Bernsdorf (Landkreis Zwickau) - LinkFang.de





Bernsdorf (Landkreis Zwickau)


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: ZwickauVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verwaltungs­gemeinschaft: Rund um den Auersberg
Höhe: 300 m ü. NHN
Fläche: 15,07 km²
Einwohner: 2224 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 148 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09337
Vorwahlen: 037204, 03723
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 010
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 170
09337 Bernsdorf
Webpräsenz: www.bernsdorf-erzgebirge.de
Bürgermeisterin: Roswitha Müller (FDP)
}

Bernsdorf ist eine Gemeinde im Landkreis Zwickau. Sie ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Rund um den Auersberg mit Sitz in Lichtenstein. Der namensgebende Ort führt seine Entstehung auf das Jahr 1286 zurück.

Geografie

Lage

Bernsdorf befindet sich im Erzgebirgsvorland, das im Gemeindegebiet Höhen von 300 m erreicht. Bernsdorf liegt an der B 173 zwischen Lichtenstein und Oberlungwitz und ca. 14 km östlich von der Kreisstadt Zwickau.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Bernsdorf, Hermsdorf und Rüsdorf.

Geschichte

Von der Erstnennung im 15. Jahrhundert bis zum Jahr 1990

Bernsdorf wird im Fragment der Naumburger Bistumsmatrikel[2], die unmittelbar nach 1470 entstand, als Bernstorf erwähnt. In der Heimatgeschichtsforschung ist jedoch die Angabe verbreitet, dass diese Matrikel bereits 1286 entstand und daher wird dieses Jahreszahl fälschlich als Ersterwähnungjahr angegeben. Der Name des Ortes soll sich von Dorf eines Berno ableiten.[3]

Bernsdorf wurde als Waldhufendorf angelegt. Im 15. Jahrhundert fielen die Hussiten in Bernsdorf ein, im Jahr 1613 forderte die Pest unter den Einwohnern zahlreiche Todesopfer. Der Dreißigjährige Krieg vernichtete weitere Personen und Häuser.[3]

Im Jahr 1656 findet sich ein Bericht über Hexenverfolgung in Bernsdorf: Der Gärtner Johann Schulze geriet in einen Hexenprozess.[4] Die Bauern des Ortes beteiligten sich 1661 am Aufstand gegen die Fron der Schönburgischen Herrschaft in Lichtenstein und wurden vernichtend geschlagen. Der Siebenjährige Krieg und anschließende Unwetter und Hungersnöte bedrohten wiederum die Bernsdorfer. Mehrere berühmte Persönlichkeiten wie E. T. A. Hoffmann, Heinrich von Kleist und König Anton der Gütige von Sachsen reisten im 18. und 19. Jahrhundert durch Bernsdorf. Zwischen 1902 und 1918 wurde Bernsdorf komplett an die Elektroversorgung angeschlossen und hat seitdem elektrische Straßenbeleuchtung. Nach dem Ersten Weltkrieg benötigte die Dorfverwaltung ein eigenes Rathaus, wozu die frühere Kirchenschule ausgebaut wurde. 1928 bestand im gesamten Ort Anschluss an eine öffentliche Trinkwasserversorgung.[3]

In der NS-Zeit, 1936, erfolgte ein Zusammenschluss von Rüsdorf und Bernsdorf. Gegen Ende dieser Zeit, als der Zweite Weltkrieg nach Deutschland zurückgekommen war, führten im Frühjahr 1945 Häftlingstodesmärsche durch Bernsdorf und Rüsdorf. Am 18. April erreichten amerikanische Truppen Bernsdorf und zogen kampflos ein. Aufgrund der vorher zwischen den Alliierten vereinbarten Besatzungszonen erfolgte am 14. Juni 1945 der Austausch der Amerikaner gegen die Truppen der Roten Armee.[3]

In der DDR-Zeit zog in Bernsdorf ein wenig Kultur ein, zunächst gründete sich ein Pionierorchester, 1986 wurde eine Freilichtbühne eingeweiht. Als touristisches Highlight stellte die Bezirksverwaltung anlässlich der 700-Jahrfeier – als Basis dieses Jubiläums diente das Jahr 1286 – ein ausrangiertes Flugzeug vom Typ TU 134 zur Besichtigung bereit.[3]

Von 1990 bis in die 2010er Jahre

Die Neubildung der Bundesländer nach der Wende hatte auch zur Folge, dass Verwaltungsänderungen durchgesetzt werden mussten. Hermsdorf wurde am 1. August 1994 nach Bernsdorf eingemeindet. Zwei verheerende Hochwasserkatastrophen trafen die Gemeinde mit ihren Ortsteilen in den Jahren 2002 und 2004, Brücken und Straßen wurden dabei stark geschädigt. Bernsdorf beging im Jahr 2011 sein 725-jähriges Bestehen mit etlichen Festaktivitäten.[3]

Geschichte der Dorfkirche

Über die Entstehungsgeschichte der unter fürstlicher Patronatsherrschaft von Schönburg-Waldenburg gestandenen Kirche liegen so gut wie keine Informationen vor. Sie steht in der Mitte des Ortes, auf einer Anhöhe. Ihr spitzer Turm ist 46 m hoch. Nach der Konstruktion ihrer einzelnen Teile wird die Bauausführung in das Mittelalter datiert. Die Kirche verfügt über drei Läuteglocken, die im Turm übereinander aufgehängt sind und eine zur Uhr gehörende Schlagglocke.

