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Betriebszentrale (DB Netz)

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Die Betriebszentrale (BZ) ist Teil eines noch in Erweiterung befindlichen, integralen Systems der DB Netz, das den Bahnbetrieb am jeweiligen Sitz der sieben Regionalbereiche in Bezug auf Steuerung, Sicherung und Disposition konzentrieren soll. Voraussetzung dafür sind elektronische Stellwerke (ESTWs), deren Technik das Einstellen der Fahrstraßen für Züge und Rangierfahrten über große Entfernungen hinweg ermöglicht.

In der Betriebszentrale laufen auch im Notfall alle Fäden zusammen. Die integrierte Notfallleitstelle verständigt alle relevanten Institutionen wie Feuerwehr, Polizei, Bundespolizei und Technisches Hilfswerk sowie den Notfallmanager.

In jeder der sieben Betriebszentralen steht darüber hinaus eine Betriebssimulation zur Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern an den ESTWs zur Verfügung.[1]

Hintergrund

Bisher war und ist die Steuerung und Sicherung des Bahnbetriebes Aufgabe der Fahrdienstleiter in den Stellwerken der einzelnen Betriebsstellen. Zusätzlich sorgte die für einen größeren Bereich zuständige Betriebsleitung für einen flüssigen Betriebsablauf. Deren Disponenten waren den Fahrdienstleitern gegenüber weisungsberechtigt. Bis Ende der 1990er Jahre gab es dafür bei der Deutschen Bahn noch 15 regionale Betriebsleitungen, jeweils am Sitz der ehemaligen Bundesbahn- bzw. Reichsbahndirektionen. Die überregionale Disposition des Zugverkehrs oblag bis 1997 den beiden zentralen Betriebsleitungen in Mainz (DB) und in Berlin (DR).

Während die überregionale Disposition des Bahnbetriebes heute in der Netzleitzentrale in Frankfurt am Main, der Nachfolgeorganisation der beiden zentralen Betriebsleitungen, angesiedelt ist, sind die regionalen Dispositionsaufgaben der Betriebsleitungen auf die Betriebszentralen übergegangen. Nach ihrem vollständigen Aufbau werden alle regionalen Aufgaben der Steuerung, Sicherung und Disposition des Bahnbetriebes im Netz der Deutschen Bahn AG in den sieben Betriebszentralen Berlin (Fernbahn im Bezirk Pankow), Duisburg, Frankfurt am Main, Hannover, Karlsruhe, Leipzig und München konzentriert sein. Zuglenker, örtlich zuständige Fahrdienstleiter und Disponenten, auch die der Leitstellen und Transportleitungen von DB Fernverkehr AG, DB Regio AG und von DB Schenker AG steuern, sichern, überwachen und betreuen hier den regionalen Bahnbetrieb in enger Koordination und Kooperation. Einen Sonderfall stellt die S-Bahn Berlin dar mit einer eigenen Betriebszentrale in der Halenseestraße, die nur für das S-Bahn-Netz in Berlin zuständig ist. Mit ihnen zusammen arbeiten die mit der Überwachung, Instandhaltung und Entstörung technischer Fahrwegeinrichtungen betrauten Fachdienste, die ebenfalls der Betriebszentrale zugeordnet sind.

Geschichte

Das Konzept der Betriebszentralen ging aus den Rechnerunterstützten Zugüberwachungen (RZü) der Deutschen Bundesbahn und der Rechnergestützten Dispatcherzentralen (RDZ) der Deutschen Reichsbahn hervor.[2] Rechnergestützte Zugüberwachungen sollten an jedem Direktionsstandort eingerichtet werden und wurden letztlich an fünf Standorten (Berlin, Erfurt, Hamburg, Hannover und Köln) umgesetzt.[3]

