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Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn


Hamburg-Bergedorf–Geesthacht
Streckennummer:9123
Kursbuchstrecke (DB):110c
Streckenlänge:14,057 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
von Aumühle / Berlin
0,000 Hamburg-Bergedorf
nach Hamburg Hbf
-0,103 nach / von Hamburg Hbf
0,460 Hamburg-Bergedorf Gbf
1,079 Schleusengraben
1,576 Hamburg-Bergedorf Süd
2,510 nach Zollenspieker
2,890 Brookwettern
3,665 Holtenklinke
Landesgrenze Hamburg - Schleswig-Holstein
6,225 Börnsen
7,465 Dalbekschlucht (nur Ausflugsverkehr)
7,521 Dalbek
8,855 Escheburg
10,410 Bundesstraße 404
11,420 Besenhorst
Anschluss Pulverfabrik Düneberg bis 1921
von Zollenspieker
12,968 Düneberg
13,355 Anschluss Pulverfabrik Düneberg
13,854 Geesthacht
Anschluss Geesthachter Hafen
14,057
0,000
Streckenende
Krümmelbahn nach Krümmel

Die Bahnstrecke Hamburg-Bergedorf–Geesthacht ist eine seit 1907 befahrene Eisenbahnstrecke. Die Bergedorf-Geesthachter-Eisenbahn AG (B.G.E.) war eine Eisenbahngesellschaft im Norden Deutschlands, die seit 1907 normalspurige Kleinbahnstrecken betrieb.

1954 entstand durch Fusion mit der Südstormarnschen Kreisbahn die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH), die den Betrieb der Eisenbahn 1956 an die AKN abgab und nur die Buslinien der beiden Vorgängerunternehmen weiterführte.

Aufbau der Bahnstrecken

Die Bergedorf-Geesthachter-Eisenbahn AG erschloss mit drei normalspurigen Kleinbahnstrecken die Vier- und Marschlande am rechten Ufer der Elbe im östlichen Teil Hamburgs, wo Blumen-, Obst- und Gemüseanbau vorherrschen. Sie eröffnete am 20. Dezember 1906 zunächst provisorisch eine Verbindung zwischen den Hamburger Stadtteilen Bergedorf und Geesthacht, das bis 1937 auch zu Hamburg gehörte. Der vollständige Personen- und Güterverkehr auf der knapp 14 Kilometer langen Strecke, die teilweise auch über preußisches Gebiet führte, von Bergedorf Staatsbahnhof (heute Bahnhof Hamburg-Bergedorf) in südwestlicher Richtung über eine Kurve weiter in östlicher Richtung zum Bahnhof Bergedorf Süd[1] und dann weiter über die Stationen Holtenklinke, Börnsen, Escheburg, Besenhorst und Düneberg nach Geesthacht wurde erst am 1. Mai 1907 aufgenommen.

Am 1. April 1912 kam als zweite Strecke die Vierländer Eisenbahn vom Bahnhof Bergedorf Süd über Curslack-Neuengamme – Kirchwärder Nord (heute: Kirchwerder) nach Zollenspieker mit 10,850 km Länge hinzu. In Düneberg und in Krümmel bei Geesthacht wurden Gleisanschlüsse zu den dort ansässigen großen Sprengstoff- und Pulverfabriken angelegt, darunter auch eine sechs km lange Bahn (Krümmelbahn) zu dem von Alfred Nobel gegründeten Werk der Dynamit AG in Krümmel, das 1916 angeschlossen wurde. Im Volksmund wurde die Bahnstrecke daher auch als „Pulverbahn“ bezeichnet, die in den beiden Weltkriegen beachtliche Mengen von kriegswichtigen Gütern, aber auch von Arbeitskräften zu befördern hatte.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges gingen die Transportleistungen schnell zurück. Um das große Heer der Arbeitslosen zu beschäftigen, ließ die Stadt Hamburg die schon früher geplante Hamburger Marschbahn erbauen und abschnittsweise eröffnen. Den Betrieb führte von Anfang an die BGE. Er begann am 12. Mai 1921 mit der Teilstrecke von Düneberg über AltengammeKrauel nach Fünfhausen. In Zollenspieker Querweg mündete sie in die Vierländer Eisenbahn zum Kopfbahnhof Zollenspieker ein, den sie in Gegenrichtung wieder verließ. 1923 war Ochsenwärder (heute: Ochsenwerder), 1926 Tatenberg und 1927 nach 33 km Fahrt Moorfleth erreicht, wo man an der Station Billwärder-Moorfleth (heute: Billwerder-Moorfleet) in die Vorortzüge der Reichsbahnstrecke Hamburg – Büchen umsteigen konnte.

