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Degen


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Degen (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der Begriff Degen kann im Deutschen eine Reihe von unterschiedlichen Klingenwaffen bezeichnen, je nach historischem Kontext. Gemeinsam ist allen als „Degen“ bezeichneten Waffen, dass sie vorwiegend auf den Stich ausgelegt sind, im Gegensatz zu dem auf Hieb oder Schnitt ausgelegten Säbel oder Pallasch bzw. Messer.

Begriff

„Degen“ kann bedeuten:

  • Sportdegen, die Waffe des modernen Degenfechtens (französisch épée „Schwert“), eine dreikantige, elastische Stichwaffe
  • Fechtdegen, Raufdegen, Stoßdegen (demgegenüber Haudegen auf Hieb ausgelegt), Fechtwaffen des 18. und 19. Jahrhunderts, u. a. im Akademischen Fechten
  • Offiziersdegen, Uniformdegen, Galadegen, Paradedegen, Galanteriedegen usw., Bestandteil der vollständigen Garderobe von Offizieren und Adligen im 18., 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts (englisch smallsword, französisch épée de cour)
  • im 16. Jahrhundert und 17. Jahrhundert allgemein ein Synonym von Schwert (Rapier)
  • im 14. bis 17. Jahrhundert ein Dolch

Etymologie

Das deutsche Wort Degen tritt erstmals im späteren 14. Jahrhundert auf. Hier bezeichnet es zunächst einen Dolch, genauer einen Stichdolch oder Rondelldolch. Das Wort Dolch selber ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Entlehnung des lateinischen Wortes dolo, das wiederum vom griechischen dólōn abstammt, welches wiederum durch seine Lautform auf ein altes germanisches Wort schließen lässt, welches durch das altenglische dalc (Spange, Armband) und altnordisch dālkr (lange Fibel, Spange) bezeugt ist. Die Annahme, dass „Dolch“ aus dem Slawischen stammt, ist auszuschließen, weil das Wort „tulich“ auf das deutsche Wort „Dolch“ zurückzuführen ist und nicht umgekehrt.

Der Begriff entstammt dem romanischen daga, hat aber keine bekannte weitere Etymologie. Aus derselben romanischen Quelle stammt auch das Englische dagger, das bereits im späteren 14. Jahrhundert auftritt. Über die ursprüngliche Wortherkunft kann nur spekuliert werden. Letztlich stammt es vielleicht von einem vulgärlateinischen *dacaDakisches Messer“. Mittellateinisch daggarius ist eine Rückentlehnung aus dem Englischen, vielleicht letztlich von einem französischen augmentativen *daguard zu dague.

Das deutsche Degen (Englisch dagger) „Stichwaffe“ ist nicht verwandt mit dem Wort Degen (Englisch thane) „Held, Krieger“.

Sportdegen

Der Sportdegen ist eine Stichwaffe mit einer langen, schmalen, dreikantigen, elastischen und geraden Klinge. Das Degenfechten ist heute eine Disziplin des Sportfechtens. Hierbei kann anders als in den anderen Waffengattungen (Florett, Säbel) der ganze Körper getroffen werden. Die Klinge ist auch hier mit Griff 110 cm lang, wobei Griff und Glocke zwischen 18 und 20 cm einnehmen. Die gesamte Waffe wiegt höchstens 770 g. Die Klinge besteht bei vom Internationalen Fechtverband (FIE) zugelassenen Klingen aus Maraging-Stahl. Das Degenkabel ist wie das Florettkabel dreiadrig. Die 3. Ader dient beim Degen zur Isolation der Glocke, beim Florett als Abnahmekontakt an der E-Weste.

Offiziersdegen, Galanterie-Degen

Der Degen war auch Rangwaffe für Offiziere und Kavalleristen, sowie eine als Seitenwehr bezeichnete, d.h. an der Seite getragene blanke Waffe mit langer, gerader, schmaler, ein- oder zweischneidiger Klinge, welche es vorherrschend als Stichwaffe (Stoß-Degen), aber auch als Hiebwaffe (Haudegen, Pallasch) gab. Er wurde von den Offizieren der meisten Heere getragen.

Formen waren u.a. der deutsche Infanterieoffizier-Degen, der Pallasch der Kürassiere und der Kavallerie-Degen.

