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Bahnstrecke Nossen–Moldava v Krušných horách


Nossen–Moldava v Krušných horách
Ausschnitt der Streckenkarte Sachsen von 1902
Streckennummer:6614; sä. NM
Kursbuchstrecke (DB):514
Streckenlänge:63,399 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:C3/C4
Maximale Neigung: 25 
Minimaler Radius:212 m
Höchstgeschwindigkeit:80 km/h
von Coswig Abzw B
0,000 Nossen 220 m
nach Borsdorf (Sachs) und nach Riesa
1,240 Kloster Altzella
Bundesautobahn 4
5,032 Zellwald Hp 288 m
5,140 Zellwald Ldst 288 m
10,252 Großvoigtsberg 363 m
13,190 Großschirma 383 m
Awanst Getreide AG
18,331 Kleinwaltersdorf 408 m
21,500 Abzw Werdau Bogendreieck–Dresden Hbf
22,130 Anst KASA Technoplan
von Abzw Werdau Bogendreieck
23,967 Freiberg (Sachs) 413 m
nach Dresden Hbf und nach Halsbrücke
28,261 EÜ Wirtschaftsweg (10,2 m)
28,975 Berthelsdorf (Erzgeb) (Keilbahnhof) 449 m
nach Großhartmannsdorf
29,800 Awanst Freiberger Papierfabrik zu Weißenborn
30,474 Berthelsdorf (Erzgeb) Ort
33,660 Viadukt Lichtenberg (Freiberger Mulde, 165 m)
34,190 Lichtenberg (Erzgeb) 400 m
35,784 Brücke Freiberger Mulde (16,5 m)
36,965 Brücke Freiberger Mulde (20,3m)
Schmalspurbahn von Sayda (bis 1966)
38,255 Mulda (Sachs) 429 m
41,090 Brücke Freiberger Mulde (15,72 m)
41,530 Brücke Freiberger Mulde (15,72 m)
45,164 Brücke Freiberger Mulde (15,72 m)
45,474 Nassau (Erzgeb) 497 m
47,250 Clausnitz 515 m
50,130 Bienenmühle 545 m
51,986 EÜ Alte Straße (19,2 m)
52,450 Rechenberg 570 m
53,420 Holzhau Skilift seit 2000
54,710 Holzhau 618 m
57,380 Teichhaus 665 m
57,753 EÜ Wirtschaftsweg (19 m)
Schmalspurbahn von Schmiedeberg (nicht realisiert)
60,690 Hermsdorf-Rehefeld 737 m
63,099 Staatsgrenze Deutschland–Tschechien
63,399 Moldava v Krušných horách (früher Moldau) 782 m
nach Most (vorm. PDE)

Die Bahnstrecke Nossen–Moldava v Krušných horách, abschnittsweise auch als Zellwaldbahn sowie Freiberger Muldentalbahn bekannt, ist eine Nebenbahn in Sachsen, die ursprünglich als Teil einer überregionalen Verbindung von Mittelsachsen nach Prag durch die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie (LDE) erbaut und betrieben wurde. In Betrieb ist heute nur noch der Abschnitt von Nossen über Freiberg nach Holzhau, die weitere Strecke bis ins tschechische Moldava (Moldau) ist stillgelegt.

Geschichte

Vorgeschichte und Bau

Nossen–Freiberg

Für eine Strecke Nossen–Freiberg hatte sich insbesondere die Stadt Freiberg eingesetzt, die 1866 eine Petition für einen Bau auf Staatskosten an den Sächsischen Landtag gerichtet hatte. Die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie (LDE) erhielt die Genehmigung für die Vorarbeiten und am 16. Oktober 1871 die Konzession für den Bau und Betrieb der Strecke.

Die Bauarbeiten begannen am 24. Januar 1872. Aus Kostengründen trassierte man die Bahn auf kürzestmöglichem Weg unter günstigster Ausnutzung der topografischen Gegebenheiten. Die meisten Bahnhöfe der Strecke lagen deshalb weit außerhalb der namensgebenden Ortschaften, die zwei Kilometer von der Strecke entfernt liegende Stadt Siebenlehn bekam keine Bahnstation. Dank eines milden Winters kamen die Arbeiten zügig voran, sodass Ende 1872 das Planum fertiggestellt war. Einige Verzögerungen gab es, als der Schienenhersteller das bestellte Gleismaterial nicht rechtzeitig liefern konnte. Der Bahnkörper war durchgehend für zweigleisigen Betrieb vorgesehen, verlegt wurde jedoch nur ein Gleis. Am 15. Juli 1873 wurde die Strecke mit einem Festzug eröffnet.

