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Christoph Lütge


Christoph Lütge (* 1969 in Helmstedt) ist ein deutscher Ökonom und Philosoph. Er ist Inhaber des Peter-Löscher-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Technischen Universität München.

Leben

Lütge legte 1989 das Abitur am Gymnasium Anna-Sophianeum in Schöningen ab. Nach dem Studium der Philosophie und Wirtschaftsinformatik in Braunschweig, Göttingen und Paris war Lütge von 1997 bis 1999 Promotionsstudent an den Technischen Universitäten Berlin und Braunschweig. 1999 promovierte er und wurde zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter, ab 2004 wissenschaftlicher Assistent an der philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Lütge habilitierte sich 2005 in München. Er lehrte als Lehrstuhlvertreter von 2007 bis 2008 an der Universität Witten/Herdecke sowie von 2008 bis 2010 an der Technischen Universität Braunschweig. 2007 erhielt er ein Heisenberg-Stipendium der DFG. Seit August 2010 hat er den neu geschaffenen Peter-Löscher-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsethik an der Technischen Universität München inne. Er ist Mitglied des Senats und des Hochschulbeirats der Hochschule für Politik München [1] sowie Mitglied im Advisory Board des Centre for Governance, Leadership and Global Responsibility der Leeds Beckett University.[2]

Forschungsinhalte

Arbeitsschwerpunkte Lütges sind Wirtschaftsethik und Allgemeine Ethik, vor allem der Ansatz der Ordnungsethik und normative Aspekte moderner Gesellschaften.
Die Ordnungsethik ist einer der profiliertesten wirtschaftsethischen Ansätze. Er plädiert dafür, Ethik in modernen Gesellschaften nicht über moralische Appelle, sondern über Regeln umzusetzen. Dazu gehören sowohl formelle als auch informelle Regeln.
Lütge hat darüber hinaus an der TU München das Labor "EEL" (Experimental Ethics Lab) aufgebaut, in dem ethische Forschung mit experimentellen Methoden unterstützt wird.
Seit 2011 organisiert er jährlich gemeinsam mit Robert von Weizsäcker die „Munich Lecture in Business Ethics“ an der TU München.[3] Lütge ist außerdem Mitherausgeber der Schriftenreihe Law, Ethics and Economics.

Ethik des Wettbewerbs

Lütge vertritt in seinem Buch Ethik des Wettbewerbs (2014) die These, dass der Wettbewerb in vielen gesellschaftlichen Bereichen stärker als bisher als ethischer Problemlösungsmechanismus eingesetzt werden sollte. Diese These belegt er systematisch und historisch und führt sie an Beispielen aus den Bereichen Ökologie, Gesundheitssektor, Politik, Bildung u.a. aus. Lütge ist der Ansicht, dass Wettbewerb ein viel allgemeineres Konzept als Kapitalismus und Ökonomie darstellt, da es unterschiedliche Konzepte und Arten von Wettbewerb gibt. Kapitalismuskritiker müssten daher nicht notwendig auch gegen den Wettbewerb eingestellt sein.[4][5][6]

Weitere Stellungnahmen

Lütge äußert sich regelmäßig in Tagespresse, Radio und Fernsehen zu aktuellen Themen. So kritisierte er Steuerschlupflöcher für Unternehmen,[7] befürwortete einen Ausbau des Faches Wirtschaft an Gymnasien,[8] forderte klare Richtlinien in Unternehmen für den Datenschutz [9] und äußerte sich zu den russisch-deutschen Beziehungen.[10]

Gutachtertätigkeiten

Lütge war als Gutachter tätig unter anderem für die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, die Netherlands Organization for Scientific Research, die Israel Science Foundation, den Schweizerischen Nationalfonds, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Studienstiftung des deutschen Volkes, den Wissenschaftsrat, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Society for Business Ethics, den Deutschen Akademischen Austauschdienst sowie für zahlreiche Fachzeitschriften.[11]

Schriften

  • Order Ethics or Moral Surplus: What Holds a Society Together?. Lanham, Md.: Lexington 2015, ISBN 978-0739198674.
  • Ethik des Wettbewerbs: Über Konkurrenz und Moral. München: Beck 2014, ISBN 978-3406669644.
  • Experimental Ethics: Toward an Empirical Moral Philosophy. Basingstoke: Palgrave Macmillan 2014 (Hrsg., mit Hannes Rusch und Matthias Uhl), ISBN 978-1137409799.
  • Handbook of the Philosophical Foundations of Business Ethics. Heidelberg/New York: Springer 2013 (Hrsg.), ISBN 978-94-007-1495-3.
  • Wirtschaftsethik ohne Illusionen: Ordnungstheoretische Reflexionen. Tübingen: Mohr Siebeck 2012, ISBN 978-3-16-151782-2.
  • Entscheidung und Urteil. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 2009 (mit Helmut Jungermann), ISBN 978-3-525-40419-5.
  • Corporate Citizenship, Contractarianism and Ethical Theory: On Philosophical Foundations of Business Ethics. Aldershot/London: Ashgate 2008 (hrsg. mit Jesus Conill und Tatjana Schönwälder-Kuntze), ISBN 978-0-7546-7383-5.
  • Was hält eine Gesellschaft zusammen? Ethik im Zeitalter der Globalisierung. Tübingen: Mohr Siebeck 2007, ISBN 978-3-16-149408-6.
  • Einführung in die Wirtschaftsethik. 3., überarb. Aufl., Münster: LIT 2013 (mit Karl Homann), ISBN 978-3-8258-7758-3.
  • Ökonomische Wissenschaftstheorie. Würzburg: Königshausen und Neumann 2001, ISBN 978-3-8260-2017-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hochschule für Politik München: neuer Senat und Hochschulbeirat, , abgerufen am 20. März 2015
  2. Advisory Board , abgerufen am 20. März 2015
  3. Munich Lecture in Business Ethics an der TU München, abgerufen am 20. März 2015
  4. Ethik des Wettbewerbs
  5. Sendung im WDR zur "Ethik des Wettbewerbs"
  6. Sendung im Deutschlandradio zur "Ethik des Wettbewerbs"
  7. "Ethik siegt", Süddeutsche Zeitung, 8. Dezember 2014, S. 2
  8. "Das Fach Wirtschaft muss an deutschen Schulen dringend ausgebaut werden", Huffington Post 23. Januar 2015
  9. "Germany Said to Review ‘No-Spy’ Buying Rules Amid U.S. Row", Bloomberg 11. Juli 2014
  10. Vom Handel und Wandel, Moskauer Deutsche Zeitung, April 2014
  11. http://www.wirtschaftsethik.edu.tum.de/team/luetge/ , abgerufen am 20. März 2015


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph Lütge (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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