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Archiv des Liberalismus


Das Archiv des Liberalismus (ADL) der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit besteht seit 1968 und ist damit das älteste von den sechs Archiven der Politischen Stiftungen in Deutschland.

Geschichte

Das Archiv des Liberalismus ist in Niederseßmar, einem Ortsteil von Gummersbach, beheimatet. Nach 1948 wurden die Unterlagen der Bundesparteileitung der Freien Demokratischen Partei (FDP) im Thomas-Dehler-Haus in Bonn, damals zugleich Sitz der Partei und Stiftungszentrale, provisorisch verwahrt, bevor sie 1983/84 in einem Anbau an die seit 1967 bestehende Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach professionell archiviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. 2009 wurden die bisherigen Räumlichkeiten modernisiert; zusätzlich wurde im Mai dieses Jahres ein Archivneubau eingeweiht, der neben einer erheblichen Erweiterung der Magazinfläche auch einen neuen Benutzersaal, einen Besprechungsraum sowie zusätzliche Büros umfasst.

Bestände

Das Archiv des Liberalismus sammelt Unterlagen zur Geschichte des organisierten Liberalismus. Es erschließt neben „klassischem“ Aktenmaterial auch Druckschriften, Flugblätter, Plakate und andere Werbemittel, dazu Fotos, Filme, Videos, Tonbänder sowie digitale Medien (u.a. Internetseiten). Der Schwerpunkt der Sammlungen liegt auf Deutschland und der Zeit nach 1945; einige wenige Einzelbestände datieren aus der Weimarer Republik, ganz geringe aus dem späten 19. Jahrhundert. Insgesamt umfassen die Bestände etwa 4,6 laufende Kilometer Akten (Stand: Sept. 2014) sowie rund 25.000 Einheiten an audiovisuellem Material. Zum Archiv gehört auch eine wissenschaftliche Spezialbibliothek mit circa 75.000 Bibliothekseinheiten (Bücher, Zeitschriften, Druckschriften, Aufsätze). Der weitaus größte Teil der Bestände ist in einer Datenbank sowie in analogen oder digitalen Findbüchern erschlossen und wird – unter Beachtung der Sperrfristen nach den Archivgesetzen – den Nutzern bereitgestellt.

Den Kern der Sammlungen bildet das frühere Archiv der FDP-Bundesparteileitung, das 1968 von der Friedrich-Naumann-Stiftung erworben wurde. Später kamen die Unterlagen zahlreicher Landesverbände hinzu. Verwahrt werden im ADL auch die Unterlagen der FDP-Bundestagsfraktion sowie vieler liberaler Landtagsfraktionen. Im Jahr 1991 wurde das Zentralarchiv der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) der DDR in das Gummersbacher Archiv gebracht. Es wird seitdem als Depositum der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO) vom Archiv des Liberalismus betreut und erschlossen.

Weiterhin findet man in Gummersbach Unterlagen der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, verschiedener liberaler Vorfeldorganisationen in Deutschland (u.a. der Jungen Liberalen und der Liberalen Frauen), aber auch der Liberalen Internationalen und liberaler Persönlichkeiten. So werden hier wichtige Nachlässe liberaler Politiker, u. a. von ehemaligen Bundestagsabgeordneten, verwahrt, wie diejenigen des ehemaligen Bundesjustizministers Thomas Dehler, des Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff, des langjährigen FDP-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Mischnick oder der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Liselotte Funcke. Auch sogenannte Vorlässe finden sich im ADL, so u.a. von Hans-Dietrich Genscher, Walter Scheel oder Gerhart Baum. Durch die Erweiterung des Archivs auf Bestände europäischer liberaler Organisationen, insbesondere der European Liberal, Democrat and Reform Party (ELDR) seit 1998, erfolgte im Jahre 2001 eine Umbenennung des „Archivs des Deutschen Liberalismus“ in „Archiv des Liberalismus“.

Veröffentlichungen und Aktivitäten

Das Archiv des Liberalismus engagiert sich neben der Archivarbeit auch in der historischen Liberalismus-Forschung und in der Politischen Bildungsarbeit.

Vom Archiv des Liberalismus wird das seit 1989 erscheinende „Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung“ mit herausgegeben und redaktionell betreut. Außerdem gibt das Archiv in unregelmäßigen Abständen Tagungsbände heraus[1] und betreut wissenschaftliche Editionen[2]

Einmal jährlich veranstaltet das Archiv ein Kolloquium zur Liberalismus-Forschung, auf dem der Preis der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung für herausragende Arbeiten zur Geschichte und zu den geistigen Grundlagen des Liberalismus verliehen wird.

Das Archiv des Liberalismus führt regelmäßig Kooperationsveranstaltungen mit verschiedenen Universitäten (u.a. Aachen, Gießen, Köln und Wuppertal) durch und unterhält Bildungspartnerschaften mit Schulen aus dem Oberbergischen Land (Gummersbach, Marienheide).

Leitung und Mitarbeiter

Leiter des Archivs waren Friedrich Henning (1961–1982) und Monika Faßbender (1982–2010). Seit 2011 wird das Archiv von Ewald Grothe geführt. Wissenschaftlicher Referent für die historische Liberalismus-Forschung ist Jürgen Frölich. Im Archiv sind neben den Historikern, Akten- und Medienarchivaren, technische Mitarbeiterinnen und Auszubildende tätig.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Zuletzt: Ewald Grothe/Ulrich Sieg (Hrsg.): Liberalismus als Feindbild, Göttingen 2014.
  2. Zum Beispiel die Editionen der Aufzeichnungen des FDP-Politikers Wolfgang Schollwer.

Weblinks


Kategorien: Liberalismus | Archiv (Nordrhein-Westfalen) | Gummersbach

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