Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen - LinkFang.de





Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen


Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen

Daten
Ort Oerlinghausen
Art Freilichtmuseum
Eröffnung 1936
Besucheranzahl (jährlich) 30.000
Leitung Karl Banghard junior / Roeland Paardekooper
Website http://www.afm-oerlinghausen.de/
ISIL DE-MUS-174512

Das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen (Kurzform AFM Oerlinghausen) ist ein archäologisches Freilichtmuseum in Oerlinghausen im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe in Deutschland.

Das Museum wurde 1936 von Hans Reinerth an dem zwischen der Senne und dem Teutoburger Wald liegenden bewaldeten Barkhauser Berg als "Germanengehöft" gegründet.[1] Es wird von einem Verein betrieben, der von der Stadt Oerlinghausen und dem Landesverband Lippe unterstützt wird.

Ausstellungsbereiche

Auf einer Fläche von etwa 1,5 ha werden nach archäologischen Befunden rekonstruierte Anlagen menschlichen Lebens und Wohnens von der Altsteinzeit bis zum Frühmittelalter gezeigt. Zu den Rekonstruktionen gehören unter anderen Lagerplätze eiszeitlicher Rentierjäger um 10.000 v. Chr, steinzeitliche, bronzezeitliche und eisenzeitliche Wohnstallhäuser.

Das Prunkstück des Museums ist die Rekonstruktion eines sächsischen Langhauses nach Befunden aus dem 7. Jahrhundert n. Chr., das 2008 fertiggestellt wurde. Einige der zum Teil schon vor mehreren Jahrzehnten rekonstruierten Gebäude entsprechen aufgrund ihres Alters nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand. Bei Umbaumaßnahmen und Neubauten wurden jedoch immer wieder die aktuellen Forschungsergebnisse genutzt, um das Aussehen der Gebäude dem aktuelleren Wissensstand anzugleichen. Einige der Gebäude haben ihre, von der Altertumswissenschaft angenommene, Lebensdauer bereits lange überschritten und deuten an, dass die Nutzungszeiten prähistorischer Gebäude länger sein könnte als bisher angenommen.

Seit 1986 ist das Museum bestrebt, in den einzelnen Zeitabschnitten auch die typische natürliche Vegetation und entsprechende Nutzpflanzen anzubauen. Eine kleine Attraktion sind die Rückzüchtungen mittelalterlicher Weideschweine, die in den historischen Bedingungen angepassten Gehegen gehalten werden.

Geschichte

Das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen geht zurück auf ein "Germanengehöft", das nach dem Fund des Teils einer Siedlung aus der Zeit um Christi Geburt durch Hermann Diekmann 1932 entstand. Zur 900-Jahr-Feier der Stadt 1936 sollte die Siedlung wieder aufgebaut werden. Als wissenschaftlicher Leiter der Einrichtung konnte 1936 Hans Reinerth gewonnen werden. Die Wiederherstellung des Gehöfts bestehend aus Wohnhaus und wandlosem Dachhaus, das als Schmiede und Töpferwerkstatt diente, wurde durch Christian Murr übernommen. Die Anlage wurde 1946 durch die örtlichen Instanzen abgerissen.[2] 1961 wurde der Wiederaufbau durch dieselben Akteure möglich. Das Gehöft war nun als "Cheruskergehöft" bekannt, was auf die Beschäftigung des Hauses mit den Germanen verweist. Nun wurden acht anstelle von zwei Gebäuden errichtet: ein Herrenhaus, ein Altenteilhaus, ein Gästehaus, eine Werkstatt mit Töpferei und Schmiede, ein Webhaus und eine Hirtenhütte sowie ein Kuh- und ein Ziegenstall. Diese Rekonstruktion war nicht durch archäologische Funde belegt und orientierte sich an dem Bild des deutschen Bauern aus dem 19. Jahrhundert.[3] 1974 brannte das Cheruskergehöft nieder. Das Museum wurde anschließend bis 1979 wiedererrichtet. Es führt sich auf den Beginn 1936 zurück und ist somit das älteste Freilichtmuseum in Deutschland, welches sich mit der Geschichte der Germanen auseinandersetzt.

Verein

Träger des Museums ist der Verein Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen e. V. Er wird finanziell im Umfang von jährlich 190.000 Euro (2012) von der Stadt Oerlinghausen und dem Landesverband Lippe unterstützt. Der Landesverband Lippe kündigte den Kooperationsverband zum Ende des Jahres 2014 mit dem Ziel der Reduzierung seines Zuschusses.[4]

Leitung

Der Leiter des Museums, Karl Banghard junior, ist Sohn des Heimatforschers und Journalisten Karl Banghard senior aus Flehingen.

