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Dörzbach


Dieser Artikel behandelt eine deutsche Gemeinde. Zum deutschen Architekten siehe Otto Dörzbach.
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: HohenlohekreisVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Gemeindeverwal­tungsverband: „Krautheim“
Höhe: 242 m ü. NHN
Fläche: 32,36 km²
Einwohner: 2448 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 76 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74677
Vorwahl: 07937
Kfz-Kennzeichen: KÜN, ÖHR
Gemeindeschlüssel: 08 1 26 020
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 2
74677 Dörzbach
Webpräsenz: www.doerzbach.de
Bürgermeister: Andy Kümmerle
}

Dörzbach ist eine Gemeinde im Hohenlohekreis im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs.

Geographie

Geographische Lage

Die Gemeindefläche Dörzbachs liegt im Naturraum Kocher-Jagst-Ebenen[2] auf Höhen zwischen 230 und 430 m ü. NN im mittleren Jagsttal, in drei von dessen Nebentälern sowie auf den umgebenden Randhöhen.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Dörzbach besteht aus Dörzbach (1465 Einwohner) selbst (mit den Häusern Birkenhöfe und St. Wendel zum Stein) sowie aus den eingemeindeten ehemaligen Gemeinden Hohebach (mit den Weilern Eisenhutsrot, Heßlachshof und Wendischenhof, zusammen 646 Einwohner), Laibach (183 Einwohner) und Meßbach (170 Einwohner). Auf dem Gebiet der Gemeinde Dörzbach in den Grenzen vom 31. Dezember 1971 liegen die abgegangenen Ortschaften Albertshof, Dürrenhof und Rortal. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Hohebach liegen die abgegangenen Ortschaften Lieboldsbronn, Eschbronnen und Ripperg. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Laibach liegen die abgegangenen Ortschaften Büchelich und Dacht und im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Meßbach liegt die abgegangene Ortschaft Niedermeßbach.[3]

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[4]

Geschichte

Frühzeit

Prähistorische Funde, unter anderem aus der Jungsteinzeit, deuten darauf hin, dass Dörzbach und seine Teilorte bereits in der Zeit um 3500 v. Chr. besiedelt waren. Nachgewiesen ist, dass Dörzbach schon um 500 v. Chr. von Kelten besiedelt war. Sie legten ein Felsen- und Quellenheiligtum an.

Mittelalter

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dörzbach an der Jagst im Jahre 1230 unter dem Namen Torzebach. Kaiser Rudolf II. hatte der Gemeinde Dörzbach im Jahr 1583 drei Marktrechte verliehen. Dies ist der geschichtliche Ursprung der heute noch abgehaltenen Frühjahrs- und Herbstpferdemärkte.[5]

Die ältesten noch vorhandenen Bauteile vom Schloss Eyb stammen aus dem 12. Jahrhundert. Bis zum 15. Jahrhundert hatte die Burg eine sehr wechselvolle Geschichte mit vielen Eigentümern bzw. Anteilseignern. Im späten 14. Jahrhundert erlangten die Herren von Berlichingen den Besitz der Burg.

Neuzeit

Bis 1601 blieben die Herren von Berlichingen Besitzer der Burg-Schloss-Anlage. Seit dem Jahre 1601 ist die inzwischen zum Schloss ausgebaute Anlage in Besitz der Familie von Eyb. Dörzbach lag im Fränkischen Ritterkreis.

Im Jahr 1831 versuchte Dörzbach, Oberamtsstadt zu werden. Da der entsprechende Brief aber direkt an den württembergischen König Wilhelm I. gerichtet wurde und nicht über das zuständige Oberamt Künzelsau eingereicht war, wurde das Gesuch abgelehnt.

Bevölkerung

Christentum

Evangelische Kirchengemeinden

In Dörzbach bestehen zwei evangelische Gemeinden: Die Dreifaltigkeitskirche in Dörzbach und die Jakobuskirche in Hohebach.

Katholische Kirchengemeinden

Die katholischen Gemeinden Zwölf Apostel Kirche und St. Pius X Kirche befinden sich in Dörzbach bzw. Laibach.

Judentum

Jüdische Gemeinde Dörzbach

In Dörzbach bestand eine jüdische Gemeinde von der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bis 1907. Die Gemeinde besaß eine Synagoge, eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden zunächst auf den jüdischen Friedhöfen in Unterbalbach, Laibach und Berlichingen, nach 1852 in Hohebach bestattet.[6]

Jüdische Gemeinde Hohebach

Die jüdische Gemeinde Hohebach bestand seit dem Mittelalter bis 1942, als die letzten jüdischen Einwohner des Ortes deportiert wurden.[7] Seit 1986 erinnert eine Gedenktafel im Ortsteil Hohebach am Gebäude der ehemaligen Synagoge an das Gotteshaus der jüdischen Mitbürger, das beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern demoliert wurde.[7][8] Auf dem jüdischen Friedhof steht ein Gedenkstein für die letzten acht jüdischen Einwohner, die in den 1940er Jahren deportiert und getötet wurden.

