Bandscheibenprothese - LinkFang.de





Bandscheibenprothese


Die Bandscheibenprothese auch voll bewegungserhaltende Bandscheibenvollprothese (englisch Total disk arthroplastie (TDA)) ist das operative Einbringen und Verankern eines Bandscheibenersatzimplantats in den Zwischenwirbelraum. Ein Implantat ist ein im Körper eingesetztes künstliches Material, das permanent oder zumindest für einen längeren Zeitraum dort verbleiben soll. Es gibt Bandscheibenprothesen für den Bereich der Halswirbel-[1] und Lendenwirbelsäule[2].

Die Wirbelkörper, Corpus vertebrae sind an den zu benachbarten Wirbeln zeigenden Polen mit jeweils einer Deckplatte versehen. Zwischen diesen Deckplatten sind benachbarte Wirbel mit einer Bandscheibe faserknorplig sowie über zwei Bänder, Ligamentum longitudinale anterius und posterius bindegewebig untereinander verbunden. Der Wirbelkörper ist ein stützendes und lasttragendes Formteil des Wirbels.

Das Implantat für den Zwischenwirbelraum besteht, abhängig vom Hersteller, im Allgemeinen aus zwei plattenförmigen Halterungsstrukturen (obere und untere Kontaktflächen zum Wirbelkörper) und einen dazwischen liegenden Kunststoffkern, zumeist aus Polyethylen, der die Beweglichkeit im Segment ermöglicht (Kugelgelenk-Prinzip). Die Platten zur Verankerung an die jeweilige Deck- bzw. Bodenplatte der Wirbelkörper sind aus einer Kobalt-Chrom-Molybdän-Legierung gefertigt, die mit einer Titan-Legierung beschichtet wurden; diese zeichnet sich durch eine hohe Körperverträglichkeit aus. Die obere Kontaktfläche stellt die Verbindung zur Grundplatte des Wirbelkörpers her während die untere Kontaktfläche zur Anlage an die Deckplatte eines unterhalb an das Implantat angrenzenden Wirbelkörpers dient.

Die Indikation stellt sich vor allem dann, wenn ein erhebliche Degeneration des Bandscheibensystems (Nucleus pulposus und Faserring, Anulus fibrosus disci intervertebralis) mit oder ohne entzündlichen Begleitreaktion stattgefunden hat bzw. stattfindet (siehe auch Bandscheibenvorfall). Bei solch einem Befund ist es das Ziel die degenerierte Bandscheibe komplett zu entfernen unter gleichzeitigem Erhalt der biomechanischen und physiologischen Funktionsfähigkeit. Anstelle des Bandscheibensystems setzt man in das entsprechende Wirbelsegment eine Bandscheibenprothese zwischen die beiden Wirbelkörper ein. Die Total disk arthroplastie (TDA) kann dann vollständig die Funktion einer natürlichen Bandscheibe übernehmen. Hierdurch kommt es zu einer Reduktion bis zum völligen Verschwinden der ursprünglichen der Schmerzsituation.

Operatives Vorgehen im Lumbalbereich

Die operativ-chirurgische Intervention erfolgt in Rückenlage. Zunächst wird zwischen den Bauchnabel und dem Beckenknochen in einer parallel zur Sagittalebene verlaufenden Schnittführung ein etwa fünf bis sieben Zentimeter langer Hautschnitt (Paramedianschnitt) angelegt. Man dringt dann ohne den Bauchraum zu eröffnen, in retroperitonealer Richtung nach Darstellung des Ureters in die Tiefe vor. Unter Schonung der großen Bauchgefäße (Vena cava inferior und Aorta) und der Nerven wird die Bandscheibe dargestellt und dann schrittweise entfernt. Sodann werden die jeweilige Deck- und Bodenplatte aufgeraut. Hierbei können auch Osteophyten, welche die Nervenwurzeln bedrängen, entfernt werden. Anschließend wird der Bandscheibenzwischenraum auf seine ursprüngliche Höhe wiederhergestellt und die Prothese stabil am Wirbel verankert. Nach der individuellen Beurteilung des Falles werden eine oder mehrere Bandscheiben mit Prothesen ersetzt. Der Eingriff erfolgt unter Röntgenkontrolle. Insgesamt dauert der Eingriff ungefähr zwei bis drei Stunden und wird in Vollnarkose mit oder ohne Periduralkatheter durchgeführt. Dabei ist zu bedenken, dass die höheren Lumbalsegmente, oberhalb von L3 bzw. L4 bezüglich ihres operativen Zugangs die technisch schwierigeren Situs darstellen.

