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Byzantinismus


Byzantinismus ist ein abwertend, häufig in der politischen Publizistik als Schlagwort verwendeter Begriff für „kriecherische“ Schmeichelei / Unterwürfigkeit gegenüber echten oder angemaßten Autoritäten.[1] Im engeren Sinn bezeichnet der Ausdruck die Zustände im byzantinischen Reich und am damaligen Kaiserhof.[2]

Historischer Hintergrund

Mit der Kennzeichnung solchen Verhaltens als „byzantinisch“ (häufig auch „byzantinistisch“ genannt) wird auf das aus neuzeitlicher, westeuropäischer Sicht völlig unakzeptable und komplizierte Hofzeremoniell, Despotismus und Intrigenspiel[3][4] angespielt, die sich im Byzantinischen Reich um die Person des Byzantinischen Kaisers entwickelt hatten. Dazu zählte beispielsweise der durch mechanische Vorkehrungen in die Höhe schwebende Thron, die Heerscharen weiß gekleideter Eunuchen und der Gebrauch der Proskynese, also das Gebot, sich bei Annäherung an die geheiligte Person des Kaisers flach zu Boden zu werfen sowie das Verbot jeglicher Kritik am Kaiser[tum] – der sich als „von Gott gesandt“ verstand.[5]

Das in Konstantinopel im Lauf der Jahrhunderte entstandene, an frühere Caesarenherrlichkeit anknüpfende und auf vollständige Unterwerfung und beinahe Anbetung abzielende Hofzeremoniell wurde an den absolutistischen Höfen Europas und auch am Hofe des osmanischen Sultans in späteren Zeiten gerne nachgeahmt, möglicherweise sogar gelegentlich überboten. Umso mehr wurde nach der Überwindung des Absolutismus durch Aufklärung und Französische Revolution jeder Versuch der verbliebenen Monarchen Europas, die vergangene Zeit des Gottesgnadentums wenigstens äußerlich wieder aufleben zu lassen, von bürgerlichen Kräften missbilligt.

Der Vorwurf des Byzantinismus wurde u. a. gegenüber Napoleon I und Wilhelm II[5] erhoben.

Wilhelm Busch gebrauchte den Begriff zeitbezogen auf das wilhelminische Deutschland: „Diese Jubiläen- und Denkmälerwirtschaft ist förmlich widerwärtig. Wir stecken in einem geradezu ekelhaften Byzantinismus. Es ist aber schwer für den einzelnen, sich diesem Schwindel zu entziehen.“[6]

Siehe auch

Literatur

  • Dirk von Pezold: Caesaromanie und Byzantinismus bei Wilhelm II. Kölner Universität, Dissertation 1972.

Weblinks

 Wiktionary: Byzantinismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege

  1. enzyklo.de [1] Begriff Byzantinismus
  2. Historisches Schlagwörterbuch [2] Schlagwort Byzantinismus
  3. academic dictionaries and enzyklopedias [3] aus Universal Lexikon
  4. academic dictionaries and enzyklopedias [4] aus Meyers Großes Konversationslexikon
  5. 5,0 5,1 Matthias Spindler, Uni Wien Preußentum und Byzantinismus [5] Ausgabe 2011
  6. Wilhelm Busch: Sämtliche Werke, Erster Band, Gütersloh 1959, S. 9, Theodor Heuss' Essay im Vorwort

Kategorien: Kulturgeschichte (Byzanz) | Schimpfwort

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinismus (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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