Freiberg–Moldau

Bereits seit 1864 bestanden mehrere Projekte zur Verbindung Freibergs mit dem Nordböhmischen Becken, um die dort geförderte Braunkohle günstig den Freiberger Bergbau- und Erzverarbeitungsbetrieben zuführen zu können. Der Landtag von 1867 ermächtigte die Sächsische Regierung zur Konzessionserteilung für eine Strecke Klingenberg–Dux, die jedoch nicht ausgeführt wurde. Um 1870 bewarben sich die LDE und ein Konsortium um den Bau der Strecke Freiberg–Dux. Österreich sicherte im Staatsvertrag vom 24. Dezember 1870 die Fortsetzung auf böhmischem Gebiet zu.[1]

Die Konzession für die Strecke Freiberg–Landesgrenze erhielt die LDE am 1. Dezember 1873. Auf böhmischem Gebiet war die Konzession am 4. September 1872[2] an die Prag-Duxer Eisenbahn (PDE) gegeben wurden, die jedoch schon bald infolge der Wirtschaftskrise von 1873 in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Der Bau auf böhmischem Gebiet verzögerte sich zunächst und wurde schließlich gänzlich abgebrochen. Ohne den Anschluss nach Böhmen war die Strecke Freiberg–Moldau allerdings nicht wirtschaftlich zu betreiben. Die LDE beschloss deshalb 1875 in einer außerordentlichen Generalversammlung, auch den Bau und den Betrieb des böhmischen Streckenteils zu übernehmen. Die LDE eröffnete am 8. Juli 1875 noch den Abschnitt Freiberg–Lichtenberg und am 2. November 1875 den Abschnitt bis Mulda. Die unvollständige Strecke sowie die bei einem Hochwasser im Februar 1876 eingestürzte Riesaer Elbbrücke wurden allerdings zu solch einer finanziellen Belastung für die LDE, dass sie sich am 26. März 1876 dem sächsischen Staat zum Kauf anbot. Der Staat übernahm das Unternehmen zum 1. Juli 1876 und stellte am 15. August 1876 den begonnenen Abschnitt bis Bienenmühle fertig.[3]

Nachdem es der Prag-Duxer Eisenbahn gelungen war, die fehlenden Mittel zu beschaffen, kam es später doch noch zur Vollendung der Strecke. Die neuen gesetzlichen Möglichkeiten nutzend, wurde die Strecke zwischen Bienenmühle und Moldau als Sekundärbahn errichtet. Insbesondere der Wegfall der Bahnbewachung und engere Radien ermöglichte eine deutliche Kosteneinsparung bei Bau und Betrieb. Der Oberbau wurde allerdings wegen des erwarteten Verkehrs mit schweren Kohlezügen nach den Standards für Hauptbahnen ausgeführt. Verlegt wurden insgesamt 13.420 Meter Streckengleis mit neun Weichen in den Bahnhöfen Holzhau und Hermsdorf-Rehefeld. Im Jahr 1884 waren auf der Baustelle 733 Arbeiter beschäftigt. Sie stammten aus der näheren Umgebung, aber auch aus Böhmen und Italien.

Ab dem 6. Dezember 1884 konnten auf provisorische Weise Güterzüge verkehren, offiziell wurde die Strecke am 18. Mai 1885 für den Gesamtverkehr eröffnet. Der erste, ab 18. Mai 1885 gültige Fahrplan sah für den Reiseverkehr drei gemischte Züge vor.