Als erster aus einer Betriebszentrale heraus gesteuerte Streckenabschnitt im Netz der Deutschen Bahn ging am Dezember 1995 der ausgebaute, 103 km[4] lange Abschnitt zwischen Werder (Havel) und Magdeburg in Betrieb. Damit wurden 37 Stellwerke und 210 Mitarbeiter eingespart.[5] Die DB hatte die Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit am 3. November 1993 mit der Planung einer Betriebszentrale beauftragt. Im Juli 1994 folgte der Auftrag, die erste Ausbaustufe der Betriebszentrale bis Dezember 1995 zu realisieren.[6] Die Betriebszentrale Magdeburg ging am 17. Dezember 1995 in Betrieb.[7] Sie steuerte zunächst zwei ESTWs.[6] 1996 regelte sie den Zugverkehr auf 256 km Länge.[8]

Ende 1997 (nach anderen Angaben 1998[2]) beauftragte die Deutsche Bahn das Konsortium BZ 2000, bestehend aus den Firmen Alcatel SEL, Vosslog und Siemens, bundesweit sieben Fernbahn-Betriebszentralen sowie eine Betriebszentrale für die S-Bahn Berlin aufzubauen.[9]

Im Mai 1999 ging am Pfarrer-Perabo-Platz die Betriebszentrale Frankfurt am Main in Betrieb. Sie disponiert in der DB-Netz-Region Mitte täglich 6400 Züge auf 3685 Streckenkilometern (Stand: Mai 2009). Zur Betriebsaufnahme waren in der BZ Frankfurt rund 120 Mitarbeiter beschäftigt, Anfang 2009 waren es rund 225. Der erste Steuerbereich war der Knoten Frankfurt am Main, heute (Stand: Anfang 2009) sind es zwölf Steuerbezirke.[10] Zuvor, ab Ende September 1998, wurden in einer Vorstufe bereits elf Stellwerke im Knotenbereich Frankfurt ferngesteuert (Bahnhofsbereich Frankfurt (Main) Hauptbahnhof), die zuvor durch das Zentralstellwerk am Hauptbahnhof Frankfurt gesteuert worden waren. Dabei war geplant, bis etwa 2010 alle Strecken in Hessen aus der Betriebszentrale zu steuern.[11]

Die Betriebszentrale Leipzig ging am 27. November 1999 in Betrieb. Mit über hundert Arbeitsplätzen[9] gilt sie (Stand: 2005) als die größte[9] Betriebszentrale. Ihr unterliegen 13 Steuerbezirke in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Teilen von Brandenburg (Stand: April 2014). Aus der Betriebszentrale Leipzig werden unter anderem die Knoten Leipzig Hauptbahnhof, Dresden Hauptbahnhof, Magdeburg Hauptbahnhof, Erfurt Hauptbahnhof und Chemnitz Hauptbahnhof gesteuert. Für 2015 ist der Anschluss des Hauptbahnhofs Halle (Saale) vorgesehen.

Im selben Gebäude ist die Zentrale Schaltstelle zur Steuerung und Überwachung des knapp 6000 km langen Oberleitungsnetzes der DB-Netz-Niederlassung Südost untergebracht.[12]

Ebenfalls 1999 ging die Betriebszentrale Hannover in Betrieb. Seit Dezember 2001 nimmt sie eine Notfallleitstelle auf. Aus der an der Lindemannallee gelegenen Betriebszentrale Hannover steuerten rund 240 Mitarbeiter Ende 2009 neun Stellwerke fern. Darunter Hannover Hauptbahnhof, Bremen Hauptbahnhof, Lübeck Hauptbahnhof und Kiel Hauptbahnhof.[13]

Ebenfalls 1999 ging die Betriebszentrale Duisburg in Betrieb. Sie ging aus den ehemaligen Betriebsleitungen der Bundesbahndirektionen Köln und Essen hervor. 250 Mitarbeiter bedienen von hier aus 15 ESTWs in Nordrhein-Westfalen (Stand: 2009).[14]

Bis Ende 1999 wurde an allen acht Standorten die Grundfunktionalität in Betrieb genommen.[9]

Das Gesamtsystem BZ 2000 wurde in mehreren Schritten eingeführt. Zunächst, 1999, wurden die Zugüberwachungen und Dispatcherzentralen flächendeckend ersetzt. Im Jahr 2003 wurde das Verfahren Fahrplan eingeführt, in dessen Rahmen die Pflege der Fahrpläne übernommen wurde. Ende 2004 wurde schließlich das Verfahren Zugdisposition eingeführt.[2] Für die Betriebszentralen hatten bis 2004 rund 130 Softwareentwickler mehr als fünf Millionen Zeilen Quellcode entwickelt.[9]