Innerhalb des Zeitraums zwischen 1928 (ab hier nachweisbar) und 1960 wurden die Gleise des Bahnhofs Bergedorf Süd weitergeführt etwa einen Kilometer westlich zu einer ausgedehnten Gütergleisanlage, die im weiteren Verlauf direkten Anschluss an die Fernbahntrasse in Richtung Hamburg haben. Die Verbindungskurve zum Bahnhof Hamburg-Bergedorf wird später entfernt[2]

Die Billwerder Industriebahn

Von Moorfleth bestand seit 1926/27 eine Gleisverbindung über Billbrook zum Bahnhof Tiefstack. Güterzüge gingen von dort in den Verschiebebahnhof Hamburg-Rothenburgsort über. Die ursprüngliche 4 km lange Strecke Tiefstack – Billbrook – Schiffbek-Kirchsteinbek (später: Billstädt, heute: Billstedt) war am 1. August 1907 von der Billwärder Industriebahn in Betrieb genommen worden; seit 17. Dezember 1907 benutzten sie auch die Personenzüge der Südstormarnschen Kreisbahn von Trittau kommend bis Tiefstack. Später endeten auch die Züge der Marschbahn in Billbrook. Die Billwärder Industriebahn ist am 21. Oktober 1921 und die staatliche Hamburger Marschbahn 1942 von der BGE übernommen worden. Deren Aktien waren im Laufe der Jahre aus Privatbesitz fast hundertprozentig auf den Staat Hamburg übergegangen.

Einsatz von Omnibussen

1926 wurde bei der BGE der Betrieb von Omnibussen als Ergänzung zum Eisenbahnbetrieb eingeführt. Die erste Linie führte von Bergedorf über Geesthacht nach Lauenburg, wobei damals die Mehrzahl der Fahrten zwischen Geesthacht und Lauenburg stattfanden. Am 3. Oktober 1926 wurde der Stadtbusverkehr in Bergedorf eingeführt. Schon Ende 1927 bestand das Grundgerüst des späteren Busnetzes mit zehn Überlandlinien (in die Vier- und Marschlande und als Ergänzung zur Eisenbahn) und zwei Stadtlinien, die mit 14 Omnibussen befahren wurden. In diesem ersten vollen Betriebsjahr wurden 405.463 Fahrgäste befördert. 1929 lag die Beförderungszahl bereits bei 1.187.459. 1930, während der Weltwirtschaftskrise, wurden auf dem Busnetz, das inzwischen 13 Linien umfasste, mit 14 Fahrzeugen mit 1,2 Millionen Fahrgästen erstmals mehr Fahrgäste befördert als bei der Eisenbahn.[3]

Im Oktober 1931 bestand das Liniennetz aus folgenden Linien:

  •  1: Bergedorf – Geesthacht
  •  2: Geesthacht – Tesperhude – Lauenburg
  •  3: Bergedorf – Howe
  •  4: Bergedorf – Curslack
  •  5: Stadtverkehr Bergedorf
  •  6: Bergedorf – Borghorst – Altengamme
  •  7: Bergedorf – Allermöhe
  •  8: Bergedorf – Schiefe Brücke – Kirchwärder – Zollenspieker
  •  9: Bergedorf – Billwärder – Billbrook – Hamburg
  • 10: Hamburg – Moorfleth – Ochsenwärder – Howe – Zollenspieker
  • 11: Lauenburg – Lütau
  • 12: Bergedorf – Schiefe Brücke – Curslack – Neuengamme – Altengamme
  • 13: Bergedorf – Lohbrügge – Billstedt – Hamburg

Außerdem gab es eine Nachtbuslinie zwischen Bergedorf und Hamburg

In Bergedorf wurde der Staatsbahnhof (Bergedorf Nord) angefahren.

