicherheit | Gegründet 1924 | Verein (Bonn)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche Verkehrswacht (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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