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August Gärtner


August Gärtner (* 18. April 1848 in Ochtrup; † 21. Dezember 1934 in Jena) war ein deutscher Sanitätsoffizier, Hygieniker und Hochschullehrer.

Leben

August Gärtner wurde am 18. April 1848 als ältester von drei Söhnen des Wundarztes Johannes Gärtner und dessen Frau Jenny geb. Dahme in Ochtrup geboren. Er besuchte anfänglich die Knabenpension von Joseph Knickenberg (1814–1884) in Telgte und danach das Gymnasium in Münster (Westfalen). Nachdem er im Herbst 1867 das Abitur bestanden hatte, setzte er seine Ausbildung er am Medicinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelm-Institut in Berlin fort. 1868 wurde er Mitglied des Pépinière-Corps Suevo-Borussia.[1] Als Feldassistenzarzt zog er in den Deutsch-Französischen Krieg. Er nahm an der Schlacht bei Gravelotte, der Schlacht von Sedan sowie an der Belagerung von Paris teil. 1872 bestand er das Rigorosum magna cum laude, das Staatsexamen cum laude. Mit einer Doktorarbeit über den Dekubitus wurde er am 27. Januar 1872 in Berlin zum Dr. med. promoviert.[2]

Am 24. Januar 1873 zum Assistenzarzt befördert, diente er ein Jahr in Wesel beim 57. Infanterie-Regiment und wurde dann zwölf Jahre zur Kaiserlichen Marine versetzt. Davon erlebte er zweieinhalb Jahre in Ostasien und zweieinhalb Jahre in Südamerika. Am 24. Juli 1877 wurde er Stabsarzt. Vom 1. Januar 1884 bis zum 1. April 1886 war er an das Kaiserliche Gesundheitsamt kommandiert. Hier arbeitete er unter der Leitung von Robert Koch. Am 22. Juni 1886 schied er als Marinestabsarzt aus seinen militärischen Verpflichtungen.

Am 10. Mai 1886 folgte er einem Ruf als a.o. Professor an die Universität Jena. Am 27. Juni 1887 erhielt er den Lehrstuhl für Hygiene. Damit wurde er Direktor des Hygienischen Instituts in Jena. Im Sommersemester 1893 wurde er Rektor der Salana, arbeitete als Mitglied im Reichsgesundheitsrats und war Mitglied des Beigeordneten Rates der Kaiserlich Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft. Obwohl Gärtner ohne Habilitation in diese Professur gelangt war, entfaltete er durchaus Wirksamkeit. So organisierte er die Seuchen- und Hygienepolitik der damaligen Thüringer Kleinstaaten mit, beschäftigte sich mit Lösungen zur Fäkalien und Abfallwirtschaft und machte sich für eine moderne Kanalisation in Jena stark. Den Bürger seiner Heimatstadt Ochtrup stand Gärtner mit seinem Wissen über die Hygiene jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Am 1. April 1915 wurde er emeritiert.[3] Jedoch blieb für den Hygieneprofessor weiterhin ein großes Aufgabengebiet erhalten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Gärtner hygienischer Beirat für sämtliche Lazarette des XI. Armee-Korps. Er organisierte die Hygienefragen in Kriegsgefangenenlagern. Am 31. Dezember 1918 wurde Gärtner aus dem Deutschen Heer entlassen. Er wurde auf dem Nordfriedhof (Jena) in einem Ehrengrab (Grabfeld 21, Grab 53) bestattet.[4]

Wirken

Die Hygiene galt zum ausgehenden 19. Jahrhundert als Grenzwissenschaft, welche auf verschiedene Gebiete des täglich Lebens übergriff. Vor allem aber die zunehmende Industrialisierung hinterließ in der Umwelt der damaligen Zeit, viele Rückstände im Wasser und Boden. Sie waren eine Brutstätte verschiedenster Bakterienkulturen und verursachten eine gesundheitliche Beeinträchtigung von verschiedenen Individuen. Deshalb war auch die wissenschaftliche Tätigkeit von Gärtner sehr vielseitig. Gärtner schrieb über 90 wissenschaftlich gedruckte Werke, welche alle Gebiete der Hygiene behandeln, zum Beispiel Schiffs-, Stadt- und Wohnungshygiene, über Wasser- und Nahrungsmittelhygiene, ebenso wie über Kriegshygiene. Dabei verfasste er außerdem wissenschaftliche Arbeiten über Abwässer, Desinfektion und Bakteriologie.

Zu Gärtners bekanntesten Büchern, gehört das Buch „Die Hygiene des Wassers“, damals auch als „Wasserbibel“ bekannt. Als Wasserspezialis war er nicht nur in Deutschland eine gefragte Person, sondern wurde über die Grenzen hinaus vielfach als Gutachter herangezogen. Gärtner war unter anderem in Luxemburg, Sankt Petersburg, Moskau, Belgrad und Kairo tätig. August Gärtner entdeckte den nach ihm benannten Erreger des Paratyphus, auch „Gärtner-Bazillus“ genannt.

Siehe auch: Salmonellose

Familie

August Anton Hieronymus Gärtner heiratete am 23. Oktober 1878 in Münster Caroline (Lilly) Auguste Josephine Maria Pross. Lilly (1857–1921) war die Tochter des Münsteraner Kaufmanns und Stadtrats Friedrich Wilhelm Proß. Friedrich war Sohn der Bürgermeister (1814 bis 1831) Ochtrups, Clemens Alexander Ignatius Maria Proß (1777–1834). Aus der Ehe stammt der Sohn Wolfgang Gärtner (* 26. Juni 1890 in Jena, † 1920 in Rußland) und die Tochter Annemarie Gärtner (* 26. Oktober 1893 in Jena).

Ehrungen

Gärtner erhielt zahlreiche Ehrungen, aus denen er sich nicht viel machte: „In dicken Orden zeigt sich auf meinem Busen die gesamte Geographie Thüringens.“

Werke

  • Ventilationsverhälnisse an Bord S. M. S. Moltke. Viertelsjahrschrift für öffentliche Gesundheitspflege 1881.
  • Anleitung zur Gesundheitspflege an Bord von Kuffahrteischiffen. Berlin 1888
  • Leitfaden der Hygiene : für Studierende, Ärzte, Architekten, Ingenieure und Verwaltungsbeamte. Berlin 1892, 1896, 1899, 1905, 1909, 1914, 1920, 1923
  • Festrede gehalten in der Universitätskirche zu Jena zur Akademischen Preisvertheilung am 8. Juli 1893, dem Tage des Vierzigjährigen Regierungsjubiläums Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs Carl Alexander. Jena 1893.
  • Über Methoden, die Möglichkeit die Infektion eines Wassers zu beurtheilen. Berlin 1895 .
  • Die Hygiene des Trinkwassers. Berlin 1897.
  • Die Quellen in ihren Beziehungen zum Grundwasser und zum Typhus. Jena 1902.
  • Die Hygiene des Wassers. Vieweg, Braunschweig 1915. .(Digitalisat ), Braunschweig 1916.
  • Wasser und Boden. Leipzig 1919.
  • Die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. München 1927.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1960, 61, 20
  2. Königliche Universitätsbibliothek Berlin: Verzeichnis der Berliner Universitätsschriften, 1810–1885. P. Weher, Berlin, 1899, S. 520 (Online )
  3. August Gärtner zum 70. Geburtstag. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. 18. April 1918, S. 439 (Online )
  4. Grabmal im Behindertenwegweiser
  5. Deutscher Ordens Almanach. (OA) Berlin, 1908/09, Sp. 429 (Digitalisat )


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