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Barrikadenaufstand


Am 18. März 1848 kam es im Zuge der Märzrevolution in Berlin zum so genannten Barrikadenaufstand (auch Barrikadenkämpfe). Nach einer angespannten Stimmung in der Stadt hatte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Massen mit liberalen Zugeständnissen beruhigen wollen: Es solle eine preußische Verfassung mit Grundrechten eingerichtet werden, und Preußen wolle sich der deutschen Nationalbewegung anschließen. Dies schien zunächst das Volk für den König einzunehmen. Eine Demonstration auf dem Schlossplatz eskalierte jedoch, und Aufständische errichteten Barrikaden.

Die Folge waren über zweihundert Tote und ein weiteres Einlenken des erschütterten preußischen Königs, der seine Versprechen konkretisierte und eine liberale Regierung einberief. An diese Versprechen sollte er sich schließlich aber nur sehr eingeschränkt halten.

Vorgänge

Im Februar 1848 hatte es eine Revolution in Frankreich gegeben. Bereits am 5. März versammelten sich Führer der liberalen Opposition in Heidelberg, wo sie über ein nationales Vorparlament nachdachten. Am 13. März kam die revolutionäre Erhebung nach Wien.

In Berlin erlebten Soldaten, wie sie von der Bevölkerung zunehmend respektloser behandelt wurden. Einem Bericht zufolge wurden beispielsweise drei Offiziere von etwa zweihundert johlenden Kindern und Jugendlichen mit Steinen beworfen und verfolgt, bis diese in einem Gouvernementshaus Zuflucht fanden. Der Gouverneur der Stadt, General Ernst von Pfuel, war unter den Verantwortlichen zurückhaltend, während der bisherige Kommandeur des Gardekorps, der Prinz von Preußen und sein Nachfolger, Generalleutnant Karl von Prittwitz, dafür plädierten, dass das Militär zuschlagen solle. Als im Umfeld des Königs am 15. März bekannt wurde, dass in Österreich der reaktionäre Staatsmann Metternich geflüchtet war, drängten die Berater auf politische Zugeständnisse an die Opposition.[1]

Friedrich Wilhelm war seit dem 17. März bereit, eine preußische Verfassung zu versprechen, doch da hatten die Aufständischen schon für den Nachmittag des 18. März eine Demonstration auf dem Schlossplatz angekündigt. Als am Morgen des 18. März das Versprechen des Königs bekannt wurde, herrschte Hochstimmung. Im Schloss nahm man Warnungen vor Unruhen nicht ernst, und der König ging mit Staatsminister Ernst von Bodelschwingh zur Menge auf dem Schlossplatz. Letzterer verlas die Erklärung, die zu Hochgeschrei führte:

„Der König will, daß Preßfreiheit herrsche; der König will, daß der Landtag sofort berufen werde; der König will, daß eine Konstitution auf der freisinnigsten Grundlage alle deutsche Länder umfasse; der König will, daß eine deutsche Nationalflagge wehe; der König will, daß alle Zollschlagbäume fallen; der König will, daß Preußen sich an die Spitze der Bewegung stelle.“[2]

Doch als die Menge die Soldaten beim Schloss erblickten, kam es zu Unruhe und zu Sprechchören: „Militär zurück! Militär zurück!“ Der König übertrug Prittwitz das Kommando über die Soldaten, die den Schlossplatz sofort räumen sollten. Dies gelang aber nicht, stattdessen kam es zum Chaos. Erst als die Dragoner, entgegen dem ursprünglichen Plan, mit gezogenen Säbeln angriffen, flüchteten die Menschen. Doch viele Demonstranten waren in der Nähe verblieben, und als Grenadiere sie vom östlichen Rand des Schlossbezirkes vertreiben sollten, lösten sich versehentlich zwei Schüsse. Obwohl niemand verletzt wurde, glaubte die Menge, es werde absichtsvoll auf sie geschossen. Die Nachricht verbreitete sich bald in ganz Berlin.[3]

Die Lage eskalierte weiter: Schnell errichtete Barrikaden versperrten dem Militär die Wege, Steine flogen auf die Soldaten, die versuchten, Barrikaden zu beseitigten, Soldaten stürmten darauf hin die Gebäude, aus denen sie beworfen wurden. Bei den Vorgängen kamen auch unbeteiligte Passanten um. Entgegen Prittwitz' Vorschlag, die Stadt von außen zu bombardieren, ließ der entmutigte König das Militär abziehen, kurz nach Mitternacht.[4] Bei den Kämpfen kamen wahrscheinlich weniger als fünfzig Soldaten um, aber wohl mehr als zweihundert Zivilisten.[5]