Betrieb

Im Güterverkehr erfüllte die Linie die in sie gesetzten Erwartungen. Das Maximum im Güterverkehr war vor dem Ersten Weltkrieg mit täglich zehn Güterzügen je Richtung erreicht, die aus je 45 Wagen mit 10 Tonnen Tragfähigkeit gebildet wurden. Transportiert wurde vorrangig Kohle aus dem nordböhmischen Becken, aber auch Holz und die Erzeugnisse der örtlichen Industrie. Zwischen Freiberg und Lichtenberg wurde die Strecke 1892 wegen des hohen Verkehrsaufkommens zweigleisig ausgebaut.[4]

Ab 1893 gab es ein ernsthaftes Projekt zum Bau einer schmalspurigen Pöbeltalbahn. Die Strecke sollte in Schmiedeberg an die Weißeritztalbahn anschließen und durch das Pöbeltal zum Bahnhof Hermsdorf-Rehefeld führen, wo umfangreiche Güterverkehrsanlagen für den Kohleumschlag vorgesehen waren. Über ein Dreischienengleis (oder eine parallele Streckenführung) sollte die Schmalspurbahn bis in den Grenzbahnhof Moldau geführt werden.[5] Realisiert wurde dagegen der Bau der Schmalspurbahn Mulda–Sayda, die 1897 in Betrieb ging.

Einen ersten Einschnitt für den Bahnbetrieb brachte der Erste Weltkrieg, der zum Zerfall Österreich-Ungarns führte. In dessen Ergebnis entstand auf böhmischen Gebiet der neue Staat Tschechoslowakei. In der Folge ging der Kohleverkehr stark zurück, er stabilisierte sich schließlich bei vier bis fünf Güterzugpaaren täglich. Im Jahr 1922 wurde die bisherige Hauptbahn Nossen–Bienenmühle zur Nebenbahn abgestuft. Daraus resultierte eine Reduzierung der zulässigen Streckengeschwindigkeit von bislang 75 auf nur noch 50 Kilometer pro Stunde.

Am 7. Mai 1945 um 17.30 Uhr verkehrte der letzte Zug von Moldau in Richtung Freiberg. Die deutsche Wehrmacht sprengte noch am selben Tag den Viadukt Lichtenberg und unterbrach somit die Eisenbahnstrecke. Mit der Demontage einiger Meter Gleis an der Staatsgrenze wurde die Strecke dann 1948 endgültig unterbrochen.[6]

Der verbliebene Gleisabschnitt bis zur Grenze wurde noch bis 1952 mit gelegentlichen Übergaben für einen Kohlehändler in Neurehefeld befahren. Im Frühjahr 1953 baute dann die Deutsche Reichsbahn die Strecke vom Bahnhof Hermsdorf-Rehefeld bis zur Staatsgrenze ab.[7]

Am 7. Februar 1972 wurde auch der Abschnitt zwischen Holzhau und Hermsdorf-Rehefeld stillgelegt. Fortan verkehrten alle Züge nur noch bis Holzhau. Die am Teichhaus gelegene Eisenbahnbrücke (km 57,753) wurde 1973 im Rahmen der Dreharbeiten für den DEFA-Spielfilm „Schüsse in Marienbad“ gesprengt.[8]

Zwischen Nossen und Freiberg wurde der Personenverkehr am 25. September 1977 eingestellt. Im Güterverkehr blieb die Strecke jedoch auch weiterhin bedeutsam, es verkehrten drei bis vier Güterzugpaare täglich. Erst infolge der politischen Wende im Osten Deutschlands kam zur Reduzierung der Güterzugfahrten. Am 31. Dezember 1994 wurde der Güterverkehr zwischen Nossen und Großvoigtsberg eingestellt, der Abschnitt bis Großschirma folgte vier Jahre später. Als einziger Güterkunde in diesem Abschnitt verblieb nur das Getreidelager in Großschirma, das bis heute gelegentlich von Getreideganzzügen angefahren wird.

Am 27. Mai 2000 verkehrten letztmals Reisezüge in Regie der Deutschen Bahn AG von Freiberg nach Holzhau. Die RP-Eisenbahn GmbH pachtete die Strecke für einen Zeitraum von 20 Jahren und begann am 14. August 2000 mit den Umbauarbeiten zur Streckenerneuerung. In diesem Zusammenhang wurde die zulässige Streckenhöchstgeschwindigkeit von bisher 50 auf 80 km/h angehoben. Zudem wurden auch zwei neue Haltepunkte an der Strecke eingerichtet. Am 25. November 2000 wurde der Reiseverkehr Freiberg–Holzhau durch die neu gegründete Freiberger Eisenbahngesellschaft (FEG) wieder aufgenommen.

