Arabische Welt - LinkFang.de





Arabische Welt


Der Begriff arabische Welt (arabisch العالم العربي, DMG al-ʿālam al-ʿarabī) bezeichnet eine Region in Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel. Staaten mit einer mehrheitlich arabischen Kultur sind Teil der arabischen Welt.

Der Begriff ist trotz seiner vielfachen Verwendung nicht exakt definiert (deshalb meistens Kleinschreibung bei arabische). Es lassen sich mehrere Kriterien anwenden, um die Zugehörigkeit zur arabischen Welt zu definieren: die Dominanz der arabischen Sprache (sprachliches Kriterium), der Einfluss des Islam (religiöses Kriterium) und schließlich die Mitgliedschaft in der Arabischen Liga (politisches Kriterium).

Geografische Einteilung der arabischen Staaten

Die nordafrikanischen Staaten an der Atlantik- und der Mittelmeerküste, die erst in späterer Zeit arabisiert wurden und noch mehr oder weniger starke Traditionen anderer Völker (Berber, Tuareg) aufweisen:

Die Nil-Staaten mit antiker Ackerbautradition:

Die Staaten am Horn von Afrika, die bereits seit frühester Zeit über intensive Verbindungen nach Südarabien verfügten:

Die Staaten am Arabischen Meer bzw. Süd- und Zentralarabiens:

Die Staaten der Levante bzw. Nordarabiens:

Sprachliches Kriterium

Nach dem sprachlichen Kriterium entspricht die arabische Welt einer Gruppe aus 24 Staaten von Mauretanien im Westen bis zum Sultanat von Oman im Osten und 2 nicht souveränen Gebieten. Die Ausbreitung des Arabischen ist weitgehend auf die Geschichte der Ausbreitung des Islam im 7. Jahrhundert zurückzuführen. Allerdings ist das sprachliche Kriterium nicht ausreichend, um die arabische Welt zu betrachten. Einige Länder, in denen Arabisch gesprochen wird, gelten weiterhin in der Regel nicht als Teil der „arabischen Welt“, darunter Malta, Israel, Somalia, Dschibuti, Eritrea und der Tschad.

Die folgende Liste führt 26 souveräne Staaten und nicht souveräne Gebiete auf, in denen die arabische Sprache gesprochen wird. Länder mit einer arabischen Mehrheit werden farblich hervorgehoben. Die Vereinigten Arabischen Emirate werden in der Regel als Teil der arabischen Welt angesehen, obschon die Araber dort in der Gesamtbevölkerung die Minderheit stellen. In der Tabelle werden deshalb dort die ausländischen Bürger ausgenommen.

Liste von Staaten und nicht souveränen Gebieten, in denen Arabisch gesprochen wird
Land Hauptstadt Fläche
(in km²)
Einwohner
(in Mio.)
Anteil an
arabischer Ethnie
Anteil an
arabischen Sprechern
Agypten Ägypten Kairo 1.001.449 83,08 97 % k.A.
Algerien Algerien Algier 2.381.741 31,84 98 % 98 %
Bahrain Bahrain Manama 711 1,04 k.A. k.A.
Dschibuti Dschibuti Dschibuti 23.200 0,51 ca. 5 % k.A.
Eritrea Eritrea Asmara 121.144 5,02 k.A. k.A.
Irak Irak Bagdad 434.128 28,94 75–80 % 75–80 %
Israel Israel Tel Aviv bzw. Jerusalem 22.380 8,00 20,1 % k.A.
Jemen Jemen Sana'a 536.869 25,41 97 % 97 %
Jordanien Jordanien Amman 89.342 6,34 99,2 % 99,2 %
Katar Katar Doha 11.606 1,69 45 % 45 %
Komoren Komoren Moroni 1.862 0,75 k.A. k.A.
Kuwait Kuwait Kuwait-Stadt 17.818 2,75 ca. 40 % ca. 40 %
Libanon Libanon Beirut 10.452 4,52 95 % 95 %
Libyen Libyen Tripolis 1.775.500 6,31 90 % 90 %
Marokko Marokko Rabat 446.550 32,60 90 % 90 %
Mauretanien Mauretanien Nouakchott 1.030.700 3,44 ca. 70 % ca. 70 %
Oman Oman Maskat 309.500 3,15 k.A. k.A.
Palastina Autonomiegebiete Palästinensische Autonomiegebiete (nicht souveränes Gebiet) Gaza / Ramallah ca 6.300, ohne Gebiete der Zone C 4,33 ca. 83 % k.A.
Saudi-Arabien Saudi-Arabien Riad 2.240.000 27,01 90 % 90 %
Somalia Somalia Mogadischu 637.657 13,18 ca. 1 % k.A.
Sudan Sudan Khartum 1.886.068 30,89 ca. 70 % ca. 70 %
Syrien Syrien Damaskus 185.180 17,83 k.A. k.A.
Tschad Tschad N’Djamena 1.284.000 10,32 9 % 26 %
Tunesien Tunesien Tunis 163.610 10,78 98 % 98 %
Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate Abu Dhabi 83.600 5,47
(davon weniger als 20 % Staatsbürger)
70 % (von den Staatsbürgern) k.A.
Westsahara Westsahara (nicht souveränes Gebiet) El Aaiún 266.000 0,54 über 98 % Araber bzw. arabisierte Berber k.A.

Religiöses Kriterium

Verwandt ist der Begriff mit der islamischen Welt. Die Araber sind in der islamischen Welt in der Minderheit, obwohl der Islam aus Arabien stammt und auf Arabisch tradiert und gepredigt wird.

