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Apotheker ohne Grenzen


Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V.
Gründung 2000
Sitz München EW =)

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Aktionsraum weltweit
Schwerpunkt pharmazeutisch-medizinische Hilfe
Methode Aufklärung, Einsatz, Hilfe
Angestellte weltweit in vielen Projekten
Website www.apotheker-ohne-grenzen.de

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. (AoG) wurde ursprünglich als nationale Vertretung von Pharmaciens Sans Frontières im Jahre 2000 gegründet. Innerhalb von 16 Jahren ist der Verein mit über 1400 Mitgliedern nicht nur die größte Sektion der Bewegung geworden, sondern hat sich auch als fester Bestandteil im Orchester der medizinischen Hilfsorganisationen etabliert. Der Verein arbeitet weltweit und setzt sich sowohl im Bereich der langfristigen Entwicklungskooperation als auch der kurzfristigen humanitären Hilfe für Menschen in Not ein.

Mitglieder sind v.a. Beschäftigte, Studenten und Auszubildende im pharmezeutisch-medizinischen Bereich, die Personal im Umgang mit Medikamenten schulen, Logistikwege für Medikamente von gesicherter Qualität etablieren und weltweit ihr pharmazeutisches Knowhow einbringen. Darüber hinaus engagieren sich Unterstützer auch aus anderen Berufsgruppen. Zurzeit sind Apotheker ohne Grenzen in Argentinien, Deutschland, Demokratische Republik Kongo, Mexiko, Nepal, auf den Philippinen, an der syrischen Grenze der Türkei und in Ostafrika (Tansania, Kenia) tätig.

Ursprung

Apotheker ohne Grenzen ist die deutsche Übersetzung des Namens der Hilfsorganisation Pharmaciens sans frontières, die 1985[1] in Frankreich nach dem Vorbild der Ärzte ohne Grenzen gegründet wurde. Nachdem in mehreren Ländern dem Vorbild aus Frankreich gefolgt und nationale Organisationen gegründet wurden, wurde der Dachverband Pharmaciens sans frontières Comité International (PSFCI) installiert. Dieser koordiniert nicht nur die Operationen der Nationalverbände, sondern führt auch eigentätig Projekte durch. Alle Partnerorganisationen haben sich verpflichtet, die internationale Charta[2] der PSF-Gruppe zu respektieren.

Aufbau und Organisation

Die laufenden Geschäfte werden von der Geschäftsstelle in München koordiniert. Dort arbeiten 7 hauptamtlich Beschäftigte. Dieser wird regelmäßig von einem 7-köpfigen Vorstand kontrolliert. Ein Großteil der Tätigkeit wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen, die momentan in 10 verschiedenen Regionalgruppen organisiert sind[3]. Auf der jährlich stattfindenden Mitgliederversammlung als oberstes beschlussfassendes Vereinsorgan[4] werden die wesentlichen Aufgaben und Ziele festgelegt. Um die vielfältigen Aufgaben bewältigen zu können arbeiten Apotheker ohne Grenzen mit zahlreichen Partnerorganisationen zusammen.[5][6].

Ziele

Ziel aller Aktivitäten ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern. Dabei orientieren sich Apotheker ohne Grenzen Deutschland am konkreten Bedarf ihrer lokalen Projektpartner und den Gegebenheiten vor Ort. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit sind:

Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit

AoG stellt hochwertige pharmazeutische Versorgung in der Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sicher. Dabei orientieren sie sich immer am konkreten Bedarf vor Ort und arbeiten eng mit lokalen Projektpartnern zusammen.

Arzneimittel

Sie unterstützen Gesundheitsstationen mit Arzneimitteln geprüfter Qualität entsprechend den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation zu essenziellen Arzneimitteln (Essential Drug List[7]).

Schulungen (Aus- und Weiterbildung)

In den Projektländern fördert AoG die Ausbildung pharmazeutischen Personals und organisiert Schulungen, beispielsweise zu Hygiene oder zur Organisation eines Medikamentenlagers. In Deutschland führt AoG regelmäßige Schulungen für interessierte Mitglieder durch, in denen potenzielle Einsatzkräfte in die Grundlagen der humanitären Arbeit für Pharmazeuten eingeführt werden. Außerdem führt AoG pharmazeutische Schulungen für Partnerorganisationen durch.

Öffentlichkeitsarbeit/Aufklärung

AoG engagiert sich gegen Arzneimittelfälschungen (z. B. im Projekt IMPACT[8] der WHO) und informiert über eine gute Arzneimittelspendenpraxis.

Leitsätze

AoG

  • ist den Grundsätzen des Verhaltenskodex der Humanitären Hilfe verpflichtet und hilft unabhängig von Religion, Hautfarbe und Nationalität.
  • klärt über Missstände auf und setzt sich für das Recht auf Gesundheit ein.
  • legt Rechenschaft ab gegenüber Empfängern, Spendern und Öffentlichkeit.
  • hält internationale Standards ein und trägt zu deren Weiterentwicklung bei.
  • arbeitet mit qualifiziertem Personal und stellt dessen Aus- und Weiterbildung sicher.
  • wird getragen vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder.
  • arbeitet auf allen Ebenen partnerschaftlich.
  • handelt bedarfsgerecht, pragmatisch und wirkungsorientiert.