In der folgenden Zeit war ein Wiederaufbau der grenzüberschreitenden Trasse nach Tschechien immer wieder in der Diskussion. Eine tschechische Studie von 2006 sah sogar eine Einbeziehung in das Projekt Regiotram Most vor.[9] Wegen hoher Kosten und fehlenden politischen Willens scheiterte das insbesondere dem Tourismus dienende Vorhaben.

Am 5. November 2005 wurde die Strecke zwischen Nossen und Freiberg vom Chemnitzer Eisenbahninfrastrukturunternehmen Regio Infra Service Sachsen GmbH (RIS) wieder in Betrieb genommen. Am 11. August 2008 hat die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) den über 20 Jahre laufenden Pachtvertrag mit dem Streckeneigentümer DB Netz AG und dem bisherigen Pächter Regio Infra Service Sachsen GmbH zur Übernahme der Zellwaldbahn (Nossen–Freiberg) paraphiert. Obwohl die Übergabe der Strecke zum 31. Oktober 2008 vorgesehen war,[10] hat schließlich der bisherige Streckenpächter RIS den Vertrag mit DB Netz verlängert.[11]

Im Jahresfahrplan 2012 verkehren werktags Reisezüge der FEG zwischen Freiberg und Holzhau im Einstundentakt mit Kreuzung in Mulda zur üblichen Symmetrieminute. An Wochenenden gilt ein eingeschränkter Fahrplan mit 2-Stunden-Takt, der insbesondere auf den Ausflugsverkehr ausgerichtet ist.[12] Zwischen Freiberg und Nossen verkehren zu besonderen Anlässen Museumszüge mit Dampflokomotiven. Der letzte regelmäßige Güterkunde zwischen Freiberg und Holzhau war die Freiberger Papierfabrik zu Weißenborn, die ihre Transporte im Jahr 2015 auf die Straße verlagerte.[13] Der Anschluss Getreide AG in Großschirma wird nurmehr unregelmäßig mit Ganzzügen bedient.

Streckenbeschreibung

Verlauf

Den Bahnhof Nossen verlässt die Strecke in westlicher Richtung, um dann nach Süden abzuschwenken. Im Tal des Pitzschebaches durchquert das Gleis ansteigend den Zellwald, um dann über eine flachwellige Hochfläche parallel zum Tal der Freiberger Mulde nach Freiberg zu führen. In den Bahnhof der Bergstadt mündet die Strecke von Westen ein. Südlich von Freiberg tangiert das Gleis zunächst einen Teil des Freiberger Bergreviers, um dann ins Freiberger Muldental abzufallen. Bei Lichtenberg wird dessen Talsohle erreicht, die bis zum heutigen Streckenendpunkt Holzhau nicht mehr verlassen wird. Der heute stillgelegte Abschnitt lag ab dem Teichhaus im Hirschbachtal. Am Bahnhof Moldava erreichte die Trasse schließlich die Kammhochfläche. Im Winter verläuft auf dem aufgegebenen Bahnkörper die Osterzgebirgsloipe / Skimagistrale Erzgebirge/Krušné hory.

Betriebsstellen

Nossen

Hauptartikel: Bahnhof Nossen

Der Bahnhof Nossen wurde durch die LDE am 25. Oktober 1868 als Teil der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig eröffnet. Mit dem Bau der Strecken nach Freiberg (1873) und Riesa (1877/1880) wurde er zu einem bedeutenden regionalen Eisenbahnknoten mit großem Bahnbetriebswerk, das bis in die 1990er Jahre bestand. Seit der Einstellung des regulären Schienenpersonennahverkehrs in der Relation Döbeln–Meißen im Dezember 2015 dient er nurmehr dem Güterverkehr.

Großvoigtsberg

Der Bahnhof Großvoigtsberg wird von einer Freizeitgruppe des Bahnsozialwerkes mit dem Namen „Museumsbahnhof Großvoigtsberg“ betreut. Diese hat das gesamte Gelände 1999 unter Denkmalschutz stellen lassen. In den Räumen des Erdgeschosses ist in dieser Zeit eine ansehnliche Ausstellung zur Eisenbahnsicherungstechnik und zur Streckengeschichte der Zellwaldbahn entstanden.

