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Campidanesisch


Campidanesisch ist ein nach dem Tieflandstreifen Campidano benannter Sammelbegriff für die im Süden Sardiniens gesprochenen Dialekte der sardischen Sprache. Er dient zur Abgrenzung gegenüber Logudoresisch/Nuoresisch und Gallurisch/Sassaresisch. Obwohl sich die einzelnen Varietäten des Campidanesischen untereinander wesentlich ähnlicher sind als die anderer sardischer Dialektgruppen, gibt es keinen „Campidanesischen Dialekt“ an sich. Vielmehr existieren zahlreiche einzelne Dialekte, die sich sozusagen einer campidanesischen „Dialektfamilie“ zuordnen lassen.

Grammatik

Auffälligstes grammatisches Merkmal des Campidanesischen ist der bestimmte Pluralartikel: Im Unterschied zu den logudoresischen und nuoresischen Varietäten kennt das Campidanesische nur einen Artikel im Plural für beide Genera, nämlich is. Die Singularformen lauten wie in den anderen sardischen Varietäten aber su (mask. sing.) und sa (fem. sing.). Zudem zeigen sich einige Unterschiede bei den Tempora, insbesondere den Vergangenheitsformen.

Phonologie

Die Campidanesischen Dialekte kennen keinen Erhalt des lat. velaren Okklusivs (/K/) vor -e und -i wie die zentralsardischen Varietäten. Die Palatalisierung des lateinischen -C führt zu ähnlichen Ergebnissen wie im Italienischen:

  • z. B. lat. centu(m) (sprich: /kentu/) '100' > campidanesisch centu (sprich: /tschentu/, vgl. italienisch cento)'.
  • z. B. lat. nuce(m) (sprich: /nuke/) 'Nuss’ > campidanesisch nuxi (sprich: /nuschi/ mit stimmhaftem Frikativ, vgl. italienisch noce).

Darüber hinaus ist beim Vokalismus in unbetonter Stellung eine Reduktion auf die Vokale -a, -i, -u zu beobachten, ähnlich wie im Sizilianischen (z. B. campidanesisch nuxi im Gegensatz zu logudoresisch nuche/nuke).

Ein weiteres Merkmal der campidanesischen Dialekte ist eine fortgeschrittene Lenisierung stimmloser intervokalischer Okklusive (p, t, k) bis hin zu ihrem Ausfall, beispielsweise beim Partizip Perfekt: lat. cantatu(m) > campidanesisch cantau (wohl über die Zwischenstufe cantadu, die in anderen sardischen Varietäten häufig anzutreffen ist). Ein ähnliches Phänomen zeigt sich beim Infinitiv einiger Verben auf -are, hier ist das -r vom Schwund betroffen: cantai 'singen' (< lat. cantare), pappai 'essen', aggiudai 'helfen' (< lat. adjutare).

Literatur

  • Maria Teresa Atzori: Sardegna. (= Profilo dei dialetti italiani, 20). Pisa 1982.
  • Eduardo Blasco Ferrer, Michel Contini: Sardisch: Interne Sprachgeschichte I. Grammatik (Evoluzione della grammatica). In: Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL). Band IV. Italienisch, Korsisch, Sardisch. Tübingen 1988, S. 836–853.
  • Eduardo Blasco Ferrer: Sardisch: Externe Sprachgeschichte (Storia del sardo). In: Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL). Band IV. Italienisch, Korsisch, Sardisch. Tübingen 1988, S. 884–897.
  • Ines Loi Corvetto: Sardisch: Interne Sprachgeschichte II. Lexik (Evoluzione del lessico). In: Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik. 12 Bände. Niemeyer, Tübingen 1988–2005; Band IV.: Italienisch, Korsisch, Sardisch. S. 854–867.
  • Maurizio Virdis: Sardisch: Areallinguistik (Aree linguistiche). In: Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL). Band IV. Italienisch, Korsisch, Sardisch. Tübingen 1988, S. 897–913.
  • Max Leopold Wagner; Giovanni Masala (Hrsg.): Geschichte der sardischen Sprache. A. Francke, Tübingen / Basel 2002.

Weblinks


Kategorien: Dialekt | Kultur (Sardinien) | Romanische Sprachen | Einzelsprache

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