Chronik

Ihren pharmazeutischen Sachverstand für Menschen in Not einzusetzen war das Ziel der 37 Apotheker, die im Jahr 2000 den Verein Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. ins Leben riefen. Den Impuls zur Vereinsgründung gab der in Mexiko tätige deutsche Apotheker Thomas Scior.

2001 betreuten die AoG die Hilfsapotheke im Kloster Barticesti in Rumänien. Bald darauf wurden die nächsten Projekte ins Leben gerufen: Patientenversorgung in Mexiko, Bau eines Gesundheitszentrums in Argentinien sowie Einkauf von Arzneimitteln für Tansania. Bei allen handelt es sich um langfristige Projekte, deren Intention die Verbesserung von Strukturen in der Gesundheitsversorgung ist.

Der erste Notfalleinsatz galt den Opfern des Erdbebens in Indien 2001. Nach dem Tsunami im Dezember 2004 wechselten sich zahlreiche Teams mit ehrenamtlich arbeitenden Pharmazeuten an den Küsten Sri Lankas ab. Maßnahmen zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur des Landes folgten.

Pharmazeutisches Knowhow ist nicht nur für die Versorgung der Patienten mit Medikamenten gefragt, sondern auch für die Entsorgung von Arzneimittelspendenmüll. 2006 mussten beispielsweise nach dem Erdbeben in Indonesien 50 Tonnen unbrauchbare Medikamente fachgerecht entsorgt werden; 2008 wurden in Myanmar bereits abgelaufene Arzneimittel entsorgt.

AoG engagiert sich in langfristigen Projekten und blickt auf vielfältige Erfahrungen in der Nothilfe zurück. Notfalleinsätze fanden unter anderem in Haiti (2008, 2010), Kenia (2008, 2011), Pakistan (2005) und Sri Lanka (2004) statt [9].

Notfalleinsätze seit 2012

Balkan (Hochwasser)

Der Verein hat den Opfern des verheerenden Hochwassers auf dem Balkan (Mai 2014) geholfen, indem sie essentielle Arzneimittel für die besonders betroffenen Orte Odžak in Bosnien-Herzegowina sowie Obrenovac, Paracin, Smederevsna Palanka, Krupanj, Lazarevac und Veliki Crljani in Serbien bereitgestellt haben. Dabei haben sie mit serbischen Apothekern zusammengearbeitet.

Liberia (Ebola)

Gemeinsam mit dem Medikamentenhilfswerk Action medeor haben die AoG 2014 wichtige Hilfsmittel wie Schutzanzüge, Brillen, Atemmasken, Überschuhe, Thermometer und auch Medikamente in die Gerlib Clinic in der liberianischen Hauptstadt Monrovia geschickt, um gegen die sich rasch ausbreitende Ebola-Epidemie zu helfen. Das gesamte Gesundheitssystem Liberias droht unter der Last der Ebola zusammenzubrechen. Viele Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen im Land mussten geschlossen werden oder sind völlig überlastet, Schwangere und Menschen mit vor Ort häufig vorkommenden Krankheiten wie Malaria finden kaum Hilfe. Die Gerlib Clinic konnte inzwischen ihren regulären Betrieb wieder aufnehmen.

Philippinen (Taifun Haiyan)

Anfang November 2013 verwüstete der Taifun Haiyan große Teile der Philippinen. Nachdem die philippinische Regierung einen internationalen Hilfeaufruf erlassen hatte, entschieden sich AoG und die bayerische Hilfsorganisation Navis e. V. im November 2014 für einen gemeinsamen Einsatz. Nachdem das Fact Finding Team die Lage vor Ort sondiert und einen Einsatzort gefunden hatte, wurde mit dem ersten Team Medikamente, darunter ein von AoG beschafftes Interagency Emergency Health Kit und eine Trinkwasseraufbereitungsanlage in den Einsatz entsandt. Das Team baute eine ambulante Klinik auf, um die Basisgesundheitsversorgung der Bevölkerung zu sichern und Verletzungen, die durch den Sturm und die Aufräumarbeiten ergeben haben, zu behandeln. Zusätzlich versorgte ein Team aus Navis-Ärzten und einem AoG-Apotheker Patienten in abgelegenen Gebieten mit einer mobilen Klinik.. Neben der gesundheitlichen Versorgung stellten die Einsatzteams der Bevölkerung Trinkwasser zur Verfügung, führten Reparaturen an der Kirche durch, entrümpelten die Schule, gaben ihr wieder ein provisorisches Dach und halfen an vielen Ecken, die Infrastruktur wieder aufzubauen.

Darüber hinaus begann der Verein im November 2014 mit den German Doctors eine neue Kooperation auf den Philippinen. Apotheker ohne Grenzen unterstützen die German Doctors, die sich bereits seit 1983 in mehreren Projekten im Land bei der Optimierung ihres Lagermanagements und der Arzneimittelbeschaffung engagieren.

Deutschland (Flüchtlingshilfe)

Viele Flüchtlinge benötigen eine schnelle Gesundheitsversorgung, doch vor allem bei den noch nicht-registrierten Flüchtlingen fehlte eine schnelle Übernahme der medizinischen und pharmazeutischen Kosten. Ab September 2015 dockt AoG deshalb Apotheker/innen an die ehrenamtlich arbeitenden Gesundheitsteams in den Erstaufnahmeeinrichtungen an, vor allem in Berlin und Rostock. Die ehrenamtlich tätigen Apotheker/innen kümmern sich u. a. um die Arzneimittelbeschaffung, -beratung und -logistik, das Erstellen von Basisarzneimittel-Listen, die Information zu korrekten Arzneimittelspenden unter Einhaltung der geltenden Gesetze.

