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Collegium Josephinum Bonn


Collegium Josephinum Bonn
Schulform Gymnasium und Realschule
Gründung 1880 in Vaals (Niederlande)
1920 Umzug nach Bonn
Ort Bonn
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten
Träger Redemptoristenorden
Schüler etwa 1100
Lehrkräfte etwa 100
Leitung Gymnasium: Peter Billig,
Realschule: Dirk Berger
Website www.cojobo.net

Das Collegium Josephinum Bonn ist eine staatlich anerkannte, katholische Ersatzschule in der Trägerschaft des Redemptoristenordens im Ortsteil Auerberg. Es umfasst ein Gymnasium mit rund 750 und eine Realschule mit ca. 350 Schülern[1]. Beide Schulen werden nur von Jungen besucht. Es besteht eine Kooperation mit der nahegelegenen Mädchenschule des Erzbistums Köln in Bornheim-Hersel, die sich früher in der Trägerschaft der Ursulinen befand. Das Collegium Josephinum erhebt kein Schulgeld.

Schulgeschichte

1880 gründete der Redemptoristenorden das Collegium Josephinum als Internatsschule für den Ordensnachwuchs. Da durch die Jesuitengesetze der preußischen Regierung (Kulturkampf) die Arbeit des Ordens auf deutschem Gebiet nicht möglich war, wurde als Standort das Städtchen Vaals gewählt, das unmittelbar hinter der deutsch-niederländischen Grenze liegt. Diese Schule wurde von Schülern aus ganz Deutschland besucht. Einer von ihnen war der Schriftsteller Stefan Andres.

Als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die unbehinderte Arbeit des Ordens wieder möglich war, wurde das leerstehende Gebäude einer sozialen Einrichtung „St. Joseph an der Höhe“ im Norden Bonns gekauft und das Ordensgymnasium mit Internat sowie das Kloster für die in der Schule arbeitenden Redemptoristen eingerichtet. Seit 1930 war das Abitur des Collegium Josephinum staatlich anerkannt.

Unter der NS-Herrschaft wurde das Collegium Josephinum 1940 aufgelöst, das Gebäude beschlagnahmt und als nationalsozialistische Lehrerbildungsanstalt missbraucht. Gegen Kriegsende wurden die Gebäude stark zerstört.

1945 bis 1980

Als im März 1945 Einheiten der US-amerikanischen Armee in Bonn einrückten, erhielten die Redemptoristen ihr Eigentum zurück und begannen sofort mit dem Wiederaufbau. Schon zwei Monate später wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen.

Eine wesentliche Veränderung gegenüber der Vorkriegszeit bestand darin, dass das Collegium Josephinum seit 1950 nicht mehr eine reine Internatsschule für Ordensnachwuchs war, sondern sich für alle Schüler aus Bonn und Umgebung öffnete. Infolgedessen wuchs die Zahl der Schüler in den 1950er und 1960er Jahren stark an, so dass die Räumlichkeiten schon bald nicht mehr ausreichten. Gleichzeitig verlor das Internat an Bedeutung.

Im Jahr 2010 wurden Vorwürfe gegen drei ehemals im Internat (geschlossen 1983) tätige Patres erhoben, die sich auf sexuelle oder körperliche Misshandlung in den 1950er und 1960er Jahren bezogen. Die Ordensprovinz geht diesen Vorwürfen durch einen extern beauftragten Richter nach. Sie begleitet die Aufarbeitung der Geschehnisse bis in die Gegenwart und bittet die Opfer um Verzeihung.[2]

Aus den Berichten[3][4] dieses Beauftragten geht hervor, dass bis Ende der 60er Jahre am Collegium Josephinum 3 Patres Kinder misshandelten und zwei dieser Patres die Kinder auch sexuell missbraucht haben. Ein weiterer Vorfall von Missbrauch aus den 50er Jahren blieb als offene Frage stehen. Die Täter hätten den Missbrauch hinter dem Schein einer positiv wahrgenommenen Arbeit mit Jugendlichen verstecken können und ihre Opfer durch ein Regiment des Schreckens, Strafen und Belohnung, Nachspionieren durch Spitzel, Unterdrückung und Gewalt ausgenutzt. Für die Kinder sei es unmöglich gewesen, diesem System zu entrinnen. Bei allem habe die Aufsicht gefehlt oder versagt. Für die damaligen Ordensverantwortlichen habe die Regel gegolten, dass die Vorfälle nicht die Öffentlichkeit erreichten, also Täterschutz vor Opferschutz gegangen sei. Ein ausführlicher Bericht eines ehemaligen Absolventen des Collegium Josephinum, in dem er über den jahrelangen Missbrauch durch den pädokriminellen Pater Segeroth berichtet, ist in dem Buch "Ich bin hinter dir - Katholische Internatsgeschichten", Herausgeber Rolf Cantzen, Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2012, ISBN 978-386569073-9, enthalten. Die Aufarbeitung des Missbrauchs in den folgenden bis 1990er Jahren steht aus. Die Missbrauchsopfer haben sich als Verein „Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e. V. (MoJoRed)“ organisiert.[5]

