Automobil-Weltmeisterschaft 1955 - LinkFang.de





Automobil-Weltmeisterschaft 1955


Automobil-Weltmeisterschaft 1955
Weltmeister
Fahrer: Argentinien Juan Manuel Fangio
Saisondaten
Anzahl Rennen: 7
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Die Automobil-Weltmeisterschaft 1955 war die 6. Saison der Automobil-Weltmeisterschaft, die heutzutage als Formel-1-Weltmeisterschaft bezeichnet wird. In ihrem Rahmen sollte über elf Rennen in der Zeit vom 16. Januar bis zum 11. September 1955 die Fahrerweltmeisterschaft ausgetragen werden, aber aufgrund des Unfalls beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurden vier Große Preise abgesagt.

Der FIA-Ehrentitel Großer Preis von Europa wurde 1955 an den Großen Preis von Monaco vergeben.

Die Saison 1955 war wie schon die vorherige von der Dominanz des Mercedes-Teams geprägt, das zusätzlich zum Superstar Juan Manuel Fangio mit dem Briten Stirling Moss einen weiteren Spitzenfahrer verpflichtet hatte. Große Hoffnungen wurden in das neue Lancia-Team gesetzt, für das Doppelweltmeister Alberto Ascari fuhr. Die Saison entwickelte sich jedoch zum Jahr der Katastrophen in der Formel 1. Vier Tage nach einem Unfall im Großen Preis von Monaco verunglückte Ascari bei privaten Testfahrten mit einem Sportwagen Ende Mai tödlich, woraufhin Lancia sein Formel-1-Engagement für beendet erklärte. Weitere vier Tage später verunglückte der zweifache Indy-Gewinner Bill Vukovich tödlich. Und am 11. Juni starben bei der größten Tragödie in der Geschichte des Motorsports bei einem Unfall während des 24-Stunden-Rennens von Le Mans ein Fahrer und über 80 Zuschauer. Daraufhin wurden die Großen Preise von Deutschland, Frankreich, Spanien und der Schweiz abgesagt. In der Schweiz wurde als Folge ein Gesetz erlassen, das Rundstreckenrennen verbietet und bis heute in Kraft ist.

Die WM-Läufe

GP Argentinien – Buenos Aires (16. Januar 1955)

Platz Fahrer Team Zeit
1 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 3:00:38,6
2 González/Farina/Trintignant Ferrari + 1:29,6
3 Farina/Maglioli/Trintignant Ferrari + 2 Runden
4 Herrmann/Kling/Moss Mercedes-Benz + 2 Runden
5 Roberto Mières Maserati + 5 Runden

Der Grand Prix ging als die „Hitzeschlacht“ in die Geschichte der Formel 1 ein. Bei 37 Grad im Schatten und 50 Grad Asphalttemperatur waren Mensch und Maschine gleichermaßen gefordert. In der Ära, die noch keine mitgeführten Trinkflaschen kannte, führte Juan Manuel FangiosKamel-Taktik“ zum Erfolg. Während alle anderen im Vorfeld Unmengen an Flüssigkeit zu sich nahmen, hatte er sich Enthaltsamkeit antrainiert. Als fast einziger Pilot hielt er dank mentaler Stärke alleine am Lenkrad aus. Manche der gegnerischen Monopostos wurden von drei, ein Ferrari sogar von fünf Fahrern gelenkt, die sich wegen Erschöpfung abwechselten. Ein Ferrari stand technisch völlig intakt zwei Runden lang an den Boxen, da sich keiner der Crew bereitfand, ihn zu steuern, bis J. F. González weiterfuhr und den Wagen auf den zweiten Rang steuerte. Nur der Lokalmatador Mières, der als versierter Sportwagenpilot ähnliche Ausdauerleistungen gewohnt war, musste in Ermangelung einer größeren Teamunterstützung ebenfalls alleine am Lenkrad aushalten, kam jedoch erst fünf Runden später ins Ziel. Fast ausgetrocknet erkannte Fangio, dass er etwas Ähnliches nicht noch einmal durchmachen wolle.

GP Monte Carlo / GP Europa – Monaco (22. Mai 1955)

Platz Fahrer Team Zeit
1 Maurice Trintignant Ferrari 2:58:09,7
2 Eugenio Castellotti Lancia + 20,3
3 J.Behra/C.Perdisa Maserati + 1 Runde
4 Giuseppe Farina Ferrari + 1 Runde
5 Luigi Villoresi Lancia + 1 Runde

Im Training erlitt Hans Herrmann einen Unfall an einer Hafenmauer und schied infolge der Verletzungen für den Rest der Saison aus. Im Rennen sah zunächst alles nach einem ungefährdeten Mercedes-Doppelsieg aus, da Fangio und Moss bis zur Hälfte des Rennens unangefochten in Führung lagen. Ein Hinterachsschaden stoppte Fangio, bei Moss war es ein schwerer Motorschaden und Ersatzfahrer André Simon fiel mit Ventilschaden aus.

