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Dernau


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: AhrweilerVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verbandsgemeinde: Altenahr
Höhe: 124 m ü. NHN
Fläche: 5,72 km²
Einwohner: 1758 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 307 Einwohner je km²
Postleitzahl: 53507
Vorwahlen: 02643 (Dernau)
02641 (Marienthal)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: AW
Gemeindeschlüssel: 07 1 31 017
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Roßberg 3
53505 Altenahr
Webpräsenz: www.dernau.de
Ortsbürgermeister: Alfred Sebastian
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Dernau an der Ahr ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Dernau gehört der Verbandsgemeinde Altenahr an und ist deren zweitgrößte Ortsgemeinde. Dernau ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Geographie

Geographische Lage

Dernau liegt im Ahrtal am Rand des Ahrgebirges auf ca. 125 m ü. NN , etwa 30 Kilometer südlich von Bonn und 50 Kilometer nördlich von Koblenz. Die höchste Erhebung innerhalb der Gemeinde ist mit 360 m ü. NN der Krausberg.

Nachbargemeinden

Dernau grenzt im Uhrzeigersinn an folgende Gemeinden, Ortsgemeinden und Städte, beginnend im Norden: Grafschaft, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rech und Mayschoß.

Gemeindegliederung

Zu Dernau gehört ein kleiner Teil des östlich liegenden Ortes Marienthal; der größere Teil gehört zur Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dernau hat zwar keine offiziellen Ortsteile, dafür jedoch fünf sogenannte „Rotten“, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden und deren Hoheitsgebiete bis auf einzelne Häuser genau festgelegt sind. Obwohl ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Rotten besteht, ist jedoch stets ein gewisser Lokalpatriotismus mit im Spiel, so bei den Dorfturnieren wie z. B. dem Eselscup (Fußball). Die fünf Rotten heißen „Baache“, „Haardte“, „Kiere“, „Ortesse“ und „Patt Nöcke“.

Geschichte

Römerzeit bis 1798

Bereits die Römer ließen sich im Ahrtal mit dem milden Klima nieder und die Besiedlung nahm fortan zu. So ist am Fuße der nach Süden zeigenden Rebhänge – etwa vom Friedhof bis zum Oberdorf – eine römische Brand- und Scherbenschicht vorhanden. Der Hauptsiedlungsbereich lag jedoch unweit des ehemaligen Winzervereins.[3] Beim Bau der Keller des Dernauer Winzervereins im Jahre 1884 sowie bei verschiedenen anderen Gelegenheiten wurden Teile einer römischen Hofanlage (villa rustica) mit Warmwasseranlagen, Mosaiken, Badeanlage und einem Gräberfeld freigelegt. Des Weiteren traten Münzen aus dem 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert zu Tage.

Nach dem Ende der römischen Epoche 407 wurde Dernau von den Franken (Ripuarer) besiedelt. Die Reste zweier mittelalterlicher Wasserburgen mit den dazugehörigen Grabenanlagen waren bis in die 1950er Jahre in den Flurstücken „Im Graben“ und „An der Burg“ wohl noch zu sehen.

Bis zum Jahr 843 gehörte das gesamte Gebiet zum fränkischen Karolingerreich. Gemäß den Beschlüssen des Vertrags von Verdun fiel das sogenannte Mittelreich an Lothar I., dem Namensgeber der späteren Region Lothringen. Lothar I. teilte sein Mittelreich nur 12 Jahre später an seine Nachkommen auf (Teilung von Prüm). Das mittlere Gebiet, das von Friesland über das Rheinland bis ans Mittelmeer grenzte, ging an seinen Sohn Lothar II.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 893 im Prümer Urbar. Im Prümer Güterverzeichnis wurde in diesem Jahr ein Weinbergsareal in „degernavale“ oder auch „degeneranauale“ mit einem Ertrag von drei Fudern Wein jährlich aufgeführt. Diese Nennung weist auf den Weinbauort Dernau, in dessen Gemarkung der Kesselinger Klosterhof im klimatisch günstigeren Tal der Ahr Wein anbaute.

Mit den Orten Mayschoß und Rech gehörte Dernau zur recht kleinen Grafschaft Saffenberg. Im Laufe ihrer Geschichte wechselte die namensgebende Saffenburg häufig Ihre Besitzer und wurde seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr permanent bewohnt. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges war die Saffenburg verschiedentlich Schauplatz von Hexenprozessen.

Nachdem die Hexenjäger aus Ahrweiler und von der Saffenburg von den Schweden 1632 vertrieben waren, wurden die Dörfer Dernau, Mayschoß und Rech von deren Truppen geplündert.

