Cnidus - LinkFang.de





Knidos

(Weitergeleitet von: Knidos)

Knidos (griech. Κνίδος; lat. Cnidus) ist eine antike Hafenstadt im Südwesten Kleinasiens.

Lage

Knidos liegt auf der Spitze der südwesttürkischen Datça-Halbinsel (seltener auch: Reşadiye-Halbinsel) etwa 35 km von Datça entfernt gegenüber der griechischen Insel Kos (türk. Istanköy). Ob Knidos seit seiner Gründung an der Spitze der Halbinsel lag oder erst in spätklassischer Zeit von der Mitte der Halbinsel beim heutigen Datça dorthin verlegt wurde, ist umstritten (vgl. Bankel, Blümel, Demand versus Bean-Cook und Berges).

Geschichte

Sklavinnen aus Knidos (ki-ni-di-ja) sind bereits in Linear B-Dokumenten aus dem mykenischen Pylos erwähnt.[1] Ausgrabungen förderten minoische und jüngere mykenische Funde zu Tage. Bisher ist allerdings noch nicht geklärt, ob der Ort auch minoisch oder mykenisch besiedelt war. Die Stadt war eine dorische (Neu-)Gründung und Mitglied der dorischen Pentapolis. Um 580 v. Chr. war die Stadt an der sizilischen Kolonisation und am Hellenion in Naukratis beteiligt; 565/564 stand sie unter persischer Herrschaft. Um 550 ließ die Stadt ein Schatzhaus in Delphi errichten. 477 war sie Mitglied im Attisch-Delischen Seebund, 412 erfolgte der Abfall zu Sparta, dann erneute Perserherrschaft. Um 394 besiegte der Athener Konon als persischer Admiral in der Seeschlacht von Knidos die spartanische Flotte. Im 3. Jh. v. Chr. meist ptolemäisch, kam sie 190 unter rhodischen Einfluss, 167 wurde sie frei.

In der römischen Kaiserzeit gehörte Knidos zur Provinz Asia. 263–467 n. Chr. wird die Stadt immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht. In der Spätantike war sie Bischofssitz und ist bis heute römisch-katholisches Titularbistum Cnidus. Mitte des 7. Jh. wurde die Stadt durch eine arabische Flotte zerstört.

Besonderheiten

Die Stadt war durch ihre hellenistische Ärzteschule (die irrigerweise im 19. Jahrhundert in die Zeit des Hippokrates zurückdatiert wurde[2]) und ein Aphroditeheiligtum mit der Aphroditestatue des Praxiteles bekannt (Aphrodite von Knidos). Bei oder in der Stadt Knidos befand sich das Triopion, das dorische Bundesheiligtum.

Biblische Erwähnung

Der Ort Knidos ist auch in der Bibel erwähnt. In der Apostelgeschichte 27,7 berichtet der Verfasser Lukas über die vierte Missionsreise des Paulus folgendes: „Viele Tage lang machten wir nur wenig Fahrt und kamen mit Mühe bis auf die Höhe von Knidos. Dann zwang uns der Wind, den Kurs zu ändern.“

Berühmte Bürger

Einzelnachweise

  1. Stefan Hiller: Die frühgriechischen Texte aus mykenischer Zeit. Darmstadt 1976, S. 106; 109 ff.; Tassilo Schmitt: Vom Ende des Erfolgs. Überlegungen zum Untergang der mykenischen Palastzivilisation. In: Gustav Adolf Lehmann, Dorit Engster, Alexander Nuss (Hrsg.): Von der bronzezeitlichen Geschichte zur modernen Antikenrezeption, Syngramma Bd. 1, Universitätsverlag Göttingen 2012, S. 120.
  2. Vincenzo Di Benedetto: Cos e Cnido, in: Hippocratica - Actes du Colloque hippocratique de Paris 4-9 septembre 1978, hg. v. M. D. Grmek, Paris 1980, 97-111, weiter Antoine Thivel: Cnide et Cos ? : essai sur les doctrines médicales dans la collection hippocratique, Paris 1981 (passim), ISBN 22-51-62021-4; s. dazu auch die Rez. v. Otta Wenskus (auf JSTOR) .

Literatur

  • Herbert A. Cahn: Knidos. Die Münzen des 6. und des 5. Jahrhunderts vor Christus. Berlin, de Gruyter 1970.
  • Nancy Demand: Did Knidos really move? The literary and epigraphical evidence. In: California studies in classical antiquity 20,2 = Classical antiquity 8,2, 1989, S. 224–237.
  • Hansgeorg Bankel: Knidos. Neue Forschungen im Stadtgebiet. In: Nürnberger Blätter zur Archäologie. 6, Nürnberg 1991, S. 17 ff.
  • Wolfgang Blümel: Die Inschriften von Knidos. Band 1. (= Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien. Band 41). Bonn, Habelt 1992, ISBN 3-7749-2474-0.
  • Hansgeorg Bankel: Knidos. Der hellenistische Rundtempel und sein Altar. In: Archäologischer Anzeiger. 1997, S. 51-71.
  • Hansgeorg Bankel: Scamilli impares at an Early Hellenistic Ionic Propylon at Knidos. In: Lothar Haselberger (Hrsg.): Appearance and Essence. Refinements of Classical Architecture. Curvature, Philadelphia 1999, S. 127–138. Rezension: Margaret M. Miles, in: Journal of the Society of Architectural Historians. 60,1, 2001, S. 84 f.
  • Christine Bruns-Özgan: Knidos. Ein Führer durch die Ruinen. Konya 2002, ISBN 975-97981-0-7.
  • Dietrich Berges: Archaische Funde aus Alt-Knidos. In: Istanbuler Mitteilungen. 52, 2002, S. 99–164.
  • Mustafa Şahin: Hellenistische Kohlenbecken mit figürlich verzierten Attaschen aus Knidos (= Knidos-Studien. Band III). Bibliopolis, Paderborn 2003, ISBN 3-933925-08-8.
  • Hansgeorg Bankel: Knidos. Das Triopion. Zur Topographie des Stammesheiligtums der dorischen Hexapolis. In: Ernst-Ludwig Schwandner, Klaus Rheidt (Hrsg.): Macht der Architektur – Architektur der Macht (= Diskussionen zur Archäologischen Bauforschung. Band 8). Zabern, Mainz 2004, ISBN 3-8053-3382-X, S. 100–113.
  • Dietrich Berges: Knidos. Beiträge zur Geschichte der archaischen Stadt. Zabern, Mainz 2006, ISBN 978-3-8053-3457-0.
  • Hansgeorg Bankel, Stefan Franz, Valentina Hinz: Griechische Architektur digital-dreidimensional: ein „Arbeitsmodell“ der Heiligtümer am Westrand von Knidos und ein polychromes Schaumodell des Aphaiatempels von Aegina. In: Alexandra Riedel, K. Heine, F. Henze (Hrsg.): Von Handaufmaß bis High Tech. Band 2: Modellieren, strukturieren, präsentiere. Zabern, Darmstadt 2006, ISBN 978-3-8053-3754-0, S. 242–251.

Weblinks

 Commons: Knidos  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Keine Kategorien vorhanden!

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Knidos (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.