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Dettingen an der Erms


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: ReutlingenVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 398 m ü. NHN
Fläche: 15,81 km²
Einwohner: 9277 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 587 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72581
Vorwahl: 07123
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 014
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
72581 Dettingen an der Erms
Webpräsenz: www.dettingen-erms.de
Bürgermeister: Michael Hillert
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Dettingen an der Erms ist eine Gemeinde rund zwölf Kilometer nordöstlich von Reutlingen in Baden-Württemberg. Dettingen ist mit seiner gesamten Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Die Gemeinde gehört zur Randzone der Metropolregion Stuttgart.

Geographie

Geographische Lage

Die Gemarkung liegt im oberen Ermstal zwischen den Städten Metzingen und Bad Urach am Fuße der mittleren Schwäbischen Alb, der hier die Gemeindegrenze bildet, auf einer Höhe von 372 m ü. NN (Erms an der Gemarkungsgrenze zu Neuhausen an der Erms) bis 790 m ü. NN am Roßberg. Südlich von Dettingen befindet sich der Vulkanschlot Calverbühl, der sich durch seinen Reichtum an vulkanischen Lapilli auszeichnet.[2]

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Dettingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zu den Landkreisen Reutlingen oder Esslingen¹: Neuffen¹, Hülben, Bad Urach, St. Johann und Metzingen.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Dettingen an der Erms gehören das Dorf Dettingen an der Erms, die Siedlung Buchhalde und die Häusergruppe Papierfabrik.

Im Gemeindegebiet liegt die erstmals 1360 als Schneggenhofen erwähnte und bis ins 15. Jahrhundert bewohnte, wüstgefallene Ortschaft Schneckenhofen.[3]

Geschichte

Der klimatisch begünstigte Raum war bereits in vorgeschichtlicher und antiker Zeit besiedelt. Um 85 n. Chr. kam das Gebiet unter direkte Herrschaft des Römischen Reiches (Provinz Germania superior). Nach dem Rückzug der römischen Herrschaft im dritten Jahrhundert etablierten sich germanische Stämme (Alemannen), doch fehlen frühalamannische Funde aus Dettingen, die weiter unten am Ermstal (Großbettlingen) und talaufwärts auf dem Runden Berg jedoch durchaus vorhanden sind. Erst ab der Merowingerzeit ist anhand von fünf Reihengräberfeldern im Süden, Norden und Westen des Ortes eine Besiedlung nachweisbar. Vermutlich gewann in nachrömischer Zeit der Albaufstieg erst im 6. Jahrhundert an Bedeutung. Die älteste bekannte Nennung des Ortsnamens findet sich im Bempflinger Vertrag von 1089 (Tetingin). 1265 kamen Grundherrschaft und eine Hälfte der Vogtei (Oberhoheit) zusammen mit der Grafschaft Urach an die Grafschaft Württemberg. Die andere Vogteihälfte kaufte Württemberg 1630 von den Herren von Spät. Bis 1945 gehörte Dettingen stets zu Württemberg und teilte dessen Schicksal. 1945 zur französischen Besatzungszone und zum Land Württemberg-Hohenzollern, 1952 Bundesland Baden-Württemberg.

Zur Pfarrei Dettingen zählten auch Neuhausen, Glems, Güterstein, Hohenurach und Hülben. Die Pfarrkirche war sehr reich dotiert, Pankratius und Hippolyt von Rom geweiht und von 1482 bis 1516 ein Stift der Brüder vom gemeinsamen Leben. 1534 wurde die Reformation eingeführt. Während des Dreißigjährigen Krieges gehörte Dettingen von 1637 bis 1648 - mit Unterbrechungen - zur "Pfandschaft Achalm", war damit vorderösterreichisch und wurde von Innsbruck aus regiert.[4]

Innerhalb Württembergs gehörte Dettingen zum Amt Urach und bildete vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1738 mit Hülben und Glems das Unteramt Dettingen, dessen Rat und Gericht aus jeweils zwölf Dettinger Männern bestand. Mit der Auflösung des Oberamts Urach wurde Dettingen 1938 Teil des Landkreises Reutlingen.

