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Christian Seidel


Christian Seidel (* 18. Januar 1959) ist ein deutscher Buchautor, Filmemacher Aktivist und Berater. Früher arbeitete Christian Seidel vornehmlich als Produzent, Medienmanager und Berater von Persönlichkeiten. Im Zentrum von Seidels Essays, Büchern und Filmprojekten steht schon immer die Auseinandersetzung mit dem Widerspruch zwischen Image und Wirklichkeit auseinander. Dabei fokussiert er seit einigen Jahren zumeist Themen des zwischengeschlechtlichen Zusammenlebens, zu denen er heute auch Seminare gibt.

Sein letztes Buch „Die Frau in mir“ rangierte mehrere Monate in der Spiegel-Bestsellerliste. Das Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Darin beschreibt Christian Seidel seine Erfahrungen aus seinem zweijährigen Selbstversuch, als Frau zu leben. Das Buch sorgte für eine starke Medienpräsenz und gab mit seinem praktischen Ansatz der Genderdebatte neuen Auftrieb. Für eine Kontroverse sorgte die Veröffentlichung eines Fotos des nur mit einer Damenstrumpfhose bekleideten Autors in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung. Seine Lesungen verbindet Seidel oft mit Performances. Bei zahlreichen seiner Buchpräsentationen las der Autor nicht aus seinem Buch vor, sondern präsentierte sich vor seinem Publikum über lange Zeitspannen hinweg wortlos in Frauenkleidung. Bei Veranstaltungen zu seinem Buch "Gewinnen ohne zu Kämpfe" durchschlug er mir der Handkante Holzscheite.

2015 stellte Christian Seidel seine Filmdokumentation "Nebesna Sotnja" (Titel: „Himmlische Hundert“ – ukr.: „Nebesna Sotnja“) über die ermordeten Demonstranten der Maidan-Bewegung. Der 90-Minuten-Film wurde zum ersten Jahrestag des Maidan-Massakers im Rahmen der offiziellen Trauerfeierlichkeiten auf Sonderveranstaltungen in Kiew und Lviv präsentiert, sowie weltweit auf Festivals gezeigt. Heute ist der mit einem Null-Budget und ausschließlich mit Freiwilligen produzierte Film frei auf youtube in mehrsprachigen Untertiteln zu sehen.

Frühere Karriere

Christian Seidel besuchte ein musisches Gymnasium (Pestalozzi, München) und lernte schon früh Klavier, u.a. an der Musikhochschule München. Er studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität Theaterwissenschaften. Nach Abbruch des Studiums arbeitete Seidel als Lastwagenfahrer, Zeitungsausträger, Kellner und Filmvorführer. Nach einer Ausbildung als Filmeditor studierte er an der Neuen Münchner Schauspielschule von 1980 bis 1983 Schauspiel und Regie. Nach dem Abschluss wandte er sich nach einigen Jahren der Arbeit als Schauspieler in Filmen und Theatern dem Journalismus zu. Als Grund für diesen neuen Berufswechsel bezeichnete er später sein Bedürfnis, sich „frei kreativ ausdrücken zu können“, wofür er „im Schauspielberuf die Möglichkeit“ vermisse („Kurier“). Erste praktische journalistische Erfahrungen machte Seidel beim Ringier-Verlag in Zürich, wo er u.a. für Pilotenfachzeitschriften die Einflugschneisen von Flughäfen beschrieb und für den Sonntagsblick das erste Interview mit dem indischen Guru Bhagwan Osho führte. In der Folgezeit arbeitete Christian Seidel als freier Autor für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, wie die Süddeutsche Zeitung, Abendzeitung, Tempo, Wiener oder Stern.

Während der Gründungszeit der privaten Fernsehsender ab Ende der 1980er Jahre entwickelte Seidel im Auftrag von Verlagskonzernen wie dem Heinrich Bauer Verlag in Hamburg und Fernsehkonzernen wie der Kirch-Gruppe PR-Konzeptionen und Medienkampagnen. So finanzierte der Bauer Verlag 1987 das Kunstprojekt „Luna Luna“ von André Heller auf der Basis eines PR-Konzeptes von Christian Seidel mit sechs Millionen Mark, welches damit damals als das teuerste PR-Projekt der Welt galt. Der ehemalige Student shakespearescher Dramen entwickelte sich in den 1990er Jahren zu einem der umtriebigsten PR-Manager Europas im Boom der neuen Medien, was ihm in der damaligen Presse den Spitznamen „Medien-Desperado“ eintrug („Medien-Bulletin“).

