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Bartholomäuskapelle (Paderborn)


Die Bartholomäuskapelle in Paderborn wurde um 1017 erbaut und gilt als die älteste bekannte Hallenkirche nördlich der Alpen.

Die dem hl. Apostel Bartholomäus geweihte Kapelle liegt im Zentrum der Paderborner Innenstadt an der Nordseite des Paderborner Doms, dem sie angegliedert ist. In direkter Nachbarschaft befindet sich auch das Museum in der Kaiserpfalz.

Die Bartholomäuskapelle war als Pfalzkapelle Teil des Neubaus der Kaiserpfalz. Der Paderborner Bischof Meinwerk (1009–1036) ließ sie um 1017 in Anlehnung an den byzantinischen Stil von byzantinischen Bauleuten errichten, die die einzigartigen Gewölbe mit Hängekuppeln und den sie tragenden Säulen schufen. Die Säulenkapitelle gelten als bedeutende Zeugnisse ottonischer Baukunst, die Kapelle selbst als bedeutendstes kunstgeschichtliches Bauwerk Paderborns.

Diese Halle steht in ihrer Zeit einzig da und hat keine direkten Nachfolger gefunden.

Geschichte

Die Vita Meinwerci, eine Biographie Bischof Meinwerks aus dem 12. Jahrhundert, berichtet, Meinwerk habe die Bartholomäuskapelle durch griechische Bauleute errichten lassen. Damit sind wahrscheinlich byzantinische Bauleute gemeint, die er möglicherweise auf seinen Romreisen kennengelernt hatte. Die Vita Meinwerci fügt die Nachricht vom Bau in Ereignisse um das Jahr 1017 ein, die Datierung bleibt jedoch unsicher. Ausgrabungen haben ergeben, dass die Kapelle in die Kaiserpfalz, die Meinwerk für Heinrich II. erbaute, integriert war. Der Zeck der Kapelle lässt sich nicht sicher bestimmen. Manfred Balzer vermutet, sie habe der Einkleidung und Krönung des Königs gedient.[1]

Im Laufe der Zeit wurden um die Kapelle herum Kurien errichtet. Ende des 16. Jahrhunderts kamen die Jesuiten nach Paderborn und erwarben Grundstücke und Gebäude, die die Bartholomäuskapelle umgaben; 1591 übertrug Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg ihnen das Bartholomäusbenefizium. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts veräußerten sie ihren Besitz an das Domkapitel, behielten jedoch das Benefizium. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 fiel die Verwaltung der Kapelle an den neuerrichteten Paderborner Studienfonds, der wiederum ab 1802 vom Preußischen Staat verwaltet wurde. 1818 oder 1819 kaufte ein Schmied das Gehöft an der Kapelle und mietete auch die Kurie neben ihr. Sein Untermieter, ein Schieferdecker, benutzte die Bartholomäuskapelle als Werkstatt.[2]

Ab 1824 setzte sich der neugegründete Paderborner Altertumsverein für den Erhalt der Kapelle ein. 1825–1828 ließ Friedrich Wilhelm III. die Kapelle renovieren. Im Verlauf der Arbeiten wurde die Grabplatte Meinwerks in die Ostwand des nördlichen Seitenschiffs eingemauert. Bis 1850 erfolgten weitere vereinzelte Erhaltungsmaßnahmen aus privater Initiative. Am 9. Juli 1857 wurde die Kapelle in den Besitz des Domkapitels übergeben, wobei der entsprechende Grundbucheintrag erst 1883 erfolgte. Ab 1858 ließ das Domkapitel die Bartholomäuskapelle durch den damaligen Dombaumeister Arnold Güldenpfennig renovieren. Ab ca. 1862 diente die Kapelle der neugegründeten Töchterschule von Johanna Pelizaeus und ab 1891 der "Marianischen Kongregation junger Kaufleute" als Gottesdienstraum. Von 1896 bis 1909 fanden wieder Renovierungsarbeiten statt, während derer die umliegenden Kurien und die Anbauten größtenteils abgerissen wurden. 1912 wurde Meinwerks Grabplatte in das Generalvikariat verlegt.[3]