Die Lage am Fluss und der Eisenbahnbau (1873) förderten eine frühzeitige Industrialisierung. Die Papierfabrik zum Bruderhaus südlich des Ortes wurde 1860 gegründet. Weitere Industrieansiedlungen folgten, damit einher ging eine stetige Ausweitung der Wohngebiete. Außerhalb des Ortes am Talhang wurde 1961 die Siedlung Buchhalde gegründet.

Zwischen 1871 und 1975 stieg die Einwohnerzahl um 168 %. Danach verlangsamte sich die Entwicklung. 1991 wurde die 9000 überschritten. Seitdem hat sich die Zahl im Prinzip auf etwas über 9000 stabilisiert. Im Jahre 1871 betrug die Einwohnerzahl 2.850, 1910 3.870, 1950 4.770, 1975 7.640 und 1990 8.940 Einwohner. Zum 30. Juni 2010 wohnen lt. Statistischem Landesamt 9.333 Personen im Ort.

Die Dettinger Markung erstreckt sich quer durch das Ermstal und umfasst 1582 Hektar. Im Mittelalter bestand außerhalb des Dorfes die Siedlung Schneckenhofen (1360 Schneggenhofen), die später abging. Von Ein- und Umgemeindungen ist nichts zu berichten, auch die Gemeindereform der 1970er Jahre brachte keine Änderungen. Dettingen gehört keiner Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft und keinem Gemeindeverwaltungsverband an.

1990 wurde die in den südlichen Talhang gebaute Umgehungsstraße der B 28 eröffnet.

Religion

Eine Kirche ist für Dettingen bereits seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Wie in ganz Württemberg wurde auch in Dettingen 1534 die Reformation eingeführt, sodass die Gemeinde evangelisch-lutherisch wurde. Seit 1967 gibt es im Ortsteil Buchhalde eine weitere evangelische Kirche. Für die nach dem Zweiten Weltkrieg gestiegene Anzahl römisch-katholischer Gläubiger wurde inzwischen ebenfalls eine Gemeinde gegründet. Außerdem ist auch die Neuapostolische Kirche im Ort vertreten.

Die ansässige Evangelische Bruderschaft Kecharismai e. V., auch als Blumenbrüder bekannt, betreibt in Dettingen einen Gartenbaubetrieb, zwei Gartenanlagen und ein Altenwohnheim.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Dettingen hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
50
40
30
20
10
0
47,0 %
28,1 %
24,8 %
UL
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+2,3 %p
+2,4 %p
-4,8 %p
UL
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer
FW Freie Wählervereinigung 47,0 9 44,7 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,1 5 25,7 5
UL Unabhängige Liste 24,8 4 29,6 5
gesamt 100,0 18 100,0 18
Wahlbeteiligung 47,6 % 53,1 %

Bürgermeister

Am 7. März 2010 wurde Michael Hillert mit 60,37 % im ersten Wahlgang bei einer Wahlbeteiligung von 57,4 % für eine zweite Amtszeit als Bürgermeister wiedergewählt.

Wappen

Blasonierung: In Rot ein pfahlweis gestellter goldener Doppelhaken, begleitet oben links und unten rechts von je einem sechsstrahligen goldenen Stern. Der Doppelhaken wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Wolfsangel bezeichnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Dettingen an der Erms liegt an der Schwäbischen Dichterstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Museen

  • Heimatmuseum mit historischer Schmiede, Backhaus, Bauernstuben
  • Das Johann-Ludwig-Fricker-Haus wurde 1796 anstelle des baufälligen Helferhauses errichtet, in dem Johann Ludwig Fricker von 1762 bis 1766 lebte. Vor ihm hatte schon Friedrich Christoph Steinhofer in dem alten Haus gelebt. Im heutigen Bau lebte von 1840 bis 1847 Wilhelm Zimmermann, der dort sein Hauptwerk, die Allgemeine Geschichte des Großen Bauernkriegs verfasste und für den im Obergeschoss des heute als Gemeindehaus genutzten Gebäudes eine Gedenkstätte eingerichtet ist.