ab 1980

Da die Schülerzahl wuchs, wurde 1976 mit Unterstützung durch das Erzbistum Köln ein Schulneubau beschlossen. Gleichzeitig wurde zur Erweiterung des Bildungsangebotes die Realschule eröffnet. 1980 konnte das neue Gebäude für beide Schulen bezogen werden. Der Internatsbetrieb wurde 1983 eingestellt. Befreit von den Widrigkeiten jahrzehntelanger räumlicher Provisorien, verjüngt durch eine beachtliche Zahl neuer Lehrer und unter der Leitung der Direktoren Pater Dietger Demuth (1980 bis 1993) und Peter Billig (seit 1993) am Gymnasium, wie an der Realschule Pater Peter Niesemann (1985 bis 2006), Dr. Herbert Kolewa (2006 bis 2012) und Dirk Berger (seit 2012) verzeichnet das CoJoBo seitdem eine beständige Nachfrage aus Bonn und den nordwestlichen Nachbargemeinden beiderseits des Rheins. 2005 beging die ganze Schule das Jubiläum „125 Jahre CoJoBo“. Seitdem mussten sich auch Gymnasium und Realschule des CoJoBo mit grundlegenden schulpolitischen Weichenstellungen auseinandersetzen. Die Einführung des Zentralabiturs (seit 2007) und die Verkürzung der gymnasialen Schullaufbahn auf 8 Jahre sind dabei zwei wesentliche Aspekte, die aber für eine größere Reihe struktureller Änderungen im gesamten Bildungssystem Nordrhein-Westfalens und Deutschlands stehen. Als Halbtagsschule mit wenigen Unterrichtsstunden am Nachmittag bietet das CoJoBo seit vielen Jahren durch CoJoBo PM (post meridiem) ein differenziertes Ganztagsangebot nach dem persönlichen familiären Bedarf über den Unterricht hinaus. Von der Hausaufgabenbetreuung über Lerngruppen und Arbeitsgemeinschaften bis hin zu Jugendgruppen der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) gibt es eine Fülle von Angeboten und Fördermöglichkeiten.

CoJoBo-Stiftung

Aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums der Schule haben sich Redemptoristen, Lehrer und Ehemalige 2005 das Ziel gesetzt, Unabhängigkeit für die Zukunft sichern zu helfen. Die erforderlichen finanziellen Anstrengungen sollen durch eine Stiftung unter dem Dach der bereits errichteten Redemptoristen-Stiftung übernommen werden. Die CoJoBo-Stiftung hat als Ziel die Förderung von Erziehung und Bildung, Wissenschaft und Religion durch Unterstützung der Schulseelsorge, der Realschule und des Gymnasiums des Collegium Josephinum in Bonn.

Die feierliche Gründung der Stiftung fand an Christi Himmelfahrt (5. Mai 2005) durch den damaligen Provinzial der Provinz St. Clemens, Pater Hermann ten Winkel, statt.

Die Geschichte der Josephshöhe

Der heutige Standort des Collegium Josephinum hat seit dem Mittelalter seine besondere Geschichte. Die Anhöhe im Norden von Bonn war der Platz des Bonner Hochgerichts. Neben der alten Römerstraße von Bonn nach Köln stand der Galgen. Weil dadurch die Örtlichkeit ohnehin etwas Anrüchiges hatte, wurde sie für die Ansiedlung eines Leprosoriums, also eines Aussätzigen-Hospizes, gewählt. Derartige Einrichtungen waren in ganz Westeuropa notwendig geworden, nachdem sich die Lepra im Gefolge der Kreuzzüge stark verbreitet hatte. Dieses Leprosorium bestand aus einer kleinen Kapelle, einem Bauernhof zur Versorgung der Kranken, und winzigen Wohnungen für die Aussätzigen von Bonn und Umgebung. Die Kapelle war dem heiligen Lazarus geweiht, dem Patron der Aussätzigen. Seine Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich heute noch in der Kirche des Redemptoristenklosters an der Kölnstraße.

