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Der Seewolf (1971)


Filmdaten
OriginaltitelDer Seewolf
ProduktionslandDeutschland, Frankreich, Rumänien
OriginalspracheDeutsch, Rumänisch
Erscheinungsjahr1971
LängeDt. Fassung: 363+20 (nur bei DVD-Fassung) Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieWolfgang Staudte,
Sergiu Nicolaescu
DrehbuchWalter Ulbrich
ProduktionWalter Ulbrich
MusikHans Posegga
KameraAndré Zarra
SchnittHermann Haller
Besetzung
Synchronisation
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Der Seewolf ist ein auf dem Roman Der Seewolf des amerikanischen Schriftstellers Jack London beruhender Abenteuervierteiler aus dem Jahr 1971. Er wurde unter Federführung des Produzenten Walter Ulbrich von Tele München und Studio Bukarest im Auftrag des deutschen Fernsehsenders ZDF und des französischen Fernsehsenders ORTF produziert.

In den Hauptrollen spielten Raimund Harmstorf (Wolf Larsen, der Seewolf) und Edward Meeks (Humphrey van Weyden). Für den damals 31-jährigen Harmstorf war der Mehrteiler der Durchbruch im Filmgeschäft.

Handlung

Der Schriftsteller Humphrey van Weyden geht 1906 bei einem Schiffsunglück im Nebel in der Bucht von San Francisco über Bord und wird von einem Robbenfänger, dem Schoner Ghost unter dem brutalen Kapitän Wolf Larsen, gerettet. Statt daraufhin an Land gebracht zu werden, wird van Weyden von Kapitän Larsen gezwungen, mit auf Robbenjagd zu kommen, da gerade eine weitere Arbeitskraft benötigt wird. Dies stellt für van Weyden, der in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen ist, den Beginn einer Reihe von Unbequemlichkeiten und Grobheiten dar, denen die Mannschaft und nun also auch er hilflos ausgesetzt sind. Zunächst wird er dem groben Smut Mugridge als Küchenhilfe zugeteilt, dessen Demütigungen er nun zusätzlich ertragen muss. Wegen einer Ungeschicklichkeit, bei der van Weyden sich eine Verletzung am Knie zuzieht, infolge derer er für geraume Zeit humpelt, wird er an Bord nur noch Hump genannt.

Als Hump die Kajüte des Kapitäns aufräumen soll, erinnert er sich und erkennt in Larsen einen Jugendfreund wieder. Es handelt sich um Frisco Kid, der in den Slums von San Francisco aufgewachsen war und nie eine Schule besucht hatte. Durch Zufall lernten sie einander damals kennen und waren von der jeweiligen Welt des anderen fasziniert. Frisco Kid war bereits in jungen Jahren Miteigner eines kleinen Schiffes und Angehöriger einer Kleinkriminellengruppe. Jedoch hatte er schon damals Bestrebungen geäußert, sich aus seiner Armut emporzuarbeiten. Mit Ehrgeiz eignete er sich deshalb damals anhand jenes Lexikons, das Hump nun in Händen hält, selbst Wissen an, welches für ihn einen Schlüssel zum Weg aus seiner Armut darstellte. Den Weg aus der Armut hatte Larsen, nun Besitzer eines Robbenschoners, geschafft, sinniert Hump im Gedanken. Doch Hump ist sich nicht sicher, ob Larsen ihn wiedererkennt und gibt sich nicht zu erkennen.

Im Laufe der Zeit muss sich van Weyden nicht nur gegen den Kapitän, sondern auch gegen verschiedene andere Widrigkeiten durchsetzen. Als der Steuermann ausfällt, wird Hump, der keine Kenntnisse von dieser seemännischen Aufgabe hat, von Larsen zwangsweise zum Steuermann befördert. Doch Hump entwickelt sich und eignet sich so weitreichende Fähigkeiten im Bereich der Seefahrt an. Mit Hilfe seiner körperlichen Überlegenheit, womit er sich regelmäßig Respekt verschafft, setzt Larsen rücksichtslos seine Ziele durch. Doch dieser Mann hat auch eine intelligente, belesene Seite. So rezitiert er zum Beispiel, in abgewandelter Form, eine Passage aus dem Werk Paradise Lost, „Lieber in der Hölle regieren als im Himmel dienen.“ (Original engl.: „Better to reign in Hell, than serve in Heaven.“), des Dichters und Philosophen John Milton: „…ist schon den Ehrgeiz wert, auch in der Hölle, dort lieber Herrscher als im Himmel Knecht.“ Auch durch Larsens brutal-materialistische Weltsicht (fressen oder gefressen werden), der es jedoch nicht an intellektueller Ambition fehlt, mit der sich Hump auseinandersetzt, erscheint ihm Larsen zunehmend rätselhaft und ambivalent. Denn so sehr er dessen Intellekt bewundert, so sehr verachtet er seine Unmenschlichkeit, die darin gipfelt, dass er zwei renitente Matrosen nach einem missglückten Fluchtversuch im offenen Beiboot nicht wieder an Bord nimmt und so deren Tod billigend in Kauf nimmt.

