Berjosowka (Kaliningrad, Gwardeisk) - LinkFang.de





Berjosowka (Kaliningrad, Gwardeisk)


Siedlung
Berjosowka/Groß Ottenhagen
Берёзовка
Flagge Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gwardeisk
Gegründet 1332
Frühere Namen Ottinhayn (nach 1332),
Mottenhagen (1543),
Mittenhagen (vor 1785),
Ottenhagen (bis 1927),
Groß Ottenhagen (bis 1946)
Fläche 2,245 km²
Bevölkerung 182 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40159
Postleitzahl 238224
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 206 816 004
Geographische Lage
Koordinaten }

Berjosowka (russisch Берёзовка, deutsch Groß Ottenhagen, litauisch Otenhagenas ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zur Oserkowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Oserki (Groß Lindenau)) im Rajon Gwardeisk (Kreis Tapiau).

Geographische Lage

Berjosowka liegt an der russischen Fernstraße R 508, 23 Kilometer südöstlich der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) und 19 Kilometer südwestlich der Rajonshauptstadt Gwardeisk (Tapiau). Innerorts zweigt eine Nebenstraße in südliche Richtung zur Ortsstelle des inzwischen erloschenen Dorfes Polessje (Klein Ottenhagen) ab. Die nächste Bahnstation ist Oserki-Nowyje (Groß Lindenau) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode), einem Teilstück der einstigen Preußischen Ostbahn, zur Weiterfahrt nach Litauen und in das russische Kernland.

Geschichte

Das bis 1946 Groß Ottenhagen[2] genannte ehemalige Kirch- und Gutsdorf ist eine Gründung des Deutschen Ordens aus dem Jahre 1332. Am 30. April 1874 wurde das Dorf Sitz und namensgebend für den neu errichteten Amtsbezirk Ottenhagen[3] im Landkreis Königsberg (Preußen) und im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

Am 1. Dezember 1910 zählte der Gutsbezirk Ottenhagen 113 und die Landgemeinde Groß Ottenhagen 654 Einwohner[4]. Nachdem am 17. Juli 1927 die Gutsbezirke Ottenhagen und Waldhof (russisch: Saizweo, nicht mehr existent) in die Landgemeinde Groß Ottenhagen eingegliedert worden waren, wurde der Name des Amtsbezirks Ottenhagen und „Amtsbezirk Groß Ottenhagen“ umbenannt. Die neu formierte Gemeinde mit den auch schon vorher zugehörigen Ortschaften Ottenmühle und Vorwerk Schäferei zählte im Jahre 1933 849 und 1939 bereits 875 Einwohner[5]. Ab 1939 wurde sie dem fusionierten Landkreis Samland zugeordnet.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam Groß Ottenhagen mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Berjosowka“. Im Jahre 1947 „wechselte“ das Dorf vom Landkreis Samland zum neu geschaffenen Rajon Gwardeisk (Kreis Tapiau) und wurde in den Osjorskoje selskoje sowjet (Dorfsowjet Oserki (Groß Lindenau)) eingegliedert. Aufgrund einer umfassenden Struktur- und Verwaltungsreform[6] ist Berjosowka heute mit seinen derzeit 182 Einwohnern (Stand: 14. Oktober 2010 [1]) eine als „Siedlung“ (russisch possjolok) eingestufte Ortschaft innerhalb der neu formierten Oserkowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Oserki (Groß Lindenau)).

Amtsbezirk (Groß) Ottenhagen 1874–1945

In den 1874 errichteten Amtsbezirk Ottenhagen (ab 1927: Amtsbezirk Groß Ottenhagen) waren anfangs zwölf Landgemeinden (LG) bzw. Gutsbezirke (GB) eingegliedert[7]:

Name Russischer Name Bemerkungen
Gauleder Forst (GB) 1929 in die Landgemeinde Klein Ottenhagen eingegliedert
Groß Lindenau (LG) Groß Lindenau
Groß Ottenhagen (LG) Berjosowka
Klein Lindenau (GB) Osjorskoje 1928 in die Landgemeinde Klein Ottenhagen eingegliedert
Klein Ottenhagen (LG) Polessje
Neu Lindenau (LG) Datschnoje
Ottenhagen (GB) Berjosowka 1927 in die Landgemeinde Groß Ottenhagen eingegliedert
Rosengarten (LG) Sapadnoje 1935 in die Landgemeinde Worienen eingegliedert
Schäferei (LG) Kastanowka 1925 in die Landgemeinde Seewalde eingegliedert
Seewalde (LG) Ostrowskoje
Waldhof (GB) Saizewo 1927 in die Landgemeinde Groß Ottenhagen eingegliedert
Worienen (LG) Pestschanoje
ab 1930:
Groß Barthen (LG)
Osjornoje vorher: Amtsbezirk Friedrichstein

Am 1. Januar 1945 bildeten noch sieben Gemeinden den Amtsbezirk Groß Ottenhagen: Groß Lindenau, Groß Ottenhagen, Klein Ottenhagen, Neu Lindenau, Seewalde, Worienen und Groß Barthen.

