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Bundesanleihe


Deutsche Bundesanleihen (kurz Bunds) sind Schuldverschreibungen bzw. verzinsliche Wertpapiere, die von der Bundesrepublik Deutschland als Staatsanleihen herausgegeben werden. Neben der kurzfristigen Kreditaufnahme bei Banken sind Bundesanleihen und andere Bundeswertpapiere ein Weg, über den der Bund bei Bedarf seine Staatsausgaben finanzieren kann.

Geschichte

Vorläufer der Bundesanleihen waren die Reichsanleihen. Als 1876 die Mittel aus dem französischen Reparationsfonds verbraucht waren, wurde gemäß Erlass vom 14. Juni 1877 („betr. die Aufnahme einer Anleihe“) die erste Reichsanleihe mit einem Volumen von 16 Millionen Mark ausgegeben. Die erste Bundesanleihe kam am 11. Dezember 1952 auf den Markt,[1] ihr Anleihevolumen betrug 500 Millionen DM. Ursprünglich unterschied man zwischen zwei Anleihetypen, der Schuldverschreibungsanleihe und der Schatzanweisungsanleihe. Letztere war mit einer kürzeren Laufzeit ausgestattet und enthielt kein Schuldnerkündigungsrecht des Bundes. Emissionen bis 1963 enthielten eine halbjährliche Zinszahlung, seit 1971 besitzen alle Bundesanleihen eine jährliche Zinszahlung. Im Januar 1969 führte der Bund die Bundesschatzbriefe ein, die in der Form des Typ A und Typ B ausschließlich zur Vermögensbildung der Bevölkerung dienen sollten. Seit Juni 1972 gibt es keine effektiven Stücke mehr, da Anleihen nunmehr als Wertrechte (Schuldbuchforderungen) in Umlauf sind. Im Jahre 1987 benannte der Bund die Kassenobligationen in Schatzanweisungen um, 1993 stieg der Mindestnennbetrag der Bundesanleihen von 100 DM auf 1000 DM. Im Februar 1997 kam erstmals eine variabel verzinsliche Bundesanleihe auf den Markt, die Finanzinnovation der stripbaren Bundesanleihe gab es erstmals im Juli 1997.

Eine Bundesanleihe besitzt bei Emission eine Laufzeit von rund 10 oder 30 Jahren und ist damit das am längsten laufende Bundeswertpapier. Bundesanleihen sind mit einem festen jährlichen Zinssatz (Kupon) ausgestattet. Die Börsennotierung erfolgt wie bei allen verzinslichen Wertpapieren in Prozent des Nominalwertes (Nennwert). Am Ende der Laufzeit werden Bundesanleihen zum vollen Nennwert zurückgezahlt. Die Währung ist in der Regel der Euro, wenngleich der Bund 2005 und 2009 bereits Anleihen emittierte, deren Zins- und Rückzahlungen in US-Dollar geleistet wurden.[2] Seit 2006 werden vom Bund auch inflationsindexierte Anleihen aufgelegt, deren Zins- und Rückzahlungen an die Inflationsrate im Euroraum gekoppelt sind.[3]

Rechtsfragen

Der Bund als Emittent darf nicht nach Belieben Bundesanleihen ausgeben. Die Emission von Bundesanleihen hängt vielmehr von einer haushaltsrechtlichen Genehmigung ab. Nach § 18 Abs. 2 BHO bestimmt das Haushaltsgesetz, bis zu welcher Höhe das Bundesministerium der Finanzen Kredite aufnehmen darf. Dabei ist nach § 18 Abs. 1 BHO die Kreditaufnahme auf die in Art. 115 GG festgelegte Schuldenbremse begrenzt.

Emissionsverfahren und Handel

Bundesanleihen werden immer im Rahmen einer Auktion ("Tenderverfahren") begeben. In der Auktion sind nur Kreditinstitute berechtigt, Bundesanleihen zu erwerben, die der sogenannten Bietergruppe Bundesemissionen angehören.[4] Andere Kreditinstitute, professionelle oder private Anleger können Banken der Bietergruppe mit der Abgabe von Geboten beauftragen.

10-jährige Bundesanleihen

Einer Neuemission (Erstbegebung) 10-jähriger Bundesanleihen mit einem Volumen von zuletzt meist 5 Mrd. Euro folgen in den darauffolgenden Monaten so genannte Aufstockungen derselben Bundesanleihe (derselben Wertpapierkennnummer) in geringerer Höhe. Eine 10-jährige Bundesanleihe kann über diese Aufstockungen, die ebenfalls im Rahmen von Auktionen durchgeführt werden, insgesamt ein Volumen von knapp 20 Mrd. Euro erreichen. Neue 'Zehnjährige' wurden in den letzten fünf Jahren dreimal pro Jahr (2012 nur zweimal) emittiert. Für 2015 sind ebenfalls zwei Neuemissionen geplant - dafür aber jeweils fünf Aufstockungen zwischen 4 und 3 Mrd. Euro auf Volumina von je 23 Mrd. Euro. Im Juni 2016 fiel die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen erstmals unter null auf minus 0,003 Prozent.[5]