Die große Glocke stammt aus dem Jahr 1521. Ihr Guss erfolgte in der Freiberger Werkstatt des Glocken- und Geschützgießers Martin Hilliger (1484–1544). Die mittlere Glocke hat ihren Ursprung in der Zeit um 1400 und gilt als Donner- und Sturmglocke. Sie musste 1941 umgegossen werden, da 1941 ein Riss über die gesamte Glocke lief. Den Umguss führte die Firma Franz Schilling und Söhne aus Apolda aus. Parallel dazu erfolgte der Neuguss einer kleinen Lautglocke. Sie wurde vom ortsansässigen Fabrikanten Horst Pfotenhauer derselben Firma privat in Auftrag gegeben. Dies geschah, weil die kleine Glocke aus dem Jahr 1817, gegossen von Johann Gottlieb Hellmuth aus Zwickau, am 10. Dezember 1941, im Auftrag der Reichsstelle für Metalle in Berlin zum Versand in die Schmelzhütte kam. Wie durch ein Wunder blieb sie von der Einschmelzung verschont und wurde 1949 im Glockenlager bei Hamburg wiedergefunden. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1949 feierte die Kirchgemeinde mit dem gesamten Ort ihre Rückkehr. Da nun besagter Fabrikant in der Zwischenzeit eine neue Läuteglocke hatte gießen lassen, fand die heimgekehrte Glocke in der Nähe der Uhr einen neuen Platz und dient bis heute als Schlagglocke. Alle Glocken wurden aus Bronze gegossen.

Zwei Kostbarkeiten befinden sich innerhalb der Kirche. Zum einen der Altar mit der Darstellung des heiligen Abendmahls. Es handelt sich hierbei um eine wertvolle Holzbildhauerarbeit, angefertigt von Christian Spohr aus Lößnitz. Eine weitere Kostbarkeit ist ein lebensgroßes Kruzifix vom bedeutendsten spätgotischen Bildschnitzer Sachsens, Peter Breuer (1472/73-1541). Diese Arbeit wird datiert aus der Zeit um 1520. Eine erste Orgel existierte seit 1743. Über einhundert Jahre später, im Jahr 1856, erhielt der Orgelbauer Jehmlich aus Zwickau den Auftrag, eine komplette neue Orgel zu bauen. Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1859. Eine Generalüberholung begann am 2. Januar 1995 durch die Firma Eule Orgelbau in Bautzen und endete mit der Wiedereinweihung am 10. Dezember (1. Advent) 1995.

Einwohnerentwicklung

Am 3. Oktober 1990 zählte Bernsdorf 2474 Einwohner. Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres:

1998 bis 2002

  • 1998: 2643
  • 1999: 2618
  • 2000: 2654
  • 2001: 2621
  • 2002: 2593

2003 bis 2007

  • 2003: 2594
  • 2004: 2564
  • 2005: 2544
  • 2006: 2536
  • 2007: 2505

ab 2008

  • 2008: 2479
  • 2012: 2340
  • 2013: 2292
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Politik

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2014[5]
Wahlbeteiligung: 46,7 % (2009: 53,9 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
62,6 %
19,9 %
17,5 %
n. k.
n. k.
KWV JB c
KWV JC d
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+6,8 %p
-8,0 %p
+10,4 %p
-5 %p
-4,3 %p
KWV JB c
KWV JC d
Anmerkungen:
c KWV Jugendblasorchester
d KWV Jugendclub
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Sitzverteilung

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 14 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 9 Sitze
  • FDP: 3 Sitze
  • Kommunale Wählervereinigung Freundeskreis Jugendblasorchester Bernsdorf (KWV JB): 2 Sitze

Bauwerke

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Otto Delitsch (1821–1882), Theologe, Geograf
  • Wilhelm Bahner (1854–1919), Unternehmer in Hermsdorf (Fa. Wilhelm Friedrich Bahner) und konservativer Politiker, MdL
  • Max Ernst Opitz (1890–1982), 1949–1951 Oberbürgermeister von Leipzig
  • Gerhard Thieme (* 1928), Bildhauer
  • Volker Bigl (1942–2005), Mediziner und Hirnforscher, Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • Gottfried Klimbt (* 1943), Leichtathlet

Siehe auch

Literatur

  • Richard Steche: Bernsdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 13. Heft: Amtshauptmannschaft Glauchau. C. C. Meinhold, Dresden 1890, S. 4.

Weblinks

 Commons: Bernsdorf (Landkreis Zwickau)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Bernsdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Urkunden der Markgrafen von Meissen 948–1099, Excurs II , zuletzt abgerufen am 9. März 2010
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Geschichte von Bernsdorf im Erzgebirge; Zeitstrahl ; abgerufen am 1. März 2015.
  4. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 541.
  5. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014

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