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Blexen


Dieser Artikel behandelt den niedersächsischen Stadtteil Blexen; für den deutschen Schiffdampfer siehe Blexen (Schiff).
Blexen
Stadt Nordenham
Höhe: 0 m ü. NN
Einwohner: 2750
Eingemeindung: 1933
Postleitzahl: 26954
Vorwahl: 04731

Blexen ist ein Stadtteil der niedersächsischen Stadt Nordenham im Nordosten des Landkreises Wesermarsch an der Wesermündung (gegenüber von Bremerhaven), in dem mehr als 2750 Menschen leben.

Geschichte

Erstmals wurde Blexen urkundlich erwähnt als Pleccateshem (Heim der Blitze) im Jahre 789 aus Anlass des Todes des Bischofs Willehad. Zu dem Zeitpunkt lag Blexen, noch abgetrennt vom Festland durch das Flüsschen Heete, auf einer Insel. Die St.-Hippolyt-Kirche wurde im Laufe der nächsten Jahrhunderte zur Wallfahrtskirche. Am 23. April 1189 machten sich elf Segelschiffe von Blexen aus auf zur Teilnahme am Dritten Kreuzzug. Die Schiffe kamen bis Portugal und die Besatzungen nahmen an den Kämpfen um die Stadt Silves teil. Die Schiffe segelten noch weiter bis Marseille, danach verliert sich ihre Spur. Ein Dokument über die Reise wurde 1989 in der Blexer Kirche entdeckt.

Blexen gehörte im Mittelalter zur autonomen friesischen Landesgemeinde Rüstringen, der terra Rustringie. Nach außen hin wurden die Landesgemeinden durch die redjeven vertreten.[1] Im Juni 1220 schließen 16 Rüstringer Vertreter einen Vertrag mit der Stadt Bremen, um die Rechtssicherheit zu erhöhen und den Handelsverkehr zu regeln. Zu ihnen gehörte auch Thancte de Blekence (Blexen).[2]

Im Jahre 1318 wurde erstmals urkundlich ein Markt in Blexen erwähnt. Im Jahre 1400 musste die Blexer Kirche den Bremern überlassen werden, die gegen die Likedeeler (unter anderem gegen Klaus Störtebeker) und aufständischen friesischen Hovetlinge zu Felde zogen. Die Butjadinger Häuptlinge erhoben sich gegen die Bremer und nutzten ihrerseits die Kirchen als Befestigungsanlagen, so auch der Blexer Häuptling Egge Herings, der 1419 von den Bremern geschlagen wurde.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gerät Butjadingen unter den Einfluss des Grafen Edzards I. von Ostfriesland. Im Rahmen der Sächsischen Fehde griffen die vereinigten Herzöge von Herzogtum Braunschweig und Lüneburg und der Graf von Oldenburg Edzard an und im Januar 1514 wurde Butjadingen von diesen erobert. Oldenburg erhielt zunächst das Stadland mit Esenshamm und Abbehausen als Allodium, 1517 musste Graf Johann V. von Oldenburg das Gebiet als Lehen von Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel nehmen. Butjadingen wurde unter den Welfenherzögen aufgeteilt.[3] In Blexen sollte vermutlich ein welfisches Herrschaftszentrum entstehen, um für die Fürsten Zölle einzunehmen und Butjadingen zu verwalten. Aber nach einem 1515 gescheiterten Aufstand der Butjadinger Bauern veräußerten die welfischen Herzöge nach und nach ihren Besitz an den Oldenburger Grafen, so dass 1523 Butjadingen endgültig oldenburgisch wurde. Die Landesherrschaft übte der Graf über die neugeschaffene Burg in Ovelgönne aus.

Mit ihrem hohen Turmhelm ist die Blexer Kirche seit 1566 ein Seezeichen. Im selben Jahr erwarb Graf Anton I. das Fährhaus und den „Spieker“ von Blexen, welche für die Fährverbindung zwischen den Märkten Blexen und Lehe gebraucht wurden, für 200 Taler vom örtlichen Vogt, der durch die Reformation in den Besitz der Fährgerechtigkeit gekommen war.[4] Ursprünglich unterhielt die Kirche die Blexer Fähre, vermutlich schon seit dem Mittelalter, um Güter und Gemeindemitglieder von einer Weserseite zu anderen zu bringen.

Die Weihnachtsflut 1717 forderte in den vier Kirchspielen Abbehausen, Atens, Blexen und Esenshamm 800 Opfer. Das Kirchspiel Blexen verlor 20 % seiner Einwohner.[5]

1813 erhob sich die Bevölkerung in der Westphälisch-ostfriesischen Landwehr gegen die französischen Truppen Napoléons. Am 17. März 1813 eroberten Kanoniere das Blexer Fort der Franzosen. In der Folge kam es zu Unruhen, da Anwohner der Zusammenarbeit mit den Franzosen beschuldigt wurden. Erst eine vom Blexer Pastor initiierte Bürgerwehr konnte die Ordnung wiederherstellen. Am 25. März trafen französische Soldaten in Blexen ein und eroberten das Fort zurück. Der Kommandant der deutschen Kanoniere, Lübbe Eylers aus Zetel, wurde sofort erschossen, der Rest eingesperrt. Am nächsten Morgen wurden auf dem Blexer Kirchhof elf Männer hingerichtet, zum Teil auch Zivilisten. Das Fort blieb bis zum 25. November in französischer Hand, ehe es sich russischen Truppen ergab.[6] Ein Gedenkstein an der Kirche erinnert an dieses Ereignis.

