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Cavergno


Cavergno
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin TI
Bezirk: Bezirk Vallemaggia
Kreis: Kreis Rovana
Politische Gemeinde: Cevio
Postleitzahl: 6690
Koordinaten:
Höhe: 457 m ü. M.
Fläche: 54,79 km²
Einwohner: 492 (31. Dezember 2005)
Einwohnerdichte: 9 Einw. pro km²
Website: www.cevio.ch

Cavergno

Karte

Cavergno war bis zum 22. Oktober 2006 eine politische Gemeinde im Kreis Rovana, im Bezirk Vallemaggia des Kantons Tessin in der Schweiz.

Geographie

Cavergno liegt 29 km nordwestlich von Locarno im Maggiatal. Der Ort liegt am Zusammenschluss des Val Bavona und des Val Lavizzara. Vom ehemaligen Gemeindegebiet von beinahe 55 km² besteht der Grossteil aus Gebirge und Gewässern (60,5 %). Weitere 31,3 % des Areals bedecken Wald und Gehölz. Bloss 7,5 % (im Talgrund des Val Bavona) können landwirtschaftlich genutzt werden. Ein Bruchteil von 0,7 % sind Siedlungsfläche.

Zur ehemaligen Gemeinde gehörten elf der zwölf Weiler (Terre) des Bavonatal (von Süden nach Norden): Mondada, Fontana, Alnedo, Sabbione, Ritort (Ritorto), Foroglio,[1] Rosed (Roseto), Fontanelada (Fontanellata), Faed (Faedo), Bolla, Sonlèrt (Sonlerto).

Geschichte

Am 22. Oktober 2006 hat Cavergno mit Bignasco und Cevio zur Gemeinde Cevio fusioniert. Die schon per 23. Januar 2005 geplante Fusion musste zurückgestellt werden, da noch eine Klage vor Bundesgericht hängig war.[2] Im April 2006 wurde die Beschwerde der Gemeinde Bignasco gegen die Zwangsfusion durch das Bundesgericht abgewiesen.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Wegen der eingeschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten setzte bereits im 17. Jahrhundert eine erste Auswanderungswelle, nach Italien, ein. Die grosse Abwanderung folgte im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert. Vorerst nach Europa (Holland und Ungarn), später nach Australien. Von 1801 bis 1850 stieg die Einwohnerzahl noch an (1801–1850: +8,9 %). Bis 1920 sank sie dann durch Abwanderung nach Übersee und in die Industriegebiete des Kantons Tessin stark (1850–1920: -21,1 %). Doch war die Zahl der Emigranten im Vergleich zu anderen Gemeinden des Maggiatals vergleichsweise gering. Hauptgrund war der frühzeitige Aufbau von Arbeitsmöglichkeiten in Steinbrüchen. Bis 1970 wuchs die Bevölkerung auf einen neuen Höchststand an (1920–1970: +42,3 %), bedingt durch den Bau von Wasserkraftwerken. Seither ist ein leichter Bevölkerungsrückgang eingetreten (1970–2004: -4,9 %), der bereits wieder aufgehört hat.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1801 418
1850 455
1900 388
1920 359
1970 511
2000 468
2004 486
2005 492

Sprachen

Die Einheimischen sprechen eine sehr eigene italienische Mundart. Die grosse Mehrheit der Bewohner spricht Italienisch als Hauptsprache. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 waren es 92,74 % der Einwohner. Daneben gaben 2,99 % Deutsch und 1,92 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen

In früheren Zeiten gehörte die gesamte Einwohnerschaft der Römisch-Katholischen Kirche an. Durch Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland sowie Kirchenaustritten hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) sind 86,75 % römisch-katholische und 2,35 % evangelisch-reformierte Christen. Daneben findet man 5,34 % Konfessionslose und 2,14 % Muslime. Die Muslime sind fast alle Zuwanderer aus Bosnien-Herzegowina. 3,42 % der Einwohner verweigerten die Angabe ihres Glaubensbekenntnisses.

Herkunft – Nationalität

Von den Ende 2004 486 Bewohnern waren 460 (=94,65 %) Schweizer Staatsbürger. Bei der letzten Volkszählung waren 93,16 % Schweizer Bürger (unter ihnen sieben Doppelbürger). Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien, Bosnien-Herzegowina und aus Serbien-Montenegro.