Während des Zweiten Weltkrieges musste der Busverkehr mangels Fahrzeugen fast vollständig eingestellt werden. 1945 lag die Beförderungszahl bei nur noch 424.021 Personen, es waren nur noch neun Fahrzeuge einsatzbereit. Durch gute Kontakte zur britischen Besatzungsmacht konnten zusätzliche Fahrzeuge organisiert werden, sodass 1946 das Vorkriegsnetz wieder befahren werden konnte und 2.304.809 Personen befördert wurden.

Im Jahr 1950 wurde das Liniennetz neu geordnet:

  •  1: Hamburg – Bergedorf – Geesthacht – Lauenburg
  •  2: Bergedorf – Howe – Zollenspieker – Krauel
  •  3: Bergedorf – Altengamme
  •  4: Bergedorf – Billstedt – Hamburg
  • 5/6: Bergedorf – Wentorf – Reinbek – Schönningstedt / – Ohe
  •  7: Bergedorf Stadtverkehr – Friedhof / – Holtenklinker Straße – Curslack
  •  8: Stadtverkehr: Bergedorf – Lohbrügge (– Boberg)
  • 11: Bergedorf – Neuengammer Hinterdeich / Hausdeich
  • 12: Bergedorf – Allermöhe – Reitbrook – Fünfhausen
  • 13: Hamburg – Rothenburgsort – Ochsenwerder – Zollenspieker
  • 14: Bergedorf – Billwerder – Allermöhe, Kirche
  • 15: Ringlinie Bergedorf
  • 16: Stadtverkehr: Bergedorf Bf. – Lohbrügge
  • 17: Stadtverkehr: Bergedorf Bf. – Nettelnburg

Die BGE beförderte im Jahr 1950 mit etwa 32 Bussen 3,849 Millionen Fahrgäste.

1953 waren im Bestand der BGE 47 Busse und 15 Anhänger, die am 7. April 1954 von der Nachfolgegesellschaft Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) übernommen wurde. Dieser baute den Busbetrieb weiter aus.

Die letzten Jahrzehnte

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und im Zweiten Weltkrieg stieg die Produktion in den Fabriken von Krümmel und Düneberg wieder an und der Verkehr auf der BGE nahm kräftig zu. Arbeiterzüge fuhren sogar von Krümmel bis Hamburg Hauptbahnhof durch. Die Deutsche Reichsbahn stellte teilweise dazu Fahrzeuge und Personal. Von der Vierländer Eisenbahn zweigte ein Anschlussgleis bei Curslack in das Konzentrationslager Neuengamme ab, zum Transport der Häftlinge vor allem zum Arbeiten in Hamburg, aber auch zum Transport der im KZ produzierten Güter zu den Auftraggebern, meist Firmen der Hansestadt.

Nach der Befreiung 1945 wurden die Sprengstofffabriken geschlossen und demontiert. Hamsterfahrten und Ausflugsverkehr führten zu verstärktem Personenverkehr. Anfang der 1950er Jahre wurden zwei neue Esslinger Triebwagen beschafft, die bis zum Hamburger Hauptbahnhof fuhren. Aber bald nahm der Personenverkehr von Jahr zu Jahr wieder ab. Diesen konnte der Busbetrieb der BGE, der bereits am 15. Mai 1926 eröffnet und ständig erweitert worden war, übernehmen. Seine Linien führten schon vor dem Zweiten Weltkrieg über Bergedorf und Geesthacht hinaus bis nach Lauenburg, ja bis nach Boizenburg in Mecklenburg.

Am 1. März 1952 wurde der Gesamtbetrieb auf der Marschbahn eingestellt, nachdem schon um 1950 zwischen Geesthacht und Krauel kaum noch Verkehr herrschte. Am 17. Mai 1953 endete auch der Personenverkehr auf der Vierländer Eisenbahn, während der Güterverkehr noch bis 1961 bestand. Am 1. September 1953 übernahm die BGE den Restbetrieb der Südstormarnschen Kreisbahn (VKSt) und firmierte ab 7. April 1954 als Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH), die insbesondere den Busverkehr der beiden Vorgängerunternehmen weiterführt und -entwickelt. Am 26. Oktober 1953 fuhr der letzte Personenzug von Bergedorf nach Geesthacht. Die Gleise der Marschbahn und der Vierländer Bahn sind komplett abgebaut worden; auf der Geesthachter Strecke ist ein bescheidener Güterverkehr geblieben, der seit dem 1. Januar 1956 von der AKN geführt wird. Auf und neben den Bahnhofsanlagen in Bergedorf Süd unterhält die VHH ihren wichtigsten Betriebshof mit Werkstätten, die immer wieder dem Bedarf angepasst wurden, wobei auch Geländeteile mit Gebäuden verkauft wurden.

