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Christian Ludwig Liscow


Christian Ludwig Liscow (* 26. April 1701 in Wittenburg; † 30. Oktober 1760 auf Gut Berg vor Eilenburg) war ein deutscher Staatsdiener und sprachmächtiger Satiriker in der Zeit der Aufklärung. Seine vornehmlich auf die „Thorheiten“ zeitgenössischer, noch lebender Personen gezielten Polemiken waren umstritten, zumal er sich nie an große Geister wagte und sie zudem anonym vortrug.[1]

Leben

Nachdem Liscow von seinem Vater, Pastor Joachim Friedrich Liscow, unterrichtet worden war, ging er in Lüneburg aufs Gymnasium.[2] 1718 schrieb er sich an der Universität Rostock ein[3], vermutlich um Theologie zu studieren. Einige Zeit später wechselte er nach Jena und zur Rechtswissenschaft. Ein weiterer Wechsel an die Universität Halle ist noch nicht belegbar, gilt aber als wahrscheinlich.

In den Jahren 1729 bis 1734 hatte Liscow eine Anstellung als Hauslehrer in Lübeck. 1734 wurde er Privatsekretär beim Geheimen Rat von Clausenheim in Hamburg. Im Herbst des darauffolgenden Jahres trat er als Geheimer Legationssekretär in den Dienst von Herzog Karl Leopold von Mecklenburg. Der Herzog war um eine Anerkennung durch die europäischen Großmächte bemüht, welche ihm durch eine von Kaiser Karl VI. verhängte Reichsexekution (1717–1728) entzogen worden war. Liscow reiste im April 1736 von Wismar aus, dem Ort der Exilregierung Karl Leopolds, als Unterhändler nach Paris, um Frankreich für Herzog Karl Leopold zu interessieren. Da Liscow mit diesem Auftrag scheiterte, überließ der Herzog seinen Diplomaten dem Schicksal.

Liscow kam nur durch die Hilfe von Freunden über Rotterdam nach Hamburg. Dort wohnte er einige Zeit bei Friedrich von Hagedorn. 1738 bekam er eine Stelle als Privatsekretär beim Propst des Klosters Preetz in Holstein. 1740 warb ihn der preußische Gesandte Freiherr Karl Ludolf von Danckelmann als Privatsekretär nach Frankfurt am Main ab. Im Juli 1741 wurde Liscow Privatsekretär beim sächsischen Minister Graf Heinrich von Brühl. Dieser beförderte ihn zum Königl. Kabinettssekretär und 1745 zum Kriegsrat. In diesem Jahr heiratete Liscow die Witwe Johanna Buch, geb. Mylius. Mit ihr hatte er zwei Töchter und drei Söhne.

Ende 1749 wurde Liscow der Verschwörung gegen den Grafen von Brühl bezichtigt, seiner Ämter enthoben, vorübergehend eingekerkert und im April 1750 aus Dresden ausgewiesen. Er verbrachte seinen Lebensabend auf dem Landgut Berg bei Eilenburg, das seiner Ehefrau gehörte und wo er 1760 auch starb. Liscow wurde in der Marienkirche unweit seines Alterssitzes beigesetzt.

Wirkung

Sein literarisches Debüt gab Liscow 1726 mit einer Satire gegen den Rostocker Juristen Professor Johann Manzel. Seine ersten Texte waren von Hamburger Kaufleuten bestellt und bezahlt worden, für ihre Veröffentlichung sorgte Liscows Bruder, der Redakteur beim Hamburgischen Correspondenten war.[4] Liscows bekannteste Schrift Die Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit der elenden Scribenten gründlich erwiesen von 1736 stellte den Höhe- und auch schon Schlußpunkt seines literarischen Wirkens dar. Es war umstritten, allerdings schon zu seinen Lebzeiten nahezu vergessen. „In die Annalen der Literaturgeschichte ist Liscow als der Vertreter der Personalsatire eingegangen, als der erste deutsche Satiriker, der seinen Vernichtungswillen nicht nur an fiktiven Typen (wie sein Zeitgenosse Gottlieb Wilhelm Rabener, der Repräsentant der allgemeinen Satire), sondern ungehemmt an lebenden Opfern ausließ.“[1] Diese kritische Warte nahm bereits das zwischen 1854 und 1857 erschienene Herders Conversations-Lexikon ein, das Liscow immerhin beträchtlichen Witz und das „unstreitig schönste Deutsch vor Lessing“ bescheinigte.[5] Auch Meyers Konversations-Lexikon hebt (im Band 12 von 1908) Liscos stilistische Brilianz hervor, die nicht zu unrecht in Lessings Nähe gerückt werde.[6] In der Tat regte Liscow Lessing an, außerdem Lichtenberg[7] und Jean Paul.

