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Borstei


Die Borstei ist eine denkmalgeschützte Wohnsiedlung im Münchner Stadtbezirk Moosach, die zwischen 1924 und 1929 von dem Architekten und Bauunternehmer Bernhard Borst erbaut wurde.

Aussehen

Die Siedlung besteht aus 77 Reihenhäusern, die sieben Höfe bilden. Die Gesamtfläche beträgt 68.690 m², davon sind 19.062 m² überbaut (ca. 23 %). Die insgesamt 773 Wohnungen haben eine Fläche von 70.200 m², woraus sich eine Durchschnittsgröße von ca. 91 m² ergibt. Die Höfe sind Grünanlagen mit zahlreichen Pflanzungen und geschmückt mit 51 Statuen, einem Teich und neun Brunnen.

Die Fenster haben einheitliche weiße Fensterläden und ein Teil der Fassaden ist mit Weinreben bewachsen, die aber keine kelterbaren Trauben hervorbringen. Die im Übrigen individuell gestalteten Häuser sind mit vier Fresken verziert.

Infrastruktur

Die meisten Höfe sind für den Anliegerverkehr freigegeben. Für Fahrzeuge stehen 268 Garagen und 46 Stellplätze zur Verfügung, was im Verhältnis zur Größe der Wohnanlage und im Vergleich zu Neusiedlungen wenig, für eine so alte Anlage jedoch viel ist.

Es gibt 73 Gewerberäume, darunter eine Ladenstraße mit 14 Läden, ein Café und zwei Kindergärten.

Weil die Wohnanlage mit ihrem östlichen Rand unmittelbar an die Landshuter Allee und somit an den Mittleren Ring angrenzt, sind die in diese Richtung weisenden Fenster mit zusätzlichem Lärmschutz versehen.

Geschichte

Als neuen Standort seines Bauunternehmens erwarb Bernhard Borst 1923 ein ca. 90.000 m² großes Grundstück an der Dachauer Straße. Neben Werkstätten sollten dort auch Wohnhäuser entstehen, Borst schrieb dafür einen Architekturwettbewerb aus. Unter den 60 Einreichungen, die im Münchner Glaspalast ausgestellt waren, wurden zwar zwei 2. Preise vergeben, jedoch kein Sieger gekürt. Borst erstellte nun selbst einen Entwurf, und so entstanden in den Folgejahren mehrere in Höfen angeordnete, durch Gewölbe und Durchfahrten verbundene Wohnhäuser. 1927 zog Borst den Architekten Oswald Bieber hinzu.

Im Jahre 1928 erhielt die Borstei das erste zentrale Heizkraftwerk Deutschlands, das auch heute noch in Betrieb ist. Die Zwei-, Drei- und Vier-Zimmerwohnungen boten einen für die damalige Zeit unüblichen Komfort: Zentralheizung, fließend heißes Wasser aus dem angegliederten Heizwerk, Gasherde, Parkett, Bad, Waschbecken und Bidet, beheizte Garagen und Kinderspielplätze in den Höfen. Die Wäsche konnten die Mieter in der Großwäscherei der Borstei abgeben, die sie innerhalb von 24 Stunden schrankfertig zurücklieferte. Für Arbeiten im Haus stehen den Mietern stundenweise – auch heute noch – Schreiner, Installateure, Gärtner, Maler und andere Handwerker zur Verfügung.

Als die Siedlung fast fertiggestellt war, hatte sie jedoch immer noch keinen Namen. Im Dezember 1928 wurde deshalb ein Preisausschreiben ausgerufen. Aus den über 2600 Einsendungen wie „Paradies, Schlaraffenhof, Borsts Wohnautomat, Borstelysium …“ wurde der mehrfach genannte Begriff „Borstei“ ausgewählt. Im Jahre 1929 war der Bau der Borstei abgeschlossen.

Mit dem Bau der Borstei verwirklichte der Unternehmer Borst eines seiner Ideale: „So suchte ich die Wohnfrage zu lösen: Das Schöne des Einfamilienhauses mit dem Praktischen einer Etagenwohnung zu verbinden. Dabei wollte ich alles auf die Entlastung der Hausfrau und auf die Gesundheit der Menschen abstimmen.“

Daneben war die Verwebung von Kunst und Natur von großer Bedeutung für Borst und den Entwurf der Anlage. So finden sich in den Freianlagen verschiedene Skulpturen und Reliefe sowie Fresken an den Gebäuden.[1]

Borst, der nach dem Zweiten Weltkrieg selbst in der Borstei lebte, organisierte für die Bewohner Gartenkonzerte und für die Kinder der Siedlung Faschingsfeiern und Sommerfeste.

Borst wurde beeinflusst von den Architekten Theodor Fischer und August Exter.[2] Die Borstei entwickelte sich in den 1930er Jahren schnell zu einem Wohngebiet des höheren Bürgertums.

Museum

Das Borstei-Museum im nördlichen Teil der Siedlung wurde 2006 auf Initiative von Line Borst gegründet. Es beschäftigt sich mit der Geschichte der Borstei und dem Leben und Wirken von Bernhard Borst und seiner Frau Erna.

Literatur

  • Klaus Weschenfelder: Die Borstei in München. Ein konservatives Siedlungsmodell der Zwanziger Jahre. In: Miscellanea Bavarica Monacensia. Heft 99. München 1980, S. 69.
  • P. Schreiner, M. Michel, A. C. Woltmann: Die Borstei – ein zeitloses Modell für ein menschliches Wohnen. Hrsg. Borstei-Verwaltung. München, 1987.
  • Daniela Walther: Gegen das Vergängliche. Die Borstei: Schönheit bis in das letzte Detail. In: Biss – Bürger In Sozialen Schwierigkeiten. Heft 7-8/07, S. 13-15 (aktueller Artikel mit Interviews von Bewohnerinnen)
  • Axel Winterstein: Borstei: Bernhard Borst – Leben für eine Idee. Buchendorfer Verlag, München 2005, ISBN 3-934036-99-6.
  • Borsteimuseum (Hrsg.): Die Gärten der Borstei. München 2009, ISBN 978-3-922803-18-8.
  • Borsteimuseum (Hrsg.): Die Kunstwerke der Borstei. München 2010, ISBN 978-3-922803-19-5.

Weblinks

 Commons: Borstei  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Gärten der Borstei in München . Jahr 1924 in der Onlineausstellung „100 Jahre Landschaftsarchitektur“ vom bdla. Abgerufen am 27. März 2014.
  2. Borstei, München. Abgerufen am 30. Juni 2016.

Kategorien: Stadtviertel von München | Siedlung (Städtebau) in München | Bauwerk in Moosach (München) | Baudenkmal in Moosach (München) | Erbaut in den 1920er Jahren

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Borstei (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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