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Chinesische Engelwurz


Chinesische Engelwurz

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Engelwurzen (Angelica)
Art: Chinesische Engelwurz
Wissenschaftlicher Name
Angelica sinensis
(Oliv.) Diels

Die Chinesische Engelwurz (Angelica sinensis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Engelwurzen (Angelica) innerhalb der Familie Doldenblütler (Apiaceae). Diese Heilpflanze stammt aus China.[1]

Beschreibung

Erscheinungsbild, Wurzel und Blatt

Die Chinesische Engelwurz wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 0,4 bis 1 Metern. Die zylindrische Hauptwurzel verzweigt sich in viele sukkulente Seitenwurzeln und alle Wurzeln sind stark aromatisch. Der purpurfarben-grüne, gestreifte Stängel ist im oberen Bereich verzweigt.[1]

Die wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Bei den Grundblättern und den unteren Stängelblättern sind die Blattstiele 5 bis 20 Zentimeter lang.[1]

Generative Merkmale

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Die Blütezeit reicht in China von Juni bis Juli. Im endständigen, doppeldoldigen Blütenstand stehen viele Blüten zusammen.[1]

Die Früchte reifen in China zwischen Juli und September. Die Doppelachäne zerfällt in zwei Teilfrüchte, die bei einer Länge von 4 bis 6 Millimetern sowie einem Durchmesser von 3 bis 4 Millimetern ellipsoid oder fast kreisförmig sind.[1]

Vorkommen

Die zwei Varietäten gedeihen wild oder kultiviert in Wäldern und im Gebüsch in Höhenlagen von 2500 bis 3000 Metern in den chinesischen Provinzen Sichuan, Gansu, Hubei, Shanxi und Yunnan.[1]

Chinesische Engelwurz in der Traditionellen Chinesischen Medizin

Schon im ältesten chinesischen Heilpflanzenbuch, dem Shennong ben cao jing, wurden die Wurzeln der Chinesischen Engelwurz prominent behandelt. Als Hauptwirkung wurde der Aufbau und die Harmonisierung des Blutes angegeben. Dadurch sollte vor allem die weibliche Fruchtbarkeit positiv beeinflusst werden.[2]

Die aktuell gültigen chinesischen Arzneibücher empfehlen die Droge bei folgenden Erkrankungen: Welk-gelbe Gesichtsfarbe bei Blut-Leere, Schwindel und Herzklopfen, Menstruationsbeschwerden, Ausbleiben der Regelblutung, Leere-Kälte-Bauchschmerz, Darm-Trockenheits-Stuhlverstopfung, Wind-Feuchtigkeits-Rheuma, Unfallverletzungen, Geschwüre.[3]

Jean-Baptiste Du Halde

Chinesische Engelwurz wurde im 18. Jh. durch den Jesuitenmissionar und Sinologen Jean-Baptiste Du Halde in Europa bekannt gemacht:

„Über Tang Coue [Chinesische Engelwurz]. Diese Wurzel ist sehr aromatisch und sie verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Die chinesischen Ärzte, die sich ihrer bedienen, kennen nicht alle ihre Anwendungsmöglichkeiten, denn sie können von ihr keine chemische Analyse machen. Sie nennen sie Tang Coue: sie ist immer feucht, denn sie ist ölig.

Ihre Tugend ist, so sagen sie, das Blut zu nähren, die Zirkulation zu fördern, zu kräftigen usw. Es ist leicht, sie in großen Mengen billig zu erwerben. Man kann sie auch transportieren ohne befürchten zu müssen, dass sie verdirbt, vorausgesetzt man trifft dieselben Vorkehrungen wie die Chinesen, welche unverletzte Wurzeln aus der Provinz Se tchuen in andere Provinzen transportieren, wo sie in Magazinen aufgehoben werden. Dort decken sich die kleinen Händler für ihre kleinen Läden damit ein: sie schneiden diese Wurzel, wie alle anderen, in sehr kleine Stücke, welche sie in kleinen Mengen verkaufen. Daher sollten europäische Händler, welche chinesische Drogen in Canton einkaufen wollen, diese nur in großen Magazinen erstehen und nicht in den kleinen Läden, wo man sie in dünne Scheiben zerschnitten verkauft.“

Jean-Baptiste Du Halde: Description géographique, historique, chronologique, politique, et physique de l’Empire de la Chine et de la Tartarie Chinoise. Henri Scheurleer, Den Haag 1736, Bd. 3, S. 612.[4]