30-jährige Bundesanleihen

Neuemissionen 30-jähriger Bundesanleihen finden seit 2008 nur alle zwei Jahre und mit vergleichsweise niedrigeren Volumina zwischen 3 und 4 Mrd. Euro statt. Aufstockungen derselben Bundesanleihe erfolgen ebenso in geringerem Umfang zwischen 2 und 3 Mrd. Euro, was bei den zuletzt emittierten 'Dreißigjährigen' zu finalen Anleihevolumina von um die 15 Mrd. Euro führt. 2015 ist keine Neuemissionen geplant. Stattdessen wird die 2014 emittierte dreißigjährige Bundesanleihe dreimal um je 2 Mrd. Euro aufgestockt.[6]

Handel

Unmittelbar nach der Auktion erfolgt die Einführung in den Börsenhandel. Dort können Bundesanleihen über die gesamte Laufzeit börsentäglich von jedermann bei Banken, Sparkassen oder Kreditgenossenschaften ge- und verkauft werden. Die Bundesbank sorgt als Market-Maker an den deutschen Börsen für einen liquiden Handel in Bundesanleihen. Somit können selbst größere Bestände innerhalb kurzer Zeit ge- oder verkauft werden, ohne dass sich der Kurs dadurch deutlich verändert. Da Kauf und Verkauf stets zum aktuellen Börsenkurs erfolgen, lassen sich für Anleger mit Bundesanleihen neben den jährlich sicheren Zinserträgen auch Kursgewinne bzw. -verluste erzielen.

Bundesanleihen können in jedem Depot bei einer Bank, Sparkasse oder Kreditgenossenschaft, sowie alle bis zum 21. August 2012 begebenen Bundesanleihen auch in einem Einzelschuldbuchkonto bei der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH verwahrt werden.[7] Der Kauf von Bundesanleihen über die Finanzagentur ist nicht möglich.

Bei Bundesanleihen, die zu Silvester emmitiert werden, spricht man auch von Silvester-Anleihen.[8]

Stripping

Seit dem 4. Juli 1997 können bestimmte Bundesanleihen auch gestrippt werden. Das heißt, der aus der Anleihe resultierende Anspruch auf regelmäßige Zinszahlungen wird vom Anspruch auf Rückzahlung des Nennwerts am Laufzeitende getrennt.[9] Man erhält dann einen Kapital-Strip und mehrere Zins-Strips, jeweils als Nullkuponanleihen. Damit in den einzelnen Strips ein großes Handelsvolumen erreicht wird, werden Zinskupons unterschiedlicher Anleihen, jedoch gleichen Fälligkeitstermins, unter einer Wertpapierkennnummer zusammengefasst.[10]

Bedeutung

Für den Bund sind Bundesanleihen mit einem umlaufenden Volumen von mehr als einer halben Billion Euro nicht nur das langfristigste, sondern auch das wichtigste Finanzierungsinstrument. Ihr Anteil an den bereits in Umlauf befindlichen Bundeswertpapieren (bestehende Kredite bzw. Schulden des Bundes) beträgt zum ersten Halbjahr 2015 mehr als 40 %. Am gesamten Emissionsvolumen (neue Kreditaufnahme) des Bundes wird ihr Anteil 2015 knapp ein Viertel ausmachen.[11]

Lieferverpflichtungen aus Termingeschäften mit dem an der Eurex gehandelten Bund-Future können ausschließlich mit zehnjährigen Bundesanleihen ("Bunds") erfüllt werden. Da der Bund-Future aufgrund des hohen Handelsvolumens zu den weltweit wichtigsten Terminkontrakten im festverzinslichen Bereich zählt, werden auch die zehnjährigen Bundesanleihen (als Basiswerte) entsprechend intensiv gehandelt. Der ebenfalls an der Eurex gehandelte Buxl-Future bezieht sich auf dreißigjährige Bundesanleihen, ist aber wesentlich unbedeutender.[12]

Orientierungsgröße

Die Rendite der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe dient als wichtige Orientierungsgröße (meist Untergrenze) für langfristige verzinsliche Geldanlagen oder Kredite im Euroraum. Die Vorteilhaftigkeit einer Geldanlage in bspw. eine Unternehmensanleihe oder die Anleihe eines anderen Euro-Staates wird anhand ihres Renditeunterschieds zur Bundesanleihe beurteilt. Diesen Referenz-Status haben Bundesanleihen insbesondere ihrer hohen Liquidität (guten Handelbarkeit), aber auch der sehr guten Kreditwürdigkeit ihrer Emittentin, der Bundesrepublik Deutschland, zu verdanken.

