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Bernard Etté


Bernard Etté (* 13. September 1898 in Kassel; † 26. September 1973 in Mühldorf am Inn; bürgerlich: Bernhard Ette) war ein deutscher Kapellmeister und Violinist.

Leben

Etté wurde 1923 wurde Kapellmeister des Boston Club Tanzorchesters, mit dem er in Berlin in Häusern wie Femina, Excelsior, Adlon und Bristol spielte. Mit seinem Orchester, in dem Musiker wie Franz Grothe, Dajos Béla, Paul Godwin, Billy Bartholomew und Otto Stenzel mitwirkten, wirkte er in einer der ersten Radiosendungen mit. 1927 war Etté Darsteller im Dokumentarfilm Berlin – Die Sinfonie der Großstadt.[1]

In der Zeit des Nationalsozialismus leitete Bernard Etté ein großes Schauorchester. Dabei beschäftigte er den Banjospieler Rudi Anhang auch nach dessen Berufsverbot durch die Reichsmusikkammer weiter. Im August 1940 trat Etté auf einem Konzert der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) vor Soldaten und Verwundeten auf, auf dem Stücke wie Bella Napoli und Bomben auf Engeland aufgeführt wurden. Einem erhaltenen Befehl von Rudolf Höß zufolge spielte Ettés Orchester am 27. Juli 1944 auf einer „Truppenbetreuungsveranstaltung“ für das Personal im KZ Auschwitz.[1]

Nach 1945 versuchte Etté in den Vereinigten Staaten von Amerika einen Neuanfang, der jedoch nicht erfolgreich war. Durch den Krieg und die sowjetische Besatzungspolitik verlor er Vermögen. Wie andere deutsche Tanzorchester-Leiter tat sich auch der einer „anderen Generation“ entstammende Etté anfangs schwer mit der US-amerikanisch beeinflussten, jazzmusikalischen Ausrichtung der für die Engagementvergabe bedeutsamen Clubs (im Volksmund: „Ami-Clubs“).

1947 hatte sich Ette wegen Mitgliedschaft in der NSDAP vor der Berliner Entnazifizierungskammer für Kulturschaffende zu verantworten.[2] Etté war überdies ein Jagdfreund Hermann Görings.

Ende der 1940er Jahre widmete sich Etté der Unterhaltung von Kurgästen auf sogenannten „Bädertourneen“, beispielsweise auf der ostfriesischen Insel Norderney. Anfang der 1950er-Jahre bestand nach mehreren Personalwechseln noch einmal für kürzere Zeit eine Band-Formation mit moderner orientierten Swing-Stilisten, mit dem späteren Südfunktanzorchester-Tenoristen und -Flötisten Manfred Hoffbauer, dem Altsaxophon- und Klarinetten-Satzführer Herbert Wellsandt und dem US-Club-erfahrenen Pianisten/Akkordeonisten Rolf Vögel (Völge). Die Band trat unter anderem im Gebiet von Rhein und Mosel auf.

In Häusern wie der Stuttgarter Oper, dem Baden-Badener Kurhaus oder den Kölner Blatzheim-Betrieben begleitete das Orchester debütierende und etablierte Vokalistinnen im Schlager- oder Operettenbereich wie Lonny Kellner(-Frankenfeld), Magda Schneider und die Chansonette Gabriele Leval, Ettés fünfte Ehefrau. Daneben erlebte das Publikum Darbietungen von Big-Band-Klassikern, beispielsweise den Trumpet Blues Harry James’, Dobs(chinskis) Boogie, aber ebenso dem Zeitgeschmack angepasste Orchesterarrangements deutscher Evergreens wie Rose vom Wörthersee, Was eine Frau im Frühling träumt, Wenn der weiße Flieder wieder blüht … von Walter Kollo oder Franz Doelle. Bereits vor und während des Zweiten Weltkriegs hatte die Interpretation von Film- und Unterhaltungsschlagern eine Domäne seines Orchesters gebildet. So umfasste auch das neue Repertoire Tangos wie Olé Guapa etc.

Das im Laufe der 1950er-Jahre nach und nach personell reduzierte Ensemble trat Frühjahr 1957 auch in Leipzig in der DDR auf. Gegen Ende der 1950er Jahre endeten die Auftritte Ettés. Seinen Lebensabend verbrachte er in einem süddeutschen Seniorenheim.

In den 1980er Jahren erfolgten Wiederauflagen von Aufnahmen deutscher Tanzorchester in Form von Doppel-LPs. Später wurden von Sammlern weitere Aufnahmen zusammengetragen und auf CD herausgebracht, wie eine Kompilation mit repräsentativen Etté-Aufnahmen aus den Jahren 1931 bis 1942. Daneben existiert eine Etté-Bio-Discography von Rainer E. Lotz und H. J. P. Bergmeier (1995).

Filmografie

  • 1927: Berlin. Die Sinfonie der Grosstadt
  • 1928: Die Kapelle Etté spielt den Ramona
  • 1929: Bernard Etté spielt zu einer Tanztee-Szene
  • 1932: Kitty schwindelt sich ins Glück
  • 1933: Zum Fünfuhr-Tee spielt Bernard Etté bei Adolf Gondrell
  • 1933: Aafa-Seifenblasen I
  • 1936: Rosen und Liebe
  • 1936: Du bist so schön, Berlinerin

Literatur

  • Bernhard Etté, Max Ruschel: Beste Schule f. Jazz-Schlagzeug mit Berücks. aller übrigen Schlagzeug-Instrumente ; Bes. zum Selbstunterricht geeignet. M. Biering, Leipzig o.J. [1927]
  • Horst Bergmeier, Rainer E. Lotz: Bernard Etté: a bio-discography. Fox auf 78, Dietramszell o.J. [1995]

Weblinks

 Commons: Bernard Etté  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 142.
  2. Personalien: Bernhard Ette. In: Der Spiegel. Nr. 38, 1947, S. 13 (online ).


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Bernard Etté (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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