Da zum ersten Mal die Technik aller „Silberpfeile“ streikte, schien Alberto Ascari im Lancia als sicherer Sieger. Doch er kam bald darauf in der Hafenschikane von der Strecke ab und stürzte ins Meer, aus dem ihn die Mannschaft der Luxusjacht des griechischen Reeders Onassis mit leichten Blessuren sofort barg. Maurice Trintignant gewann das Rennen. Es war der einzige Sieg, den Ferrari in diesem Jahr erzielte. Der 55-jährige Louis Chiron verabschiedete sich mit einem Lancia und einem sechsten Platz, für den es damals keine Weltmeisterschaftspunkte gab, vom Motorsport. Alberto Ascari starb einige Tage nach dem GP bei Testfahrten in Monza.

500 Meilen von Indianapolis – Indianapolis (30. Mai 1955)

Hauptartikel: Indianapolis 500 1955
Platz Fahrer Team Zeit
1 Bob Sweikert Kurtis-Offenhauser 3:53:59,53
2 T. Bettenhausen/P. Russo Kurtis-Offenhauser + 2:43,56
3 Jimmy Davies Kuzma-Offenhauser + 3:32,36
4 Johnny Thomson Kuzma-Offenhauser + 3:38,91
5 W. Faulkner/B. Homeier Kurtis-Offenhauser + 5:17,17

Das Rennen, das unter wechselhaften Bedingungen stattfand, wurde von dem tödlichen Unfall des Trainingsschnellsten Bill Vukovich überschattet, dessen Wagen mit dem Fahrzeug seines Kontrahenten Al Keller kollidiert und nach einem Überschlag in Brand geraten war.

GP Belgien – Spa-Francorchamps (5. Juni 1955)

Platz Fahrer Team Zeit
1 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 2:39:29,0
2 Stirling Moss Mercedes-Benz + 8,1
3 Giuseppe Farina Ferrari + 1:40,5
4 Paul Frère Ferrari + 3:25,5
5 R. Mières/J. Behra Maserati + 1 Runde

Beim Großen Preis von Belgien trat das Werksteam von Lancia nicht an, nachdem sein erster Fahrer Alberto Ascari am 26. Mai bei privaten Testfahrten nach seinem Monaco-Unfall ums Leben gekommen war. Der Teameigner zog sich vom Motorsport zurück. Eugenio Castellotti überzeugte jedoch den Eigentümer der Wagen, ihn auf eigene Verantwortung starten zu lassen und ließ mit der Pole-Position aufhorchen. Nach einem Getriebedefekt musste er allerdings zur Hälfte des Rennens aufgeben, sodass Fangio und Moss einen ungefährdeten Doppelsieg einfahren konnten.

GP Niederlande – Zandvoort (19. Juni 1955)

Platz Fahrer Team Zeit
1 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 2:54:23,8
2 Stirling Moss Mercedes-Benz + 0,3
3 Luigi Musso Maserati + 57,1
4 Roberto Mières Maserati + 1 Runde
5 Eugenio Castellotti Ferrari + 3 Runden

Der Grand Prix der Niederlande fand nur wenige Tage nach dem verheerenden Unfall beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans statt, bei dem neben dem Piloten Pierre Levegh über 80 Zuschauer zu Tode gekommen waren. Der Große Preis der Schweiz in Bremgarten war von den Veranstaltern bereits abgesagt und auch in Zukunft sollten in der Schweiz Autorennen verboten bleiben. Hier jedoch fand die Mercedes-Armada nach dem werksseitigen Rückzug von Lancia kaum Widerstand. Das Interessanteste an dem Rennen war die Art und Weise, wie sich Roberto Mières gegen starke Konkurrenz durch das Feld nach vorne auf den vierten Platz kämpfte. Zum Ende des Rennens kam Regen auf, sodass sich Luigi Musso drehte, ohne jedoch seinen dritten Rang einzubüßen.

GP Großbritannien – Aintree (16. Juli 1955)

Platz Fahrer Team Zeit
1 Stirling Moss Mercedes-Benz 3:07:21,2
2 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz + 0,2
3 Karl Kling Mercedes-Benz + 1:11,8
4 Piero Taruffi Mercedes-Benz + 1 Runde
5 Luigi Musso Maserati + 1 Runde

Das Rennen in Aintree sah einen für die damalige Zeit denkbar knappen Zieleinlauf: Lediglich zwei Zehntelsekunden trennten den Sieger Moss von Fangio, sodass die Frage diskutiert wurde, ob Fangio ihn in dem von Mercedes-Benz dominierten Rennen nur habe gewinnen lassen, da ihm der zweite Platz zum Titelgewinn ausreichte. Erstmals startete Jack Brabham in der Formel 1 mit einem Cooper-Bristol, der über eine stromlinienförmige Karosserie und einen Mittelmotor verfügte; doch nach 31 Runden streikte der Wagen.