Seit 1976 betreibt die in Geesthacht ansässige Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn einen Museumsdampfzugbetrieb, unter anderem mit originalen BGE-Wagen, auf dieser Strecke.

Zukunft

Anlässlich des 800-jährigen Jubiläum der Stadt Geesthacht fanden 63 Jahre nach der letzten Fahrt im Personenverkehr 2016 Sonderfahrten mit einem modernen Triebwagen der AKN statt.[4] Die AKN wirbt zusammen mit Lokalpolitikern und dem Verkehrsverbund NAH.SH für eine Neubewertung und Reaktivierung der Trasse für den Personenverkehr. [5] Vorgesehen ist eine Anbindung der Strecke an der S-Bahn Station Nettelnburg, da die Verbindung zwischen Bergedorf und Bergedorf Süd überbaut wurde und eine erneute Anbindung nur durch eine teure Tunnellösung möglich wäre. 2016 wurde die Reaktivierung in die Planungen des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums Schleswig-Holstein aufgenommen.[6]

Laufweg

  • BGE: Hamburg-Bergedorf (Kleinbahnhof) – Hamburg-Bergedorf Süd – Holtenklinke – Börnsen – Escheburg – Besenhorst – Düneberg West (wurde um 1918 an den Zufahrtsgleisen zur Sprengstofffabrik errichtet) – Düneberg – Geesthacht
  • Vierländer Bahn: Bergedorf – Curslack-Neuengamme (ab 1942 Zweiggleis ins KZ Neuengamme hinein) – Zollenspieker
  • Hamburger Marschbahn: Billwerder-Moorfleet – Zollenspieker – Krauel – Geesthacht (auch „Marschlandbahn“ genannt)
  • Krümmelbahn: Geesthacht – Fährstraße (Bedarfshaltepunkt um 1944) – Freizeitbad – Energiepark – Krümmel

Erhaltene Fahrzeuge

  • Dampflokomotiven: Lok 21 (heutiger Besitzer: Verein Braunschweiger Verkehrsfreunde)
  • Packwagen: PPosti 36 (Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn)
  • Personenwagen: Ci 11 (Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn), Ci 14 (Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn), Ci 26 (Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn), Ci 27 (Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn), Ci 35 (Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn), Ci 47 (Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn)
  • Triebwagenbeiwagen: B1 (Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn)
  • Güterwagen: G 54 (Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn)

Literatur

  • Stefan Meyer: 100 Jahre Eisenbahn zwischen Bergedorf und Geesthacht. Von der BGE zur AKN-Güterbahn. Lokrundschau Verlag, Gülzow 2006, ISBN 3-931647-21-8
  • Jürgen Opravil: Die Bergedorf Geesthachter-Eisenbahn. Kurt Viebranz, Schwarzenbek 1978, ISBN 3-921595-01-0
  • Rolf Wobbe: Chronik der Vierländer Eisenbahn. Walter Flügge, Geesthacht 1984, ISBN 3-923952-03-1

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Karte von Bergedorf 1928
  2. Stadtplanauschnitt von 1961
  3. Stefan Meyer: Bergedorfs Bahnhöfe. Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein, Hamburg 2012, S. 40/41
  4. Gratis-Fahrten auf “stillgelegter” Bahnstrecke nach Geesthacht. In: www.nahverkehrhamburg.de. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  5. 1.500 Menschen testen Probe-Bahnfahrten nach Geesthacht. In: www.nahverkehrhamburg.de. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  6. Mitteilung des Ministeriums vom 15. Juli 2016 , abgerufen am 20. Juli 2016

Kategorien: Bergedorfer Geschichte | Spurweite 1435 mm | Ehemalige Bahngesellschaft (Deutschland)

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