Literatur

  • Mario Čabraja: Die Behandlung degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen durch fusionierende und bewegungserhaltende Operationsverfahren. Habilitationsschrift, Fach Neurochirurgie. Medizinischen Fakultät Charité-Universitätsmedizin Berlin 9. Februar 1976
  • Ogon M., Becker S., Chavanne A., Meissner J., Tuschel A.: Die Bandscheibenprothese an der Halswirbelsäule. Journal für Mineralstoffwechsel & Muskuloskelettale Erkrankungen 2006; 13 (1), 14-17
  • P. Fritzell, O. Hägg, P. Wessberg, A. Nordwall: 2001 Volvo Award Winner in Clinical Studies: Lumbar fusion versus nonsurgical treatment for chronic low back pain: a multicenter randomized controlled trial from the Swedish Lumbar Spine Study Group. In: Spine. Band 26, Nummer 23, Dezember 2001, S. 2521–2532, PMID 11725230 .
  • J. C. Le Huec, H. Mathews, Y. Basso, S. Aunoble, D. Hoste, B. Bley, T. Friesem: Clinical results of Maverick lumbar total disc replacement: two-year prospective follow-up. In: The Orthopedic clinics of North America. Band 36, Nummer 3, Juli 2005, S. 315–322, doi:10.1016/j.ocl.2005.02.001 , PMID 15950691 .
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  • S. Blumenthal, P. C. McAfee, R. D. Guyer, S. H. Hochschuler, F. H. Geisler, R. T. Holt, R. Garcia, J. J. Regan, D. D. Ohnmeiss: A prospective, randomized, multicenter Food and Drug Administration investigational device exemptions study of lumbar total disc replacement with the CHARITE artificial disc versus lumbar fusion: part I: evaluation of clinical outcomes. In: Spine. Band 30, Nummer 14, Juli 2005, S. 1565–1575, PMID 16025024 .
  • P. C. McAfee, B. Cunningham, G. Holsapple, K. Adams, S. Blumenthal, R. D. Guyer, A. Dmietriev, J. H. Maxwell, J. J. Regan, J. Isaza: A prospective, randomized, multicenter Food and Drug Administration investigational device exemption study of lumbar total disc replacement with the CHARITE artificial disc versus lumbar fusion: part II: evaluation of radiographic outcomes and correlation of surgical technique accuracy with clinical outcomes. In: Spine. Band 30, Nummer 14, Juli 2005, S. 1576–1583, PMID 16025025 .
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  • M. Putzier, J. F. Funk, S. V. Schneider, C. Gross, S. W. Tohtz, C. Khodadadyan-Klostermann, C. Perka, F. Kandziora: Charité total disc replacement–clinical and radiographical results after an average follow-up of 17 years. In: European spine journal : official publication of the European Spine Society, the European Spinal Deformity Society, and the European Section of the Cervical Spine Research Society. Band 15, Nummer 2, Februar 2006, S. 183–195, doi:10.1007/s00586-005-1022-3 , PMID 16254716 , PMC 3489410 (freier Volltext) .
  • A. A. Patel, D. S. Brodke, L. Pimenta, C. M. Bono, A. S. Hilibrand, J. S. Harrop, K. D. Riew, J. A. Youssef, A. R. Vaccaro: Revision strategies in lumbar total disc arthroplasty. In: Spine. Band 33, Nummer 11, Mai 2008, S. 1276–1283, doi:10.1097/BRS.0b013e3181714a1d , PMID 18469704 (Review).
  • M. R. Zindrick, M. N. Tzermiadianos, L. I. Voronov, M. Lorenz, A. Hadjipavlou: An evidence-based medicine approach in determining factors that may affect outcome in lumbar total disc replacement. In: Spine. Band 33, Nummer 11, Mai 2008, S. 1262–1269, doi:10.1097/BRS.0b013e318171454c , PMID 18469702 (Review).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Firsching, Raimund; Jöllenbeck, Boris; Hahne, Rainer: Zervikale Bandscheibenprothesen. Dtsch Arztebl 2005; 102(31-32): A-2178 / B-1838 / C-1741.
  2. Gravius, Sascha; Weißkopf, Markus; Ohnsorge, Jörg Alexander Karl; Maus, Uwe; Niethard, Fritz Uwe; Wirtz, Dieter Christian: Die lumbale Bandscheibenprothese. Eine narrative Übersicht. In: Dtsch Arztebl 2007; 104(38): A-2592 / B-2290 / C-2222
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