Kurz zuvor hat die Ghost ein Boot mit Schiffbrüchigen aufgenommen, darunter die Lektorin Maud Brewster. Sie und van Weyden stellen schnell fest, dass sie einander beruflich kennen. Larsen fühlt sich dadurch übergangen und lässt kurzerhand Mugridge, den Smutje, aus nichtigem Anlass an ein Seil binden und hinter dem Schiff herziehen. Dabei wird er durch einen Haiangriff verstümmelt.

Bei einer Begegnung mit dem Robbendampfer Macedonia nimmt Larsen deren Mannschaft kurzerhand gefangen und fordert deren Beute für sich. Nachdem Larsen Brewster zu vergewaltigen versucht hat und dabei scheinbar grundlos einen Schwächeanfall erleidet, beschließen van Weyden und Brewster die Flucht im offenen Boot nach Japan. Nach mehreren Tagen erreichen sie eine Insel, doch bei der Landung an der Klippenküste ertrinkt Maud, und van Weyden sinkt in den Schlaf. Er erwacht in Gesellschaft Larsens, der von den Leuten der Ghost und der Macedonia überwältigt und ausgesetzt wurde. Gemeinsam machen sie sich zu Fuß auf den Weg zum einzigen bewohnten Ort auf der Insel. Doch nachdem Larsen ihn im Stich gelassen hat, schlägt sich van Weyden mehrere Tage allein durch die Tundra, bevor er schließlich am Ende seiner Kräfte die Küste erreicht und von der Besatzung eines Robbenfängers gerettet wird.

Einige Jahre später ist van Weyden Eigentümer eines Schoners. Er sticht erneut in See und wird auf einer Südseeinsel von der Vergangenheit eingeholt. Bei einem Zwischenstopp erkennt er in einem Schrumpfkopf den früheren Schiffskoch Mugridge wieder, und schnell kommt er zur Überzeugung, dass Larsen lebt. Er erreicht eine Insel, auf der er einen zwielichtigen Perlentaucher trifft, den er mit Larsen in Verbindung bringt. Als er nach einigen Abenteuern auf der Insel am Strand das Wrack der Ghost entdeckt, geht er an Bord und trifft den vollständig erblindeten Larsen wieder, der nach einem Sturz und einem kurzen Handgemenge mit van Weyden an seiner Krankheit stirbt.

Unterschiede zur Romanvorlage

  • Der letzte Teil des Vierteilers, und damit das Ende, weicht erheblich vom Roman ab und hat bis auf den Tod Larsens an einem Hirntumor nichts mit der Vorlage zu tun.
  • Im Roman überlebt Maud Brewster. Nachdem die beiden gestrandet sind, strandet auch die Ghost, die bis auf Larsen komplett verlassen ist. Larsen ist hier bereits erblindet und am Ende seiner Kräfte. Van Weyden und Brewster kümmern sich aus Mitleid um den sterbenskranken Larsen, der sich anfangs dagegen wehrt, letztendlich aber, fast vollständig gelähmt, keine Wahl mehr hat. Nachdem es van Weyden gelungen ist, die Ghost wieder seetüchtig zu machen, stirbt Larsen während eines schweren Sturms.
  • Die Jugenderinnerungen van Weydens finden im Roman nicht statt. Im Roman sind die beiden Figuren einander nie vorher begegnet.
  • Im Film fährt die Ghost durch viele südliche Gebiete, während sie sich im Roman fast ausschließlich in nördlichen Robbenfanggebieten aufhält.
  • Tod Larsen, der Bruder Wolf Larsens, findet im Film keine Erwähnung. Dieser und die unerbittliche Feindschaft mit seinem Bruder ziehen sich im Roman wie ein roter Faden durch die Geschichte. Dieser ist es auch, der letztendlich die Besatzung der Ghost auf offener See anheuert und damit Wolf Larsen und sein Schiff dem Schicksal überlässt.

