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Auslandsüberweisung


Unter Auslandsüberweisung versteht man umgangssprachlich eine Überweisung im bargeldlosen Zahlungsverkehr, bei welcher der Zahlungauslösende eines Landes mittels Weisung an sein kontoführendes Kreditinstitut Buchgeld zu Lasten seines Girokontos über das Institut des Zahlungsempfängers eines anderen Landes an diesen übertragen lässt.

Allgemeines

Im Außenhandel ist die Auslandsüberweisung das am weitesten verbreitete Zahlungsinstrument.[1] Ist die Auslandsüberweisung nicht mit Akkreditiv oder Dokumenteninkasso verknüpft, wird von clean payment gesprochen. Seit der Abschaffung der EU-Überweisung durch den EPC im Dezember 2011 und seit der Schaffung des Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums SEPA im März 2012 hat der Begriff Auslandsüberweisung nur noch eine umgangssprachliche Bedeutung. Hiermit sind grenzüberschreitende Überweisungen gemeint, die ein Inländer an einen Ausländer mit Sitz im Ausland oder umgekehrt vornimmt. Im einheitlichen Eurozahlungsraum gibt es technisch keine Unterschiede mehr zwischen Inlands- und Auslandsüberweisung, so dass der Bankkunde keine Überlegungen über den Sitz der Empfängerbank und den Empfänger anstellen muss. Dabei werden heute Auslandsüberweisungen in Euro ausschließlich mittels SEPA getätigt, in Fremdwährung kommen das seit 1973 im Einsatz befindliche System SWIFT oder andere Systeme zum Einsatz. Der Bankkunde muss seiner kontoführenden Bank regelmäßig die geforderten Empfängerdaten (Empfängername, Institut des Empfängers und insbesondere IBAN und BIC-Code - bis Februar 2016) zur Verfügung stellen.

Geschichte

Seit der Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg führten größere deutsche und ausländische Kreditinstitute Auslandsüberweisungen brieflich oder telegrafisch aus. Auf der Grundlage eines Überweisungsauftrages ihres Bankkunden wählten sie ihre Korrespondenzbank im Ausland aus, die als kontoführende Bank des Empfängers oder als weiterleitende Bank fungierte. Buchungen erfolgten durch die Kontoverbindungen der Korrespondenzbanken untereinander sowohl im Valuta-[2] als auch im Deckungsverhältnis.[3] Diese Auslandsüberweisungen hatten zwei wesentliche Nachteile. Einer Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahre 1993 zufolge betrug die Durchschnittsdauer von Auslandsüberweisungen 4,6 Tage, die Höchstdauer bis zu 14 Wochen.[4] Zudem waren die Bankgebühren recht hoch, was auch am „double charging“ lag, bei welchem zwischengeschaltete Banken ihre Entgelte vom Überweisungsbetrag abzogen und lediglich noch den verminderten Überweisungsbetrag weiterleiteten, der nochmals durch die Gebühren der Empfängerbank vermindert wurde.

Europaweite Bemühungen zur Installierung eines homogenen grenzüberschreitenden Zahlungssystems gab es bereits seit Januar 1997 mit der Richtlinie 97/5/EG vom 27. Januar 1997 über grenzüberschreitende Überweisungen. Die Verordnung (EG) Nr. 2560/2001 vom 19. Dezember 2001 vereinheitlichte den Gebührenrahmen zwischen In- und Auslandsüberweisung. Diese Verordnung und die Zahlungsdiensterichtlinie 2007/64/EG vom 13. November 2007 führten schließlich zu einer Vereinheitlichung des gesamten Regelwerks über grenzüberschreitende Zahlungen durch die Verordnung (EG) Nr. 924/2009 vom 16. September 2009.[5]

Benutzte Banksysteme

Alle Überweisungssysteme laufen für den Bankkunden bei Kreditinstituten im Hintergrund ab.

