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Chironex fleckeri


Chironex fleckeri

Systematik
Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
Klasse: Würfelquallen (Cubozoa)
Ordnung: Chirodropida
Familie: Chirodropidae
Gattung: Chironex
Art: Chironex fleckeri
Wissenschaftlicher Name
Chironex fleckeri
Southcott 1956

Chironex fleckeri, auch bekannt als Seewespe, ist eine Art der Würfelquallen (Cubozoa), die an den Pazifischen Stränden beheimatet ist und aufgrund ihres Giftes gefürchtet ist. Um sich vor den Tieren zu schützen, werden in Australien ganze Badestrände seeseitig eingezäunt oder man geht mit einem nesselsicheren Tauch-, Surf- oder Quallenschutzanzug ins Wasser.

Als Seewespe bezeichnet man auch die in derselben Familie stehende und eng verwandte Art Chiropsalmus quadrigatus.

Merkmale

Sehfähigkeit

Die Seewespe verfügt über eine komplexe Sehfähigkeit. Von 24 Sehorganen sind 16 einfach aufgebaute Pigmentgruben, die nur hell und dunkel unterscheiden, die restlichen acht Sehorgane verfügen, wie Forscher der schwedischen Universität Lund herausfanden, über hochentwickelte Linsen. Die Linsen sind nur einen Zehntelmillimeter groß und liefern ein erstaunlich scharfes Bild.

Nervensystem

Forscher verwunderte anfänglich, dass sie bei Quallen lediglich ein sehr schwaches Nervensystem fanden, obwohl zum Verarbeiten der komplexen visuellen Reize eigentlich ein Gehirn notwendig ist. Auch Seewespen verarbeiten die Nervensignale ihrer Linsenaugen demnach direkt in dem Nervenareal, das Schwimmbewegungen steuert. Jedes Sehorgan hat vermutlich eine spezialisierte Aufgabe, die Reize werden daher nicht zentral verarbeitet, sondern führen direkt zu einer Reaktion.

Tentakel

Wie bei anderen Quallen auch besteht der Körper der Seewespe aus einer wasserreichen Gallerte, die eine Schwimmglocke bildet. Daran hängen bei einer ausgewachsenen Würfelqualle bis zu 60 Tentakel, die bis zu drei Meter lang werden können. Diese Tentakel sind bestückt mit etwa 5.000 Nesselzellen (Nematocyten), deren feine Fäden bei mechanischer Reizung aktiviert werden, dann in die Haut des Opfers eindringen und ihr extrem starkes Gift entladen.

Giftwirkung

Das Gift der Seewespe besteht aus Cardiotoxinen, welche funktionell wie Neurotoxine wirken, aber hauptsächlich auf Herzmuskelzellen wirken.[1] Durch die Anordnung der Nesselzellen an den Tentakeln bleibt bei den Opfern ein charakteristisches Strickleitermuster zurück, das in die Haut gebrannt ist. Die Wunden verheilen nur äußerst langsam, da sich die Tentakel durch sämtliche Hautschichten ätzen. Das Toxin selbst wirkt hauptsächlich auf die Nerven und führt zu Lähmungen der Skelett- und Herzmuskulatur und der Atmung. Es durchlöchert ferner die Membrane der Blutkörperchen, was zu einem Kaliumaustritt führt, der einen Herzstillstand verursacht.[2] Das Gift besteht aus Proteinen, welche die Hauptmasse der für die Toxizität verantwortlichen Substanzen ausmachen.[3] Der Tod kann innerhalb weniger Minuten eintreten, wenn nicht sofort medizinische Notmaßnahmen eingeleitet werden. Dabei reicht bereits die Berührung mit wenigen Metern der Tentakel, eine Strecke, die innerhalb des Tentakelnetzes der Qualle schnell erreicht wird. Die Seewespe gilt als das giftigste Meerestier der Welt und jedes Jahr sterben mehr Menschen an dem Gift dieser Qualle als durch Hai-Angriffe.