Großschirma

Der frühere Bahnhof Großschirma existiert heute nur noch als Haltepunkt. Für den Güterverkehr bedeutsam ist das 1959 errichtete Getreidelager der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (heute Getreide AG), das über eine eigene Anschlussbahn verfügt.

Freiberg (Sachs)

Hauptartikel: Bahnhof Freiberg (Sachs)

Der Bahnhof Freiberg (Sachs) entstand 1862 als Endpunkt der Strecke von Dresden, die 1869 in Richtung Chemnitz fortgeführt wurde. Mit dem Bau der Bahnstrecke Nossen–Moldau (1873/1885) und der Stichbahnen nach Halsbrücke, Langenau und Großhartmannsdorf (1890) wurde Freiberg zu einem der bedeutendsten Eisenbahnknotenpunkte in Sachsen.

Berthelsdorf (Erzgeb)

Der Bahnhof Berthelsdorf (Erzgeb) bestand als Haltestelle seit der Streckeneröffnung. Nach dem Bau der hier abzweigenden Bahnstrecke Berthelsdorf–Großhartmannsdorf wurde die Station 1905 zum Bahnhof erhoben.

Berthelsdorf (Erzgeb) Ort

Der Haltepunkt Berthelsdorf (Erzgeb) Ort wurde im Jahr 2000 im Rahmen der Streckenerneuerung neu aufgebaut und am 25. November 2000 eröffnet.

Mulda (Sachs)

Hauptartikel: Bahnhof Mulda (Sachs)

Der Bahnhof Mulda (Sachs) besteht seit der Eröffnung des Streckenabschnittes Freiberg–Mulda am 2. November 1875. Zunächst als Ladestelle eröffnet, wurde er später zur Haltestelle erhoben. Seine heutige Größe erhielt er mit dem Bau der Schmalspurbahn nach Sayda, die am 30. Juni 1897 eröffnet wurde.

Bienenmühle

Der Bahnhof Bienenmühle war ursprünglich als betrieblicher Mittelpunkt am Beginn der Steigungsstrecke zum Erzgebirgskamm konzipiert. Für seinen Bau wurde ein seinerzeit unbebautes Areal in einer Talweitung ausgewählt, das auch den Platz für spätere Erweiterungsbauten bot. Obwohl ursprünglich auf Clausnitzer Flur gelegen, erhielt er seinerzeit seinen Namen nach einer einsam im Tal stehenden Wassermühle. Um den Bahnhof entstand später eine neue Ansiedlung, die später mit Rechenberg zur Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle zusammengeschlossen wurde. Im Jahr 1880 waren im Bahnhof 15 Lokomotivführer und etwa 200 weitere Arbeiter auf dem Bahnhof beschäftigt. Mit der Streckenerweiterung nach Moldau 1884/85 wurden die Anlagen in Bienenmühle noch einmal um 1200 Meter Gleis mit zehn Weichen erweitert. An der Ausfahrt nach Moldau errichtete man einen zehnständigen Ringlokschuppen mit einer 16-Meter-Drehscheibe.

Güterkunden am Bahnhof Bienenmühle waren ein großes Sägewerk, eine Möbelfabrik und zwei Holzschleifereien. Spektakulär war der Zusammenbruch des großen Verladekranes der Firma Biermann im Jahr 1923, bei dem ein Ladearbeiter ums Leben kam. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die nicht mehr benötigten Anlagen des Bahnhofes Bienenmühle schrittweise reduziert. Im Jahr 1968 wurde der Lokschuppen abgerissen.

Rechenberg

Der Haltepunkt Rechenberg besteht seit der Streckeneröffnung. Einziger Hochbau war eine hölzerne Wartehalle mit Dienstraum, ergänzt durch einen alten Güterwagenkasten. Für umzuschlagendes Stückgut wurde später noch eine offene Halle errichtet, deren Dach über den Bahnsteig bis zum Gleisbereich vorgezogen war. Umgeschlagen wurden vor allem die Erzeugnis der örtlichen Stuhlbauindustrie, die so wettergeschützt zwischengelagert werden konnten. Die Verladung in Güterwagen erfolgte in Zugpausen direkt am Bahnsteiggleis.

