Berufkräuter - LinkFang.de





Berufkräuter


Dieser Artikel behandelt die botanische Gattung Erigeron; für die gleichnamige Gattung Conyza siehe Berufkräuter (Conyza)
Berufkräuter

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Astereae
Gattung: Berufkräuter
Wissenschaftlicher Name
Erigeron
L.

Die Berufkräuter (Erigeron) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die fast weltweit bis zu 400 Arten sind vorwiegend in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel (Holarktis) und vor allem in Nordamerika (173 Arten) verbreitet. In Mitteleuropa heimisch sind nur neun Arten. Einige Gartensorten werden auch mit Aller bezeichnet.

Beschreibung

Erscheinungsbild und Blätter

Erigeron-Arten sind ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, manche Arten sind immergrün. Die Stängel sind aufrecht oder niederliegend. Die Laubblätter sind stets wechselständig, bei vielen Arten stehen die Blätter in einer grundständigen Rosette. Die Blattspreiten sind ganz, gezähnt bis geteilt.

Blütenstände, Blüten und Früchte

Die Blütenkörbchen stehen einzeln oder zu wenigen, selten zu mehreren. Der Durchmesser der Blütenkörbe ist 5 bis 35 Millimeter. Die Hüllblätter stehen in zwei oder drei Serien, eng und sind krautig bis trocken. Der Korbboden ist flach oder konvex, und nackt. Die Berufkräuter besitzen Röhren- und Zungenblüten. Außen stehen in einer oder mehreren Reihen die, selten fehlenden, meist 12 bis 350 Zungenblüten (= Strahlenblüten) sind weiß bis rot-bräunlich gefärbt und fast doppelt so lang wie die Röhrenblüten und nach außen ausgebreitet; sie sind weiblich und fertil. Die 25 bis 450 Röhrenblüten (= Scheibenblüten) sind zwittrig, fertil. Es sind meist wesentlich mehr Scheiben- als Strahlenblüten vorhanden. Die Kronröhre ist meist gelb und die fünf Kronlappen sind manchmal purpurfarben.

Die Achänen-Früchte sind meist schmal ellipsoidisch bis eiförmig, manchmal zusammengedrückt. Der Pappus ist meist doppelt, die äußere Reihe meist schuppig oder auch fehlend, die innere Reihe fein. Sehr selten fehlt der Pappus ganz.

Chromosomensätze

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9. In der Gattung Erigeron ist Polyploidie häufig, oft begleitet von Agamospermie, besonders in Arten mit ungeradzahliger Ploidie.[1]

Unterschiede zwischen Conyza und Erigeron

Die Unterscheidungsmerkmale zwischen den beiden als „Berufkräuter“ bezeichneten und in neuerer Zeit auf Grund von Ergebnissen molekulargenetischer Untersuchungen oft unter Erigeron vereinten Gattungen sind nicht immer eindeutig. Normalerweise hat Conyza unsymmetrische Hüllblätter und 2- bis 20-mal so viele weibliche wie zwittrige Blüten in jedem Köpfchen, nur selten mehr zwittrige als weibliche. Die Krone der weiblichen Blüten haben meist keine Zunge oder diese ist zumindest kürzer als ein Millimeter. Die Gattung Erigeron hat annähernd symmetrische Hüllblätter und mehr zwittrige als weibliche Blüten. Die Krone der weiblichen Blüten hat meist eine Zunge von 2 bis über 10 Millimetern Länge.[2]

Pflanzenkrankheiten

Verschiedene Erigeron-Arten werden von den Rostpilzen Puccinia cnici-oleracei und Puccinia dovrensis befallen.[3]

Systematik

Die Gattung Erigeron wurde von Carl von Linné 1753 in Species Plantarum[4] erstveröffentlicht.[5] Der botanische Gattungsname Erigeron setzt sich aus den griechischen Wörtern eri für „früh“ oder erio für „wollig“, und geron für „Greis“ zusammen und bezieht sich auf die bald nach der Blütezeit erscheinenden weißen Haare der Früchte.[1] Synonyme für Erigeron L. sind: Achaetogeron A.Gray, Trimorpha Cass.[1]

Je nach Quelle enthält die Gattung Erigeron (200 bis) 390[1], wenn die Gattung Conyza enthalten ist, bis zu 400[6] Arten. Die hohen und stark schwankenden Zahlenangaben sind typisch für agamosperme Sippen. Molekulargenetischen Untersuchungen zufolge dürfte die Gattung paraphyletisch sein, da innerhalb der monophyletischen Gruppe der Conyzinae die Gattungen Conyza (25 bis 60 Arten), Aphanostephus (vier Arten) und die südamerikanische Leptostelma-Gruppe stehen.[1]

Die Erigeron-Arten (ohne die Conyza-Arten) sind:[7]

Die Gattung Erigeron wird nach Nesom 2008[10] in folgende 35 oder 38 Sektionen gegliedert:[6]