Banghard engagierte sich öffentlichkeitswirksam im Umfeld [5] des Streits um die Reenactmentgruppe Ulfhednar. 2007 wurde erhebliche Kritik am häufigen Engagement der Gruppe durch archäologische Museen und Institutionen laut, unter anderem wegen übertriebener und ahistorischer Wolfsangel- und Hakenkreuzdarstellungen und eines so transportierten verzerrten Geschichtsbildes. Banghard trug zu dem Vorfall unter dem etwas ironischen Titel "Unter dem Häkelkreuz" [6] bei und thematisierte dies zudem bei Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen.

Laut Banghard suchen die meisten Besucher im Museum nicht unbedingt fachliche Information. Eine mögliche Motivation, ein Museum zu besuchen, bestünde einem Feature des Deutschlandradios zufolge[5] auch in Gegenweltbedürfnissen, motiviert aus einer Mischung aus Esoterik und Interesse an einer mythischen Vorzeit. Banghard zufolge seien Freilichtmuseen Dienstleister auf dem Bildungs- und Unterhaltungsmarkt, die sich selbst finanzieren müssten. Es ginge ihm bei der Museumsarbeit um den Alltag und die Umwelt der Menschen und auch darum aufzuzeigen, wie Identitäten zusammengezimmert würden[5].

Seit Anfang Oktober 2013 ist Karl Banghard für einen Forschungsauftrag freigestellt und entwickelt ein neues Konzept für das Archäologische Freilichtmuseum. Bis zu dessen Abschluss wird Roeland Paardekooper als Stellvertreter die tägliche Leitung des Museums wahrnehmen.[7]

Angebote

Schwerpunktmäßig ausgerichtet ist das Angebot des Museums auf Kinder und Jugendliche. Entsprechende museumspädagogische Erlebnis- und Aktionsbetreuungen werden angeboten. Für Erwachsene werden vielfältige historische Informationen bereitgehalten. Bekannt ist das AFM Oerlinghausen auch für sein umfangreiches Seminarprogramm, z. B. zu den Themen „Bogenbau“ oder „Färben mit Pflanzenfarben“ und durch verschiedene Veranstaltungen wie die „Steinzeittage“, „Franken und Sachsen“, „Römer und Germanen“ oder „Die Wikinger kommen“.

Literatur

  • Claus Ahrens: Wiederaufgebaute Vorzeit. Archäologische Freilichtmuseen in Europa, Neumünster 1990, ISBN 978-3529018381.
  • Karl Banghard junior: Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen – kompakt. Archäologisches Freilichtmuseum, Oerlinghausen 2006, ISBN 978-3-926933-02-7.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ahrens, Claus: Wiederaufgebaute Vorzeit. Archäologische Freilichtmuseen in Europa, Neumünster 1990, S. 21.
  2. Ahrens, Claus: Wiederaufgebaute Vorzeit. Archäologische Freilichtmuseen in Europa, Neumünster 1990, S. 21.
  3. Ahrens, Claus: Wiederaufgebaute Vorzeit. Archäologische Freilichtmuseen in Europa, Neumünster 1990, S. 22.
  4. Lippische Landes-Zeitung vom 14. Dezember 2012: Archäologisches Freilichtmuseum: Landesverband kündigt Vereinbarung , abgerufen am 20. Oktober 2013
  5. 5,0 5,1 5,2 2. Juli 2008. Germanen, Götter und Gelehrte. Living History und die Suche nach Identität. Deutschlandradio. Von Rolf Cantzen
  6. Karl Banghard, Unter dem Häkelkreuz, Germanische Living History und rechte Affekte: Ein historischer Überblick in drei Schlaglichtern, in Hans-Peter Killguss: Die Erfindung der Deutschen. Rezeption der Varusschlacht und die Mystifizierung der Germanen, Verlag NS-Dokumentationszentrum, Köln 2009, 56 Seiten; ISBN 978-3-938636-12-1. Mit Beiträgen von Professor Reinhard Wolters, Dr. Tilmann Bendikowski, Dirk Mellies, Michael Fehrenschild, Karl Banghard, Alexander Häusler, Jan Raabe, Dr. Michael Zelle.
  7. Mitarbeiter des Museums , abgerufen am 13. Januar 2016

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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