Bereits ca. fünfzig Jahre vorher (1588) war Dernau von den Landsknechten des Martin Schenk von Nideggen, in der Zeit als er Bonn besetzt hielt, geplündert worden.

Die Saffenburg wurde 1704 auf Veranlassung des Herzogs von Jülich zerstört, um zu verhindern, dass sich in Zukunft weiterhin Söldnertruppen hier festsetzen konnten.

Das in der Gemarkung Dernau liegende Kloster Marienthal wurde 1136 gegründet, in 1632 von den schwedischen Truppen geplündert, und 1646 von den Truppen Turennes niedergebrannt. In 1699 komplett neu wieder aufgebaut, wurde das Kloster 1802 unter Napoleon im Rahmen der Säkularisation aufgehoben. Im letzten Jahrhundert war es Teil einer staatlichen Weinbaudomäne. Dieser staatliche Weinbaubetrieb wurde 2004 von privaten lokalen Winzerbetrieben übernommen und weitergeführt bzw. weiter ausgebaut.

1798 bis Gegenwart

Nach 1792 wurde das Ahrtal, wie auch das gesamte linke Rheinufer, von französischen Revolutionstruppen besetzt und annektiert. Dernau war 1798 bis 1814 Teil des Kanton Ahrweiler, welcher seinerseits zum Arrondissement Bonn im französischen Rhein-Mosel-Departement gehörte. In diesen zwei Jahrzehnten wurden bedeutende Grundlagen für die heutige Form des Weinanbaus geschaffen. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen fiel das gesamte vorherige Rhein-Mosel-Departement 1815 an das Königreich Preußen. Unter der preußischen Verwaltung wurde Dernau 1816 dem Kreis Ahrweiler im Regierungsbezirk Koblenz zugeordnet, der von 1822 an zur Rheinprovinz gehörte.

Im 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestand in Dernau eine große Jüdische Gemeinde; sie machte ca. fünf Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Juden der umliegenden Gemeinden besuchten Synagoge/Bethaus und Jüdische Schule in der Teichgasse in Dernau. Von 1801 bis 1847 sind sechs jüdische Lehrer in Dernau dokumentiert. Gemäß dem preußischen Gesetz von 1843 zur Errichtung von Kreissynagogen bildete Dernau seit ca. 1855 u. a. mit Ahrweiler und Heimersheim eine gemeinsame Synagogengemeinde mit Ahrweiler als zentralem Punkt. Viele der Dernauer Juden wanderten nach Ahrweiler ab. Im Jahr 1933 betrug der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Dernau nicht einmal mehr ein Prozent der Gesamtbevölkerung.

1880 wurde das erste Teilstück der Ahrtalbahn – von Remagen nach Ahrweiler – eröffnet; bald darauf lagen die Schienen bis Dernau und 1888 bis Adenau. Damit hatte Dernau Anschluss an die Linke Rheinstrecke. Die Fertigstellung der Ludendorff-Brücke 1918/19 verbesserte die Verkehrsanbindung weiter.

Eine unterirdische Fertigungsanlage für V2-Komponenten, in der Zwangsarbeiter arbeiteten, wurde 1944 ins KZ-Außenlager Artern verlegt (Näheres und Belege hier).

Im März 1945 sprengten US-Soldaten, die im Rahmen der Operation Lumberjack vorrückten, Gleisanlagen am Dernauer Bahnhof.[4]

Seit 1946 ist Dernau ein Teil von Rheinland-Pfalz.

In den Jahren 1943–1944 entstand in Dernau auf Betreiben der nationalsozialistischen Regierung im Rahmen der Untertageverlagerung mit dem Lager Rebstock vor dem Tunnelportal ein geheimer Rüstungsbetrieb in dem Tunnel, in dem durch Zwangsarbeiter auch Bodenanlagen zum Abschuss von V-2-Raketen produziert wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland neu geordnet, das Hauptgebiet der Eifel und das Rheintal südlich von Bonn wurden zur französischen Besatzungszone, so auch Dernau. Mit der Bildung des Landes Rheinland-Pfalz wurde Dernau 1946 dessen Bestandteil als Gemeinde im Landkreis Ahrweiler. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Überlegungen, das Gebiet der unteren und mittleren Ahr an Nordrhein-Westfalen anzugliedern, da starke nicht nur wirtschaftliche Verflechtungen mit dem Raum Bonn-Köln bestehen.