Seidel kritisierte damals selbst: „Die Bühne der Zukunft sind die Medien. Das Niveau der Dramen, die für diese Bühne geschrieben werden, ist allerdings erbärmlich.“ Ende der 80er fragte die junge Claudia Schiffer Seidel, ob er ihr Publizist werden wolle. In dieser Funktion managte er die Image- und Medienarbeit des Supermodels und auch zahlreicher anderer Stars über viele Jahre. Um auf die zunehmende Marktorientierung der boomenden Neuen Medien aufmerksam zu machen, initiierte Seidel 1993 unter dem Namen „Trailer-93“ die erste internationale Show von Fernsehtrailern, die später zur Gründung der Online-Branchen-Vereinigung „Eyes & Eears“ in London führte. Für die RTL-Show Gottschalk Late Night produzierte er den Model-Contest Model ’92 und damit den ersten großen Castingwettbewerb fürs Fernsehen. Das Projekt, in dem Heidi Klum entdeckt wurde, wurde zum Vorbild für eine Vielzahl von Fernseh-Modelcontests weltweit.

Seidel wirkte mit seinen Kampagnen maßgeblich bei den Markt-Einführungen der Privatsender Sat.1, ProSieben, Kabel eins und RTL 2, sowie zahlreicher Zeitschriften mit. Eines seiner engagiertesten Projekte wurde „TV For Nature“. Unter diesem Label erarbeitete er zusammen mit Umweltschutzorganisationen wie „Artists United for Nature“ und „World Wildlife Fund“ Inhalte für den Klimaschutz, die durch das Projekt weltweit kommuniziert werden sollten. Dabei bündelte er die Marketingwerkzeuge internationaler Medienkonzerne und Umweltorganisationen. Mit weltweit über 30 Fernsehsendern, darunter CBS, Antena 3, TV1, Sat.1, sowie zahlreichen Printmedien zählt das Projekt TV For Nature bis heute zu den größten Medienkampagnen für die Umwelt seiner Zeit.

1993 wurde Seidel Direktor Program Marketing der Kirch-Gruppe (Taurus Film). Neben der internationalen Vermarktung von engagierten Fernsehprogrammen, wie zum Beispiel der Neuauflage von „Vom Winde verweht“ namens „Scarlett“ oder der educativen Fernsehserie Young Indiana Jones Chronicles von George Lucas, führte er für die Kirch-Gruppe mit der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren als Schirmherrin das „Junior“-Label für gewaltfreie Kinderfilme ein. Der spätere Verkauf dieses Markenzeichens an die am Neuen Markt notierte Firma EMTV führte zu einer Kursexplosion der Aktie in der New Economy. Nach einiger Zeit machte sich Seidel wieder selbstständig, um Produzent zu werden. Er gründete seine eigene Firma Christian Seidel Communications GmbH und übernahm einen Beratungsvertrag von Leo Kirch für dessen Fernsehsender. Innerhalb dieser Aufgabe wurde ihm auch das Management der jungen Moderatorin Arabella Kiesbauer übertragen. Mit ihr zusammen entwickelte Seidel für den Sender ProSieben die Unterhaltungstalkshow Arabella Night, die er zum Teil selbst produzierte. Im Jahre 1996 produzierte er im Rahmen seines Fernseh-Benefizprojektes „Help!“ eine vielbeachtete Primetime-Sendung für ProSieben gegen Kindesmissbrauch.

Kurz darauf begann er sich vom Trend seichter Fernsehunterhaltungs-Formate zu distanzieren und konzentrierte sich auf die Produktion von gesellschaftspolitischen Talkshows, entwickelte neue Fernsehshowformate, Drehbücher und Dokumentationen – u.a. für den ORF in Wien, das ZDF, die BBC und BBC 2, sowie andere britische Sender, sowie für die Produktionen weiterer und gesellschaftspolitischer Formate.

In London verwirklichte Seidel als unabhängiger Produzent nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit zusammen mit dem Regisseur Philip Saville sein Lieblingsprojekt, den internationalen Spielfilm The Biographer – The Secret Life of Princess Di (Regie: Philip Saville, England, 2002) mit Faye Dunaway, Brian Cox, Hugh Bonneville und Paul McGann in den Hauptrollen, ein Film über den Widerspruch in Image und Wirklichkeit der britischen Prinzessin.