Einen Degen mit einer breiten Klinge (einen Raufdegen) nannte man Fuchtel. Schläge mit der flachen Fuchtel auf den Rücken dienten zur Bestrafung von Unteroffizieren und Kadetten.[1]

Trauerdegen

Der Trauerdegen war bei Hoftrauer anzulegen, später wurde das Tragen auch bei Ziviltrauer populär. Die Ausführung war bewusst schlicht gehalten und suchte die bei Blankwaffen sonst übliche Lichtreflexion möglichst zu unterbinden. Griff und Gefäß (Parierstange, Bügel) waren aus angelaufenem und darum kaum reflektierendem Eisen, der Griff mitunter mit schwarzem Krepp umwickelt. Die Scheide war aus schwarzem Leder. Trauerdegen werden heute noch von den Reitendienern in Hamburg getragen.[2]

Historisches Fechten

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Degen in den oberen Gesellschaftsschichten als Waffe zur Austragung von Duellen verwendet. Das Duell auf Hieb wurde unter Studenten mit Glockenschlägern ausgeführt, d.h. solchen Degen, an denen die Hand durch eine Glocke, eine Parierstange und einen Bügel gedeckt war, oder mit Korbschlägern, d.h. solchen Degen, die einen metallenen Korb statt der Glocke hatten.

Das Duell unter Offizieren wurde mit der bei ihrer Truppe üblichen Waffe ausgeführt, diese waren üblicherweise Degen, die ein messingenes Stichblatt, eine Parierstange und einen Bügel hatten. Unter Zivilisten wurde das Duell ebenfalls mit dem Degen ausgetragen.

Eine Sonderform des Degens, die das verdeckte Tragen als Gehstock ermöglichte, war der sogenannte Stockdegen. Der Galanterie-Degen gehörte zum Anzug jedes Gebildeten, er wurde an über die Schulter gehängtem Koppel getragen oder mittels Haken am Hosenbund befestigt. Auch zur Ziviluniform von Soldaten wurde ein Degen in einer Lederscheide angelegt.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Degen nur noch von den Offizieren und der schweren Kavallerie geführt, der sogenannte Pallasch. Auch heute noch gibt es in verschiedenen Armeen, an Militärakademien und zu Ausgehuniformen entsprechende Degen.

Entwicklung

Hauptartikel: Schwert und Rapier

Sowohl Degen als auch Schwert waren zunächst Waffen „auf Stoß und Hieb“ (vgl. Abb. 3,4,6 und 8), dagegen kam in Spanien mit dem Toledo ein Degen mit nur zum Stoß dienender langer, dünner, auch wohl drei- und vierkantiger Klinge auf. Dieser hatte einen kunstvoll gearbeiteten Griff und Stichblatt (Handschutz), Parierstange (Querstück zwischen Griff und Klinge) und Bügel (siehe Abb. 9).

Seit dem 16. Jahrhundert wurde der Degen von der Kavallerie und der Infanterie getragen. Die Waffe unterschied sich durch die lange, schmale Klinge und ihrer geraden Form von der gekrümmten Form des Säbels. Auch die Jäger zu Pferde trugen den Stichdegen.

Der Pallasch von 1854 (Klinge 1 m) der Kürassiere in der Preußischen Armee galt als ein Degen-Modell. Diesem wurde 1889 der Kavalleriedegen für die übrigen Reiterregimenter nachgebildet, ebenso der Infanterie-Offiziersdegen. (siehe Abb. 2), der seit 1889 bei allen Fußtruppen, ausschließlich Fußartillerie, getragen wurde. Artillerieoffiziere trugen den Artillerie-Offiziersäbel, berittene Feldartilleristen, Trainsoldaten etc. trugen den Artilleriesäbel.

Die frühere Bewaffnung der Infanterieoffiziere bestand in dem Infanteriedegen (siehe Abb. 10, 5 und 7), bei den Füsilieren im Füsilierdegen (Abb. 11). Der Infanteriedegen war mit einem Korbgefäß versehen, das aus einem vom Stichblatt aus Bronze zum Knauf führenden Bügel bestand. Weil das Stichblatt beim Füsilierdegen fehlte und auch die Spitze der Klinge nicht in deren Mittellinie lag, wurde er allerdings auch als Füsiliersäbel bezeichnet.

Beide Degenarten wurden erst in einer Lederscheide mit Beschlägen und später beim Heer des Deutschen Kaiserreichs in einer Stahlscheide getragen. Die Kürassieroffiziere trugen den Degen nur zum Überrock. Der Marinedegen (siehe Abb. 12) war dem Infanterie-Offiziersdegen ähnlich, hatte jedoch ein anderes Korbgefäß mit Griff aus Elfenbein und wurde in einer Lederscheide mit Metallbeschlag geführt. Das zum Umschnallen der Degen oder Säbel dienende Koppel bestand aus Leib-, Trage- und Schleppriemen von weißem oder schwarzem Leder, bei Offizieren war das Leder mit goldener oder silberner Tresse belegt oder lackiert.

Siehe auch

 Portal: Waffen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Waffen

Literatur

Weblinks

 Wiktionary: Degen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Die Fuchtel (zeno.org)
  2. Trauerdegen (zeno.org)
pt:Esgrima#Florete

Kategorien: Fechten | Degen

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Degen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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