Jüdische Gemeinde Laibach

An die jüdische Gemeinde des Ortsteils Laibach, die von der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand, erinnert der dortige jüdische Friedhof, in dem noch 19 Grabsteine existieren. Neben dem jüdischen Friedhof besaß die Gemeinde einen Betsaal.[9]

Politik

Gemeinderat

In Dörzbach wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Dörzbach hat nach der letzten Wahl 13 Mitglieder (2009: 12). Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Der Ortsvorsteher von Hohebach ist beratendes Mitglied.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
60
50
40
30
20
10
0
55,9 %
44,1 %
Gewinne/Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   2
   0
  -2
  -4
-1,0 %p
+1,0 %p
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer
UWV Unabhängige Wählervereinigung 55,9 7 56,9 7
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 44,1 6 43,1 5
gesamt 100,0 13 100,0 12
Wahlbeteiligung 64,8 % 63,8 %

Wappen und Flagge

Die Blasonierung des Dörzbacher Wappens lautet: Über einem von Silber und Rot vierfach gestückten Balken in Silber drei (2:1) rote Muscheln, darunter in Schwarz ein fünfspeichiges silbernes Rad. Die Flagge der Gemeinde ist Rot-Weiß.

Kaiser Rudolf II. verlieh Dörzbach am 27. Juni 1583 zugleich mit dem Marktrecht ein Wappen, das das Rad aus der Herren von Berlichingen mit dem Balken aus dem Wappen eines ausgestorbenen Ortsadelsgeschlechts verband. Nach dem Verkauf von Dörzbach an die Herren von Eyb im Jahre 1601 ersetzten die Eybschen Muscheln (mit dem Gelenk aufwärtsgekehrt gezeigte Jakobsmuscheln) das Rad in der oberen Schildhälfte. 1931 nahm die Gemeinde das berlichingensche Rad zusätzlich in die untere (blaue) Schildhälfte auf. Falsche Tingierungen des Schildgrundes der Wappenfiguren Rad und Muscheln wurden später berichtigt. Die Flagge wurde der Gemeinde am 2. Februar 1970 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen, das Wappen bestätigt.[10]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

In der Gemarkung Dörzbachs befinden sich insgesamt drei Schlösser, darunter auch ein ehemaliges Wasserschloss der Herren von Berlichingen, die 1371 in den Ortskern Dörzbachs einzogen und die ursprünglichen Herren von Torcebach als Ortsherrschaft ablösten. 1601 wurde das Schloss von den Herren von Eyb gekauft, die es auch heute noch besitzen. Zur Schlossanlage gehört sowohl der von vier Seiten umrahmte innere Schlosshof als auch der größere von Wirtschaftsgebäuden umgebene äußere Schlosshof. Der Turm der evangelischen Dreifaltigkeitskirche aus dem 13. Jahrhundert wurde ursprünglich als Wehrturm angelegt und war Bestandteil des Areals.

Oberhalb vom Ortsteil Laibach steht die Burg Laibach der Freiherren von Racknitz. Einstmals eine feste (Raubritter-)Burg, wurde sie 1621 durch Erhard von Muggenthal zu einem stattlichen Herrschaftssitz im Renaissance-Stil neu aufgebaut.

Im Ortsteil Messbach liegt neben der 1776 erbauten, mit schöner Deckenmalerei ausgestatteten Rokokokirche das Schloss der Freiherren von Palm. Es ist ein länglicher Viereckbau mit drei Stockwerken und vier runden gekuppelten Türmen an den Gebäudeecken. Das Schloss wurde wahrscheinlich vor 1750 erbaut, aber erst in späteren Jahren von den Herren von Eyb vollendet.

Als einziger Teilort besitzt Hohebach kein Baronenschloss, dafür aber eine echte Königsbrücke: Die gewaltige vierbogige Steinbrücke wurde 1808 bis 1810 von Karl August Friedrich von Duttenhofer auf Geheiß des Königs Friedrich I. von Württemberg gebaut, der dadurch seinen napoleonisch neu erworbenen nördlichen Landesteil Hohenlohe strategisch und verkehrstechnisch besser an das schwäbische Kernland anbinden wollte. Eine hohe Sandsteinsäule in der Brückenmitte trägt die römische Jahreszahl MDCCCX und das königliche Monogram FR mit Staatswappen. Laut Carl Julius Weber ist sie „die schönste Brücke im ganzen Königreich Württemberg“. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die beiden nördlichen Brückenbögen gesprengt und 1947 wieder aufgebaut. 1996 bis 1998 wurde die Brücke, über die heute die Bundesstraße 19 führt, unter Beibehaltung ihrer Bauweise instand gesetzt und verbreitert.