Sektion Erigeron sect. Arenarioides (Rydb.) Nesom
Sektion Erigeron sect. Asterigeron Rydb.
Sektion Erigeron sect. Cincinnactis Nesom
Sektion Erigeron sect. Disparipili Nesom
Sektion Erigeron sect. Erigeron
Sektion Erigeron sect. Erigeridium Torr. & A.Gray
Sektion Erigeron sect. Filifolii (Rydb.) Nesom
Sektion Erigeron sect. Fruticosus G.Don
Sektion Erigeron sect. Geniculactis Nesom
Sektion Erigeron sect. Geronpternix Nesom & Noyes
Sektion Erigeron sect. Gyrifolium Nesom
Sektion Erigeron sect. Imbarba Nesom
Sektion Erigeron sect. Karvinskia Nesom
Sektion Erigeron sect. Lamprocaules Nesom
Sektion Erigeron sect. Lonchophylli Nesom
Sektion Erigeron sect. Meridionales Nesom & N.Andrus
Sektion Erigeron sect. Microcephalum Nesom
Sektion Erigeron sect. Osteocaulis Nesom
Sektion Erigeron sect. Pauciflori G.Don
Sektion Erigeron sect. Phalacroloma (Cass.) Torr. & A.Gray
Sektion Erigeron sect. Polyactis (Less.) Nesom
Sektion Erigeron sect. Pseuderigeron Torr. & A. Gray
Sektion Erigeron sect. Quercifolium Nesom
Sektion Erigeron sect. Radicati (Rydb.) Nesom
Sektion Erigeron sect. Rhizonexus Nesom
Sektion Erigeron sect. Scopulincola Nesom
Sektion Erigeron sect. Stenactis Torr. & A.Gray
Sektion Erigeron sect. Terranea (Colla) Nesom
Sektion Erigeron sect. Tridactylia Nutt.
Sektion Erigeron sect. Trimorpha (Cass.) DC.
Sektion Erigeron sect. Wyomingia (A.Nelson) Cronquist
falls Conyza nicht als eigene Gattung anerkannt ist Sektion Erigeron sect. Caenotus Nutt.
falls Conyza nicht als eigene Gattung anerkannt ist Sektion Erigeron sect. Conyza (Less.) Baill.[6]
falls Leptostelma nicht als eigene Gattung anerkannt ist Sektion Erigeron sect. Leptostelma (D.Don) Benth. & Hook.

Nutzung

Einige Sorten werden als Zierpflanzen verwendet. Sie bevorzugen zumeist geschützte, sandige Standorte.

Namensherkunft

Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht ausreichend belegt.

Der deutsche Trivialname Berufkraut leitet sich von berufen (verhexen) ab. Traten Krankheiten auf, für deren Verursacher Zauberer und Hexen der Schwarzen Magie gehalten wurden, wurden Waschungen mit einem Sud von Erigeron und Heilkräutern durchgeführt bzw. die Krankheit wurde auf die Pflanzen durch einen Zauberspruch "übertragen". Andere Berufkräuter sind beispielsweise das Leinkraut (Linaria vulgaris), die Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), der Aufrechte Ziest (Stachys recta) und der Rainfarn (Tanacetum vulgare).

Trivialnamen

Trivialnamen in verschiedenen Sprachen sind:

  • Chinesisch: 飞蓬属 fei peng shun
  • Englisch: Fleabane
  • Französisch: vergerettes
  • Arabisch: يربا
  • Aserbaidschan: Xırdaləçək
  • Dänisch: Bakkestjerne
  • Estnisch: Õnnehein
  • Finnisch: Kallioiset
  • Japanisch: ムカシヨモギ属
  • Koreanisch: 개망초속
  • Lettisch: Šiušelė
  • Niederländisch: Fijnstraal
  • Norwegisch: Bakkestjerneslekta
  • Polnisch: Przymiotno
  • Schwedisch: Binkasläktet
  • Türkisch: Şifa otu
  • Ukrainisch: Пушняк

Quelle

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Guy L. Nesom: Erigeron. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 20: Magnoliophyta: Asteridae, part 7: Asteraceae, part 2 (Astereae, Senecioneae). Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, S. 256., textgleich online wie gedrucktes Werk.
  2. John L. Strother: Conzya. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 20: Magnoliophyta: Asteridae, part 7: Asteraceae, part 2 (Astereae, Senecioneae). Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, S. 348., online.
  3. George Baker Cummins: Rust Fungi on Legumes and Composites in North America. University of Arizona Press, Tucson 1978, ISBN 0-8165-0653-1.
  4. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 863, Digitalisat
  5. Erigeron bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 25. April 2014.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 Yilin Chen & Luc Brouillet: Erigeron Linnaeus., S. 634 - textgleich online wie gedrucktes Werk , In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 20–21: Asteraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2011, ISBN 978-1-935641-07-0.
  7. Taxon in Suchmaske eingeben bei The Global Compositae Checklist.
  8. 8,00 8,01 8,02 8,03 8,04 8,05 8,06 8,07 8,08 8,09 8,10 8,11 Erigeron im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 25. April 2014.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 Werner Greuter: Compositae (pro parte majore). Erigeron . In: Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2006–2009.
  10. Guy L. Nesom: Classification of subtribe Conyzinae (Asteraceae: Astereae). In: Lundellia, Volume 11, 2008 S. 8–38. Volltext-PDF.

Weblinks

 Commons: Berufkräuter (Erigeron)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ergänzende Literatur

  • Guy L. Nesom, JF. Pruski: Resurrected species of Erigeron (Asteraceae: Astereae) from Central America. In: Phytoneuron, Volume 36, 2011, S. 1–10.

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