Von 1960 bis 1972 entstand zwischen Dernau und dem heutigen Stadtteil Ahrweiler von Bad Neuenahr-Ahrweiler der sogenannte Regierungsbunker („Dienststelle Marienthal“) der Bundesrepublik Deutschland. Er diente den damaligen Verfassungsorganen aus dem nahegelegenen Bonn als Ausweichsitz für den Verteidigungsfall. Nach Ende des Kalten Krieges verlor die Anlage ihre strategische Bedeutung und wurde mit dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin obsolet. Ein kleiner Teil der einst weitläufigen Anlage wurde in ein Museum des Kalten Krieges umgewandelt und am 1. März 2008 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der weitaus größte restliche Teil des Bunkers wurde jedoch entkernt und verschlossen.

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Dernau besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[5]

Wahl CDU FBL Gesamt
2014 9 7 16 Sitze
2009 10 6 16 Sitze
2004 11 5 16 Sitze

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Alte Bruchsteinbrücke über die Ahr von 1717
  • Alte Winzerhäuser im Ortskern
  • Alter Kirchhof mit alten Basaltgrabsteinen an der Nordseite der Kirche
  • Jüdischer Friedhof an der Straße (K 35) nach Grafschaft-Esch
  • Krausbergturm auf dem südöstlich von Dernau gelegenen Krausberg. Der Aussichtsturm wurde 1927 errichtet, 1944 als damals strategischer Punkt gesprengt. Der Wiederaufbau begann 1950, wurde jedoch erst 1967 vollendet. Unweit des Turms steht die bewirtete Krausberghütte.[6]
  • Pfarrkirche St. Johannes Apostel und alte Sylvesterkapelle
  • Regierungsbunker im Ortsteil Marienthal
  • Ruine des Marienthaler Augustinerinnenklosters

Regelmäßige Veranstaltungen

Neben einer Vielzahl von Veranstaltungen meist regionaler Bedeutung bietet Dernau drei überregional bekannte Ereignisse, die selbst Besucher aus dem Ausland anziehen:

  • Dernauer Weinfrühling – meist am letzten April-Wochenende
  • Winzerfest – vier Tage am letzten September-Wochenende
  • Martinsmarkt der regionalen Genüsse – am ersten oder zweiten November-Wochenende

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Dernau ist Sitz der Winzergenossenschaft Ahrwinzer und beherbergt einer Vielzahl von kleinen Weinbaubetrieben. Daneben finden sich hauptsächlich Kleinbetriebe wie Einzelhandel, Fachgewerke, Werkstätten. Einen breiten Raum nimmt der Gastronomiebereich und das Beherbergungswesen ein, von Straußwirtschaften über Gasthöfe und Restaurants bis hin zur einfachen Einkehrmöglichkeit des Eifelvereins auf dem Krausberg. Das Angebot an Unterkünften reicht von Privatzimmern über Gästehäuser und Frühstückspensionen bis hin zu einfachen Hotels und kompletten Ferienwohnungen. Gemäß Beherbergungsstatistik des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz wächst der Tourismussektor in Dernau überdurchschnittlich schnell. Der Wandel von einem Wochenend-Ausflugsziel der Rheinländer zu einem Ferienort ist in vollem Gange.

Landwirtschaft

Dernau ist weitgehend geprägt vom Weinbau und mit 106 Hektar bestockter Rebfläche zweitgrößte Weinbaugemeinde der Ahr. Es wird hauptsächlich Rotwein angepflanzt. Die Einzellagen der Gemeinde sind:

  • Dernauer Hardtberg, 30 Hektar
  • Dernauer Pfarrwingert, 10 Hektar
  • Dernauer Schieferlay, 21 Hektar
  • Dernauer Burggarten, 24 Hektar
  • Dernauer Goldkaul, 50 Hektar

Verkehr

Bekannte Persönlichkeiten

In Dernau geboren

Mit Dernau verbunden

  • Martin Schenk von Nideggen (1540–1589), ein in niederländischen Diensten stehender Heerführer, plünderte mit seinen Truppen 1587 Dernau
  • Stefan Leuer (1913–1979), Architekt und Hochschullehrer, baute den Aussichtsturm auf dem Krausberg
  • Björn Glasner (* 1973), deutscher Radrennfahrer, aktiv seit 1978, Profi 1996–2010

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. http://www.altenahr.de/index.php?id=302 Info der VG Altenahr
  4. Beleg
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  6. Der Krausberg auf der Webseite des Eifelvereins Dernau
  7. Die Künstlerfamilie aus Dernau und ihre Erfolge in Paris zwischen 1848 und 1871
  8. Einer der ersten Goldsucher in Californien (ab 1852; * 1827 Dernau; † 1865 Lewiston /Idaho) (PDF; 30,7 MB)

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