Wirtschaft

Früher lebten die Bauern von der Viehzucht (vor allem Ziegen und Schafe) und vom Ackerbau. Durch die begrenzte Ackerfläche wanderten bereits in früheren Jahrhunderten junge Leute als Saisonarbeiter nach Holland aus. Im 19. Jahrhundert folgte eine Massenauswanderung nach Kalifornien. Noch 1970 arbeitete eine knappe Mehrheit der Erwerbstätigen in der eigenen Gemeinde. Heute arbeiten die Wenigsten noch in der Gemeinde. Die Landwirtschaft ist kaum mehr von Bedeutung. Über 90 % der Erwerbstätigen sind mittlerweile in Industrie, Gewerbe und Dienstleistungsberufen tätig.

Verkehr

Cavergno ist durch die Postautolinien Bignasco-San Carlo, Bignasco-Peccia-Fusio und die Linie 10 der FART Locarno-Bignasco-Cavergno - ans Netz des Öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Der Grossteil der Bevölkerung benutzt private Verkehrsmittel, da die Strasse nach Locarno wintersicher ist.

Sehenswürdigkeiten

  • Pfarrkirche Sant'Antonio da Padova[3][4][5]
  • Beinhaus[6]
  • Getreidespeicher[7]
  • Steinbrunnen und Waschanlage[8]
  • Doppel Steinbrunnen genannt Bron d’la Müfa[9]
  • Steinbrunnen[10]
  • Steinbrücke über Calneggia[11]

Der regionale Weitwanderweg Sentiero Cristallina (als Wanderroute Nr. 59 ausgeschildert) führt über 41 km in drei Etappen von Airolo (Bedrettotal) nach Bignasco oder umgekehrt. Der Weg verläuft auf der Teilstrecke von Foroglio nach Mondada auf dem gut beschilderten Transhumanz-Themenweg (Percorso della Transumanza).

Persönlichkeiten

  • Familie Balli[12][13]
  • Valentino Alessandro Balli (* 9. Oktober 1796 in Cavergno (heute Gemeinde Cevio); † 8. September 1863 in Locarno), Politiker, Grossrat, Nationalrat[14][15]
  • Luigi Alessandro Zanini (* um Dezember 1807 in Holland; † 21. Dezember 1855 in Cavergno), Priester, Pfarrer von Cavergno, Literat, Politiker[16]
  • Federico Balli (* 18. März 1854 in Locarno; † 21. August 1889 in Cavergno), Schriftsteller, Politiker, Grossrat[17]
  • Emilio Zanini (* 10. Dezember 1866 in Cavergno; † 28. Mai 1922 in Locarno), Erzähler, seine Eigenschöpfung ist La mort dlu marì (1897, Der Tod des Gatten). Carlo Salvioni publizierte im Archivio glottologico italiano eine Studie zu dessen Texten[18].
  • Giuseppe Martini (* 18. Februar 1922 in Cavergno; † 28. Februar 2007 in Locarno), Maler, Zeichner, Sekundarlehrer[19]
  • Plinio Martini (* 4. August 1923 in Cavergno; † 6. August 1979 Ebenda), Schriftsteller, Dichter[20]

Ortsteile, talaufwärts

Literatur

  • Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969.
  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007
  • Daniela Pauli Falconi: Cavergno im Historischen Lexikon der Schweiz

Weblinks

 Commons: Cavergno  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Foroglio in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)
  2. Bundesamt für Statistik: Angekündigte Änderungen seit der Mutationsmeldung Nr. 81 zum Amtlichen Gemeindeverzeichnis der Schweiz, Ausgabe 20. Januar 2006
  3. Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 247–252.
  4. Pfarrkirche Sant'Antonio da Padova (Foto)
  5. Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 325.
  6. Beinhaus (Foto)
  7. Getreidespeicher (Foto)
  8. Steinbrunnen und Waschanlage (Foto)
  9. Doppel Steinbrunnen genannt Bron d’la Müfa (Foto)
  10. Steinbrunnen (Foto)
  11. Steinbrücke über Calneggia (Foto)
  12. Daniela Pauli Falconi: Familie Balli im Historischen Lexikon der Schweiz
  13. Familie Balli in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)
  14. Pablo Crivelli: Valentino Alessandro Balli im Historischen Lexikon der Schweiz
  15. Valentino Alessandro Balli auf parlament.ch
  16. Flavio Zappa: Luigi Alessandro Zanino, parroco, erudito e uomo politico. In: Bollettino della Società Storica Locarnese, Nummer 19, Jahrgang 2015, Tipografia Pedrazzini, Locarno, S. 105–112.
  17. Chiara Orelli: Federico Balli im Historischen Lexikon der Schweiz
  18. Stefano Barelli: Emilio Zanini im Historischen Lexikon der Schweiz
  19. Giuseppe Martini in Sikart , abgerufen 20. Januar 2016.
  20. Plinio Martini auf bibliomedia.ch

Kategorien: Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz | Ort im Kanton Tessin

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Cavergno (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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