Folgen

König Friedrich Wilhelm IV. hatte mit Unglauben auf die unerhörten Ereignisse reagiert. In der Nacht zum 19. März schrieb er dann eine Proklamation „An meine lieben Berliner“, in der er das Vorgehen des Militärs damit rechtfertigte, die Aufständischen hätten ins Schloss eindringen wollen. Am 21. März folgte die Proklamation „An Mein Volk und an die deutsche Nation!“. Darin verkündete er:

  • „Preußen geht fortan in Deutschland auf.“
  • Der für den 2. April einberufene Landtag sei ein Mittel, um die „Rettung und Beruhigung Deutschlands“ zu betreiben. Mit anderen Fürsten und Ständen solle möglicherweise eine gemeinschaftliche Versammlung einberufen werden.
  • Ein allgemeines, volkstümliches deutsches Bundesheer.
  • „Wiedergeburt und Gründung eines neuen Deutschlands“.
  • Konstitutionelle Verfassung mit Ministerverantwortlichkeit in allen Einzelstaaten.
  • Gleichberechtigung zwischen den Konfessionen.[6]

Am Tag danach sprach der König in einer weiteren Proklamation, aus Preußen einen liberalen Verfassungsstaat zu machen. Unter anderem nannte er Grundrechte wie das Vereinigungs- und Versammlungsrecht, ferner die Verantwortlichkeit der Minister und die Unabhängigkeit der Richter. Das Heer werde auf die neue Verfassung vereidigt. An jenem 22. März wurden die Toten des 18. März beigesetzt. Als der Trauerzug am Schloss vorbeikam, verneigte der König sich vor den Toten. Allerdings wollte Friedrich Wilhelm sich schon Ende Juni 1848 nicht mehr an seine Versprechen erinnern.[7]

Im Laufe der Jahre 1848/1849 stabilisierte sich die Herrschaft des Königshauses wieder, und der König lehnte die ihm von den Liberalen angetragene deutsche Kaiserkrone ab. Im Dezember 1849 oktroyierte er dann eine preußische Verfassung. Damit ist gemeint, dass er sie einseitig verkündete und nicht etwa gemeinsam mit einer verfassungsgebenden Versammlung. Jedoch beinhaltete die Verfassung durchaus liberale Elemente und zeigte, dass gewisse grundlegende Forderungen der liberalen Bewegung nicht mehr ignoriert werden konnten.

Siehe auch

Literatur

  • Adolf Streckfuß: 1848, die März-Revolution in Berlin. Ein Augenzeuge erzählt. (Ilv-Leske-Republik, 14). Leske-Verlag, Köln 1983, ISBN 3-921490-24-3.
  • Heinz Warnecke: Barrikadenstandorte 1848. Ein Beitrag zur Berliner Heimatkunde. (Topografie der deutschen Hauptstadt). Edition Luisenstadt, Berlin 1999, ISBN 3-89542-101-4.
  • Rüdiger Hachtmann: Berlin 1848. Eine Politik- und Gesellschaftsgeschichte der Revolution. Dietz Verlag, Bonn 1997, ISBN 3-8012-4083-5.

Belege

  1. Christopher Clark: Preußen - Aufstieg und Niedergang 1600–1947. Bonn 2007, S. 539.
  2. Nach Christopher Clark: Preußen - Aufstieg und Niedergang 1600–1947. Bonn 2007, S. 539/540.
  3. Christopher Clark: Preußen - Aufstieg und Niedergang 1600–1947. Bonn 2007, S. 540/541.
  4. Christopher Clark: Preußen - Aufstieg und Niedergang 1600–1947. Bonn 2007, S. 542/543.
  5. Manfred Görtemaker: Deutschland im 19. Jahrhundert. Entwicklungslinien. Opladen 1983, S. 104/105.
  6. Manfred Görtemaker: Deutschland im 19. Jahrhundert. Entwicklungslinien. Opladen 1983, S. 107/108.
  7. Manfred Görtemaker: Deutschland im 19. Jahrhundert. Entwicklungslinien. Opladen 1983, S. 108.

Kategorien: Berliner Geschichte (19. Jahrhundert) | Konflikt 1848 | Aufstand in Deutschland | Revolution 1848/1849 in Deutschland

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Barrikadenaufstand (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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