Ab 1920 feierte die Paderborner Quickborngruppe (entstanden 1915) zuerst monatlich, dann wöchentlich in der Bartholomäuskapelle die heilige Messe; ab 1922 hatte auch die Gruppe der "Kreuzfahrer" dort einmal im Monat eine Messe. 1923 wurde der Altar aus Meinwerks Zeit abgebrochen und durch einen neuen ersetzt. Man fertigte sechs große Kerzenständer aus Holz an, die noch heute teilweise in den Gottesdiensten der Kapelle verwendet werden. 1926 wurden der neue Altar geweiht und wieder Messen in der Kapelle gefeiert. Im Nationalsozialismus fristete die Kapelle ein Schattendasein, doch auch in dieser Zeit nutzten sie katholische Jugendliche und Heimaturlauber für gemeinschaftliche Gottesdienste. Ab 1940 feierten polnische Zwangsarbeiter hier die Sonntagsmesse.[4]

Die Bartholomäuskapelle überstand den Zweiten Weltkrieg mit geringen Schäden. Die Dombauhütte, die für den Wiederaufbau des Paderborner Domes gegründet worden war, nahm notdürftige Ausbesserungen an ihr vor. Schon kurz nach Kriegsende wurden wieder regelmäßig Jugendgottesdienste gefeiert. Ab 1955 wurde die Kapelle umfassend renoviert. Der Bildhauer Heinrich Gerhard Bücker schuf 1963 neue Fenster und 1978 die große bronzene Eingangstür. Zum Ende der 1960er Jahre schmolz das gottesdienstliche Leben in der Kapelle immer mehr zusammen, unter anderem weil der Nachwuchs für den Jugendkreis fehlte.[5]

Architektur

Die Architektur der Bartholomäuskapelle ist in mehrfacher Hinsicht überaus außergewöhnlich. Offensichtlich erschien sie schon im 12. Jahrhundert erklärungsbedürftig, da der Autor der Vita Meinwerci festhält, sie sei durch griechische Bauleute errichtet worden.[6] Diese Nachricht spielt vermutlich auf einen byzantinischen Hintergrund der Bauleute an, doch finden sich auch im byzantinischen Raum keine direkten Vorbilder für die Bartholomäuskapelle.[7]

Die Bartholomäuskapelle hat einen rechteckigen Grundriss mit einer Apsis im Osten. Sie ist eine eingewölbte Hallenkirche, die durch sechs Säulen in drei gleichhohe Schiffe unterteilt ist. Sie stellt das erste Beispiel einer dreischiffig gewölbten Kirche überhaupt dar. Außergewöhnlich ist auch die Form der Gewölbe, da sie als sogenannte Hängekuppeln konstruiert sind. Auch die Säulen sind sehr auffällig, da sie extrem schlank sind und eine sogenannte Entasis aufweisen. Während die Kapitelle der östlichen und westlichen Säulen als sogenannte "Kompositkapitelle" in die Kunstgeschichte eingeordnet werden können, ist die Gestaltung der Kapitelle des mittleren Säulenpaars einzigartig.[8]

Die Halle innen ist als architektonische Idee in dieser Form gewollt und nicht technisch bedingt – durch darüber liegende Räume beispielsweise. Erst im 12. Jh. tritt die Halle als architektonisches Prinzip in einzelnen, weit auseinander liegenden Landschaften häufiger auf, in Regensburg, der Oberpfalz, im Poitou in Frankreich und in Westfalen. Die schlanken, fast zerbrechlich wirkenden Säulen haben keine Beziehung zur übrigen deutschen Baukunst dieser Zeit und stammen eindeutig aus dem byzantinischen Bereich. Wichtig ist der Kranz von hoch liegenden Fenstern: Das von dort einfallende Licht lässt den Raum zusammen mit den grazilen Säulen wie schwerelos wirken – sehr im Gegensatz zu der massiven Bauweise des deutschen Raumes zu jener Zeit.