1878 wurde in der Postagentur Blexen das erste Telefon im Großherzogtum Oldenburg in Betrieb genommen. Es verband die Station mit dem Telegrafenamt in Nordenham. Zur Zeit der großen Auswanderungen Ende des 19. Jahrhunderts, die von Bremerhaven erfolgten, wurde Blexen scherzhaft auch als „das letzte Dorf vor Amerika“ bezeichnet.

Im Zuge der oldenburgischen Verwaltungsreform verlor Blexen am 27. März 1933 seine Selbstständigkeit und wurde dem Stadtgebiet Nordenhams zugeschlagen.

Ab 13. August 1941 wurde vom Kriegsgefangenen-Stammlager 310 (X D) in Wietzendorf / Lüneburger Heide ein Arbeitskommando sowjetischer Kriegsgefangener nach Blexen verschickt. Es trug zunächst die Kommandonummer 23 X D, wurde ab 1. Dezember 1941 verwaltungsmäßig vom Stalag X C in Nienburg übernommen und unter der Nummer 5134 X C weitergeführt. Eine große Zahl der sowjetischen Gefangenen starb 1941/42 an den Folgen unzureichender Ernährung, Kälte und Erschöpfung durch Schwerstarbeit. Die genaue Zahl und Identität der Toten, Todesursachen und sonstige näheren Umstände können heute durch die zur Verfügung stehenden personenbezogenen Dokumente aus der ehemaligen Wehrmachtauskunftstelle (Personalkarten der Gefangenen) recherchiert werden und sind derzeit Gegenstand weiterer Nachforschungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Die St.-Hippolyt-Kirche mit Münstermann-Altar und Willehadus-Brunnen war in alten Zeiten ein Ziel von Wallfahrten.[7]
  • Der Blexer Deich erlaubt den Blick auf das seeschifftiefe Fahrwasser der Weser. Der Deich ist ebenfalls Anlaufstelle für Besucher auf dem linksseitigen Weserufer bei der alle fünf Jahre stattfindenden Windjammerparade (Sail) in Bremerhaven.
  • Der Flugplatz Blexen ist für Segelflugzeuge und kleine Motorflugzeuge geeignet. Direkt am Gelände befindet sich auch eine Möglichkeit, Modellflugzeuge starten zu lassen.[8]

Sport

  • Blexer Turnerbund von 1907 e. V.: Gymnastik, Turnen, Gesundheitssport, Schwimmen, Aqua-Fitness, Wandern, Tischtennis, Handball, Leichtathletik, Step-Aerobic, Badminton, Tennis, Taekwon Do, Triathlon, Fußball

Regelmäßige Veranstaltungen

Turnerball jährlich am ersten Samstag im November, Sommerspiele, Nordseecupturnier (Handball) immer Himmelfahrt, Nordseecupturnier (Tennis) im September

Wirtschaft und Infrastruktur

Fliegerei

Am 29. September 1929 wurde die Wasser-Seefluggesellschaft mit Sitz in Blexen gegründet. Das Ziel war es, von Blexen aus Wasserflugzeuge nach New York starten zu lassen. Nach dem Bau eines Flughafengebäudes und einer Pontonanlage wurde der Flughafen am 15. Juli 1928 offiziell eröffnet, allerdings nur mit einem täglichen Flugverkehr nach Helgoland. Später landeten hier die Postflugzeuge der Schiffe Bremen und Europa. Das ehemalige Verwaltungsgebäude für den Flughafen ist erhalten und beherbergt heute ein Altenheim.[9]

Bei Volkers wurde eine geheime Produktionsstätte für Wasserflugzeuge errichtet. In den als Bauerhäuser getarnten Gebäuden sollten auch die Flugzeuge der beiden deutschen Flugzeugträger gewartet werden, die im Bremerhavener Nordhafen liegen sollten. Ein Wasserflugzeug wurde nie gebaut, ein Trägerflugzeug nie gewartet. Der Zweite Weltkrieg hatte diese Pläne zunichte gemacht. Gegen Kriegsende verlagerte der in Einswarden beheimatete Weser-Flugzeugbau einen Teil der Produktion in die „Bauernhöfe“. Als Arbeiter waren nur Einheimische beschäftigt.[10] In der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gingen die Gebäude in den Besitz der Weser–Metallindustrie über. Diese Firma machte aus Kriegsmaterial Haushaltsgegenstände – aus Stahlhelmen Kochtöpfe oder Küchensiebe, aus Gasmaskenbehältern Kaffeekannen. Nach dem Konkurs der Firma übernahm 1992 die Bremer Fa. Bachmann die Hallen als Getreidelager. Dazu wurden die Hallenwände mit Holz verkleidet um das Getreide erst in Säcken, später als Schüttgut lagern zu können. Nach Aufgabe des Getreidelagers wurden die Holzbretter wieder entfernt und an Selbstabholer preiswert verkauft.[10] 1992 wurde die Kommunale Beschäftigungsgesellschaft (KOMBEG) gegründet, um dort Arbeitslose für neue Aufgaben weiter zu qualifizieren. Seit dem Ende der KOMBEG im Jahre 2003 führt die Agentur für Arbeit dort Weiterbildungsmaßnahmen durch.