Der Großteil dieser Unterschiede zum Roman Der Seewolf beruht auf Motiven der Jack-London-Romane Frisco Kid (The Cruise of the Dazzler), König Alkohol (John Barleycorn), Abenteurer des Schienenstranges (The Road), Liebe zum Leben (Love of Life), Südseegeschichten (South-Sea Tales) und Ein Sohn der Sonne (A Son of the Sun), die aber allesamt nichts mit dem Seewolf zu tun haben.

Synchronisation

Die deutsche Synchronisation wurde 1971 vom Aventin-Studio erstellt.[1] Neben dieser Fassung existiert noch eine weitere deutsche Synchronfassung, die in der DDR vom DEFA-Studio für Synchronisation erstellt wurde und auf der zweiteiligen rumänischen Fassung beruht.[2][3] Die Dialoge stammen von Wolfgang Kellner, Dialogregie führte Wolfgang Thal.[4]

Rolle Darsteller Synchronstimme Synchronstimme DEFA
Humphrey van Weyden Edward Meeks Reinhard Glemnitz Klaus Piontek
Wolf Larsen Raimund Harmstorf Kurt E. Ludwig Jürgen Frohriep
Thomas Mugridge Emmerich Schäffer Horst Raspe Helmut Müller-Lankow
George Leach Peter Kock Manfred Seipold Reinhard Kuhnert
Johnson Sandu Popa Thomas Piper Jürgen Kluckert
Louis Boris Ciornei Gerhard Geisler Kurt Böwe
Oofty-Oofty Omar Islau Norbert Gastell Lothar Schellhorn
Humphrey 'Joe' van Weyden Franz Seidenschwan ?
Frisco Kid Dieter Schidor ? Michael Narloch
Mr. van Weyden Septimiu Sever Paul Klinger
Mrs. van Weyden Sanda Toma ?
Bessy van Weyden Lucia Ocrain ?
Maud Brewster Béatrice Cardon Helga Trümper Helga Sasse
Aloysius Pankburn Willi Kowalj Thomas Piper Joachim Siebenschuh
Kapitän Raffy alias Swithin Hall Sergiu Nicolaescu Günther Ungeheuer Werner Ehrlicher
Lavina Lydia Tomescu Karin Kernke
Carlson H. Pomarius Niels Clausnitzer Gerhard Paul
Latimer ? Thomas Braut Horst Kempe
Standish ? Wolfgang Stumpf Lothar Schellhorn
Frau Raffy Dana Comnea ?
Pete Colea Răutu ? Horst Kempe
Erzähler - Erich Ebert

Produktion

Die Aufnahmen fanden überwiegend in Rumänien statt, die Schiffsszenen auf dem Schwarzen Meer und im Hafen von Constanța, die Hoboszenen in der Nähe von Snagov, die Szenen im Hafenviertel von San Francisco in Brăila (Walachei) und die Innenaufnahmen und die Szene mit der Polizeiwache in Buftea (Kreis Ilfov). Die Aufnahmen der Szenen auf der tundraartigen Jackson-Insel und mit Humphrey und Maud im Boot im dritten Teil wurden vorher, ab Mai 1970, in Schweden gedreht. Die Mitarbeit von Sergiu Nicolaescu (als Serge Nicolaescu im Abspann erwähnt) bei der Regie beschränkt sich auf den vierten Teil, in dem er auch mitspielt.

Edward Meeks wurde von Reinhard Glemnitz synchronisiert. Auch Raimund Harmstorfs Originalstimme ist in der Serie nicht zu hören; er wurde synchronisiert von Kurt E. Ludwig. Erzähler der Zusammenfassungen zu Beginn der einzelnen Folgen ist Erich Ebert.

Bei der bekannten Szene, in der Raimund Harmstorf mit der bloßen Hand eine angeblich rohe Kartoffel zerquetscht, handelt es sich um einen Trick: Die Kartoffel war leicht vorgekocht.

Veröffentlichungen

ZDF

  • Teil 1 (5. Dezember 1971): Ein seltsames Schiff
  • Teil 2 (12. Dezember 1971): Kurs auf Uma
  • Teil 3 (19. Dezember 1971): Das Land der kleinen Zweige
  • Teil 4 (26. Dezember 1971): Die Suche nach einer verlorenen Insel

Im späteren Vorabendprogramm wurden die Folgen auch auf 16 Einzelfolgen aufgeteilt gesendet.