Die Kapelle hat alle Irrungen und Wirrungen im Laufe ihrer Zeit, darunter auch den Zweiten Weltkrieg, bei dem der Paderborner Dom schwer beschädigt wurde, fast unbeeinträchtigt überstanden. Ihre Fenster wurden 1955 in der ursprünglichen Form wiederhergestellt und 1963 mit der heutigen Verglasung versehen. 1978 erhielt die Kapelle eine kunstvoll gestaltete Bronzetür, die dem Betrachter einen Einblick in die Zeit und das Denken Bischof Meinwerks geben soll.

Akustik

Die Bartholomäuskapelle verfügt über eine herausragende Akustik, die offensichtlich auf die Hängekuppeln zurückzuführen ist. Aufgrund dieser Akustik ist sie als Ort für Gesang und Instrumentalmusik sehr beliebt.

Heutige Benutzung

In der Bartholomäuskapelle werden heute nicht regelmäßig Gottesdienste gefeiert. Seit den 1980er Jahren nutzt die Katholische Hochschulgemeinde sie für Rorateämter in der Adventszeit. Ansonsten dient sie für vereinzelte Gottesdienste diverser Art. Daneben ist sie ein Anziehungspunkt für Touristen sowie – wegen ihrer hervorragenden Akustik – für Sänger und Instrumentalisten unterschiedlicher Herkunft.

Siehe auch

Literatur

  • Busen, Hermann: Die Bartholomäuskapelle in Paderborn, in: Westfalen 41, Münster 1963, S. 273–312
  • Fockele, Theodor: Die Bartholomäuskapelle zu Paderborn, das katholische Leben in ihr und ihre Freunde, o.O. 1988
  • Kluge, Dorothea (1971): Die Bartholomäuskapelle in Paderborn, in: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Paderborner Hochfläche, Paderborn, Büren, Salzkotten, Band 20, Mainz am Rhein, S. 172ff.
  • Lobbedey, Uwe: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, Deutscher Kunstverlag, München 1990
  • Lobbedey. Uwe: Die Kirchenbauten Bischof Meinwerks, in: Meinwerk von Paderborn 1009–1036. Ein Bischof in seiner Zeit. Ausstellungskatalog, hrsg. von Hans Leo Drewes, Paderborn 1986, S. 42–58
  • Josef Meyer zu Schlochtern, Matthias Wemhoff: Die Bartholomäuskapelle Paderborn. Bonifatius, Paderborn 1997, ISBN 3-89710-010-X

Prosa

Weblinks

 Commons: Bartholomäuskapelle  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Lobbedey. Uwe: Die Kirchenbauten Bischof Meinwerks, in: Meinwerk von Paderborn 1009–1036. Ein Bischof in seiner Zeit. Ausstellungskatalog, hrsg. von Hans Leo Drewes, Paderborn 1986, S. 51–52.
  2. Fockele, Theodor: Die Bartholomäuskapelle zu Paderborn, das katholische Leben in ihr und ihre Freunde, o.O. 1988, S. 1–4.
  3. Fockele, Theodor: Die Bartholomäuskapelle zu Paderborn, das katholische Leben in ihr und ihre Freunde, o.O. 1988, S. 5–10.
  4. Fockele, Theodor: Die Bartholomäuskapelle zu Paderborn, das katholische Leben in ihr und ihre Freunde, o.O. 1988, S. 11–20.
  5. Fockele, Theodor: Die Bartholomäuskapelle zu Paderborn, das katholische Leben in ihr und ihre Freunde, o.O. 1988, S. 20–22.
  6. Lobbedey. Uwe: Die Kirchenbauten Bischof Meinwerks, in: Meinwerk von Paderborn 1009–1036. Ein Bischof in seiner Zeit. Ausstellungskatalog, hrsg. von Hans Leo Drewes, Paderborn 1986, S. 51–52.
  7. Lobbedey, Uwe: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, Deutscher Kunstverlag, München 1990, S. 26.
  8. Lobbedey, Uwe: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, Deutscher Kunstverlag, München 1990, S. 23–26.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Bartholomäuskapelle (Paderborn) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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