Behandlung

Seit einigen Jahren steht ein Gegengift zur Verfügung. Da jedoch die Wirkung der Nesselzellen sofort eintritt und das Leben der Patienten unmittelbar bedroht ist, müssen zunächst Sofortmaßnahmen ergriffen werden. Diese sind derzeit wieder Gegenstand der medizinischen Diskussion. Die Tentakel haften meist nach dem Unfall weiter auf der Haut des Opfers und geben bei Bewegung weiter erhebliche Giftmengen ab. Eine mechanische Entfernung ist daher nicht möglich, ebenso wenig ein Abspülen mit Wasser. Mittlerweile dringend abgeraten wird von einer seit 1980 praktizierten Behandlung mit Essig (etwa mit Haushaltsessig), da verdünnte Essigsäure zwar noch nicht abgefeuerte Nesselzellen zuverlässig und schnell deaktiviert, wenn sie auf die Tentakeln einwirkt, aber bereits in der Haut befindliche Nesseln dann sofort ihr restliches Gift abgeben.[4][5] Inzwischen wird Zinkgluconat als potentielles Medikament erforscht, um die Giftwirkung bis zur Gabe des Gegenmittels zu verlangsamen und dem Opfer damit wertvolle Zeit zu schenken.[2]

Entdeckungsgeschichte

1948 wurde die Qualle von Ronald Southcott zum ersten Mal gefunden. Die Todesfälle durch das Tier wurden vorher vor allem der deutlich auffälligeren und ebenfalls hochgiftigen Portugiesischen Galeere (Physalia physalis) zugeschrieben. Beschrieben und benannt wurde die Seewespe erst 1955 als Chironex fleckeri; der Gattungsname bedeutet übersetzt „mordende Hand“.

Lebenszyklus

Lange Zeit nicht geklärt war das plötzliche Auftauchen der Tiere. Normalerweise bilden Quallen zwei Generationen aus: die festsitzenden Polypen und die Medusen, die freischwimmend leben und von den Polypen abgeschnürt werden. Für die Würfelquallen waren diese Polypen bis zu dem Zeitpunkt vollkommen unbekannt. Die Aufklärung des Lebenszyklus der Seewespe ist vor allem dem Biologen Robert Hartwick zu verdanken. Nach neuesten Forschungen wird jedoch davon ausgegangen, dass sich die winzigen Polypen bis zu 50 km vor Küsten, etwa im Great Barrier Reef, entwickeln. Im Frühsommer wandelt sich der gesamte Polyp in eine einzelne Würfelqualle um und schwimmt ins Meer hinaus. Sie sucht auch an Stränden nach Nahrung, kleinen Krebsen und Fischen, die sich in den Tentakeln verfangen und binnen Sekunden getötet werden.

Chironex fleckeri im Film

Im Film Sieben Leben wird Chironex fleckeri als „Haustier“ des Protagonisten gezeigt. Er verwendet sie schließlich für seinen Freitod, um Herz und Cornea zu spenden. In dem Film wird deutlich, wie schmerzvoll eine Berührung mit der tödlichen Qualle sein kann.

Belege

Literatur

  • Volker Storch und Ulrich Welsch: Kükenthals Leitfaden für das Zoologische Praktikum. 496 S., 24. neu bearbeitete Auflage, Spektrum Akademischer Verlag.
  • Marymegan Daly, Mercer R. Brugler, Paulyn Cartwright, Allen G. Collin, Michael N. Dawson, Daphne G. Fautin, Scott C. France, Catherine S. McFadden, Dennis M. Opresko, Estefania Rodriguez, Sandra L. Romano & Joel L. Stake: The phylum Cnidaria: A review of phylogenetic patterns and diversity 300 years after Linnaeus. Zootaxa, 1668: 127–182, Wellington 2007 ISSN 1175-5326 Abstract - PDF

Einzelnachweise

  1. Cardiotoxine - Kompaktlexikon der Biologie. In: www.spektrum.de. Abgerufen am 31. März 2016.
  2. 2,0 2,1 http://www.spektrum.de/alias/toxikologie/spurenelement-als-quallengift-gegenmittel/1178785
  3. D. L. Brinkman, A. Aziz u. a.: Venom proteome of the box jellyfish Chironex fleckeri. In: PloS one. Band 7, Nummer 12, 2012, S. e47866, doi:10.1371/journal.pone.0047866 , PMID 23236347 , PMC 3517583 (freier Volltext) .
  4. R. Hartwick, V. Callanan, J. Williamson: Disarming the box-jellyfish: nematocyst inhibition in Chironex fleckeri. In: The Medical journal of Australia. Band 1, Nummer 1, Januar 1980, S. 15–20, PMID 6102347 .
  5. P. Welfare, M. Little, P. Pereira, J. Seymour: An in-vitro examination of the effect of vinegar on discharged nematocysts of Chironex fleckeri. In: Diving and hyperbaric medicine. Band 44, Nummer 1, März 2014, S. 30–34, PMID 24687483 .

Weblinks

 Commons: Chironex fleckeri  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Würfelquallen | Cubozoa

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