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Aufschlag (Uniform)


Aufschlag heißt beim Militär der Besatz am unteren Ende des Ärmels des Waffenrocks, meistens in der Farbe des Kragens.

Geschichte

Bereits mit Beginn der Uniformierung von militärischen Verbänden zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Ausklang des 17. Jahrhunderts begann man, die zunächst der damaligen Zivilmode entsprechenden, großdimensionierten Ärmelauf- beziehungsweise Umschläge in der Abzeichenfarbe des jeweiligen Verbandes zu halten.

Im Laufe der Zeit kristallisierten sich in verschiedene Armeen landestypische Gestaltungsformen heraus: Es wurden (teils andersfarbige) Patten über die Aufschläge gelegt, die Anzahl und das Anbringungsschema der Knöpfe variierten, auch die Form selbst war von Wandlungen betroffen. Manchmal erhielt Aufschlag bzw. Patte eine andersfarbige Paspelierung, manchmal war der Aufschlag von der Rockfarbe und nur andersfarbig paspeliert. Mit dem Anwachsen der Streitkräfte wurden diese Varianten zunehmend auch genutzt, um Verbände innerhalb des gleichen Heeres bzw. sogar der gleichen Waffengattung unterscheidbar zu machen. So teilten sich bei der Linieninfanterie Österreich-Ungarns zwei Regimenter die gleiche Kombination von Knopf- und Abzeichenfarbe, waren jedoch u. a. durch unterschiedliche Ärmelaufschläge als Verband aus dem cis- oder transleithanischen Teil der Donaumonarchie erkennbar (Egalisierung). Die Uniformstile militärisch erfolgreicher Staaten wurden gerne von anderen kopiert, so dass manche Aufschlagsform auch außerhalb seines Ursprungslandes Verbreitung fand. Und als in zahlreichen europäischen Armeen Lanzenreiter und leichte Reiterei im Stil der polnischen Ulanen bzw. ungarischen Husaren aufstellte, übernahm man auch deren spitz zulaufenden Aufschläge für andere Teile der leichten Kavallerie, teilweise sogar für leichte Infanterie.

Bis etwa zum Beginn des Ersten Weltkrieges blieben Ärmelaufschläge fester Bestandteil der buntfarbigen Friedensuniformen der meisten Armeen. Auch bei den Felduniformen wurden sie oftmals noch verwendet, wenn auch in stark vereinfachter Form. Nach dem Ersten Weltkrieg behielt man die Ärmelaufschläge aus Traditionsgründen noch in einigen Streitkräften bei, so z. B. bei der deutschen Wehrmacht. Auch heute noch sind sie bei einigen Armeen in Verwendung, jedoch nur mehr bei formelleren Anzugarten, nicht mehr bei Arbeits- oder Feldanzug.

Grundformen

Bei der Gestalt der Ärmelaufschläge bildeten sich etwa drei Haupttypen heraus, innerhalb derer es zahlreiche kleinere Unterschiede gab:

  1. gerade Stulpumschläge ohne Patten (schwedisch oder deutsch genannt)
  2. gerade Stulpumschläge mit Patten (französisch oder brandenburgisch genannt)
  3. nach oben spitz zulaufende Stulpumschläge (polnisch genannt)

Obwohl im 19. Jahrhundert bei den Husaren und ähnlich uniformierten Truppen einiger Staaten die Abzeichenfarben und damit der Aufschlag im eigentlichen Sinn an Dolman bzw. Attila entfielen, behielt man die den Aufschlag umgebende kleidsame Verschnürung (in Ungarn Vitéz Kötés genannt) bei oder übernahm sie sogar für eigentlich von vorneherein aufschlagslose Uniformen.

Die Ärmelaufschläge waren mit senkrechten und waagerechten Knopfreihen verziert, dazu wurden funktionslose Knopflöcher mit und ohne Borten angebracht. Im Laufe der Jahrzehnte verringerten sich die Dimensionen der Aufschläge immer mehr, bis sie zu Ende des 19. Jahrhunderts ihre endgültige Größe erreicht hatten. Aus Ersparnisgründen bestanden sie auch nur noch aus aufgesetzten Stoffstreifen und waren keine Aufschläge im eigentlichen Sinne des Wortes mehr.

Beispiele

Aufschlagsformen des deutschen Heeres im Jahre 1914:

Brandenburgische Aufschläge der (unter anderem) Infanterie, der Gardegrenadiere und der Fußartillerie.

Merkmal: drei Knöpfe übereinander auf der Ärmelpatte.

Schwedische Aufschläge für Teile der Infanterie, der Garde zu Fuß, Pioniere, Jäger, Feldartillerie, Dragoner, Kürassiere sowie der Jäger zu Pferde. Auch die preußischen Militärbeamten hatten durchweg schwedische Aufschläge.

Merkmal: parallellaufend mit der unteren Öffnung des Ärmels und zwei Knöpfe nebeneinander.

Polnische Aufschläge bei den Ulanen, und Gendarmen

Merkmal: nach oben in eine Spitze auslaufend und in dieser einen einzelnen Knopf.

Neufchateler oder Französische Aufschläge für die Gardeschützen und die Garde-MG-Abteilung

Merkmal: drei Knöpfe übereinander auf der gezackten Ärmelpatte.

Deutsche Aufschläge gab es nur für die sächsischen Truppenteile

Merkmal: parallellaufend mit der unteren Öffnung des Ärmels, ein Knopf auf dem Aufschlag, ein Knopf auf dem Ärmel.

Husaren hatten keine Aufschläge im eigentlichen Sinne mehr, sondern trugen am unteren Ärmel eine Verzierung.

Literatur

  • Liliane und Fred Funcken Historische Uniformen – Napoleonische Zeit, 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert München 1989.
  • Liliane und Fred Funcken Historische Uniformen – 18. Jahrhundert, Französische Garde und Infanterie, Britische un preussische Infanterie München 1978.
  • Liliane und Fred Funcken Historische Uniformen – 18. Jahrhundert, Französische, britische und preussische Kavallerie – Infanterie, Kavallerie und Artillerie der übrigen europäischen Länder München 1978.
  • Reinhold Müller Die Armee Augusts des Starken Militärverlag der DDR Berlin 1984.ca:Puny (indumentària)

Kategorien: Militäruniform

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