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Bevergern


Bevergern
Stadt Hörstel
Einwohner: 4325 (31. Mrz. 2016)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 48477
Vorwahl: 05459

Lage von Bevergern in

Die Ackerbürgerstadt Bevergern ist ein Stadtteil von Hörstel mit ca. 4.300[1] Einwohnern in der westfälischen Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt). Im Jahr 1991 erhielt Bevergern die Goldmedaille im heutigen Bundeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft.

Geschichte

Eine Ortschaft mit dem Namen Bevergern fand erstmals im Jahre 1123 urkundliche Erwähnung. Mit Beginn des 14. Jahrhunderts ließen die Grafen von Tecklenburg zur südlichen Grenzsicherung eine Burg auf einem Höhenrücken errichten. Am Fuße der Burg Bevergern entwickelte sich die Ortschaft Bevergen, die bereits 1366 die Stadtrechte von Graf Nikolaus I. von Tecklenburg erhielt.

Nach ständigen Auseinandersetzungen des Grafen Nikolaus II. von Tecklenburg mit den mächtigen Nachbarn Münster und Osnabrück, fiel Bevergern im Jahr 1400 an das Hochstift Münster. In der Burg Bevergern befand sich fortan der Sitz der Amtsverwaltung. Bevergern wechselte im Dreißigjährigen Krieg mehrfach den Besitzer. Bei einem großen Brand 1658 wurde die gesamte Stadt bis auf die Kirche zerstört. Nachdem das Hochstift Münster wiederum in Besitz von Bevergern gelangte, wurde die Burg letztlich von Bischof Ferdinand II. im Zeitraum vom 6. bis 15. März 1680 gesprengt und der Amtssitz nach Rheine verlagert. Dieses hatte eine Stagnation der Entwicklung von Bevergern zur Folge.[2]

Mit dem Anschluss an das Königreich Preußen 1803 und nach der napoleonischen Herrschaft 1816, gelangte Bevergern mit der Gründung des Kreises Tecklenburg in das Tecklenburger Land zurück. Mit der Gebietsreform am 1. Januar 1975 verlor Bevergern die politische Selbständigkeit, brachte aber die Stadtrechte in die neuen Stadt Hörstel ein.[3] Wappentier von Bevergern ist der Biber, der sich im Stadtwappen von Hörstel wiederfindet. Partnergemeinde der Stadt Hörstel im Vereinigten Königreich ist Waltham Abbey; Partnergemeinde der Stadt Hörstel in den Niederlanden ist Dalfsen.

Der heutige Stadtteil liegt am Radfernweg der 100-Schlösser-Route und zahlreichen weiteren Radwanderwegen. Jährlich findet der Castellans Folk Sommer, ein Folkfestival, am Dortmund-Ems-Kanal statt. Der Bevergerner Karneval ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das Heimathaus befindet sich im Stadtkern; es war eine Schenkung von Anton Hilckman und wurde 1966 eingeweiht. Charakteristisch für die Altstadt des Bundesgolddorfes Bevergern sind die Kopfsteinpflaster, die Fachwerkhäuser und die Gassen. Auf dem Dorfplatz sind im Pflaster die Grundmauern der 1680 zerstörten Burg Bevergern, die in ihrer Geschichte immer wieder Ausgangspunkt von Streitigkeiten war, angedeutet. Vom Kloster Gravenhorst führt ein historischer Fluchtweg, das Nonnenpättken, zum Klosterhof im Ortskern von Bevergern. Zu den markantesten Gebäuden zählt der Saltenhof, den 1938 SA-Chef Viktor Lutze für sich bauen ließ. Als das Wahrzeichen Bevergerns gilt das Nasse Dreieck. Hiermit ist die Stelle gemeint, an der der Mittellandkanal vom Dortmund-Ems-Kanal abzweigt. Weiterhin ist der Torfmoorsee, ein großer Badesee, der im Zuge des Autobahnbaus der Autobahn 30 ausgehoben wurde, ein beliebtes Ausflugsgewässer. Die Bevergerner Aa fließt von Riesenbeck kommend (dort als Flötte bekannt) durch den Ort, um dann auf Rheiner Stadtgebiet unter der Bezeichnung Hemelter Bach in die Ems zu fließen.

Bevergerner „Karfriedagsdracht“

Bevergern gehört mit zu den wenigen Orten in Westfalen, an dem eine alte Form der Karfreitagsprozession bewahrt werden konnte. Nach der Liturgie am Nachmittag setzt sich der Zug in Bewegung. Er führt heutzutage am Stadtgraben und ungefähr am ehemaligen Verlauf der Stadtmauer entlang. Früher ging er durch das sogenannte Karfreitagsgässchen, einem engen Durchgang zwischen den Häusern der Altstadt, der allerdings im Rahmen der Altstadtsanierung beseitigt worden ist. Mitgeführt werden neben den Leidenswerkzeugen noch ein Grabchristus und eine trauernde Madonna. Männer und Frauen gehen getrennt voneinander mit der Prozession, so dass sich Leidenswerkzeuge/Grabchristus/trauernde Madonna dazwischen in der Mitte des Zuges befinden. An fünf Stationen macht die Prozession Halt, wo jeweils ein Gesätz des „Schmerzhaften Rosenkranzes“ gebetet wird. Die „Karfriedagsdracht“ endet in der Pfarrkirche mit dem Lied „Christi Mutter stand mit Schmerzen“.