Deutschlandweit haben bis zu 20 AoG-Kollegen/innen und 5 Mitarbeiter der AoG-Geschäftsstelle in der Flüchtlingshilfe mitgearbeitet. Allein in Berlin waren 14 Kollegen/innen ad honorem in bis zu 20 Notunterkünften aktiv.

Bis März 2015 wurden von AoG Arzneimittelspenden finanziert bzw. gezielte Medikamentenspenden aus der Industrie organisiert und untergebracht im Wert von ca. 60.000 € (Verkaufspreis der Apotheke, da rezeptpflichtige Arzneimittel preisgebunden sind).

Langfristige Projekte

Argentinien

Die vielseitige Hilfe der AoG in Argentinien wurde 2002 als Folge der Wirtschaftskrise gestartet: In verschiedenen Slums stehen die Versorgung mit Arzneimitteln, der Bau funktionsfähiger Apotheken in Gesundheitszentren in Elendsvierteln, umfangreiche Renovierungsarbeiten der Gesundheitszentren, Zahnhygieneprojekte für Kinder, Detektion und Behandlung der Chagas-Krankheit (amerikanische Schlafkrankheit), sowie Präventionsarbeit, Schulungen und Ausbildung im Gesundheitsbereich auf dem Programm.

Die Wirtschaftskrise von 2002 hat Argentinien radikal verändert. Viele Bürger der Mittelschicht fanden sich plötzlich ohne Erspartes und ohne Arbeit wieder. Die wirtschaftliche Erholung der darauf folgenden Jahre erreichte die ärmeren Schichten nicht: Die Slums wachsen seit Jahren.

Das öffentliche Gesundheitssystem der Provinz Buenos Aires hat massive Schwierigkeiten: Ende Februar 2008 wurde es vom damaligen Gouverneur als „administrativer Notfall“ eingestuft. In den öffentlichen Krankenhäusern und in den Gesundheitszentren der Armenviertel fehlen seit Jahren Fachpersonal, Arzneimittel und Ausrüstung.

Im Distrikt „General San Martin“ in der Provinz Buenos Aires leben mehr als 100.000 Menschen in Slums. Fast die Hälfte der Bevölkerung hat nicht mehr als sieben Jahre die Schule besucht und damit Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Mehr als zwei Drittel haben keine Krankenversicherung. Trinkwasseranschlüsse sind improvisiert. Probleme mit der Abwasser- und Müllentsorgung sind an der Tagesordnung. Drogenhandel und Beschaffungskriminalität haben die Slums und den Distrikt unsicher gemacht.

Seit 2008 unterstützen die AoG das Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala im Bezirk San Martín mit Arzneimitteln und einem ehrenamtlichen Team von sieben Apothekerinnen. Seit 2010 wurden Programme für chronisch Kranke aufgebaut, weil die Kosten ihrer Medikamente bzw. die Folgeschäden bei Nicht-Behandlung die Familien sehr stark belasten. Da viele Einwohner aus dem Norden des Landes zugezogen sind, wo in einigen Gegenden bis zu 50 % der Menschen Chagas-positiv sind, wurde ab 2011 der Test und die Behandlung der Chagas-Infektion angeboten. Ab 2012 bauten die AoG die Projektkomponente zur Zahngesundheit stark aus, da schon Kleinkinder aufgrund der zuckerreichen Ernährung zerstörte Milchzähne haben. Dafür erhielten sie eine Förderung der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte.

Die jahrelange Arbeit der AoG wurde mehrfach anerkannt, so wurde zum Beispiel 2009 das Zahnhygieneprojekt des Gesundheitszentrums Nr. 16 auf dem argentinischen Nationalkongress der Allgemeinärzte als „beste interdisziplinäre Arbeit“ ausgezeichnet, 2011 erhielt eine Arbeit, in der die Arzneimittelabgabe in Slums ohne bzw. mit Apotheker über 12 Monate verglichen wurde, auf dem Argentinischen Apothekerkongress den 1. Preis und 2015 wurden Ergebnisse der Arbeit der Apotheker ohne Grenzen in Slums von Buenos Aires auf dem World Congress of Pharmacy in Düsseldorf vorgestellt.

Deutschland

Seit 2013 unterstützt die Organisation den Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland e. V.“ und die medizinischen Ambulanzen des Wohnungslosenarztes Prof.Dr.med Gerhard Trabert auf der Mainzer Zitadelle und in einem Arztmobil. Mehrere Fachärzte verschiedener Disziplinen versorgen dort ehrenamtlich wohnungslose und allgemein hilfsbedürftige Menschen in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens, den Krankenkassen, der Arbeitsverwaltung und Institutionen der Politik. Seit dem Ende des Jahres 2015 werden auch Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge betreut.