Als 'Bundkurve' wird der Blick auf die Renditen aller Bundesanleihen mit Restlaufzeiten von rund 1 bis hin zu 10 Jahren bezeichnet. Trägt man diese 10 Renditen aufsteigend (manchmal auch bis hin zu 30 Jahren) in ein Diagramm ein, ergibt sich in einem 'normalen' Zinsumfeld eine ansteigende Linie bzw. Kurve, da die Renditen bei kurzen Laufzeiten gewöhnlich niedriger sind als bei langen.[13]

In den von der Deutschen Börse berechneten Deutschen Rentenindex (REX) fließen zehnjährige Bundesanleihen ebenfalls mit ein. Auf der Basis ihres Kursverlaufs werden die Kurse von fiktiven, idealtypischen Bundesanleihen ermittelt. Der REX ist somit ein Indikator für die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen.[14]

Zur Bestimmung der Umlaufrendite, berücksichtigt die Bundesbank neben anderen Anleihen der öffentlichen Hand insbesondere auch Bundeswertpapiere und Bundesanleihen. Die Umlaufrendite gibt somit Aufschluss über das Zinsniveau und die Zinsentwicklung eines Landes.[15]

Bundesanleihen zählen, wie alle Bundeswertpapiere, zu den mündelsicheren Wertpapieren.

Durch die Tiefzinspolitik der Zentralbanken sind die Zinsen für bestimmte Laufzeiten negativ geworden. Deshalb stellt die Financial Times bezogen auf Deutsche Bundesanleihen fest, dass aus risikolosen Renditeanleihen renditelose Risikoanleihen geworden sind (en: risk-free returns - return-free risks).[16]

Sicherheit

Bundesanleihen sind ausschließlich ungedeckte Anleihen, so dass alleine die Bonität des ausgebenden Bundes maßgeblich ist. Sie gehören gemäß § 1807 Abs. 1 Nr. 4 BGB zu den Mündelgeldern, sind also mündelsicher und deckungsstockfähig. Bundesanleihen weisen eine niedrigere Rendite auf als Pfandbriefe oder sonstige Anleihen vergleichbarer Ausstattung, weil Bundesanleihen von Ratingagenturen das beste Rating (Triple A) erhalten. Das wiederum macht Bundesanleihen zum Referenzwert für den Credit Spread („Jumbo-Bund-Spread“), der diese Renditeunterschiede zu anderen Anleihen vergleicht. Selbst die Deckung und der gesetzliche Schutz des Pfandbriefs wird von Ratingagenturen allein betrachtet als nicht ausreichend angesehen, um Pfandbriefe generell mit der Bonität von Bundesanleihen gleichzusetzen.[17]

Risiken

Bei Finanzprodukten wie Bundesanleihen gibt es für den Anleger vier wesentliche Risiken, die auch kumulativ auftreten können.

Diese Risiken führen zu der Einordnung einer Anleihe in eine bestimmte Risikoklasse.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die Zeit vom 27. November 1952, Die erste Bundesanleihe am Start , abgerufen am 27. Juli 2015
  2. Fremdwährungsanleihen des Bundes , Internetseite der Finanzagentur, abgerufen am 24. Juli 2015
  3. Inflationsindexierte Bundeswertpapiere , Internetseite der Finanzagentur, abgerufen am 24. Juli 2015
  4. Tenderverfahren des Bundes , Internetseite der Finanzagentur, abgerufen am 24. Juli 2015.
  5. ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, tst: "Wer zehnjährige Anleihen kauft, zahlt drauf" Die Zeit vom 14. Juni 2016
  6. Emissionskalender des Bundes 2015 , Auktionsübersicht als PDF (25,3 kB), abgerufen am 24. Juli 2015.
  7. Funktionsweise und Verwahrmöglichkeiten für Bundesanleihen , Internetseite der Finanzagentur, abgerufen am 24. Juli 2015.
  8. Jürgen Krumnow, Ludwig Gramlich (Hrsg.): Gabler Bank-Lexikon: Bank - Börse - Finanzierung. Springer-Verlag 2013, ISBN 3-322-94788-2, S. 1174.
  9. Beschreibung des Stripping-Verfahrens , Internetseite der Bundesbank, abgerufen am 24. Juli 2015.
  10. Anleihen-Stripping im 'e-FORUM: Bundeswertpapiere - April 2009' Anlegermagazin der Finanzagentur (PDF 241 kB), Seite 7f, abgerufen am 24. Juli 2015
  11. Bedeutung und Umlauf der Bundesanleihen , Internetseite der Finanzagentur, abgerufen am 24. Juli 2015.
  12. Zinsderivate auf Bundesanleihen , Internetseite der Eurex, abgerufen am 27. Juli 2015.
  13. Bundesanleihen im 'e-FORUM: Bundeswertpapiere - Dezember 2011' , Anlegermagazin der Finanzagentur (PDF, 494 kB), abgerufen am 27. Juli 2015.
  14. Definition REX , Internetseite der Deutschen Börse, abgerufen am 27. Juli 2015.
  15. Definition Umlaufrendite , Internetseite der Bundesbank, abgerufen am 27. Juli 2015.
  16. Financial Times. 22. Mai 2015, S. 24
  17. Robert Sünderhauf, Bewertung des Ausfallrisikos deutscher Hypothekenbank-Pfandbriefe, 2006, S. 6 f.

Kategorien: Öffentliches verzinsliches Wertpapier | Deutscher Finanzmarkt

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesanleihe (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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