Schwimmdockbau

Auf dem für den Flugplatz aufgespülten Vordeichgelände wurde 1954 ein Badestrand eingerichtet, mit Blick über die Weser nach Bremerhaven. Doch schon 1956 halbierte sich die Fläche, die für eine Schwimmdock-Werft der Gutehoffnungshütte (GHH) direkt neben dem Fähranleger abgezwackt wurde. Auf dem mittlerweile freigeräumten Gelände wurde 2004 eine große Gewerbeschau unter dem Titel „Nordvision“ veranstaltet. Die restliche Fläche des Badesstrandes ging ab 1967 bei der Ansiedlung des Industrieunternehmens Kronos Titan verloren.

Ab 2011 gab es Bestrebungen, auf dem ehemaligen Gelände der Schwimmdockwerft ein Zulieferwerk für Offshore-Windparks der Dillinger Hütte zu errichten, das bei einer Investitionssumme von 135 Millionen Euro auf 21 ha 300 Arbeitsplätze schaffen sollte. Parallel zum Deich sollten 300 bis 400 Meter lange Produktionshallen entstehen. Inzwischen wurden die Planungen realisiert. Am 18. September 2014 ist das Blexer Monopile-Werk offiziell eröffnet worden. Es firmiert unter Steelwind Nordenham GmbH und hat seinen Sitz in Blexen. Die Investitionssumme betrug rund 175 Mio. Euro. Die vollständige Kapazität soll das Werk Ende 2016 erreichen.[11][12]

Verkehr

Trotz des 2004 eröffneten Wesertunnels südlich von Nordenham fährt immer noch die Weserfähre Bremerhaven–Nordenham, die über die Bundesstraße 212 erreicht wird.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Klaus Dede: Zehn deutsche Männer. Atelier im Bauernhaus, ISBN 3-881-32298-1 (Dokumentation über die Erschießung der zehn Blexer durch die Truppen Napoléons).
  • Wolfgang Günter [u. a.]: Nordenham. Die Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Isensee-Verlag, Oldenburg 1993 – ISBN 3-89598-153-2.
  • Eduard Krüger, Die Fähren an der Jade und der Wesermündung (Oldenburger Balkenschild: Kleine Hefte 29-30), Oldenburg 1967.

Weblinks

 Commons: Blexen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vgl. Carsten Roll, Vom ‚asega’ zum ‚redjeven’. Zur Verfassungsgeschichte Frieslands im Mittelalter, in: Concilium medii aevi 13 (2010), S. 187-221.Als PDF online
  2. Heinrich Schmidt, Der Raum Nordenham in Mittelalter und Reformationszeit, in: Wolfgang Günther (u.a.), Nordenham. Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Oldenburg 1993, S. 81-160, S. 100. Die Quelle ist ediert: Bremer Urkundenbuch I, Nr. 119.
  3. Heinrich Schmidt, Der Raum Nordenham in Mittelalter und Reformationszeit, in: Wolfgang Günther (u.a.), Nordenham. Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Oldenburg 1993, S. 81-160, S. 145f.
  4. Eduard Krüger, Die Fähren an der Jade und der Wesermündung (Oldenburger Balkenschild: Kleine Hefte 29-30), Oldenburg 1967, S. 12f.
  5. Vgl. Rosemarie Krämer, Die Geschichte der Stadt Nordenham vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, in: Wolfgang Günther (u.a.), Nordenham. Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Oldenburg 1993, S. 161-330, S. 193f.
  6. Vgl. Wolfgang Günther, Blexen und Nordenham im 19. Jahrhundertund 20. Jahrhundert, in: Wolfgang Günther (u.a.), Nordenham. Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Oldenburg 1993, S. 161-330, S. 193f.
  7. Kirchengemeinde Blexen
  8. Flugplatz Blexen
  9. das ehemalige Verwaltungsgebäude
  10. 10,0 10,1 Kapitänleutnant a. D. Helmut Krummel, Schiffdorf
  11. Oldenburgische Wirtschaft, Nr. 10 (vom Oktober 2014), Seite 16.
  12. Nordwest-Zeitung Wesermarsch , abgerufen am 2. April 2015

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Blexen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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