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Dettenheim (Weißenburg)


Dettenheim
Große Kreisstadt Weißenburg in Bayern
Höhe: 435 m ü. NN
Einwohner: 873
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91781
Vorwahl: 09142

Lage von Dettenheim in

Dettenheim ist ein Ortsteil von Weißenburg in Bayern im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und liegt im Naturpark Altmühltal in der Nähe der Europäischen Wasserscheide.

Lage

Der Ort liegt etwa fünf Kilometer südlich von Weißenburg an der Quelle der Schwäbischen Rezat. Diese entspringt in etwa 900 Meter Entfernung vom Ortskern und fließt von Dettenheim aus in nördlicher Richtung nach Weißenburg und weiter nach Georgensgmünd, wo sie sich mit der Fränkischen Rezat zur Rednitz vereinigt. Der Ort liegt im Süden der Weißenburger Bucht nahe der Weißenburger Alb, einem Höhenzug der Fränkischen Alb. Nördlich liegt der Weißenburger Stadtwald. Mitten durch den Ort führt die Bundesstraße 2, welche von Berlin und Nürnberg her kommend weiter nach Augsburg und München führt. Zu Fuß ist Dettenheim auf dem Frankenweg erreichbar, einem Fernwanderweg, der auf 527 km Länge vom Rennsteig zur Schwäbischen Alb führt.

Geschichte

Im Jahr 914 (nach anderer Quelle sogar bereits 802)[1] wurde Dettenheim im Salbuch der Reichserbmarschälle von Pappenheim als „Tetenheim“ (später auch „Tetorsheim“, Heim des Tetor/Dietrich) erstmals urkundlich erwähnt. Die Besiedlung des Ortes geht aber bis in die vorgeschichtliche Zeit zurück; so fand man bei archäologischen Ausgrabungen östlich von Dettenheim eine Reihe von Hügelgräbern aus der Bronzezeit, und auch das 1889 entdeckte frühmittelalterliche alamannische Reihengräberfeld ist ein beredtes Zeugnis der Vergangenheit. In den Jahren 1057–75 erfolgte der Bau und die Weihe der ersten Kirche. 1214 ging das Dorf in den Besitz der Erbmarschälle von Pappenheim über, 1350 verkaufte Ritter Reinmar von Kreßberg auch den Zoll in Dettenheim an den Marschall von Pappenheim. Während des Bayerischen Krieges zwischen Herzog Ludwig dem Bärtigen und Markgraf Friedrich von Brandenburg 1420–22 wurde das Dorf vollständig niedergebrannt; ein ähnliches Schicksal wiederholte sich im Dreißigjährigen Krieg, an dessen Ende von ursprünglich 42 Familien noch zwei im Dorf verblieben waren. Im Spanischen Erbfolgekrieg plünderten und verwüsteten 1704 französische Truppendas Dorf; von der oberhalb des Dorfes verlaufenden Front (der Weißenburger Linie) ist noch die Sternschanze, ein vierstrahliges sternförmiges Schanzenwerk mit Wall, vorgelagertem Graben und überhöhten Ecken als Geschützstände erhalten geblieben. Ein in den Jahren 1721/22 aus Holz erbautes Schlösschen wurde später wieder abgetragen und 1782 durch einen Steinbau ersetzt, der sich heute in Privatbesitz befindet. Mit der Rheinbundakte 1806 wurde die Grafschaft Pappenheim, zu der Dettenheim nach wie vor gehörte, Teil des neuen Königreichs Bayern. Der Erste und der Zweite Weltkrieg bedeuteten einen erneuten tiefen Einschnitt für die Entwicklung des Dorfes, insgesamt 42 Männer kehrten aus beiden Kriegen nicht mehr zurück. Ab 1946 fanden viele vertriebene Sudetendeutsche den Weg nach Dettenheim, was zu einem plötzlichen Anstieg der Einwohnerzahl führte. Bis zur Gemeindegebietsreform 1972 war es selbständig, die Einwohner entschieden sich in einer Abstimmung dafür, zukünftig ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Weißenburg in Bayern zu werden. Am 1. Juli 1972 fand die Eingemeindung statt.[2] Dettenheim zählt heute etwa 430 Einwohner.