Vorgeschichtliches Gräberfeld

In den 1920er Jahren wurde bei Groß Ottenhagen ein weitflächiges vorgeschichtliches Gräberfeld entdeckt[8]. Die Erkundungen leitete der ostpreußische Prähistoriker Herbert Jankuhn. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelten die Funde als verschollen. In den Jahren 2003/04 fanden neue Untersuchungen unter dem Kieler Archäologen Timo Ibsen statt, der noch auf zahlreiche Fundskizzen aus dem Nachlass Herbert Jankuhns zurückgreifen konnte. Für das Gräberfeld konnten drei Belegungszeiträume festgestellt werden[9]:

  • 30 v. Chr. bis 480 n. Chr. = römische Kaiserzeit, gekennzeichnet durch Körper- und Brandbestattungen
  • nach 375 n. Chr. = Zeit der Völkerwanderung, ausschließlich Brandbestattungen
  • 10. und 11. Jahrhundert n. Chr. = frühes Mittelalter, unter den menschlichen Brandbestattungen lagen unverbrannte Pferdebestattungen.

Ausgrabungen aus prußischer Zeit

Bei Ausgrabungen im Jahre 1928 entdeckte man Reste prußischer Schilde. Sie waren mit Bronzebeschlägen ausgestattet. Im Innern fand man Reste von Holz und Leder und Textilien aus Leinen. In der Mitte des Schildes befand sich ein kegelförmiger Schildbuckel aus Eisen. Die vorhandenen Teile ließen einen gerundeten länglichen Schild von 70 cm Länge und 50 cm Breite ausmachen.

Kirche

Hauptartikel: Kirche Groß Ottenhagen

Kirchengebäude

Die Kirche in Groß Ottenhagen[10], von der heute nur noch die Turmruine[11] steht, dürfte einen Vorgängerbau aus der Zeit um 1340 gehabt haben. Das nachfolgende Gebäude – ein verputzter Feldsteinbau mit Ziegelecken und dem vorgelegten Westturm – stammt aus dem 15. Jahrhundert. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff durch Querarme erweitert. Die bis 1945 erhaltene Innenausstattung stammte aus den Jahren 1715 bis 1720.

Kirchengemeinde

Die Gründung der Kirche in Groß Ottenhagen geht auf die Zeit um 1340 zurück[12]. Im Jahre 1547 wurde hier ein lutherischer Prediger erwähnt. Bis 1945 gehörte das Kirchspiel Groß Ottenhagen zum Kirchenkreis Königsberg Land I (südlich des Pregel) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute liegt Berjosowka im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Gwardeisk (Tapiau), eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[13] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchensiegel

Auf außergewöhnliche Weise hat sich das Jahrhunderte alte Kirchensiegel Groß Ottenhagens erhalten. Es konnte durch die Kriegswirren hindurch bis in den Westen gerettet werden und befindet sich heute im Preußenmuseum Nordrhein-Westfalen in Minden.[14]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1 , Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Groß Ottenhagen
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Ottenhagen/Groß Ottenhagen
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Königsberg
  5. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Samland
  6. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 502 vom 24. Februar 2005, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  7. Rolf Jehke, Amtsbezirk Ottenhagen/Groß Ottenhagen (wie oben)
  8. Berjosowka - Groß Ottenhagen bei ostpreussen.net
  9. Grabungsbericht der Universität Kiel
  10. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 54
  11. Bild der Ruine des Kirchturms von Groß Ottenhagen
  12. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 462
  13. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  14. Peter Kraemer, Am Körper versteckt. Das Kirchensiegel Ottenhagen und seine Geschichte, in: Preußische Allgemeine Zeitung/7. Januar 2006

Weblinks


Kategorien: Ort im Rajon Gwardeisk

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Berjosowka (Kaliningrad, Gwardeisk) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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