Bonanzarad - LinkFang.de





Bonanzarad


Bonanzarad ist eine in Deutschland übliche Bezeichnung für eine Gattung von Fahrrädern. Ausgehend von der amerikanischen Westküste wurden diese für Kinder gedachten Räder ab den 1960er Jahren zunächst in den USA und ab den 1970er Jahren auch in Europa populär. Bonanza war ursprünglich ein Markenname, wurde aber auf Fahrräder ähnlichen Typs übertragen. Herstellerbezeichnungen wie „High-Riser“ und „Polorad“ setzten sich in Deutschland nicht durch, dafür jedoch in Österreich, wo der Begriff Bonanzarad praktisch unbekannt ist. Dort hieß dieser Fahrradtyp durchgehend „High Riser“. Technische Mängel begleiteten zahlreiche Bonanzaräder und die Produktion fand ein Ende, als die BMX-Welle mit robusteren Fahrrädern aufwarten konnte.

Charakteristik

Das Bonanzarad fällt besonders auf durch seinen langen, sogenannten „Bananensattel“ mit Lehne, der Imitation einer Federung an der Vorderradgabel sowie den langen, zweiteiligen Hirschgeweih-Lenker. Im Kontrast dazu stehen die verhältnismäßig kleinen 20″-Räder. Der Schalthebel der 3-Gang-Nabenschaltung ähnelt dem eines Autos und ist mittig auf den beiden dünnen Oberrohren angebracht. Das Bonanzarad erinnert auf den ersten Blick an einen etwas zu kurz geratenen Chopper.

Sehr oft wurden Bonanzaräder optisch „verschönert“. Besonders beliebt waren Elemente wie Mercedessterne, Fuchsschwänze, Wimpel, besondere Lampen, Spiegel, eine Vielzahl von Reflektoren (Katzenaugen), in die Speichen gesteckte Bierdeckel oder Spielkarten (insbesondere das Ass).

Geschichte

Die Automobil- und Motorradtuningkultur in den USA der späten 1950er und 1960er Jahre strahlte auch auf Kinder und Jugendliche aus, die begannen ihre Fahrräder durch An- und Umbauten zu verändern. Al Fritz (1924–2013), ein Ingenieur des Fahrradherstellers Schwinn, reiste 1962 aus Chicago nach Kalifornien, um sich vor Ort über den Trend zu informieren. Bereits im folgenden Jahr erschien das Schwinn Stingray und konnte innerhalb eines Jahres 40.000 mal verkauft werden. 1964 erschien mit dem Fair Lady eine Version für Mädchen, die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreute. Für die Fahrräder von Schwinn typisch war der geschwungene Rahmen, der große Ähnlichkeit mit dem des Beachcruisers hatte und sich dadurch deutlich von den europäischen Nachahmungen unterschied. Ein weiteres Merkmal war der Unterschied im Durchmesser zwischen größerem Hinterrad und kleinem Vorderrad, bei einigen Modellen fiel die Differenz recht drastisch aus. 1968 kam das Krate auf den Markt und besaß eine Gangschaltung nach dem Vorbild eines Automobils, bis 1970 konnten circa 1 Million davon abgesetzt werden. 1974 wurde das „Krate“ wegen seines Schalthebels von der Consumer Products Safety Commission verboten, was das Ende einleitete. Heute produziert Schwinn wieder Fahrräder unter dem Namen „Stingray“, die aktuellen Modelle im Lowrider-Stil erinnern mit ihrer flachen und langgestreckten Bauform eher an Motorräder.

Der traditionsreiche englische Hersteller Raleigh griff den Trend auf, kopierte den Stingray und vertrieb ab 1966 auf dem US-amerikanischen Markt das Rodeo und ab 1968 den von Tom Karen entworfenen Chopper, beide Modelle erfuhren aber keinen großen Zuspruch. Als der Raleigh Chopper allerdings 1970 im Vereinigten Königreich eingeführt wurde, fand er reißenden Absatz und rettete die Firma aus anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten. Im direkten Vergleich mit dem US-amerikanischen Vorbild war das Rahmen-Design des Choppers eher einfach, wirkte aber sehr dynamisch – wie beim Vorbild waren auch beim Chopper die Durchmesser von Vorder- und Hinterrad verschieden. 1973 erschien eine überarbeitete Version, bei der man das Hinterrad versetzt hatte, um das Umkippen zu verhindern – für kleinere Kinder schuf man die Variante Tomahawk. Die Produktion wurde bis 1980 fortgesetzt, als der BMX-Trend einsetzte. Während Raleigh die Idee zum Chopper als Eigenentwicklung darstellt, behaupten das britische Designbüro Ogle und dessen Stylist Tom Karen, für die Entwicklung verantwortlich zu sein. Im Vereinigten Königreich ist der Begriff „Chopper“ synonym mit dem deutschen „Bonanzarad“, analog zu den in Deutschland existierenden Bonanzarad-Vereinen gibt es dort den „Raleigh Chopper Owners Club“. 2004 wurde eine unter Sicherheitsaspekten verbesserte Version von Raleigh neu aufgelegt, auf den Schalthebel am Rahmen wurde dabei verzichtet, an seiner Stelle befindet sich eine Plakette mit aufgedruckter Schaltkulisse, die an das einstige Feature erinnert.

In Deutschland fertigte Kynast in Quakenbrück eine eigene Kopie des Stingray, die ab 1968 vom Versandhändler Neckermann unter der Eigenmarke Bonanza vertrieben wurde – zahlreiche andere Hersteller ahmten es nach und produzierten eigene Varianten. Für die meisten Bonanzaräder aus deutscher Produktion typisch ist der einheitliche Durchmesser von Vorder- und Hinterrad. Auch die Rahmen konnten weder mit der schwungvollen Eleganz des „Stingray“ mithalten, noch mit der Dynamik des „Chopper“. Stattdessen wurde eine Geometrie verwendet, die stark an konventionelle Fahrradmodelle erinnerte. Bemerkenswert und für die deutschen Hersteller kennzeichnend ist dagegen die aufwendige Konstruktion der Vordergabel mit den falschen „Schraubenfedern“ und der doppelten Aufnahme für die beiden getrennten Lenkergestänge. Dieses motorradähnliche Detail findet sich weder beim US-Vorbild noch beim englischen Ableger.

Popkultur

  • Das Stingray „Fair Lady“ findet in einer Seinfeld-Episode Erwähnung und stellt sich als Kindheitstraum von Elaine heraus.
  • Von der Gruppe Fischmob gibt es einen Song mit dem Titel „Bonanzarad“.
  • Die Musikgruppe Carlos Mogutseu veröffentlichte ebenfalls einen Song mit dem Titel „Bonanzarad“.
  • Der Rapper Dendemann definiert sein die 1970er und 1980er Jahren persiflierendes musikalisches Alter Ego unter anderem über ein Bonanzarad, mit dem er bei Konzerten auch auf die Bühne fährt.

Weblinks

 Commons: Bonanzarad  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Fahrradtyp

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Bonanzarad (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.