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Dättwil


Dättwil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau AG
Bezirk: Baden
Politische Gemeinde: Baden
Postleitzahl: 5405
Koordinaten:
Höhe: 438 m ü. M.

Autobahnausfahrt Baden-West, im Hintergrund das Segelhof-Quartier

Karte

Dättwil ist ein Dorf im Kanton Aargau in der Schweiz. Es liegt an einer Seitenmoräne zwischen dem Reusstal und dem Westhang des Heitersbergs. Ab 1804 bildete Dättwil mit den drei Exklaven Münzlishausen, Rütihof und Segelhof eine eigenständige Einwohnergemeinde. Seit 1962 gehört Dättwil zur Stadt Baden. Heute zählt das Dorf rund 2800 Einwohner und ist Standort zahlreicher Industrie- und Gewerbebetriebe.

Geschichte

Die Gegend um Dättwil war wahrscheinlich bereits während der Bronzezeit besiedelt, wie ein im Jahr 1924 bei Ausgrabungen gefundenes Beil beweist.[1] Etwa im 9. Jahrhundert rodeten alemannische Siedler den Wald und liessen sich nieder. Die erste urkundliche Erwähnung von Tetwiler erfolgte im Jahr 924. Der aus vier Höfen bestehende Ort diente ab dem 12. Jahrhundert als Dingstätte. Die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den jeweiligen Landesherren; es waren dies zunächst die Grafen von Lenzburg, ab 1172 die Grafen von Kyburg und ab 1264 die Habsburger.

1351 zogen Zürcher Truppen durch den Ostaargau. Ihr Vorhaben, die Einnahme der Stadt Baden, misslang. Sie brannten aber die Bäder nieder und plünderten die umliegenden Dörfer. In der Schlacht bei Dättwil konnten sie sich den Rückweg gegen habsburgische Truppen freikämpfen und die Beute in Sicherheit bringen.[2] Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Dättwil lag fortan in der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. In der Nähe des Dorfes stand der Galgen der Grafschaft. Dem Meier in Dättwil unterstanden auch die Bauern in Rütihof und Münzlishausen, die keiner Dorfgemeinschaft angehörten. Der Wald rund um Dättwil war ausschliesslich im Besitz der Stadt Baden.

Im Jahr 1740 siedelten sich zwei reformierte Bauernfamilien im katholisch gebliebenen Dättwil an. Sie bildeten den Anfang der reformierten Kirchgemeinde Badens (Reformierte durften sich in Baden selbst erst ab 1798 frei niederlassen, obschon dort bereits seit 1714 ein reformiertes Kirchengebäude existierte). Die Behörden der von Frankreich eingesetzten Helvetischen Republik schufen am 17. Mai 1798 aus Dättwil, Rütihof, Segelhof und Münzlishausen die Munizipalität Dättwil, die aus vier nicht miteinander verbundenen Gebieten bestand (siehe Karte).[3]

Nach Inkrafttreten der Mediationsakte wurden im August 1803 in allen Aargauer Gemeinden die Gemeinderäte gewählt. Nur in Dättwil kam keine Wahl zustande, da die Orte sich untereinander zerstritten hatten. Angestrebt wurde eine Vereinigung mit Baden. Nach mehreren gescheiterten Vermittlungsversuchen ordnete der Kleine Rat am 12. September 1804 den Zusammenschluss Dättwils und der drei Exklaven zu einer eigenständigen Einwohnergemeinde an.[4] Versehentlich waren auch der Weiler Muntwil und der Hof Eschenbach der neuen Gemeinde zugeschlagen worden, obwohl diese eigentlich zu Birmenstorf gehörten; dieser Fehler wurde anfangs 1805 korrigiert. Erst auf massivem Druck des Kleinen Rates wurde am 9. Dezember 1805 der erste Gemeinderat gewählt.[3]

In den folgenden Jahrzehnten wuchs die in vier Teile gespaltene Gemeinde nur langsam, woran auch die Eröffnung der Bahnlinie der Schweizerischen Nationalbahn im Jahr 1877 wenig änderte. Im Jahr 1805 betrug die Einwohnerzahl 229; bis 1960 stieg sie auf 604 an (etwas mehr als die Hälfte davon in Rütihof). Nach langen Verhandlungen wurde die politische Gemeinde Dättwil am 1. Januar 1962 per Dekret des Grossen Rates in die Stadt Baden eingemeindet.

Die Stadt Baden, die an ihre Grenzen gestossen war, besass nun ausreichend Baulandflächen. Nach der Eröffnung der Autobahn im Jahr 1970 begann eine Phase des raschen Wachstums. In Dättwil siedelten sich zahlreiche Betriebe an, welche Hunderte von Arbeitsplätzen schufen. 1973 wurde das Forschungszentrum der Brown, Boveri & Cie. eröffnet (die heutige Asea Brown Boveri). 1978 folgte das Kantonsspital Baden. Damit einher ging auch die Errichtung neuer Wohnviertel.

Wirtschaft

Grösster Arbeitgeber ist das Kantonsspital Baden. In Dättwil befindet sich die ausgedehnte Industrie- und Gewerbezone Täfern, die neben dem drei Kilometer nordöstlich gelegenen Stadtzentrum einen von zwei wirtschaftlichen Brennpunkten Badens bildet. Hier befinden sich unter anderem die Schweizer Niederlassungen von Oracle und Brother. Segelhof ist Standort des Forschungszentrums des Elektrotechnikkonzerns Asea Brown Boveri.

Verkehr

Dättwil liegt am Westportal des Bareggtunnels und ist seit 1970 über den Anschluss Baden West an die Autobahn A1 (ZürichBern) angebunden. Ebenfalls durch das Dorf führen die Hauptstrassen von Baden nach Lenzburg und Bremgarten. Diese gute Verkehrsanbindung und die Nähe zu Zürich sind Gründe für das starke Wachstum Dättwils seit den 1970er Jahren.

Die Erschliessung im öffentlichen Verkehr erfolgt durch mehrere Buslinien: Die Linien 6 und 7 der RVBW verbinden das Dorf mit Baden, Birmenstorf und Rütihof. Ausserdem verkehren hier Postautos von Baden nach Bremgarten (über Stetten bzw. Mellingen), Mägenwil und Berikon-Widen. Von 1877 bis 2004 besass Dättwil einen Bahnhof an der Eisenbahnlinie Zofingen–Lenzburg–WettingenWinterthur; der Personenverkehr wurde aufgegeben, es findet sporadisch Güterverkehr statt.

Persönlichkeiten

  • Salvatore Mainardi (* 17. Mai 1954 in Angri), Maler, Grafiker, seit 1971 tätig in der Schweiz, wohnt in Dättwil[5][6]

Literatur

  • Otto Mittler: Geschichte der Stadt Baden, Band 1 – Von der frühesten Zeit bis um 1650. Verlag Sauerländer, Aarau 1962.
  • Otto Mittler: Geschichte der Stadt Baden. Band 2 – Von 1650 bis zur Gegenwart. Verlag Sauerländer, Aarau 1965.

Weblinks

 Commons: Dättwil  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Mittler, Band 1, S. 15
  2. Mittler, Band 1, S. 62
  3. 3,0 3,1 Badens Satellit wurde dreimal gegründet , Chronikgruppe Dättwil
  4. Mittler, Band 2, S. 172–173
  5. Salvatore Mainardi in Sikart , abgerufen 20. Januar 2016.
  6. Salvatore Mainardi in mainart.ch

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Dättwil (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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