Apotheker ohne Grenzen beraten das Ärzte- und Schwestern-Team bei der Auswahl und dem rechtskonformen Bezug der benötigten Arzneimittel. Für die relevanten Indikationsgebiete hat AoG einvernehmlich den Bedarf definiert und übersichtliche patientenorientierte Arzneimittelempfehlungen erarbeitet. Auch bei der Lagerung und Überwachung von Arzneimitteln geben Apotheker ohne Grenzen kontinuierlich Hilfestellung.

Für diese Aufgaben hat sich im Rhein-Main-Gebiet ein kleines Projektteam gebildet, das kollegial mit dem Ärzteteam organisatorisch und fachlich die Arzneimittelversorgung der Ambulanzen plant und begleitet.

Haiti

Die AoG engagierten sich mit verschiedenen Hilfsprojekten zwischen 2008 und 2013 in Haiti. Der Fokus aller Bemühungen lag darin, den Bedürftigsten einen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung und essenziellen Arzneimitteln zu ermöglichen. Nach Nothilfeeinsätzen 2008 (Hurrikan) und 2010 (Erdbeben) sowie einer Cholera-Intervention (2010–2011) engagierte sich AoG mittelfristig im Ausbau eines Gesundheitszentrums in der Stadt Léogâne, südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince.

Im Gesundheitszentrum Maria Jean von Léogâne und der integrierten Apotheke waren mehrmals im Jahr AoG Mitarbeiter vor Ort, schulten die lokalen Mitarbeiter und halfen die Medikamentenlagerung, -bestellung und auch die Patientenbetreuung noch weiter zu verbessern. Neben den Personalkosten beteiligte sich der Verein auch an den allgemeinen Betriebskosten des Zentrums, in dem jährlich etwa 17.500 Patienten versorgt werden und finanzierten den Einkauf der notwendigen Arzneimittel über Action medeor in Deutschland und lokal in Haiti.

Im Februar 2013 wurde der Neubau des Gesundheitszentrums in einer feierlichen Eröffnungszeremonie eingeweiht und bis Jahresende in einheimische Hände übergeben. Auch in der neuen Apotheke übernahm eine von AoG bezahlte und geschulte haitianische Pharmazeutin die Leitung.

Haiti ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein Nothilfeeinsatz in langfristiges Engagement wandeln kann. Aus einem humanitären Einsatz direkt nach dem verheerenden Erdbeben wurde ein Wiederaufbauprojekt mit dem Ziel, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.

Mexiko

Auch in Mexiko legt AoG großen Wert auf die Betreuung und Weiterbildung von lokalen Gesundheitsbeauftragten. In mehreren Regionen werden halbjährlich Schulungen durchgeführt und die sogenannten „Promotores de Salud“ mit essentiellen Basismedikamenten ausgerüstet, um die indigene Bevölkerung angemessen versorgen zu können.

Die abgeschiedene Lage vieler indigener Gemeinden in den Bergen zieht zahlreiche Hindernisse für die Gesundheitsversorgung nach sich: Transportwege und Straßen sind in einem schlechten Zustand. Manche Orte sind nur zu Fuß erreichbar. Die Kommunikation ist schwierig, das Telefonnetz instabil. Die Bodenerosion beschränkt den Anbau von Mais, Bohnen und Paprika auf den Eigenbedarf der Menschen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Politisch werden die Gemeinden in den Bergen vernachlässigt.

Ein Großteil der indigenen Bevölkerung lebt in ärmsten Verhältnissen: Medikamente und medizinische Betreuung können sich diese Menschen nicht leisten, die staatliche Versorgung in den ländlichen Gebieten ist unzureichend, die Wege zum nächsten Gesundheitszentrum mit medizinischem Fachpersonal sind weit und beschwerlich.

Im Herbst 2013 hatten verheerende Wirbelstürme in Mexiko die Küsten- und Bergregion insbesondere im Bundesstaat Guerrero, das Projektgebiet der AoG, schwer getroffen. Allein in den 15 von AoG und seinem Kooperationspartner Justicia y Amor betreuten Gemeinden in der Bergregion zwischen Tlapa und Ayutla de los Libres waren die Hütten von mehr als 200 Familien von den Fluten und Schlammlawinen komplett zerstört worden. Ein Team der beiden Organisationen brachte notwendige Hilfsgüter in die Gemeinden.

2014 konnten die Gruppenschulungen der Promotores de Salud zu Themen wie der Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln aus Heilpflanzen der Region und auch die individuellen Schulungen einzelner Promotores zu Basisdiagnostik und essenziellen Arzneimitteln fortgeführt werden, um vor allem die neueren Promotores in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Mit insgesamt drei Schulungen zu Themen wie Erste Hilfe, Zahnhygiene und Infektionen war das durch AoG unterstützte Programm im Jahr 2015 recht ausführlich. Neben dem zentralen Projektelement der Schulungen wurden erneut auch Basisarzneimittel an 15 Gemeinden im Bundesstaat Guerrero, sowie je eine Gemeinde in Oaxaca und Puebla geliefert.

Ein weiteres Highlight 2015 ist die Intensivierung der Zusammenarbeit mit mexikanischen Pharmaziestudenten der Universität Puebla für die gemeinsame Stärkung der Rolle der Pharmazie in der Humanitären Hilfe in Mexiko.

Moldau

Das Land verfügte zwar nach der Unabhängigkeitserklärung 1991 über ein gut ausgebildetes medizinisches Personal, es fehlten jedoch die materiellen Ressourcen wie z. B. Medikamente, medizinische Geräte und Hilfsmittel.