Beim Landeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden errang Dörzbach 2001 die Goldmedaille.

St. Wendel zum Stein

Zwischen Dörzbach und Hohebach befindet sich an einer Kalkfelswand die Kapelle St. Wendel zum Stein mit Mesnerhaus, mitten im gleichnamigen Naturschutzgebiet. In der Felswand sind Zeugnisse früherer Kapellen und eiszeitlich bewohnter Höhlen vorhanden.

In der Kapelle werden in jüngerer Zeit vermehrt Gottesdienste und Andachten gefeiert. Im Sommer 2006 wurden im mittleren Jagsttal die Pfade der Stille eingeweiht. Die St.-Wendel-Kapelle ist im Dörzbacher Streckenabschnitt sowie in den Kocher-Jagst-Radweg, der unmittelbar oberhalb der Kapelle über den Maifestplatz führt, integriert.

Wirtschaft und Infrastruktur

Jagsttalbahn

In Dörzbach befindet sich der Ausgangsbahnhof der Jagsttalbahn, einer früher regional wichtigen Schmalspurbahn. Die Jagsttalbahn (Spurweite 750 mm) war immer als Privatbahn betrieben worden. Die Ausführung der 1888 geplanten Dampfstraßenbahn-Strecke von Züttlingen über Dörzbach nach Bad Mergentheim wurde zu einer Schmalspurbahn modifiziert. Der entgegengesetzte Ausgangspunkt der Bahn wurde von Züttlingen ins größere Möckmühl verlegt, wo auch ein Anschluss an die Hauptstrecke HeilbronnLauda bestand. Die Inbetriebnahme der Nebenstrecke erfolgte im Dezember 1900. Bis 1951 gab es Güter- und Personenverkehr. Personenverkehr (Schülertransport) wurde 1967 wieder vorübergehend aufgenommen. 1971 richtete die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) in Zusammenarbeit mit der SWEG hier in den Sommermonaten einen der ersten Museumsbahn-Betriebe (Dampflokomotiven) in Deutschland ein. Am 23. Dezember 1988 wurde der Gesamtbetrieb wegen Oberbaumängeln eingestellt. Die Bestrebungen zur Wiederinbetriebnahme zwischen Dörzbach und Krautheim mündeten 2002 in der Gründung der kommunalen Jagsttalbahn AG.

Verkehr

Der Verkehrsbetrieb Dörzbach, eine Tochter der Südwestdeutschen Verkehrs AG, gewährleistet mittels einiger Buslinien den ÖPNV. Es gilt der Tarif des Nahverkehrs Hohenlohekreis.

Auf dem Hag am Wendischenhof südwestlich des Ortsteiles Hohebach betreibt der Ultraleicht-Verein Dörzbach e. V. ein Ultraleichtfluggelände.

Weinbau

Dörzbach ist eine Weinbaugemeinde, deren Lagen zur Großlage Kocherberg im Bereich Kocher-Jagst-Tauber gehören. Der Ort liegt an der Württemberger Weinstraße. Die Lage Altenberg wurde vor kurzem querterrassiert, um die Bewirtschaftung der steilen Weinberge zu verbessern. Die Weine werden über die Kochertalkellerei-Genossenschaft vermarktet.

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Wolf Dieter Sick: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 162 Rothenburg o. d. Tauber. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1962. → Online-Karte (PDF; 4,7 MB)
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 184–187.
  4. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Dörzbach.
  5. Hohenlohekreis: Hohenlohekreis: Dörzbach. Online auf www.hohenlohekreis.de, abgerufen am 26. Oktober 2014
  6. Alemannia Judaica: Dörzbach (Hohenlohekreis) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge Online auf www.alemannia-judaica.de. Abgerufen am 16. Dezember 2015.
  7. 7,0 7,1 Alemannia Judaica: Hohebach (Gemeinde Dörzbach, Hohenlohe-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge Online auf www.alemannia-judaica.de. Abgerufen am 16. Dezember 2015.
  8. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. I, Bonn 1995, S. 31, ISBN 3-89331-208-0.
  9. Alemannia Judaica: Laibach (Gemeinde Dörzbach, Hohenlohekreis) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge Online auf www.alemannia-judaica.de. Abgerufen am 16. Dezember 2015.
  10. Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1), S. 55.

Weblinks

 Commons: Dörzbach  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Dörzbach in der Beschreibung des Oberamts Künzelsau von 1883 – Quellen und Volltexte

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