Chiavenna - LinkFang.de





Chiavenna


Kleven ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum norwegischen Komponisten siehe: Arvid Kleven.
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum italienischen Astronomen siehe Paolo Chiavenna.
Chiavenna
Staat: Italien
Region: Lombardei
Provinz: Sondrio (SO)
:
Höhe: 333 m s.l.m.
Fläche: 11 km²
Einwohner: 7.379 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 671 Einw./km²
Stadtviertel Campedello, Loreto, Pianazzola, San Carlo
Angrenzende Gemeinden Mese, Piuro, Prata Camportaccio, San Giacomo Filippo
Postleitzahl: 23022
Vorwahl: 0343
ISTAT-Nummer: 014018
Volksbezeichnung: Chiavennaschi
Schutzpatron: San Lorenzo
Website: Chiavenna

Chiavenna (lateinisch und rätoromanisch  Clavenna?/i , lombardisch: Ciavèna, deutsch: Cläven oder Kleven) ist eine Stadt mit 7379 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015 ) der italienischen Provinz Sondrio, die der Region Lombardei angehört.

Chiavenna ist heute für den historischen Stadtkern und seine Restaurants bekannt. Es ist Mitglied der Cittàslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung städtischer Lebensqualität.

Geographie

Das von der Mera durchflossene Chiavenna liegt rund 17 km nördlich des Comer Sees. Es ist Zentrum des Valchiavenna, das aus dem unteren Bergell (bis Castasegna), dem Val San Giacomo und dem eigentlichen Val Chiavenna (südlich von Chiavenna bis Pian di Spagna) besteht. In Chiavenna verzweigen zwei schon von den Römern genutzte Alpenübergänge. Der eine führt nördlich durch das Valle San Giacomo über den Splügenpass nach Chur; diese Passstraße wurde 1822 eröffnet. Der andere führt zunächst nach Osten durch das Bergell (Val Bregaglia) und verzweigt dann: die von den Römern genutzte Strecke führte von Casaccia am Fuße des letzten Aufstiegs des Malojapasses über den Septimerpass (bis heute nur ein Saumpfad) auf die Julierroute. Als Straße ausgebaut ist dagegen die Strecke über den Malojapass und dann weiter über den Julierpass nach Chur. Chiavennas größte Nachbargemeinden sind Piuro und Prata Camportaccio. Mit diesen beiden Orten bildet Chiavenna ein Siedlungsgebiet von rund 12.000 Einwohnern.

Geschichte

Clavenna, wie Chiavenna zur Römerzeit hieß, wurde 16 vor Christus von Augustus' Truppen erobert. Die Römer bauten von dort zwei Straßen über die Alpen, über den Splügen- und den Septimerpass, nach Chur.

Die Grafschaft Chiavenna entstand um 960, als Otto I. das Bergell vom benachbarten Villa an aufwärts dem Bistum Chur zuteilte und damit die noch heute gültige Grenzlinie zwischen Italien und der Schweiz zog. 1030 erhielt Chiavenna vom Bistum Como das Stadtrecht. Im Jahre 1176 soll hier der angebliche Kniefall von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) vor seinem Vetter Heinrich dem Löwen stattgefunden haben. 1178 stiessen Truppen des Churer Bischof über die Alpen bis Plurs vor und beanspruchten Chiavenna ab 1194 für sich. Bis über die Stauferzeit hinaus war es Bestandteil des Herzogtums Schwaben.

1335 gingen das Veltlin an die Visconti in Mailand über, sie erwarben den Contado Chiavennas vom Churer Bischof. Während dem 15. Jahrhundert war Chiavenna Lehensgebiet der Balbiani aus Varenna. Ausgelöst durch einen Aufruf von Papst Innozenz VIII. bekämpfte 1486 ein Bündnerheer die Sforza, die die Visconti abgelöst hatten, und sie steckten Chiavenna in Brand. Ludwig der Mohr, Herzog von Mailand, kam zu Hilfe und liess 1488-1492 Befestigungsmauern um Chiavenna und weitere Zentren des Veltlins errichten. In den Mailänderkriegen gelang 1512 bis 1531 den Drei Bünden unter Conrad von Planta die Eroberung von Cläven zusammen mit Bormio (Worms) und dem Veltlin (Valtellina) als gemeinsames Untertanengebiet, wobei zuerst die Burg zerstört, die Landwirtschaft danach ausgebaut wurde und die Bevölkerung zunehmen konnte.