Bereits seit 2003 engagierte sich der Verein in diesem – zu den ärmsten Ländern Europas gehörenden – Land. In enger Kooperation mit der moldawischen NRO „Ajutor Copiilor (Hilfe für Kinder)“ wurden zahlreiche Projekte realisiert, die insbesondere der besseren medizinischen Versorgung von Kindern dienten. Unterstützt wurde der Verein dabei durch die französische NRO „Pediatres du Monde“.

Entbindungsstationen im ganzen Land wurden mit medizinischen Geräten sowie dem Vitamin K versorgt. Alle Kinderstationen des Landes wurden ebenfalls mit Geräten für die Basisversorgung (Infusionspumpen, Absaugvorrichtungen, Babywaagen, Kathetermaterial u.ä.) unterstützt. Alle Kinder die an Diabetes erkrankt waren, erhielten in einem Pilotprojekt über mehrere Jahre Glukosemessstreifen für die Eigenkontrolle. Die Augenklinik des Kinderkrankenhauses in der Hauptstadt erhielt viele Jahre Spezialmedikamente. Auch die moldawische NRO „Caritas“ erhielt über mehrere Jahre Medikamente für besonders Bedürftige.

Auf drei Frühgeborenenstationen in der Hauptstadt Chisinau wurden die hygienischen Verhältnisse durch gezieltes Training des medizinischen Personals, Anschaffung von Desinfektionsmittel und Papierhandtücher sowie den dazugehörigen Behältern und Halterungen wesentlich verbessert und damit die Reinfektionsrate der Frühgeborenen verringert. In Zusammenarbeit mit der Pharmazeutischen Fakultät der Universität Chisinau wurde in einem Pilotprojekt die Entwicklung eines landeseigenen Desinfektionsmittels unterstützt. Für dieses Projekt sowie für die Ausbildung der Studenten wurden wichtige Geräte angeschafft.

Neben der Pharmazeutischen Fakultät wurde auch eine PTA-Schule in Chisinau mit Lehrmaterial, Geräten und Chemikalien versorgt, um die Ausbildung der PTA-Schüler zu verbessern.

Nepal

Das Projektgebiet liegt im Baglung- und Parbat-Distrikt, etwa 300 km westlich der Hauptstadt Kathmandu in einer Mittelgebirgsregion. Im Baglung-Distrikt leben etwa 270.000 Menschen, im Parbat-Distrikt ca. 150.000. Ihre Lebenssituation ist durch große Armut und Entbehrungen geprägt. Die Health Worker in den Gesundheitsposten (Health Posts) sind häufig nur unzureichend ausgebildet. Die hygienischen Bedingungen und die Lagerhaltung der Medikamente liegen weit unter internationalen Standards.

Apotheker ohne Grenzen begann 2009 seine Projektarbeit im Baglung-Distrikt mit der Evaluierung und anschließenden Ausstattung der Health Posts mit den notwendigsten Hilfsmitteln, wie einer Trage, Behandlungsstühlen oder auch Autoklaven, sowie Mobiliar für die sachgerechte Lagerung der Arzneimittel. Der Verein arbeitet mit der lokalen Partnerorganisation SWAN (Social Welfare Association of Nepal) zusammen.

Um das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung im Baglung-Distrikt zu steigern, führte der Verein, teilweise gemeinsam mit der Organisation Sankalpa Foundation, die von nepalesischen Apothekern gegründet wurde, Schulungen für die Health Worker der Gesundheitsposten, sowie für Frauengruppen und ausgewählte Interessenverbände durch. In diesen „Training on the Job“-Schulungen ging es primär um die Themen Hygiene, Arzneimittellagerung, Health Awareness, fachgerechte Entsorgung von Arzneimitteln sowie „Good Dispensing Practice“. Vor Ort kümmert sich ein nepalesischer Projektmanager um die einzelnen Projekte und steht in ständigem Kontakt mit den deutschen Projektkoordinatoren.

Im Jahr 2013 hat Apotheker ohne Grenzen mit der Sankalpa Foundation das gemeinsame Projekt „Sankalpa Chronic Care Clinic Project on Hypertension, Diabetes and Asthma“ zur verbesserten Aufklärung und Betreuung chronisch Kranker in der Großstadt Pokhara abgeschlossen. Bei diesem Projekt wurden 90 Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Asthma bronchiale zehn Monate lang intensiv pharmazeutisch betreut. Das Team bestand aus zwei nepalesischen Apothekern, einer Krankenschwester, zwei Ärzten und einem Medical Assistant.

Im Jahr 2014 fand unter der Federführung von SWAN ein „Health Camp“ im Baglung Distrikt statt. Dabei wurden innerhalb von drei Tagen etwa 1.300 Menschen von verschiedenen nepalesischen Ärzten diverser Fachgebiete untersucht und behandelt. Anschließend wurden sie in der „Camp Apotheke“, in der auch zwei Mitglieder von Apotheker ohne Grenzen mitarbeiteten, mit den notwendigen Arzneimitteln versorgt.