Holzhau Skilift

Der Haltepunkt Holzhau Skilift wurde im Jahr 2000 im Rahmen der Streckenerneuerung neu aufgebaut und am 25. November 2000 eröffnet. Er verkürzt vor allem für Skisportler den Weg zum Abfahrtshang.

Holzhau

Der Bahnhof Holzhau ist seit 1972 Endpunkt der Strecke. Holzhau hatte ursprünglich vor allem für den Güterverkehr Bedeutung. Wichtigster Güterkunde war hier das Kalkwerk Hermsdorf. Von 1924 bis 1972 bestand eine 2664 Meter lange Materialseilbahn, die Werk und Bahnhof miteinander verband. Sie beförderte nicht nur die Produkte des Werkes zum Bahnhof, sondern in umgekehrter Richtung auch die für den Brennprozess benötigte Kohle. Der Güterumschlag für das Kalkwerk endete kurz nach 1990, als die Produktion des Kalkwerkes (vorübergehend) eingestellt wurde.

Die Bedeutung des Bahnhofes Holzhau liegt heute vor allem im Touristenverkehr. Direkt am Bahnhof beginnt bei winterlicher Schneelage die Bahndammloipe nach Moldau.

Teichhaus

Am Teichhaus war ursprünglich wegen der geringen Verkehrsnachfrage kein Haltepunkt vorgesehen gewesen. Erst als nach dem Zweiten Weltkrieg der Tourismus im Osterzgebirge einen neuen Aufschwung nahm, genehmigte die Deutsche Reichsbahn 1962 den Antrag zur Einrichtung eines Haltepunktes. Einwohner aus Teichhaus und Holzhau errichteten den Bahnsteig und die Zuwege im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks, eine Wartehalle oder sonstige Hochbauten waren nicht vorgesehen. Am 29. September 1963 wurde er eröffnet.

Hermsdorf-Rehefeld

Anstelle des späteren Bahnhofes Hermsdorf-Rehefeld war nach den ursprünglichen Plänen der LDE nur ein Haltestelle vorgesehen. Erst die Einstellung der Flößerei auf der Freiberger Mulde und der Wilden Weißeritz in den Jahren 1874 und 1875 bewirkte, wegen des erwarteten Holzumschlages einen Bahnhof einzurichten. Darüber hinaus bestand ein Verkehrsbedürfnis der königlichen Familie, die in Rehefeld ein Jagdschloss besaß. Für deren Zwecke erhielt das Empfangsgebäude einen Königlichen Empfangssalon, der auch heute noch erhalten ist.

Bis zum Bau der Materialseilbahn zum Bahnhof Holzhau im Jahr 1924 wurde der gesamte Güterumschlag für das Kalkwerk Hermsdorf in Hermsdorf-Rehefeld abgewickelt. In den letzten Betriebsjahren erhielt das Kalkwerk Hochofenschlacke, die dort zu Tonerdeschmelzzement weiterverarbeitet wurde. Darüber hinaus hatte am Bahnhof ein Kohlehändler seinen Sitz, der die örtliche Bevölkerung mit Hausbrennstoffen und weiteren Bedarfsgütern versorgte. Von 1953 an gehörte der Betrieb zur Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) Hermsdorf.

Von 1945 bis zu seiner Auflassung am 7. Februar 1972 war Hermsdorf-Rehefeld Endbahnhof der Strecke. Von der Deutschen Reichsbahn wurden die Gebäude bis zur politischen Wende 1989/90 als „Stützpunkt für patriotische Erziehung“ der Betriebsschule Karl-Marx-Stadt und als Ferienheim genutzt. Eisenbahnerlehrlinge erhielten hier eine vormilitärische Ausbildung. Im Jahr 1992 wurde der Gebäudekomplex von der Deutschen Reichsbahn verkauft. Die neuen Eigentümer richteten darin ein Hotel mit Restaurant („Skibahnhof“) ein.