Ab 1542 bildete sich in Chiavenna eine evangelische Gemeinde unter dem aus Mailand geflüchteten Theologen und Reformator Agostino Mainardi, der in engem Kontakt mit dem Zürcher Reformator Heinrich Bullinger und unter dem Schutz der Herrscherfamilie Salis stand.[2] Viele von der katholischen Inquisition verfolgte evangelische Glaubensflüchtlinge aus Italien kamen ins Veltlin, weil es hier seit 1526 Religionsfreiheit gab. Etliche schlossen sich der neuen reformierten Kirche an, der zeitweilig ein Drittel der Bevölkerung angehörten. Zu den Flüchtlingen gehörten auch Rationalisten, Unitarier und Täufer, was zu weiteren Auseinandersetzungen, Streitigkeiten und Ausschlüssen führte. Darunter war auch der italienische Lehrer und antitrinitarische Täufer Camillo Renato, der Sonderlehren vertrat, das Abendmahl nur als Erinnerungszeichen verstanden haben wollte und 1550 ausgeschlossen wurde.[3] 1554 war der Reformator Bernardino Ochino Prediger, 1563-1567 der Reformator Girolamo Zanchi Pfarrer in der Stadt.[4] Nach dem Ilanzer Edikt von 1557 wurde in drei Kirchen der Stadt der reformierte Gottesdienst eingeführt. Der Reformator Locarnos und des Misox Giovanni Beccaria weilte 1561-1571 hier.[5] Die Stadt Chiavenna wurde zunehmend auch zur Zwischenstation des Textil- und Lebensmittelhandels von Venedig, Bergamo nach Zürich und umgekehrt. Die Patrizierfamilie Pestalozzi mit ihren Kontakten nach Zürich und Glaubensflüchtlinge aus Locarno spielten dabei eine wesentliche Rolle.[6]

Seit dem Veltliner Mord von 1620 an Protestanten konnten sich die Katholiken im Rahmen der Gegenreformation wieder durchsetzen. 1629 brachten Landsknechte die Pest ins Gebiet. Ab 1639 waren gemäss dem Mailänder Kapitulat Nichtkatholiken der Aufenthalt in Chiavenna nicht mehr gestattet.[7] Danach wurden die Stadtkirchen wieder aufgebaut und zwei Klöster gegründet.

1715 folgte Österreich den Spaniern im Herzogtum Mailand, das 1762 mit Graubünden einen Vertrag abschloss. Darin sah ein Geheimartikel vor, dass Protestanten doch die Niederlassungsfreiheit erhalten sollten. Die Talschaften von Chiavenna wurden 1797 Teil der Cisalpinischen Republik und sodann des 1802 gegründeten Regno d'Italia unter Eugène de Beauharnais.

Nach dem Sturz Napoleon I. wurde von 1815 bis 1859 Chiavenna Teil der österreichischen Lombardei (Regno Lombardo-Veneto). 1818-1822 wurde die neue Strasse über den Splügenpass erbaut. Wenig später begann die industrielle Entwicklung mit Bierbrauereien und Baumwollspinnereien. 1835 waren in Chiavenna zehn Speditionshäuser ansässig. In der österreichischen Zeit wurden in jedem Dorf Schulen gebaut und der Schulunterricht wurde auch für Mädchen obligatorisch: die lombardischen Untertaninnen der österreichischen Monarchie wurden somit zu den ersten italienischen Frauen die alphabetisiert wurden, lange vor den übrigen italienischen Frauen. In dieser Zeit konnte ein Chiavennasker in Innsbruck, Wien, Prag, Budapest studieren und promovieren. Er konnte Offizier im Kaiserlichen Heer oder Beamter in der österreichischen Administration werden. Seine Adelstitel konnten authentifiziert und bestätigt werden.[8]

Sehenswürdigkeiten

Am bekanntesten dürfte wohl Il Castello sein. Auch erwähnenswert sind der monumentale Friedhof, die engen Straßen und Gässchen. Eine davon endet an dem Torbogen Santa Maria. Der botanische Garten Paradiso lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein, die besonders im Frühjahr reizvoll sind und die von dem hohen Felsen einen schönen Blick über die Stadt bieten. Einen Besuch lohnt auch der Kreuzgang von San Lorenzo mit dem Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert und dem Museum del Tesoro. In der Umgebung Chiavennas befinden sich die Wasserfälle von Borgonuovo. Die naturnahe Landschaft ringsum bietet sowohl botanische als auch zoologische Besonderheiten. Nördlich der Stadt können einige eiszeitliche Gletschermühlen besichtigt werden.

Söhne und Töchter der Stadt

Weblinks

 Commons: Chiavenna  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Cleven in der Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Emidio Campi: Mainardi, Agostino. Historisches Lexikon der Schweiz.
  3. Lukas Vischer: Die Abendmahlsschwierigkeiten in Chiavenna. Artikel in Bündner Monatsblatt, Zeitschrift für Bündner Geschichte, Landeskunde und Baukultur 1956, Heft 8-9, Seiten 269-278
  4. Conradin Bonorand: Geschichte der Reformation in den ehemaligen Bündner Untertanenlanden, insbesondere im Gebiet von Chiavenna. Artikel in Bündner Monatsblatt, Zeitschrift für Bündner Geschichte, Landeskunde und Baukultur. Heft 1-2, 1979, Seiten 31 und 32
  5. Emidio Campi: Beccaria, Giovanni. im Historischen Lexikon der Schweiz
  6. Leo Weisz: Die wirtschaftliche Bedeutung der Tessiner Glaubensflüchtlinge für die deutsche Schweiz. Berichthaus, Zürich 1958, Seiten 165-170: Die Beziehungen der Pestalozzi zu den Flüchtlingsfamilien
  7. 450 Jahre Reformation im Bergell. Artikel in der NZZ 8. August 2002
  8. Guido Scaramellini: Chiavenna im Historischen Lexikon der Schweiz

Kategorien: Historisches Territorium (Schweiz) | Provinz Sondrio | Gemeinde in der Lombardei | Ort in der Lombardei

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Chiavenna (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.