Nach einem Burnout und nachdem er selbst einen schweren Verkehrsunfall überlebte, beschloss Seidel, sein Leben von Grund auf zu verändern. Er beendete seine Geschäfte und begann, bei einem koreanischen Meister die Kampfkunst Taekwondo zu trainieren, sich intensiv mit den Grundwerten und neuen Zielen seines privaten Lebens und der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Dabei schrieb er das Buch Gewinnen, ohne zu kämpfen – Taekwondo oder die Entdeckung der Werte. Christian Seidel arbeitet heute als Autor von Büchern und engagiert sich sozial in der Flüchtlingshilfe und Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Nach dem Massaker am Maidan-Platz in Kiew im Februar 2014 gründete Seidel das ‚Maidan Help Projekt‘, mit dem seither Schwerverletzte Maidan-Demonstranten, sowie Hinterbliebene von Ermordeten Maidan-Protestierenden unterstützt werden. Als Coach und Referent berät er zudem Unternehmen und Persönlichkeiten zu Themen eines werteorientierten Führungsstils, sowie zu Genderfragen.

Bücher

"Die Erfindung der Wahrheit" - (2010),

"Gewinnen ohne zu Kämpfen" - Ludwig Verlag/Randomhouse (2011), ISBN 3453280261

"Die Frau in mir – Ein Mann wagt ein Experiment" – Heyne Verlag/Randomhouse (2014), ISBN 3453602994

"Genderkey – Wie sich Frauen in der Männerwelt durchsetzen" – Ariston/Randomhouse (September 2016), ISBN 3424201529

Filme

"Nebesna Sotnja" (‚Himmlische Hundert‘), 90 Minuten Filmdokumentation. Regie: Christian Seidel, Produzenten: Christian Seidel und Thomas Vacek, TV Friends, Kiew-Wien, 2015

"Christian und Christiane", Regie: Dariusch Rafiy, Produzent: 3W Production, München, 2014, ARTE.

Zu Seidels bedeutendsten früheren Produktionen zählen der internationale Spielfilm „The Biographer – The Secret Life of Princess Di“, dt. „Diana – Meine Geschichte. Wie die Wahrheit ans Licht kam“, (Regie Philip Saville, Cast Paul McGann, Brian Cox, Faye Dunaway, Hugh Bonneville u. a., England 2002), ein Kinofilm über den Widerspruch zwischen Image und Realität am Beispiel des Lebens von Prinzessin Diana, und die mehrfach ausgezeichnete Filmreihe Sound on Film (BBC 2, England 2001; Regie u.a. Werner Herzog, Hal Hartley, Quay Brothers), für die Seidel unter anderen mit dem Kultregisseur Nicolas Roeg („Wenn die Gondeln Trauer tragen“), dem Bandleader der Rockgruppe Portishead, Adrian Utley und Claudia Schiffer als Darstellerin den Arthouse–Film „The Sound“ produzierte. Darüber hinaus hat der Produzent zwischen 1990 und 2007 über 500 Filme, Talkshowserien, Dokumentationen und Magazinsendungen hergestellt.