Im frühen 18. Jahrhundert erlosch in Europa die Lepra infolge verbesserter Lebens- und Hygienebedingungen. Die Einkünfte des Bauernhofes wurden daher für Bedürftige in Bonn verwendet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigten sich im Rheinland die sozialen Folgen der wachsenden Industrialisierung, unter anderem in einer steigenden Anzahl von entwurzelten und elternlosen Kindern, die heute Straßenkinder genannt würden. Der katholische Verein von Bonn entschloss sich daher 1868, das Gelände des ehemaligen Leprosariums einschließlich des Bauernhofes zu kaufen und hier eine soziale Einrichtung zu errichten. 1872 konnte der erste Gebäudeteil der „Unterrichts- und Erziehungsanstalt St. Joseph an der Höhe“ bezogen werden. In den folgenden Jahrzehnten gedieh dieser bemerkenswerte Versuch zu einer blühenden sozialen Einrichtung. Es bot in seiner besten Zeit etwa 300 Kindern eine Heimat und verhalf ihnen über – mit heutigen Begriffen umschrieben – Kindergarten, Grundschule, Hauptschule, Lehrwerkstätten und Berufsschule zu einem soliden Start ins Leben.

Die wirtschaftliche Katastrophe in Folge des Ersten Weltkrieges führte die Erziehungsanstalt in den Ruin. Die Versorgung der verbliebenen Kinder und Jugendlichen war nicht mehr aufrechtzuerhalten. Daher war das zuständige Kuratorium einem Verkauf nicht abgeneigt, als der Redemptoristenorden nach einem neuen Standort für seine Schule suchte.

Vereine ehemaliger Schüler

Eine Anzahl ehemaliger Schüler ist in zwei Vereinen organisiert: Einerseits Alt-Josephiner und andererseits Missbrauchsopfer Josephinum Redemptoristen e. V. (MoJoRed):

Alt-Josephiner

Um den Kontakt zu den ehemaligen Schülern herzustellen und zu pflegen, existiert eine eigene Arbeitsgemeinschaft, die Alt-Josephiner. Die Gruppe aus aktiven und ehemaligen Schülern veranstaltet jedes Jahr das Ehemaligentreffen (Zeitpunkt ist immer der Samstag eine Woche vor dem 1. Advent), welches im Durchschnitt mit über 400 Personen jedes Jahr zu einer besonderen Begegnung wird.

Zu den bekannten ehemaligen Schülern (unabhängig von Mitgliedschaft bei den Alt-Josephinern) des Collegium Josephinum gehören:

Missbrauchsopfer Josephinum Redemptoristen e. V. (MoJoRed)

Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen den Redemptoristen nahe fühlten und Ehemalige der Redemptoristen–Internate in Bonn, Bous und Glanerbrück haben sich in einem Verein zusammengeschlossen. Sie sind zufällig oder weil sie die gleiche Schule besucht haben, über ein ähnliches Schicksal miteinander verbunden: ihnen wurde physisch oder psychisch Gewalt angetan, meist sexuell geprägte Gewalt. ... Wir haben uns (siehe Chronik) zu unterschiedlichen Zeiten an die Verantwortlichen des Ordens gewandt mit der Bitte um Kenntnisnahme und Aufarbeitung. ... Tatsächlich begann der Orden der Redemptoristen im Frühjahr 2010 damit, die Meldungen von Missbrauchsopfern ernst zu nehmen und die Schattenseiten seiner Geschichte aufzuklären. Der Orden beauftragte den Präsidenten des Amtsgerichts Leverkusen Herrn Merzbach mit der entsprechenden unabhängigen Untersuchung. ... Dem Beauftragten des Ordens gelang das Kunststück, in kurzer Zeit zwei detaillierte Zwischenberichte mit dezidierter Bewertung der Taten zu erstellen. ... Uns ist es wichtig, dass das, was uns geschehen ist, auch in Zukunft nicht klein geredet werden kann und in Vergessenheit gerät. Deshalb soll es diese öffentliche Dokumentation der Berichte geben, sofern die Betroffenen im Einzelfall zustimmen. Uns ist es wichtig, dass aus dieser Dokumentation für die Zukunft von Kindern gelernt werden kann. Wir verstehen uns, so seltsam sich das anhören mag, als Experten im Missbrauchtwerden und wollen mitreden.[6]

1. Zwischenbericht des Beauftragten der Redemptoristen zur Untersuchung sexuellen Missbrauchs Minderjähriger

2. Zwischenbericht des Beauftragten der Redemptoristen zur Untersuchung sexuellen Missbrauchs Minderjähriger

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Schulprofil des CoJoBo: http://www.cojobo.net/schulvorstellung/schulprofil
  2. http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=765620
  3. http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/app/download/7416322594/Zwischenbericht.pdf?t=1362732945
  4. http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/app/download/7416333994/2.+Zwischenbericht+Merzbach.pdf?t=1362733187
  5. http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/
  6. http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Collegium Josephinum Bonn (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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