GP Italien – Monza (11. September 1955)

Platz Fahrer Team Zeit
1 Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 2:25:04,0
2 Piero Taruffi Mercedes-Benz + 0,7
3 Eugenio Castellotti Ferrari + 46,2
4 Jean Behra Maserati + 2:56,0
5 Carlos Menditéguy Maserati + 1 Runde

Wegen der Le-Mans-Katastrophe waren viele Rennen gestrichen worden. So fand das letzte Saisonrennen in Italien statt. Nach der aufwendigen Renovierung des alten Monza-Kurses von 1922 wurde auf dem zirka 10 km langen Kurs mit zusätzlichem Hochgeschwindigkeitsoval gefahren, das um 38 Grad überhöhte Kurven aufwies. Moss, der die Pole-Position erzielt hatte, und Fangio lieferten sich einen beherzten Zweikampf um den Sieg, der aber durch einen unfreiwilligen Boxenstopp wegen einer zerbrochenen Windscheibe und eines erneuten Motorschadens des Briten gestoppt wurde. Die schnellste Runde, für die es damals einen Punkt gab, reichte Moss jedoch zum Gewinn seiner ersten Vizeweltmeisterschaft.

Fahrerwertung

Pos. Fahrer Konstrukteur Großer Preis von Argentinien]] }} Großer Preis von Monaco]] }} Indianapolis 500]] }} Großer Preis von Belgien]] }} Großer Preis der Niederlande]] }} Großer Preis von Großbritannien]] }} Großer Preis von Italien]] }} Punkte
1 Argentinien Juan Manuel Fangio Mercedes-Benz 1 DNF   1 1 2 1 40
2 Vereinigtes Konigreich Stirling Moss Mercedes-Benz 4 / DNF 9   2 2 1 DNF 23
3 Italien Eugenio Castellotti Lancia/Ferrari DNF 2   DNF 5 6 / DNF 3 12
4 Frankreich Maurice Trintignant Ferrari 2 / 3 / DNF 1   6 DNF DNF 8 11,3
5 Italien Giuseppe Farina Ferrari 2 / 3 4   3     DNS 10,3
6 Italien Piero Taruffi Mercedes-Benz   8       4 2 9
7 Vereinigte Staaten 48 Bob Sweikert Kurtis-Offenhauser     1         8
8 Argentinien Roberto Mières Maserati 5 DNF   5 4 DNF 7 7
9 Italien Luigi Musso Mercedes-Benz 7 / DNF DNF   7 3 5 DNF 6
10 Frankreich Jean Behra Maserati 6 / DNF / DNF 3 / DNF   5 / DNF 6 DNF 4 6
11 Deutschland Bundesrepublik Karl Kling Mercedes-Benz 4     DNF DNF 3 DNF 5
12 Vereinigte Staaten 48 Jimmy Davies Kurtis-Offenhauser     3         4
13 Vereinigte Staaten 48 Tony Bettenhausen Kurtis-Offenhauser     2         3
14 Vereinigte Staaten 48 Johnny Thomson Kurtis-Offenhauser     4         3
15 Belgien Paul Frère Ferrari   8   4       3
16 Vereinigte Staaten 48 Paul Russo Kurtis Kraft-Offenhauser     2         3
17 Argentinien José Froilán González Ferrari 2             2
18 Argentinien Cesare Perdisa Maserati   3 / DNF   8       2
19 Italien Luigi Villoresi Lancia DNF / DNF 5         DNS 2
20 Argentinien Carlos Menditéguy Maserati DNF / DNF           5 2
21 Italien Umberto Maglioli Ferrari 3           6 1,3
22 Deutschland Bundesrepublik Hans Herrmann Mercedes-Benz 4 DNQ           1
23 Vereinigte Staaten 48 Walt Faulkner Kurtis-Offenhauser     5         1
24 Vereinigte Staaten 48 Bill Vukovich Kurtis-Offenhauser     DNF         1
25 Vereinigte Staaten 48 Bill Homeier Kurtis-Offenhauser     5         1

Die ersten fünf jedes Rennens bekamen 8, 6, 4, 3 bzw. 2 Punkte, einen weiteren Punkt gab es für die schnellste Rennrunde. Die besten fünf Resultate wurden gewertet. Die 0,3 Punkte rühren daher, dass sich bei der „Hitzeschlacht“ von Argentinien bis zu drei Fahrer in den meisten Wagen abwechselten.

Weblinks

 Commons: Formel-1-Saison 1955  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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