DDR-Fernsehen

Das DDR-Fernsehen erstellte aus dem Sendematerial des ZDF acht Einzelfolgen.[5]

  • Teil 1: Ein seltsames Schiff
  • Teil 2: Ein Spiel Karten
  • Teil 3: Frisco Kid
  • Teil 4: Kurs auf Uma
  • Teil 5: Frau an Bord
  • Teil 6: Land der kleinen Zweige
  • Teil 7: Kurs Südsee
  • Teil 8: Die Suche nach einer verlorenen Insel

Kinofassungen

Nachdem sich der Vierteiler als großer Erfolg entpuppt hatte, brachte man 1972 eine auf 96 Minuten geschnittene Fassung in die bundesdeutschen Kinos,[6] die aber nur Wert auf die Actionmomente legte und bei Zuschauern und Kritikern durchfiel.

1973 synchronisierte die DEFA die zweiteilige rumänische Spielfilmfassung für eine Kinoauswertung in der DDR.[7][8][9] Die beiden Teile liefen unter den Titeln Der Seewolf (Originaltitel: Lupus Marilor; Länge: 78 Min., DDR-Premiere: 23. Dezember 1973)[2][10] und Die Rache (Originaltitel: Razbunarea, Länge: 73 Min., DDR-Premiere: 1. Februar 1974).[3][11] Diese Version unterscheidet sich erheblich von der ZDF-Version und dem westdeutschen Kinofilm. Die Sprache ist wesentlich härter und Larsen wirkt deutlich brutaler als in der eher als Familienunterhaltung gedachten ZDF-Fassung. Außerdem fehlen die Gedanken van Weydens, der in der ZDF-Fassung die Handlung beschreibt und kommentiert. Im Gegensatz zur westdeutschen Kinoversion legte man hier weniger Wert auf die Actionszenen und beachtete auch die Jugenderinnerungen van Weydens, wenn auch stark verkürzt. Es gibt außerdem Unterschiede in der Chronologie und auch geringe Unterschiede in der Handlung. Beispielsweise sind in dieser Fassung einige zusätzliche und einige alternative Szenen enthalten, die in der ZDF-Fassung fehlen. So gibt es eine Szene, in der Larsen von seinen Plänen berichtet, irgendwann ein Haus auf einer ruhigen Insel errichten zu wollen. In der Szene, in der sich die Wege von Larsen und van Weyden auf dem Land der kleinen Zweige trennen, macht van Weyden Larsen darauf aufmerksam, dass er ihn bereits unter den Namen Frisco Kid kannte, was diesen aber völlig kalt lässt. Auch gibt es eine alternative Szene, in der Oofty-Oofty nicht von einem Hai getötet, sondern von Larsen erschossen wird. Am Ende wird näher auf die Umstände eingegangen, die dazu beigetragen haben, dass die Ghost gestrandet ist. Die berühmte Szene mit der Kartoffel fehlt in der rumänischen Fassung. Die Filmmusik beinhaltet neben der Originalmusik auch andere Stücke von Hans Posegga und zusätzlich neu geschriebene Stücke vom rumänischen Komponisten Tiberiu Olah.

Tonträger

  • Der Seewolf – Ungekürzte Urfassung des Soundtracks der erfolgreichsten Fernsehserie des ZDF, 1 CD, MSC Records MSC 4990 (Deutschland)
  • Abenteuer-Klassiker – Originalmusik aus den legendären TV-Vierteilern, 2 CDs, BSC Music/Cine Soundz Prudence 398.6619.2 (Deutschland 2001)

Bildträger

  • Der Seewolf (2 DVDs), Eurovideo 2004/Concorde Home Entertainment 2006
  • Der Seewolf (2 Blu-Rays), Concorde Home Entertainment Oktober 2012

Literatur

  • Oliver Kellner, Ulf Marek: Seewolf & Co. Schwarzkopf und Schwarzkopf, ISBN 3-89602-190-7 (Der ZDF-Vierteiler)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Synchronisation: Der Seewolf
  2. 2,0 2,1 DEFA-Stiftung: Der Seewolf (Lupul Marilor)
  3. 3,0 3,1 DEFA-Stiftung: Die Rache (Razbunarea)
  4. Synchronisation der DEFA
  5. Ausstrahlung im Fernsehen der DDR
  6. Filmfassung – Der Seewolf (Deutschland)
  7. Beifall der Nation. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1972 (online ).
  8. Der Seewolf – Film mit der DEFA-Synchronisation
  9. Die Rache – Film mit der DEFA-Synchronisation
  10. Start der Kinofassung DDR
  11. Start der Kinofassung DDR

Kategorien: Seefahrt im Film | Werk nach Jack London | Jack-London-Verfilmung | ZDF-Sendung | Abenteuerfilm | Fernsehfilm | Filmtitel 1971 | Literaturverfilmung

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Der Seewolf (1971) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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