Ortsumgehung und Dorferneuerung

Dettenheim wird durch die verkehrsreiche Bundesstraße, die den Ortskern teilt, stark belastet. Auswirkungen sind laut Stadtbauamt ein überalterter Ortskern, Leerstand und verfallende Häuser, was Dettenheim „beispielhaft für die negativen städtebaulichen Veränderungen“ mache, so Stadtbaumeister Thomas Schwarz von der Stadtverwaltung Weißenburg. [3] Als Lösung ist seit Jahrzehnten eine Ortsumfahrung geplant, zudem wurde seit 2009 ein Konzept zur Dorferneuerung erarbeitet.[4] Da aber erst die Ortsumfahrung gebaut werden muss, stagniert derzeit die Sanierung des Ortes. Am 29. Juli 2014 wurde bekannt, dass Bundesverkehrsminister Dobrindt die Ortsumfahrung genehmigt habe und dass nun mit den Ausschreibungen begonnen werden könne. [5]

Ortsbild und Sehenswertes

Die west-ostwärts gerichtete Dorfstraße geht auf eine mittelalterliche Bachangeranlage zu beiden Seiten der Schwäbischen Rezat zurück und kreuzt senkrecht die alte Heer- und Handelsstraße Augsburg–Nürnberg.[6] Die Bebauung besteht durchgehend aus Bauernanwesen in Jura-Bauweise. Die Höfe sind hakenförmig angelegt, die Wohnstallhäuser, meist Anlagen des späteren 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, stehen giebelständig zur Straße. Meist handelt sich um verputzte Bruchsteinbauten, deren flache Satteldächer nur noch vereinzelt mit Kalkplatten belegt sind. An der Kreuzung mit der Augsburg-Nürnberger Straße erheben sich die auf das Mittelalter zurückgehende evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Nikolaus, deren Langhaus allerdings in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch einen neoromanischen Neubau mit zurückhaltender Innenausstattung ersetzt wurde, der ehemalige Freihof und ein großer ehemaliger Brauereigasthof, gleichfalls in Jura-Bauweise. Am südlichen Ortsende befindet sich neben dem 1782 erbauten ehemaligen Jagdschlösschen der Grafen von Pappenheim[7] die 1956 auf Anregung des damaligen Ortsgeistlichen, Kurat Gregor Schneid, in ökumenischer Gemeinschaftsarbeit beider Konfessionen errichtete katholische Scheunenkirche St. Gunthildis, deren eindrucksvoller Kirchenraum sich in einer umgebauten Fachwerkscheune aus dem Jahr 1814 befindet.

Dorfleben

Das Dorfleben wird von folgenden Vereinen geprägt:

  • Schützengesellschaft Bavaria Dettenheim
  • 1. FC Dettenheim
  • Freiwillige Feuerwehr Dettenheim[8]
  • Posaunenchor Dettenheim
  • Evangelische Landjugend Dettenheim

Persönlichkeiten

  • Adam Vorbeck (* 1873 Aschaffenburg, † 1954 Dettenheim), memelländischer Unternehmer und Politiker
  • Ludwig Fellner (1917–2006), deutscher Landschaftsmaler
  • Johann Alexander Döderlein (1675–1745) verbrachte im späten 17. Jahrhundert in Dettenheim Teile seiner Jugend.[9]

Sonstiges

Ca. zwei Kilometer westlich von Dettenheim befindet sich das Dorf Graben an der Stelle, an der im Jahr 793 Karl der Große die nach ihm benannte Fossa Carolina als Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer errichten wollte. Kurioserweise gibt es in ähnlicher Entfernung von der badischen Gemeinde Dettenheim ebenfalls einen Ort namens Graben, heute Teil der Gemeinde Graben-Neudorf.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Geschichte Dettenheims
  2. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 592.
  3. siehe Artikel vom 17. Juli 2014 in Weißenburg Aktuell
  4. siehe interaktive Karte mit den Dorferneuerungsprojekten Weißenburg Aktuell vom 16. Juli 2014
  5. Auerhammer: Ortsumfahrung Dettenheim von Bundesverkehrsminister Dobrindt bewilligt, Weißenburg Aktuell vom 16. Juli 2014
  6. Ensemble Dettenheim
  7. Beschreibung Dettenheims auf der Internetseite der Stadt Weißenburg
  8. Feuerwehr Dettenheim
  9. Weißenburg stiftet eigenen Kulturpreis , erschienen 1986, abgerufen am 22. Juni 2016

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Dettenheim (Weißenburg) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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