Eumenol

Unter dem Namen „Eumenol“ vertrieb die Darmstädter Firma E. Merck von 1899 bis 1962 einen Drogenauszug aus der Wurzel der Chinesischen Engelwurz als „ungiftiges Emmenagogum“.[5] Als Indikationen des „Eumenol“ wurden angegeben: zu seltene Menstruationsblutung, zu schwache Menstruationsblutung, Ausbleiben der Menstruationsblutung und Menstruationsbeschwerden. Von 1899 bis 1910 wurden vier klinische Fallstudien veröffentlicht, in denen über die Wirkung der Gabe von dreimal täglich 5 ml eines Fluidextrakts der Wurzel von Angelica sinensis (Eumenol) bei Menstruationsstörungen berichtet wurde.[6][7][8][9] Nach 1960 wurden zur Behandlung der Indikationen des „Eumenol“ Hormone vermarktet.[10]

In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studie zeigten Dang-gui-Extrakte bei der Behandlung von Hitzewallungen in der Menopause keine besseren Resultate als Placebo.[11]

Andererseits werden die Östrogen- und Serotonin-Aktivitäten von Zubereitungen aus Dang gui kontrovers diskutiert.[12] Dang gui enthält eine Butylidenephthalide genannte Verbindung, die in vitro krampflösend wirkt und die Krämpfe der Gebärmuttermuskulatur lösen könnte.[13] Diese Vermutung muss noch durch klinische Versuche überprüft werden.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Pan Zehui, Mark F. Watson: Angelica.: Angelica sinensis, S. 168 - textgleich online wie gedrucktes Werk , In: Wu Zheng-yi & Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 14 - Apiaceae through Ericaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2005. ISBN 1-930723-41-5.
  2. Zitiert nach Bencao Gangmu, Buch 14 (Kommentierter Reprint, VR China 1975, Band II, S. 833).
  3. Zitiert und übersetzt nach: Pharmakopoe der VR China 1985. Band I, S. 105.
  4. Du Halde 1736, Band III, S. 612 Digitalisat
  5. 1899-1959 als Eumenol-Flüssigkeit (Fluidextrakt), 1914-1962 als Eumenol-Tabletten.
  6. A. Mueller: Versuche über die Wirkungsweise des Extrakts des chinesischen Emmenagogon Tang-kui (Man-mu) oder Eumenol-Merck. In: Münchener Medizinische Wochenschrift, Band 46, 1899, S. 796-798.
  7. H. Lange: Beobachtungen bei der Verwendung einiger neuer Medikamente. Eumenol, Dionin und Stypticin. In: Therapeutische Monatshefte, Band 7, 1901, S. 363.
  8. R. Palm: Erfahrungen mit Eumenol. In: Münchener Medizinische Wochenschrift, Band 1, 1910, S. 23-25.
  9. P. Buck: Un nouveau remède spécifique contre la dysmenorrhée: l’eumenol. In: Belgique médicale, 2, 1899, S. 363-365.
  10. Erika Hickel: Die Arzneimittel in der Geschichte. Bautz, Nordhausen 2008, S. 527.
  11. Janie D Hirata: Does dong quai have estrogenic effects in postmenopausal women? A double-blind, placebo-controlled trial.. In: Fertil Steril. 68, Nr. 6, Dec 1997, S. 981–6. doi:10.1016/s0015-0282(97)00397-x . PMID 9418683 .
  12. Atieh Hajirahimkhan: Botanical Modulation of Menopausal Symptoms: Mechanisms of Action?. In: Planta Med. 79, Nr. 7, May 2013, S. 538–53. doi:10.1055/s-0032-1328187 . PMID 23408273 .
  13. Ko WC: A newly isolated antispasmodic--butylidenephthalide. In: Jpn J Pharmacol. 30, Nr. 1, Feb 1980, S. 85–91. PMID 7401411 .

Weblinks

 Commons: Chinesische Engelwurz (Angelica sinensis)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Essential Medicines and Health Products Information Portal. A World Health Organisation resource. Digitalisat
  • University of Maryland. Medical Center. Digitalisat
  • U.S. National Library of Medicine. Medline Plus. Digitalisat
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Kategorien: Traditionelle Chinesische Medizin | Doldenblütler | Heilpflanze

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische Engelwurz (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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