Das Besondere ist, dass während der Bevergerner Karfreitagsprozession neben dem o. g. alte Lieder aus der Zeit des Hochstiftes Münster gesungen werden, welche andernorts längst in Vergessenheit geraten sind. Drei der vier besonderen Lieder stammen aus dem 1781 erstmals und 1792 im (damaligen Fürst-)Bistum Münster erschienenen Gesangbuch "Neues katholisches Gesangbuch zur Belehrung und Erbauung der Christen" des Osnabrücker Domvikars Rudolph Deutgen. Dies sind "Kommt mit reuerfülltem Herzen"[4], "Weg mit Jesus, er soll sterben"[5] und "Zittert, aller Welten Herzen"[6]. Die Melodien zu diesem Gesangbuch und folglich auch die der Bevergerner Karfreitagsgesänge (sofern es sich nicht um ältere, übernommene Melodien handelt) schrieb Johann Conrad Hemmis (geb. verm. 1727 in Eikeloh; 1744 zweiter Organist am Dom zu Osnabrück; ab 1756 bis zu seinem Tod 1786 dort Domkapellmeister).[7]

Das Lied "Kommt mit reuerfülltem Herzen" war noch als fünfstrophiger Gesang Bestandteil des "Katholischen Gesangbuches für die Diöcese Hildesheim" (Druck u. Verlag J. Kornacker, Hildesheim 1893)[8] unter der Nummer 94/S. 81[9]. Dorthin gelangte es ebenfalls aus dem Gesangbuch von Deutgen[10], welches vom letzten Fürstbischof 1787 zum Stifthildesheimischen Diözesangesangbuch gemacht wurde[11]. Die Melodie ist nicht mit der aus Bevergern identisch; als Urheber für die Hildesheimer Variante wird ein Ph. Liste 1818[12] angegeben.

Eine Choralbearbeitung von "Kommt mit reuerfülltem Herzen" verfasste Otto Dunkelberg[13].

Persönlichkeiten

  • Albert Freude (1877–1956), römisch-katholischer Pfarrer von St. Marien Bevergern und langjähriger Dechant des Dekanats Ibbenbüren; Ehrenbürger der damaligen Stadt Bevergern
  • Viktor Lutze (1890–1943), Freikorpskämpfer und als Nachfolger Ernst Röhms Stabschef der SA.
  • Joseph Wewel (1907–1978), römisch-katholischer Geistlicher, wirkte in der Finanzverwaltung der katholischen Kirche in Westdeutschland sowie als Diözesan-Wallfahrtsleiter und Apostolischer Visitator

Literatur

  • Autorenkollektiv: Bevergern. Geschichte und Geschichten um eine alte Stadt. Stadtverwaltung Bevergern, Bevergern 1966.
  • Reinhard Niehoff, Klaus H. Peters, Georg Pistorius: Hörstel: fotografische Impressionen. Bevergern, Dreierwalde, Hörstel, Riesenbeck. Lammert, Hörstel-Riesenbeck 1992.
  • Ottilie Baranowski, Walter Kinast: Päörtkes, Püttkes, Pädtkes: Tore, Brunnen, Wege. Bevergern. Herausgegeben vom Heimatverein Bevergern. Ibbenbürener Vereinsdruckerei, Ibbenbüren 1989, ISBN 3-921290-39-2.
  • Westfälischer Städteatlas. Band: V; 1 Teilband. Im Auftrage der Historischen Kommission für Westfalen und mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, hrsg. von Heinz Stoob und Wilfried Ehbrecht. Stadtmappe Bevergern, Autor: Hartmut Klein. Dortmund-Altenbeken 1996, ISBN 3-89115-138-1.

Weblinks

 Commons: Bevergern  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Zahlen, Daten, Fakten. Website der Stadt Hörstel, abgerufen am 01. Juli 2016.
  2. http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/urkunden_datenbank/suche/vollansicht_archiv.php?id=269 LWL - Geschichte und Urkunden der Stadt Bevergern
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 318.
  4. [1]
  5. [2]
  6. [3]
  7. [4]
  8. [5]
  9. [6]
  10. [7]
  11. [8]
  12. http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/zoom/3495159
  13. [9]

Kategorien: Ehemalige Gemeinde (Kreis Steinfurt) | Ort im Tecklenburger Land | Hörstel

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Bevergern (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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