Befehlshaber - LinkFang.de





Befehlshaber


Ein Befehlshaber ist im Allgemeinen ein hochrangiger militärischer Führer von Einsatzkräften.

Geschichte

In historischen Dokumenten wird der Begriff „Befehlshaber“ für einen militärischen Vorgesetzten mit Befehlsbefugnis, unabhängig von der Größe der ihm unterstellten Truppenteile, verwendet.

So institutionalisiert etwa Carl von Clausewitz den Befehlshaber nicht als einen expliziten Dienstposten auf einer bestimmten Führungsebene, sondern sieht ihn als taktischen Führer. Obwohl er den Begriff mit Großverbänden ab der Divisionsebene in Verbindung bringt, legt er sich nicht auf eine bestimmte Größe der zu führenden Verbände fest, sondern verweist vielmehr darauf, dass Gefechtsformationen in Abhängigkeit von den individuellen Umständen einen eigenen Befehlshaber erfordern. Demnach ist dieser zum Beispiel für einen beliebigen Truppenteil unerlässlich, der durch die räumlichen Gegebenheiten nicht, beziehungsweise schlecht, durch das höhere Kommando geführt werden kann.[1]

Eine administrative Bedeutung des Begriffs Befehlshaber beschreibt die „Disciplinar-Strafordnung für das deutsche Reichsheer“ vom 22. April 1849.[2] In diesem Fall ist der Befehlshaber – als Inhaber der Kommandogewalt und als Verantwortlicher für die Disziplin – am ehesten mit einem heutigen Disziplinarvorgesetzten vergleichbar – vom Kompaniechef bis zum Inspekteur, also auch hier unabhängig von der Größe der geführten Einheit.

In der Reichswehr und der Wehrmacht befehligten Befehlshaber in der Regel Großverbände von der Armee an aufwärts.

Befehlshaber bei der Bundeswehr

Bei der Bundeswehr ist Befehlshaber die Bezeichnung eines Dienstpostens. Befehlshaber stehen in der Regel an der Spitze von höheren Kommandobehörden, denen Einsatzverbände unterstellt sind.

So fanden sich vor Neuausrichtung der Bundeswehr Befehlshaber bei den höheren Kommandobehörden der Streitkräfte wie Heeresführungskommando, Luftwaffenführungskommando, Flottenkommando, Streitkräfteunterstützungskommando und Sanitätsführungskommando. Eine Ausnahme bilden die Wehrbereichskommandos als Kommandobehörde auf Divisionsebene, die ebenfalls von Befehlshabern geführt wurden. Auch wurden die ehemaligen Territorialkommandos von Befehlshabern geführt.

Bis zur Umbenennung in den Kontingentführer im Einsatzgebiet wurde der truppendienstliche Vorgesetzte des jeweiligen deutschen Einsatzkontingents, der in der Regel nicht für operative Aufgaben zuständig ist, als Nationaler Befehlshaber im Einsatzgebiet bezeichnet.

Heute stehen die Inspekteure der militärischen Organisationseinheiten als Befehlshaber der jeweiligen höheren Kommandobehörde vor, also im Kommando Heer, Kommando Luftwaffe, Marinekommando, Kommando Streitkräftebasis[3] und Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr.[4]

Auch an der Spitze des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr und des Multinationalen Kommandos Operative Führung, denen - abgesehen von ihren Unterstützungselementen - erst für den Einsatz Truppenteile unterstellt werden, stehen Befehlshaber.

Bei der Bundeswehr ist dieser Dienstposteninhaber in der Regel ein Generalleutnant bzw. ein Vizeadmiral.

Befehlshaber bei der NATO

Bei der Übersetzung von Bezeichnungen von NATO-Befehlshabern richtet sich die genaue Bezeichnung nach der Führungsebene innerhalb der NATO-Kommandostruktur.

Bis zur Inkraftsetzung der aktuell gültigen Struktur wurde unterschieden zwischen Major NATO Commanders (Oberste NATO-Befehlshaber), Major Subordinate Commanders (Oberbefehlshaber) und Principal Subordinate Commanders (Befehlshaber).[5]

In der aktuellen Struktur finden sich Oberste NATO-Befehlshaber auf der (militär-)strategischen Ebene mit dem Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (Supreme Allied Commander Europe - SACEUR) und dem Obersten Alliierten Befehlshaber Transformation (Supreme Allied Commander Transformation - SACT).

Auf der operativen Ebene, mit den Allied Joint Force Commands in Brunssum und Neapel werden streitkräftegemeinsam die Verbände von Oberbefehlshaber geführt.

An der Spitze der Teilstreitkräfte stehen die Component Commander, die Befehlshaber.

Im Übrigen wird die Bezeichnung Befehlshaber von Fall zu Fall (zum Beispiel nach regionaler Zuordnung) festgelegt.

Sonderfälle

Befehlshaber zur Zeit des Nationalsozialismus

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Bezeichnungen Befehlshaber und Oberbefehlshaber zum Teil auch als Dienststellen- und gleichzeitiger Dienstpostenbezeichnung geführt (zum Beispiel Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD).

Völkerstrafrecht

Weit gefasst ist die Bezeichnung Befehlshaber im Völkerstrafrecht. Analog zum Artikel 28 des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs[6] steht gemäß Völkerstrafgesetzbuch (VStGB § 4 Abs. 2) „einem militärischen Befehlshaber […] eine Person gleich, die in einer Truppe tatsächliche Befehls- oder Führungsgewalt und Kontrolle ausübt.“[7] Das heißt, dass nicht die formale Befehlsgewalt entscheidend ist, sondern das in der jeweiligen Situation bestehende Befehls- und Weisungsverhältnis, das unter anderem in der Vorgesetztenverordnung geregelt ist. Ein Befehlshaber kann somit ein militärischer oder ein ziviler Vorgesetzter sein.

Oberbefehlshaber nationaler Streitkräfte

Als Oberbefehlshaber wird häufig die oberste zivile oder militärische Instanz, die für das Militär oder großer Teile von Streitkräften verantwortlich ist, bezeichnet.

Einzelnachweise

  1. Clausewitz – Vom Kriege, Buch 5
  2. Disziplinarstrafordnung des Reichsheers von 1849 auf Documentarchiv.de
  3. Nationaler Territorialer Befehlshaber
  4. Befehlshaber im Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr
  5. NATO-Handbuch 2001 (PDF, 2,18 MB) (Memento vom 15. September 2001 im Internet Archive)
  6. Römisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofs
  7. Völkerstrafgesetzbuch auf der Homepage des Auswärtigen Amts (PDF, 28 kb)

Weblinks

 Wiktionary: Befehlshaber – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Kategorien: Wehrrecht | Dienststellung

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Befehlshaber (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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