Im April 2015 erschütterte ein großes Erdbeben den Himalayastaat. Apotheker ohne Grenzen war als eine der ersten Hilfsorganisationen vor Ort, um den Menschen nach dieser verheerenden Katastrophe zu helfen. In Bhaktapur, östlich von Kathmandu gelegen, errichtete der Verein gemeinsam mit der Organisation NAVIS eine Notfall-Klinik und Apotheke und versorgte täglich Dutzende verletzte und traumatisierte Menschen.

2016 startet das bislang größte Projekt, das in den beiden Distrikten Baglung und Parbat umgesetzt wird und in Zusammenarbeit mit dem Ministry of Health and Population entwickelt wurde. Beim STP-Programm (Standard Treatment Protocol) geht es darum, gezielte Diagnosen zu stellen und standardisierte Behandlungen mit der entsprechenden Medikation bei den entsprechenden Erkrankungen einzusetzen. Die Arzneimittel entstammen der Essential Drug List der WHO. Damit soll vermieden werden, dass Patienten falsche und zu viele Arzneimittel verordnet bekommen. Mit dem STP-Programm wird die Behandlung und Arzneimittelversorgung von mehr als 400.000 Menschen verbessert.

Kenia

Die staatliche Gesundheitsversorgung ist in vielen Teilen Kenias noch unzureichend. Es fehlt an Medikamenten, Materialien und v.a. an geschultem Personal. Private Kliniken und Ärzte können sich die wenigsten Menschen leisten. Auch Arzneimittelfälschungen und Medikamente mit minderwertiger Qualität sind ein Problem.

Seit 2011 sind die Apotheker ohne Grenzen in Kenia aktiv. Gemeinsam mit dem lokalen Partner amref health africa haben sie die pharmazeutische Kompetenz des „clinical outreach programmes“ verbessert, bei dem von Nairobi aus mehr als 30 Kliniken in Kenia angeflogen und mit Medikamenten, medizinischem Fachwissen und Sachbedarf versorgt werden. Seit 2014 führt AoG zudem gemeinsam mit amref Schulungen für Mitarbeiter aus Krankenhausapotheken in Kenia durch, um sie im Lagermanagement und dem Umgang mit Arznei- und Hilfsmitteln zu schulen. So soll sichergestellt werden, dass die knappen Ressourcen bestmöglich genutzt werden. Bisher wurden 80 Mitarbeiter aus verschiedenen Kliniken geschult.

Als zweites Projekt in Kenia unterstützt AoG das Baraka Gesundheitszentrum der German Doctors im Mathare Slum Valley. Hier werden gemeinsam mit den Apothekern sogenannte „standard operating procedures“ (SOPs) erarbeitet und Schulungen für das Klinikpersonal durchgeführt. Außerdem wird das von AoG entwickelte Warenwirtschaftssystem eingeführt.

Syrien (Bürgerkrieg)

Seit März 2011 herrscht in Syrien ein Bürgerkrieg mit verheerenden Folgen. Ende 2015 waren nach Angaben des UNHCR fast 12 Millionen Syrer in ihrem eigenen Land auf der Flucht, über 4 Millionen sind ins Ausland geflohen, vor allem in die Türkei, den Libanon und Jordanien. Die Apotheker ohne Grenzen unterstützen seit Ende 2012 eine Poliklinik an der türkisch-syrischen Grenze regelmäßig mit pharmazeutischem Sachverstand und sachgerechten Arzneimittel- und Hilfsmittelspenden. Die Polyklinik von Dr. Najjar stellt eine kostenlose medizinische Hilfe für registrierte und nicht-registrierte Flüchtlinge nahe der Grenze sicher und ermöglicht, aufgrund syrischer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine Behandlung ohne zusätzliche Sprachbarrieren. Die Mitarbeiter sind selbst syrische Flüchtlinge und arbeiten dort freiwillig. Neben der Unterstützung für die Poliklinik in Reyhanli, die mittlerweile nach Antakya umgezogen ist, gelang es AoG im Sommer 2013 zusammen mit dem Deutsch-Syrischen Verein Darmstadt, einen Transport von Arzneimitteln im Wert von 10.000 Euro, gespendet von der französischen Hilfsorganisation Tulipe, nach Aleppo zu organisieren. Die Arzneimittel gingen an Krankenhäuser im Zentrum von Aleppo.

Tansania

Seit 2008 unterstützt der Verein den Arzneimittelbezug einer Krankenstation in Hanga, Tansania. In ihrem Einzugsgebiet leben über 20.000 Menschen.

In der Rangliste des Human Development Index steht Tansania zur Zeit auf Platz 159 von 187. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch, die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 61 Jahren. Im Süden des Landes leben die Menschen auf dem Land von Rinderzucht, Ackerbau und Kleinviehhaltung. Die Erträge reichen für die eigene Ernährung, nicht aber für den Weiterverkauf. Finanzielle Mittel für Medikamente und Gesundheitsversorgung fehlen den meisten. Finanzielle Unterstützung allein reicht für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung jedoch nicht aus. Pharmazeutischer Sachverstand ist zur Lösung eines immer stärker zunehmenden Problems gefragt: Wie fast überall in Afrika sind auch die Menschen und das medizinische Personal in Hanga mit Arzneimittelfälschungen konfrontiert.

Durch die Unterstützung des Vereins ist es möglich, den Arzneimittelbedarf in der Hauptstadt Dar es Salaam bei der Niederlassung des Deutschen Medikamenten-Hilfswerks Action medeor zu bestellen. So können die Patienten mit sicheren Arzneimitteln behandelt werden. Der Verein prüft die Anforderungen von Deutschland aus und tragen die Hälfte der Kosten dieser Bestellungen.