Moldava v Krušných horách

Der Bahnhof Moldava v Krušných horách (bis 1945 deutsch: Moldau) war Grenzbahnhof im grenzüberschreitenden Verkehr nach Böhmen. Nach der Einstellung des grenzüberschreitenden Verkehrs verfielen die Anlagen, die nun nur noch vom tschechischen Binnenverkehr genutzt wurden. Die einst umfangreichen Gleisanlagen sind heute auf ein Bahnsteig- und Umsetzgleis zurückgebaut.

Fahrzeugeinsatz

Die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen setzten anfangs vor allem die dreifach gekuppelten Schlepptenderlokomotiven der Gattung V V vor allen Zügen ein, die auf der 14-Meter-Drehscheibe in Moldau noch gedreht werden konnten. Später waren die Lokomotiven der Gattung XII H2 (DR-Baureihe 38.2-3) und der DR-Baureihe 86 auf der Strecke beheimatet. Seit der Traktionsumstellung am 19. März 1967 bis zur Einstellung des Reiseverkehrs durch die Deutsche Bahn im Mai 2000 verkehrten alle Züge mit der DR-Baureihe V 100 (ab 1970: Baureihe 110, ab 1991: Baureihe 201-204). Die FEG setzt seit November 2000 niederflurige Triebwagen des Typs Regioshuttle (Baureihe 650) ein.[14]

Literatur

  • Mira Hellmann: Der alte Bahnhof Hermsdorf-Rehefeld, von Königen geprägt und heute noch genutzt. In: Petra Binder (Hrsg.): Auf Straßen, Schienen und Wegen. Landkalenderbuch 2011 für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge. Schütze-Engler-Weber-Verlag, Dresden 2010, S. 15-18 (ISBN 978-3-936203-14-1).
  • Heinz Lohse (Hrsg.): 130 Jahre Eisenbahn im oberen Tal der Freiberger Mulde Bienenmühle – Moldau, Rechenberg-Bienenmühle 2015, ohne ISBN
  • Erich Preuß, Reiner Preuß: Sächsische Staatseisenbahnen, transpress, Berlin 1990, ISBN 3-344-70700-0, S. 101f.
  • Jörg Richter: 100 Jahre Eisenbahnlinie Freiberg – Bienenmühle – Holzhau. In: Sächsische Heimatblätter, Heft 6/1975, S. 263-266.

Weblinks

 Commons: Bahnstrecke Nossen–Moldava v Krušných horách  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Staatsvertrag vom 24. Dezember 1870
  2. Concessionsurkunde vom 4. September 1872 für eine Locomotiveisenbahn von Brüx an die böhmisch-sächsische Gränze bei Mulde
  3. Sächsische Eisenbahnen . In: Wiener Zeitung, 12. Oktober 1877, S. 6, Mitte links. (Online bei ANNO)
  4. Daten auf www.sachsenschiene.net
  5. Beschreibung der Pöbeltalbahn auf www.sachsenschiene.net
  6. Streckengeschichte auf mujweb.cz/krusnohordraha (tschechisch)
  7. Streckengeschichte auf www.fv-zellwaldbahn.de
  8. Erlebniswelt Freiberg-Holzhau Sommer 2011 (Infobroschüre der Freiberger Eisenbahn) (PDF; 7,1 MB)
  9. www.lightrail.nl
  10. Vgl. "Zellwaldbahn: Vertrag parphiert". In: Signal, Heft 5/2008, S.29, Bahnblatt. Abgerufen am 13. Juni 2010.
  11. "Zellwaldbahn rollt auch in den nächsten Jahren. Die 24 Kilometer lange Strecke von Nossen nach Freiberg soll auch durch Mithilfe von Kommunen erhalten werden." In: Sächsische Zeitung, Ausgabe Meissen. 21. Oktober 2009, abgerufen am 13. Juni 2010.
  12. Jahresfahrplan 2012 der FEG – gültig vom 11. Dezember 2011
  13. „Schoeller legt Werksbahn still“ in Freie Presse, Chemnitz vom 17. Januar 2015
  14. Heinz Lohse: 130 Jahre Eisenbahn im oberen Tal der Freiberger Mulde Bienenmühle – Moldau, Rechenberg-Bienenmühle 2015, S. 22f

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke Nossen–Moldava v Krušných horách (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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