Arabertum definiert sich unabhängig von der Religionszugehörigkeit: Araber können Muslime sein, aber auch Christen sowie Atheisten. Im Libanon weisen ganze Regionen (etwa die drei Regierungsbezirke Kesrouan, Metn und Jabal Lubnan (Mont Liban)) eine geschlossene arabisch-christliche Bevölkerungsstruktur auf, bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts stellten sie dort sogar die Bevölkerungsmehrheit.

Der Panarabismus ist das Rekrutierungsfeld des Islamismus, der aber ideologisch andere Ziele verfolgt als der nationalistische Panarabismus und der im Gegensatz zu diesem das christliche Element der arabischen Welt negiert und dessen autochthonen Charakter leugnet. In der panarabischen Bewegung waren überdurchschnittlich viele Araber aus christlichen Familien aktiv, neben Michel Aflaq (syrischer Gründer der Baath-Partei) und Elias Farah (syrisch-irakischer Baath-Ideologe) zum Beispiel der 1949 im Libanon hingerichtete SSNP-Gründer Antun Saada, der 2005 ermordete libanesische KP-Generalsekretär George Hawi und (marxistische) PLO-Führer wie George Habasch.

Politisches Kriterium

Hauptartikel: Watan

Der Begriff kann zum einen die Gesamtheit der Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga (und ihrer Bewohner), zum anderen das zusammenhängende Siedlungsgebiet der Araber beziehungsweise das al-watan al-arabi / الوطن العربي / al-waṭan al-ʿarabī / ‚Arabisches Vaterland‘ bezeichnen.

Die beiden Begriffe sind nicht identisch, da es sowohl arabische Minderheiten in Ländern gibt, die nicht Mitglied der Arabischen Liga sind (wie der Türkei und dem Iran oder Israel), als auch Mitgliedsstaaten, die keine eindeutige arabische Bevölkerungsmehrheit besitzen, so etwa Somalia, Dschibuti oder die Komoren. Zum Arabischen Vaterland zählen Nationalisten aber meistens auch die iranische Provinz Chuzestan, den Sandschak Alexandrette (İskenderun), die Westsahara und Eritrea, obwohl diese Gebiete nicht zur Liga gehören. Zumindest aus libyscher Sicht zählt auch Malta zur arabischen Welt.

Politisch gibt es in der arabischen Welt den gemeinsamen Traum einer in einem Staat vereinten arabischen Nation. Alle bisherigen Einigungsversuche des Panarabismus sind aber erfolglos geblieben. Bekannte panarabische Vordenker und Führer der Neuzeit sind Michel Aflaq, Gamal Abdel Nasser und Muammar al-Gaddafi, aber auch die PLO sieht sich als Speerspitze der arabischen Einigungsbewegung in dem Gedanken, dass die palästinensische Revolution der Auslöser der arabischen Revolution sein könnte. Nicht zuletzt wegen dieser Auffassung ist der Nahostkonflikt nicht nur für Israel prägend, sondern bewegt regelmäßig die arabischen Massen.

Die Arabische Liga ist ein Verbund arabischer Staaten, wurde am 22. März 1945 in Kairo gegründet und besteht aus 22 Mitgliedstaaten.

Wirtschaftliche und soziale Situation

Die meisten arabischen Staaten sind Schwellenländer oder Entwicklungsländer. Ausnahmen bilden Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate, die heute Industrieländer mit allerdings sehr wenig diversifizierter Branchenstruktur sind, weil sie stark auf Erdölexporte angewiesen bleiben. Die Erdölressourcen begründen auch die geopolitische Bedeutung der Region, in der sich früher England und seit der iranischen Revolution die USA immer mehr militärisch engagieren. Diese Abhängigkeit vom Öl ist mit für die Verzögerung bei der Entwicklung einer diversifizierten Branchenstruktur verantwortlich (sog. Ressourcenfluch). Es gibt zwar einen hohen Anteil von Klein- und Kleinstunternehmern, die jedoch zum großen Teil auf traditionellen Geschäftsfeldern tätig sind. Die Rate der Neugründungen liegt (außer in Qatar und Marokko) unter dem weltweiten Durchschnitt.[1] Frauen sind weit unterdurchschnittlich am Gründungsgeschehen beteiligt, was sich nur langsam ändert,[2] Eine überwiegend patriarchalische Gesellschaftsstruktur behindert die Beteiligung von Frauen am ökonomischen Leben.[3] Große Staatsfonds wie ADIA in Abu Dhabi dominieren große Bereiche der Wirtschaft und behindern private Initiativen.

In den Ländern des Nahen Ostens ist die Wirtschaft laut Weltbank zwischen 2000 und 2006 um durchschnittliche 5,31 Prozent pro Jahr gewachsen. Das Bruttonationaleinkommen aller 22 Länder der Arabischen Liga lag 1999 bei 631,2 Milliarden Dollar. Im Jahr 2006 stieg das Bruttosozialprodukt auf 1.585.14 Milliarden Dollar. Saudi-Arabien hat das größte Bruttoinlandsprodukt der arabischen Welt.

Literatur

Siehe auch

 Portal: Arabische Welt – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Arabische Welt

Weblinks

 Wikinews: Portal:Arabische Welt – in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. Zu den Ursachen siehe z. B. GEM-Länderbericht 2008 für Ägypten , S. IX.
  2. Women’s Empowerment (Memento vom 4. Juli 2010 im Internet Archive) Aktivitäten des UNDP, abgerufen am 4. Oktober 2012
  3. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit , abgerufen am 11. Januar 2016

Kategorien: Kulturraum | Region in Afrika | Region in Asien

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Arabische Welt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.