Später begann die Einbindung erster Relaisstellwerke in die Betriebszentralen. Dazu wurden spezielle Schnittstellen entwickelt.[15]

Auswirkungen

Mit den Betriebszentralen hofft die DB Netz AG nicht zuletzt, die laufenden Kosten des Betriebes zu senken. Ob dieser Effekt jedoch wie erwartet eintritt, ist in der Fachwelt teilweise umstritten. Der Einsparung von Personal und den Vorteilen der Konzentration der Kräfte stehen hohe Kosten (beispielsweise für die Errichtung und Instandhaltung der Technik) und mangelnde Präsenz in der Fläche gegenüber. Im Störungsfall können sich so längere Entstörzeiten ergeben.

Nach dem Verkauf des BASA-Netzes, über das die Datenkommunikation der Betriebszentralen mit den Stellwerken anfangs abgewickelt wurde, fielen für die Dauerbelegung der Leitungen zunächst hohe Kosten an, sodass die Fernsteuerung teurer als bei örtlich besetzten Betriebsstellen ausfiel.[16] Im Jahr 2002 kaufte die Deutsche Bahn das Netz zurück und betreibt es seitdem selbst.

Vorteile ergeben sich hingegen beispielsweise auch für Strecken, die im ortsgestellten Betrieb aufgrund hoher Personalkosten eine nächtliche Betriebsruhe hatten. Sie können nach dem Anschluss an die Zentrale ohne erhebliche zusätzliche Kosten auch für nächtliche Umleitungen oder Nachtgüterverkehr genutzt werden.

Per Bescheid vom 25. Februar 2010[17] verpflichteten Eisenbahn-Bundesamt und Bundesnetzagentur die Deutsche Bahn, ihre Betriebszentralen mit Wirkung ab 1. September interessierten Wettbewerbern zu öffnen, nachdem diesen zuvor der Zugang zu den Betriebszentralen verwehrt worden war. Dadurch sollen insbesondere bisherige Wettbewerbsnachteile der DB-externen Eisenbahnverkehrsunternehmen begrenzt werden.[18][19] Gleichzeitig stellte die Bundesnetzagentur fest, dass die DB Netz AG verpflichtet ist, nach § 14c  AEG unangekündigte Amtsermittlungen zur Überprüfung, ob derartige Ungleichbehandlungen vorliegen, zu dulden und nicht zu behindern. DB Netz und die Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB hatten gegen diesen Bescheid zunächst Widerspruch eingelegt, diesen später jedoch wieder zurückgezogen.[17]

Betriebszentralen in anderen Ländern

Die Schweizerischen Bundesbahnen betreiben vier Betriebszentralen, aus denen im Endausbau das gesamte SBB-Netz gesteuert werden soll.[20][21][22] Im Mai 2010 wurde die BZ West in Lausanne eröffnet, im Dezember 2010 folgte die BZ Ost am Flughafen Zürich sowie schließlich die BZ Süd in Pollegio im April 2014.[22]

Die Österreichischen Bundesbahnen bauten zwischen 2005 und 2015 fünf Betriebsführungszentralen (BFZ) in Innsbruck, Salzburg, Wien, Villach und Linz.[23]

Die tschechische SŽDC nahm am 1. Februar 2016 eine Betriebszentrale in Prag-Libeň in Betrieb, in der Ende 2016 109 Streckendispatcher und 36 Operateure für 2200 km Strecke zuständig sein sollen.[24]