Quellen

  • Petra Dancheva: Ein Mann lebt 18 Monate als Frau. In: ELLE Bulgarien. Juli 2014
  • Christian Seidel: I want to do everything fort he victims not to be forgotten. In: Kyiv Day. www.day.kiew.ua, 22. April 2014
  • Mareike Steger: Wann ist ein Mann ein Mann?. In: Wienerin. April 2014
  • Morgen Show, TVI Television Ukraine, 4. März 2014
  • Christian Seidel: Das grosse Experiment. In: ELLE. März 2014
  • Monika Graf: Alles Weibliche ist tabu. In: Salzburger Nachrichten. 26. April 2014
  • Christian Seidel: Ich will mehr. In: taz. 8. März 2014
  • Dariush Rafiy: Christian & Christiane. In: ARTE. 31. Januar 2014
  • Christian Seidel: Wir reden über Halsschmerzen, aber nicht über Orgasmus. In: n24. 30. Januar 2014
  • Christian Seidel im Interview, rtl Nord. 24. Januar 2014
  • Volker Isfort: Mann, Frau und wieder zurück. In: Abendzeitung. 24. Januar 2014
  • Marianne Strauch: Die Frau im Mann, buten und binnen. In: ARD. 22. Januar 2014
  • Jan Zier: Ein dramatisches Tabu. In: taz. 22. Januar 2014
  • Annette Wirthlin: Kampf den Klischees. In: Zentralschweiz am Sonntag / Luzerner Zeitung. 19. Januar 2014
  • Karl Gaulhofer: Einmal Frau und zurück. In: Die Presse. 18. Januar 2014
  • Melanie Zingl: Meine 2 Jahre als Frau. In: Woman. 17. Januar 2014
  • Markus Lanz: Lanz. In: ZDF. 15. Januar 2014
  • Christian Seidl: 18 Monate als Frau. In: Bild am Sonntag. 12. Januar 2014
  • Judith Luig: Neugier auf Nylons. In: WELT AM SONNTAG. 12. Januar 2014
  • Karin Steinberger: Männer. In: Süddeutsche Zeitung. 11. Januar 2014
  • Kurt Aeschbacher: Aeschbacher. In: Schweizer Fernsehen. 9. Januar 2014
  • Sigrid Schuer: Wann ist der Mann ein Mann?. In: Weser Kurier. 27. Oktober 2013
  • dpa: Ex-Erfolgsmanager Christian Seidel lebt als Frau. In: Panorama. 13. Mai 2013
  • TV Manager lebt jetzt als Frau. In: Abendzeitung München. 19. April 2013
  • 2 Fragen an den Mann, der vor 19 Jahren Heidi Klum entdeckte. In: Bild am Sonntag. 22. Mai 2011
  • Carsten Rave: Ein Manager macht sich davon aus dem Medien-Moloch. dpa, 13. April 2011
  • Andrea Hlinka: Das ist prähistorischer Unsinn. In: Kurier. 2. April 2011
  • Franz Kotteder: Runter von der Überholspur. In: Süddeutsche Zeitung. 29. März 2011
  • Hans Jürgen-Jakobs: Goldene Eier. In: Süddeutsche Zeitung. 2. Januar 2002
  • Lothar Gorris: Ein Zwölfer im Lotto. In: Der Spiegel. 8. Dezember 1997, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8840186.html
  • Entertainment Tonight. TV Show, CBS, USA, 11. September 2002
  • Imke Henkel: Die Königin der Herzen kann niemand spielen. In: Süddeutsche Zeitung. 1. April 2000
  • Nick Pryer: New Film will reveal secret drama of Diana. In: Mail on Sunday. 25. März 2001
  • Diana, The book that almost never was. In: Daily Telegraph. 14. April 2001
  • Anita Gates: Summondes by a Princess. New York Times, 30. August 2002
  • Verhängnis im Studio. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Juni 2004
  • Christian Seidel: Gewinnen ohne zu kämpfen. In: Ludwig Verlag. München 2011, ISBN 978-3-453-28026-7
  • Christian Seidel: Die Frau in mir. In: Heyne Verlag. 2014, ISBN 978-3-453-60299-1
  • dpa: Ex-Erfolgsmanager Christian Seidel lebt als Frau. In: Panorama. 13. Mai 2013
  • TV Manager lebt jetzt als Frau. In: Abendzeitung München. 19. April 2013
  • Werner Lippert: Corporate Collecting – Manager: Die neuen Medici / Christian Seidel. luna-schizo-luna, Econ 1990
  • Herbert Riehl-Heyse: Bestellte Wahrheiten. In: Kindle. 1991
  • Personalien.. In: Der Spiegel. Ausgabe 19/1992 vom 4. Mai 1992, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9278063.html
  • Christian Seidl: Auf dem Schleichweg an die Spitze. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Oktober 1992
  • Brühwürfel des deutschen Programms. In: Textintern. Ausgabe Nr. 106/107, 1993
  • Christian Seidl: 100 Minuten Einsamkeit. In: Süddeutsche Zeitung. 22. November 1993
  • Joachim Hauschild: Wie ein Kuß, der nicht hält, was er verspricht. In: Frankfurter Rundschau. 24. November 1993
  • TV-Trailer im Boom. In: Medienspiegel. Nr. 46 vom 6. Dezember 1993
  • Lothar Gorris: Ein Zwölfer im Lotto. In: Der Spiegel. 8. Dezember 1997, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8840186.html

Weblinks


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