Arzneimittelspenden

Spendenmüll vermeiden – Informationsarbeit für eine gute Arzneimittelspendenpraxis

In den so genannten Entwicklungsländern haben 50 % aller Menschen keinen Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln[10]. Die Apotheker ohne Grenzen haben es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, weltweit Arznei- und Verbandmittel zur Verfügung zu stellen. In Deutschland sind Arzneimittel in der Regel immer verfügbar, es gibt sogar einen Überschuss. Oft wird deshalb an das Spenden dieser übrig gebliebenen Medikamente gedacht. Doch mehrere Gründe sprechen dagegen.

Argumente gegen Medikamentenrecycling

  • Illegale Arzneimitteltransporte: Medikamente können nicht ohne entsprechende Dokumentation aus Deutschland ausgeführt/in andere Länder eingeführt werden
Arzneimitteltransporte, Medikamenten-Importe oder -Exporte unterliegen zu Recht strengen Anforderungen: sonst würde man ja Arzneifälschungen Tür und Tor öffnen. Arzneimittel, die aus Privathaushalten eingesammelt wurden, können deshalb auf legalem Wege nicht aus Deutschland in andere Länder gebracht werden, da für diese Medikamente nicht die benötige Dokumentation vorliegt.
  • Fehlende lokale Genehmigungen der einheimischen Gesundheitsministerien
In den Empfängerländern tragen die nationalen Gesundheitsbehörden die Verantwortung für die Arzneimittel, die in ihrem Land eingesetzt werden. Diese einheimischen Behörden müssen Medikamentenspenden wünschen und autorisieren. Dafür müssen ihnen Unterlagen zu Herkunft, Herstellung, Qualitätskontrolle, Preise etc. vorliegen. Die jeweiligen Botschaften geben Information dazu, ob Medikamentenspenden von einem Land benötigt und empfangen werden und welche Anforderungen erfüllt werden müssen (vollständige Liste der Arzneimittel, mit Etikett und Packungsbeilage in Landessprache etc.). Altarzneimittel erfüllen die üblichen Anforderungen nicht. Viele Länder geben mittlerweile auch ganz konkret an, dass sie keine Altarzneimittel nehmen.
  • Bedarfsgerechte Arzneimittel: Was die einen übrig haben, ist nicht das, was die anderen benötigen!
Der Bedarf in den Ländern, in denen Not herrscht, ist ein anderer als der in Deutschland. Es werden zum Beispiel Antibiotika, Medikamente gegen Malaria, Parasiten, Würmer oder Tuberkulose benötigt. Für die Behandlung von chronischen Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck benötigt man eine regelmäßige Versorgung mit den gleichen Wirkstoffen. Dies kann durch wechselnde und sporadisch eintreffende Arzneimittelspenden nicht sichergestellt werden. Die Erfahrung hat leider gezeigt, dass 80 bis 90 % der gespendeten „Rest“-Arzneimittel nicht dem Bedarf entsprechen und aufwändig entsorgt werden müssen. Die Entsorgung von Arzneimüll ist teuer: sie kostet knapp 2.000 € pro Tonne! Für dieses Geld könnten gezielt die richtigen Medikamente gekauft werden.
  • Unbekannte oder sogar verbotene Wirkstoffe: in Deutschland übliche Arzneimittel sind in anderen Ländern nicht bekannt oder sogar verboten
80 % der Länder arbeiten mit relativ wenigen Basisarzneimitteln, den sogenannten „essentiellen Arzneimitteln“. Das bedeutet, dass das Gesundheitspersonal viele der in Deutschland übrig gebliebenen Medikamente nicht kennt. Einige Arzneimittel, die in Deutschland relativ häufig eingesetzt werden wie Metamizol, sind in anderen Ländern verboten. Arzneimittel, die in Deutschland nur verschreibungspflichtig sind wie Phenobarbital, können in anderen Ländern als Betäubungsmittel eingestuft sein. Mit einer solchen Spende würde man also gegen das einheimische Betäubungsmittelgesetz verstoßen.
  • Deutscher Arzneimittelname/deutscher Beipackzettel: Zeitverlust für das meist nicht ausreichende vorhandene lokale Gesundheitspersonal
Arzneimittel müssen in einer Sprache beschriftet sein, die dem Gesundheitspersonal im Empfängerland geläufig ist. Sie sollten mit dem internationalen Freinamen gekennzeichnet sein. Die üblicherweise genutzten Handelsnamen sind irreführend, da sie nur im Herstellerland gängig und bekannt sind. Oft arbeitet in den Empfängerländern kein Fachpersonal in den Arzneimittellagern: Medikamente, von denen administrative Mitarbeiter nicht wissen, wofür sie sind, bleiben liegen und verfallen letztendlich.
  • Gleichbleibende Stärke/Darreichungsform
