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Boulevard périphérique

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Der Boulevard périphérique (kurz auch Périphérique, périph oder BP) ist eine in den Jahren 1954 bis 1973 ringförmig um Paris gebaute Stadtautobahn, die bis zu fünf (auf einer kurzen Strecke) Fahrstreifen pro Fahrtrichtung hat und zur Hauptverkehrszeit regelmäßig überlastet ist. Der Boulevard périphérique umschließt die französische Hauptstadt mit ihren 20 Arrondissements. Abgesehen von wenigen Ausnahmen werden die Gebiete außerhalb des Boulevard périphérique selbständig verwaltet und gehören daher nicht zur Seine-Metropole. Fast alle wichtigen französischen Autobahnen führen auf Paris zu und münden aus allen Richtungen in den Boulevard périphérique: die A 1 aus Lille, die A 4 aus Reims/Straßburg, die A 5 aus Troyes, die A 6 aus Lyon/Dijon, die A 77 aus Nevers, die A 10 aus Orléans, die A 13 aus Rouen und die A 16 aus Amiens.

Geschichte

An der Stelle der heutigen Ringautobahn befanden sich die seit den 1830er Jahren geplanten und 1840 bis 1845 errichteten Stadtbefestigungen (fortifications) der französischen Hauptstadt und ihr Glacis, die Zone non aedificandi. Sie waren nach dem Stand der Militärtechnik eigentlich zur Zeit ihres Baus schon veraltet, dennoch wurden sie, nach einem Grundsatzbeschluss von 1919, erst in den 1920er Jahren beseitigt. Im Niemandsland der „Zone“ war es aber zum Teil schon vor 1914 zu wilden Siedlungen und zur Errichtung von Notunterkünften sozialer Randgruppen gekommen. In der Zwischenkriegszeit entstanden hier, an den Grenzen des seit 1860 bis heute in seinen politisch-administrativen Grenzen „eingefrorenen“ Paris intra muros zunächst Sozialbauten, Ausstellungsgelände, Sportanlagen, in den Oberschichtvierteln im Westen auch Luxuswohnbauten. Bei der Porte Maillot war 1903, nach dem Vorbild von Coney Island ein „Luna Park“ entstanden. Voraussschauende Planer der Jahrhundertwende, etwa Eugène Hénard und Jean Claude Nicolas Forestier hatten im Befestigungsring und seiner Zone non aedificandi ein Grünreservoir für die an Parkanlagen arme Metropole gesehen. Dies wurde allerdings nur in minimalem Ausmaß verwirklicht, auch wenn die Errichtung der Ringautobahn (1954 bis 1973) im Parisien Libéré vom 8. November 1954 sogar als „Operation Grüngürtel“ bezeichnet wurde.

Die 35 Kilometer lange Stadtautobahn, von den Einwohnern le périph genannt, eine der am stärksten befahrenen Straßen Europas, wurde allenfalls in den „feineren“ Gegenden, etwa am Rande des Bois de Boulogne und Bois de Vincennes teilweise in Tunnellage geführt. Hier waren auch die entsprechenden Bürgerinitiativen am stärksten. Auch der Park und das Wissenschaftszentrum von La Villette bezeugen eine gewisse Bemühung, das Straßenbauvorhaben einigermaßen umweltverträglich zu machen. Urbanistisch wirkt allerdings die nach langen Debatten und Bauverzögerungen am 25. April 1973 offiziell fertiggestellte Ringautobahn als effektive Absperrung gegenüber der voll urbanisierten Banlieue, weshalb sie heute von vielen Stadtplanern kritisiert wird. Die Gesamtlänge des Boulevard périphérique beträgt 35 km, die bebaute Fläche 1,38 km². Täglich benutzen zwischen 1,1 und 1,2 Millionen Fahrzeuge (Stand 2002) den Autobahnring, davon 89 % PKW, 7 % LKW und 4 % Motorräder.

Abweichende Verkehrsregeln

Vom Standpunkt der Klassifikation ist der Boulevard périphérique eine simple Kommunalstraße (franz. Voie communale). Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist 70 km/h (normalerweise: außerorts 90 km/h, Autobahnen 130 km/h). Die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt an Werktagen dagegen nur 43 km/h. Dennoch hat er baulich getrennte Fahrstreifen und acht Fahrspuren, je vier Fahrspuren auf dem Innenring und vier auf dem Außenring, weshalb er vergleichbar mit einer (Ring-)Autobahn ist.

Was ebenfalls gegen die Annahme spricht, der Boulevard périphérique sei eine Autobahn, ist die Regel, dass an jeder Einfahrt der Verkehr auf der Einfädelspur Vorfahrt hat vor dem auf der rechten der vier Fahrbahnen des Boulevard périphérique. Die Fahrzeuge auf der rechten Fahrspur müssen tatsächlich bremsen, Vorfahrt gewähren und einfädeln lassen, da in Höhe der Einfädelspur zwischen der ersten (ganz rechten) und der zweiten Fahrspur (von rechts) eine durchgezogene Linie auf die Fahrbahn gemalt ist, die verhindern soll, dass auf der rechten Spur durch „Einfädler“ ausgebremste Fahrzeuge auf die zweite Spur wechseln und so den Verkehrsfluss abreißen lassen.

Diese autobahn-untypische Regelung hat drei Hauptgründe:

  1. Gewohnheit: Die „Rechts-vor-Links-Regel“ ist im innerstädtischen Bereich ohnehin üblich
  2. Platzmangel: Die Einfädelstreifen sind sehr kurz
  3. Verkehrsfluss: Auf dem Boulevard périphérique soll der Verkehr zügig abfließen können. Durch die Regelung verkürzen sich Staus auf Zubringerstraßen und auf dem Boulevard Périphérique selbst bleibt der Verkehr ebenfalls im Fluss.

Literatur

  • Des Fortifs au Périf, Ausstellungskatalog des Pavillon de l'Arsenal, Paris 1992
  • Robert Schediwy: Städtebilder. Reflexionen zum Wandel in Architektur und Urbanistik, Wien 2005, S. 185 ff., ISBN 3-8258-7755-8

Weblinks

 Commons: Boulevard périphérique  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Boulevard périphérique (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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