Liscows 1732 einsetzender Feldzug gegen den „zum Pathos neigenden“ Hallenser Rhetorikprofessor Johann Ernst Philippi, einem Gegner Gottscheds und der Wolffschen Schulphilosophie, endet für den Verspotteten in der Irrenanstalt. Der Fall veranschaulicht den Gegensatz zwischen Liscows beißender „Personalsatire“ und den vergleichsweise „moderaten“ Attacken Rabeners, der sich persönlicher Verunglimpfungen stets enthielt.[8]

Von 1998 bis 2011 war das Christian-Ludwig-Liscow-Gymnasium in Wittenburg im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern nach Liscow benannt. Mit Gründung des Gymnasialen Schulzentrums wurde der Name nach anfänglichen Erhaltungsbestreben abgelegt.

Werke

  • Briontes der jüngere, oder Lob-Rede, auf den Hoch-Edelgebohrnen und Hoch-Gelahrten Herrn, Hrn. D. Johann Ernst Philippi. 1732 (Digitalisat )
  • Sammlung satirischer und ernsthafter Schriften, Frankfurt/Main und Leipzig 1739 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv ), Neuausgabe (Hrsg. Carl Müchler) in drei Bänden Berlin 1806, neuerdings Frankfurt/Main 1972
  • Die Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit der elenden Scribenten gründlich erwiesen. 1734 (Volltext in der Google-Buchsuche)
  • Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit der elenden Scribenten und andere Schriften, hrsg. von Jürgen Manthey, Frankfurt/Main 1968

Literatur

  • Carl Gustav Helbig: Christian Ludwig Liscow, 1844
  • Georg Christian Friedrich Lisch: Liscows Leben, Schwerin 1845
  • Berthold Litzmann: Christian Ludwig Liscow in seiner litterarischen Laufbahn, Hamburg: L. Voss, 1883
  • Paul Richter: Rabener und Liscow, Dresden 1884
  • Thomas P. Saine: Christian Ludwig Liscow: The First German Swift, in: Lessing Yearbook IV, New York und London 1972, Seite 122-156
  • Jürgen Brummack: Vernunft und Aggression. Über den Satiriker Liscow, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte (DVjs) Nummer 49, 1975, Sonderheft 18. Jahrhundert, Seite 118-137
  • Christian Schwarz: Spötter und Scribenten. Untersuchung zu Strategie und Struktur frühaufklärerischer Satire bei Christian Ludwig Liscow, Universität Würzburg 1976
  • Wolfgang Proß: Liscow, Christian Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 682–684 (Digitalisat ).
  • Markus Steinhardt: Möglichkeiten der Satire bei Gottlieb Wilhelm Rabener und Christian Ludwig Liscow, Universität München 1999

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Gunter E. Grimm 1986 (PDF; 17 kB), abgerufen am 2. Januar 2012
  2. G. C. F. Lisch 1858 , abgerufen am 2. Januar 2012
  3. Immatrikulation von Christian Ludwig Liscow im Rostocker Matrikelportal
  4. Benno Schirrmeister, taz vom 1. Juli 2009 , abgerufen 2. am Januar 2012
  5. Liscow , Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 6-7.
  6. Meyers , abgerufen am 2. Januar 2012
  7. Brockhaus Enzyklopädie in der 19. Ausgabe, Band 13 von 1990
  8. litde , abgerufen am 2. Januar 2012

Weblinks

 Wikisource: Christian Ludwig Liscow – Quellen und Volltexte


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Christian Ludwig Liscow (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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