Überweisungsaufträge in Länder, die nicht der EWWU angehören, werden überwiegend über das seit 1973 bestehende SWIFT-System geleitet. Diese internationale Genossenschaft unterhält ein weltweites Telekommunikationsnetz, das für die standardisierte Ausführung von Finanztransaktionen eine bedeutende Rolle spielt. Dazu werden auf den Überweisungsaufträgen SWIFT-Adressen angegeben, die Auskunft über das Land, den Ort und den Namen der begünstigten Bank gibt. Neben dieser standardisierten Kommunikation ist außerdem ein funktionierendes Netz von Korrespondenzbanken für eine reibungslose Abwicklung von Überweisungsaufträgen unerlässlich.

Für Überweisungsaufträge im Großbetrags- und Individualzahlungsverkehr eignet sich das TARGET-System. Dieses Interbanken-System verbindet insgesamt sechzehn Großbanken, bestehend aus der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie nationalen Zentralbanken in Europa. Der Vorteil von TARGET liegt insbesondere in der schnellen Abwicklung von Überweisungen, die bereits am selben Tag der Zahlung ausgeführt werden. Auftraggeber- und Empfängerbank müssen dabei in keiner Korrespondenz zueinander stehen.

Da der Zahlungsverkehr im europäischen Raum sich aufgrund der Euro-Währungsumstellung im Januar 2002 faktisch zu einem Inlandszahlungsverkehr entwickelt hat, dürfen die Kreditinstitute aufgrund der Verordnung (EG) Nr. 924/2009 vom 16. September 2009 lediglich entsprechende Inlandsgebühren für Überweisungen in Euro berechnen. Mit der EU-Preisverordnung, die im Jahr 2003 in Kraft trat, wurden alle Banken verpflichtet, die üblichen Auslandsüberweisungen bis zu einem Betrag in Höhe von 12.500 Euro zugunsten Konten innerhalb der Euro-Teilnehmerländer den Preisen einer Inlandüberweisung anzupassen. Seit dem 1. Januar 2006 ist diese Preisgrenze auf 50.000 Euro aufgestockt worden. Diese Überweisungen werden auch EU-Standardüberweisungen genannt.

Die große Breite des Zahlungsverkehrs wird bisweilen über EBA STEP abgewickelt. Bei diesem Verfahren leitet die Auftraggeberbank den Zahlungsauftrag an eine bestimmte Bank weiter, mit der zuvor vereinbart wurde, dass sie die weitere Zahlungsabwicklung durchführt. Die Bestätigung über die laufende Zahlung wird jedoch direkt an die Empfängerbank weitergeleitet, was ohnehin die Angabe einer SWIFT-Adresse erfordert. Ebenso erleichtert die IBAN (= International Bank Account Number) die Zahlung innerhalb des europäischen Raums, sofern diese keine EU-Standardüberweisungen sind.

Der BIC der Bank des Begünstigten ist für die beauftragte Bank notwendig und beschleunigt die Verarbeitung. EU-Überweisungen sind Auslandsüberweisungen in Euro unter Angabe der IBAN und des BIC (siehe SWIFT). Diese sind innerhalb der Europäischen Union nach der EU-Preisverordnung zum gleichen Preis wie eine Inlandsüberweisung auszuführen.

AWV-Meldepflicht

Aus Gründen der Meldevorschriften im Außenwirtschaftsverkehr zwecks Erhebung der Zahlungsbilanz und Außenhandelsstatistik haben der zahlungspflichtige Inländer (bei Zahlungen an Ausländer) und der inländische Zahlungsempfänger (bei Zahlungen von Ausländern) nach § 67 Abs. 1 AWV ab einer Meldeschwelle von mehr als 12.500 Euro[6] oder Gegenwert in Fremdwährung (§ 67 Abs. 2 AWV) ausgehende oder eingehende Zahlungen mit dem Vordruck „Zahlungsauftrag im Außenwirtschaftsverkehr“ (Z1/Z4) zu melden (§ 67 Abs. 4 AWV). Ausgenommen von der Meldepflicht sind Exporterlöse, Importzahlungen und bestimmte Zahlungen für kurzfristige Kredite. Kreditinstitute weisen automatisch bei grenzüberschreitenden Zahlungen darauf hin, dass diese Meldepflichten vom Zahlungspflichtigen oder Zahlungsempfänger zu beachten sind.