Einzelnachweise

  1. Fahrdienstleiter üben für den neuen Job. In: DB Welt, Ausgabe Oktober 2007, S. 10.
  2. 2,0 2,1 2,2 Stephan Barke, Ralf Salka, Michael Kant: BZ 2000 – Zugdisposition in der Betriebszentrale Fernbahn Berlin in Betrieb. In: Signal + Draht. Band 97, Nr. 6, 2005, ISSN 0037-4997 , S. 26–29.
  3. Achim Heinrichs: Betriebszentralen: Inbetriebnahme am Beispiel Hannover. In: Signal + Draht. Band 98, Nr. 9, 2006, ISSN 0037-4997 , S. 20–26.
  4. Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Projekt 5: Was bis Dezember passiert. 28. Mai 1995.
  5. Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Schnelle Wege zwischen Magdeburg und Berlin. Sechsseitiges Leporello, Berlin, ca. 1995.
  6. 6,0 6,1 Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Nr. 5 erledigt. Broschüre, ca. 1995.
  7. Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Verkehrsprojekte Deutsche Einheit. Schienenwege. Schnelle Wege für morgen. Eine Information für den Verkehrsausschuß des Deutschen Bundestages. Gespräch mit Herrn Prof. Dr. S. Mängel, Sprecher der Geschäftsführung der Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (PB DE) am 23. November 1995 in der Parlamentarischen Gesellschaft Bonn. Bonn, 23. November 1995, ohne Seitennummerierung.
  8. Staaken im Mai, Potsdam im Dezember. In: Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Info-Brief, ZDB-ID 2668166-3 , Heft 1/1996, S. 7.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 Reinhold Hundt: Betriebszentralen der DB Netz AG – Die Revolution in der Betriebsführung. In: Signal + Draht. Band 97, Nr. 1, 2005, ISSN 0037-4997 , S. 3.
  10. 10 Jahre Betriebszentrale Frankfurt. In: DB Welt, Ausgabe Mai 2009, Regionalausgabe Mitte, S. 21
  11. Meldung Neue Betriebszentrale für Frankfurt/M. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2, 1999, ISSN 1421-2811 , S. 2.
  12. DB Netz AG (Hrsg.): Betriebszentrale Leipzig: Technologie mit Zukunft. Broschüre, Leipzig, August 2006, S. 7.
  13. Betriebszentrale Hannover ist der „Hüter der Pünktlichkeit“. In: DB Welt, Ausgabe Oktober 2009, Regionalteil Nord, S. 23.
  14. Betriebszentrale überwacht in NRW 2.500 Streckenkilometer. In: DB Welt, Ausgabe November 2009, Regionalteil West, S. 24.
  15. Michael Lübbers, Adem Varol: Integration von Relaisstellwerken in die Bedienung von Betriebszentralen. In: Signal + Draht. Band 99, Nr. 6, 2007, ISSN 0037-4997 , S. 13–19.
  16. Meldung Teure Fernsteuerzentralen. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2000, ISSN 1421-2811 , S. 428.
  17. 17,0 17,1 Deutscher Bundestag (Hrsg.): Tätigkeitsbericht 2010 der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen für den Bereich Eisenbahnen gemäß § 14b des Allgemeinen Eisenbahngesetzes und Stellungnahme der Bundesregierung (PDF-Datei; 1,4 MB). Drucksache 17/8525 vom 30. Januar 2012, S. 31–32.
  18. Eisenbahn-Bundesamt: DB Netz AG muss Betriebszentralen auch für externe Eisenbahnverkehrsunternehmen öffnen . Presseinformation 06/2010 vom 26. Februar 2010
  19. Bundesnetzagentur: Wettbewerber des DB-Konzerns erhalten Zugangsmöglichkeit zu Betriebszentralen . Presseinformation vom 26. Februar 2010.
  20. Grösste SBB-Betriebszentrale nun auch offiziell in Betrieb. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 1, 2016, ISSN 1022-7113 , S. 41.
  21. SBB: Neue Betriebszentralen in Olten und Zürich. In: Signal + Draht. Band 98, Nr. 9, 2006, ISSN 0037-4997 , S. 72.
  22. 22,0 22,1 In control. In: Railway Gazette International. Band 171, Nr. 12, 2015, ISSN 0373-5346 , S. 7.
  23. Gerhard Haipl, Richard Sagner: Fünf Betriebsführungszentralen im Schienennetz der ÖBB Infrastruktur AG. In: Signal + Draht. Band 108, Nr. 1+2, 2016, ISSN 0037-4997 , S. 44–50.
  24. Tschechien: SŽDC mit Betriebszentrale. In: eurailpress.de. DVV Media Group GmbH, 24. Februar 2016, abgerufen am 1. März 2016.


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