Musik

  • Gesangverein Liederkranz 1865 e. V.
  • Harmonikaclub Dettingen, gegründet März 1931
  • Musikverein Ermstalmusikanten, gegründet 23. November 1926
  • VHS Orchester, gegründet 1960
  • CVJM Posaunenchor

Bauwerke

  • Rathaus Schlössle
  • Evangelische Stiftskirche
  • Christuskirche Dettingen-Buchhalde, Glasgestaltung von Albrecht Pfister
  • Zwiefalter Hof

Parks

  • Kirschenweg
  • Kirschenheimat
  • Garten der Stille
  • Skate Park
  • Ziegenpfad rund um den Calverbühl

Sport

  • TSV Dettingen/Erms e. V., gegründet 1848
  • SG Dettingen
  • Schachverein Dettingen Erms e. V., gegründet 1952
  • Ermstal Türkspor Dettingen/Erms e. V., gegründet 1991
  • Sergej Juran Swingers – Hobbyfußball & Kneipensport
  • Fischereiverein Ermstal e. V.
  • Schützenverein Dettingen/Erms 1909 e. V.
  • CVJM Dettingen

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Dettinger Kabarett-Tage im März
  • Dettinger Frühlingserwachen im April
  • Dettinger Kirschenfest
  • Dettinger Backhaushockete (alle zwei Jahre)
  • Dettinger Kunsthandwerkermarkt, immer am 1. Wochenende im Oktober
  • Dettinger Weihnachtsmarkt, immer am 1. Adventswochenende
  • Jahrmarkt: immer am 1. Donnerstag im Juni und am letzten Donnerstag im August

Wirtschaft und Infrastruktur

Ansässige Unternehmen

In Dettingen gibt es über 500 Gewerbebetriebe, darunter den Automobilzulieferer ElringKlinger, der hier seinen Firmensitz hat. Mit rund 200 Beschäftigten zählt das auf die 1861 gegründete Dettinger Papiermühle zurückgehende Zweigwerk der Munksjö-Gruppe zu den größten Betrieben des Ortes. Die Firma drinkomat GmbH stellt und wartet seit 1968 Heißgetränke-, Kaltgetränke- und Snackautomaten sowie hochwertige Gastronomiegeräte für die Zubereitung von Kaffee und Cappuccino usw.

Verkehr

Die Bundesstraße 28 führt an der Gemeinde vorbei und verbindet sie im Westen mit Metzingen, Reutlingen und Tübingen und im Osten mit Ulm. Die Ermstalbahn der Erms-Neckar-Bahn AG führt von Bad Urach kommend durch die Gemeinde und bietet Anschluss an die Bahnlinie Tübingen – Stuttgart. Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich auf der Grenze der Waben 219 und 221.

Bildung

Mit der Schillerschule gibt es eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule im Ort. Ab dem Schuljahr 2013/2014 ist die Schillerschule eine Gemeinschaftsschule, die Werkrealschule wird deshalb aufgelöst. Außerdem gibt es mit der Uhlandschule noch eine reine Grundschule. Für die jüngsten Bewohner gibt es fünf evangelische Kindergärten.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die am Ort gewirkt haben

Literatur

  • Dieter Quast: Die frühalamannische und merowingerzeitliche Besiedlung im Umland des Runden Berges bei Urach. Unter Mitarbeit von Wilhelm Tegel und Klaus Düwel, Theiss, Stuttgart 2006 (= Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg Bd. 84), ISBN 978-3-8062-1959-3.

Weblinks

 Commons: Dettingen an der Erms  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Dettingen an der Erms in der Beschreibung des Oberamts Urach von 1831 – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Johannes Baier, Günter Schweigert: Der Calverbühl bei Dettingen an der Erms. In: Fossilien 32 (6), S. 56–59, 2015.
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 27–28
  4. Eberhard Fritz: Die „Pfandschaft Achalm“ im Besitz der Tiroler Linie des Hauses Habsburg. Expansionsbestrebungen in Vorderösterreich während des Dreißigjährigen Krieges. In: Reutlinger Geschichtsblätter. 49, 2010, S. 239–348.

Kategorien: Ort im Landkreis Reutlingen | Dettingen an der Erms | Gemeinde in Baden-Württemberg

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