Diese Konstellation liegt häufig bei Auslandsüberweisungen vor. Die Meldung erfolgt in Deutschland an die Bundesbank, eine Missachtung kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Da die Bank nicht weiß, ob ein Auslandskonto einem Inländer oder einem gebietsfremden Ausländer gehört, kann sie die Meldung ausgehender bzw. eingehender Zahlungen nicht automatisch vornehmen, selbst wenn die Zahlung in einer Summe erfolgt, die die Betragsgrenze übersteigt (statt z.B. taggleichen 'gesplitteten' Zahlungen - Smurfing -, die dennoch meldepflichtig sind). Der Zahlungsempfänger/-auftraggeber ist also zur Meldung verpflichtet. Mit Inkrafttreten der AWV-Änderungen zum 1. September 2013 sind diese Meldungen grundsätzlich elektronisch direkt bei der Deutschen Bundesbank einzureichen. Die Überweisungsdaten werden zur Erstellung der Außenwirtschaftsstatistik Deutschlands verwendet und nur kurzfristig gespeichert. Eine Weitergabe der Daten an das Finanzamt o. a. erfolgt nicht; die Meldung zieht keine steuerrechtlichen Konsequenzen nach sich und ist auch weder notwendig noch überhaupt erlaubt, wenn das Auslandskonto ein eigenes ist (Zahlungen vom Auslandskonto an Ausländer sind hingegen wiederum meldepflichtig).[7]

Privatpersonen können die Meldepflicht telefonisch bei der Bundesbank erledigen.

Gebühren

Bei diesen Überweisungen fallen höhere Gebühren an, teilweise auch zu Lasten des Empfängers. Der Absender der Überweisung kann die Aufteilung der Gebühren festlegen:

  • OUR (sender pays costs): Der Absender zahlt in der Regel per Vorkasse im Voraus alle Kosten der Transaktion. Nach Feststellung der erforderlich gewordenen Kosten erfolgt eine Abrechnung. Sie ist damit die aufwendigste Methode, um die Gebühren zwischen Absender und Empfänger zu vereinbaren. Diese Form wird nicht von allen Banken angeboten.
  • SHARE (share costs): Die Gebühren werden geteilt, der Absender zahlt bei seiner Bank, der Empfänger übernimmt die übrigen Kosten. Während die Kosten des Absenders getrennt bezahlt werden, erfolgt die Bezahlung durch den Empfänger durch Abzug der Gebühren durch jede zwischengeschaltete und die begünstigte Bank vom Überweisungsbetrag. In der Regel ist jedoch der Empfang von Auslandsüberweisungen nur mit geringen oder gar keinen Gebühren belegt. Der Empfänger erhält unter diesen Umständen den ursprünglich angewiesenen Überweisungsbetrag. Sie ist die gebräuchlichste Aufteilung der Gebühren im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr per Überweisung.
  • BEN (beneficiary pays costs): Der Absender zahlt nichts, alle Kosten werden dem Empfänger (Begünstigtem) belastet. Bei der BEN-Überweisung muss die Gebühr der überweisenden, jeder zwischengeschalteten und der begünstigten Bank einkalkuliert werden. Die Bezahlung der Gebühr erfolgt durch Abzug vom angewiesenen Überweisungsbetrag, so dass der Absender sich über alle Gebühren informieren und einen um diese Gebühren höheren als den vereinbarten Zahlungsbetrag anweisen muss. Sie wird nur für einen kleinen Teil der Auslandstransaktionen verwendet.

Einzelnachweise

  1. Dietmar Sternad/Meinrad Höfferer/Gottfried Haber, Grundlagen Export und Internationalisierung, 2013, S. 241
  2. Zahlungspflichtiger-Zahlungsempfänger
  3. Zahlungspflichtiger-kontoführende Bank/Zahlungsempfänger-kontoführende Bank; siehe Anweisung
  4. Matthias M. Arndt, Das Interbankenverhältnis im Überweisungsrecht, 2012, S. 268, FN 945
  5. Matthias M. Arndt, a.a.O., S. 121
  6. auch SEPA-Zahlungen in Euro sind hiervon betroffen
  7. Anlage Z1 und Z4 zur AWV Bundesbank , 2008

Siehe auch

Weblinks


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Auslandsüberweisung (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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