Verschiedene Stärken eines Wirkstoffes (z. B. Diclofenac 25 mg, 50 mg, 75 mg, 150 mg), wie sie bei Sammlungen von Altarzneimitteln vorkommen, verursachen Verwirrung beim einheimischen Gesundheitspersonal. Auch für die Patienten ist es schwierig bzw. für Analphabeten sogar fast unmöglich die wechselnden Anwendungsanweisungen zu verstehen. Ein Abändern von z. B. 3 × 1 Tablette (Diclofenac 50 mg) auf 3 × 2 Tabletten (Diclofenac 25 mg) bzw. auf nur 1 Tablette pro Tag (Diclofenac 150 mg), führt zu Fehlern bei den Anweisungen des Personals oder zu Einnahmefehlern beim Patienten. Ein Wirkstoff sollte möglichst nur in einer Darreichungsform gespendet werden, die zudem vor Ort üblich ist: Medikamente in Tropfenform (X mg Wirkstoff / ml Lösung) statt der lokal bekannten Tabletten, führen zu komplizierten Umrechnungen. Zäpfchen wiederum sind in vielen Ländern unbekannt und/oder wegen der klimatischen Verhältnisse ungeeignet.
  • Mindesthaltbarkeit/Laufzeit
Die Restlaufzeit muss mindestens ein Jahr betragen, da die Arzneimittel nicht sofort beim Patienten ankommen. Die Zollformalitäten und die Verteilung einer Medikamentenspende auf verschiedene Gesundheitszentren oder -posten ziehen sich hin.
  • Qualitätsnachweis
Die Qualität der Ware muss gewährleistet sein. Die Arzneimittel müssen aus einer zuverlässigen Quelle stammen und allen Qualitätsanforderungen entsprechen. Dafür ist z. B. die Vorlage von Analysezertifikaten bei den Behörden notwendig, Unterlagen die für Altarzneimittel nicht zur Verfügung stehen.
  • Transport- und Zollkosten/teurer Arbeitsaufwand
Der Transport von Altarzneimitteln von Deutschland in das Empfängerland ist teuer. Vor Ort fallen eventuell Zoll- und/oder Lagergebühren bzw. noch weitere Transportkosten an. Das Sortieren von Altarzneimitteln führt zu einem hohen personellen und damit auch finanziellen Aufwand. Gerade in Ländern, in denen das Fachpersonal nicht ausreichend vorhanden ist, dürfen einheimische Ärzte, Krankenschwestern und/oder Apotheker nicht durch das Sortieren von Altarzneimitteln an ihrer Arbeit gehindert werden. Oft ist in den Arzneimittellagern nicht genügend Platz vorhanden, um einen Wirkstoff nach zig verschiedenen Verfalldaten zu ordnen, etwas was bei Altarzneimitteln vorkommt. Das Risiko, dass der Verfall übersehen wird, steigt dann. Der Kauf von Arzneimitteln in Großpackungen (sogenannter Bulkware) ist im Vergleich dazu wesentlich günstiger, spart Platz und Gewicht und vereinfacht die Lagerhaltung enorm.
  • Fehlende Abstimmung mit den Empfängerländern/dem konkreten Empfänger
Die Bedürfnisse des Empfängerlandes/des Empfängers müssen bekannt sein und berücksichtigt werden. Nur diejenigen, die vor Ort mit den Medikamenten arbeiten und für deren Abgabe verantwortlich sind, wissen, was in welchen Mengen benötigt wird. Unbekannte Wirkstoffe dürfen nicht gesendet werden, die gespendeten Wirkstoffe und Mengen müssen dem Monats- oder Jahresbedarf entsprechen und die Medikamente müssen für die jeweilige Gesundheitsebene geeignet sein: so gehören z. B. Infusionsbeutel und –besteck nicht in einen Gesundheitsposten, wo niemand eine Infusion legen kann. Krebsarzneimittel haben wiederum in einem einfachen Gesundheitszentrum nichts zu suchen usw.
  • Kombinationsmittel
Kombinationen von zwei oder drei Wirkstoffen, wie sie bei Bluthochdruck oder Diabetes zum Einsatz kommen, sind unerwünscht, weil sie nur für sehr wenige Patienten genau passen. Meist ist ein Wirkstoff in der falschen Dosierung enthalten. Andere Kombinationsmittel wie zum Beispiel Grippetabletten sind unabhängig von jeglicher pharmakologischer Bewertung als Spende ungeeignet. Die richtige Anwendung ist hier allein aus sprachlichen Gründen sehr fraglich.

Spenden ohne Arzneimittelspendenmüll ist möglich
Arzneimittelsammlungen verursachen somit viele Probleme. Das bedeutet nicht, dass AoG auf Arzneimittelspenden verzichten muss. Es sollte nur richtig gespendet, denn es gibt Lösungen für diese Probleme:

  • WHO Guideline, Nationale AM Listen
Es gibt seit 1977 eine WHO-Liste "Unentbehrlicher Arzneimittel", aus der die gewünschten Arzneimittel ausgewählt werden können. Sie enthält etwa 300 Wirkstoffe in verschiedenen Darreichungsformen und reicht aus, um 90 % der durch Arzneimittel beeinflussbaren Krankheiten zu behandeln. So sind z. B. nur fünf Schmerzmittel inklusive der Opioide aufgeführt. Angelehnt an diese Liste haben die Gesundheitsfachleute von etwa 80 % der Länder ihre entsprechenden nationalen Arzneimittellisten erstellt.
  • Großpackungen
Der Einsatz von Großpackungen beziehungsweise Bulkware ist sehr preisgünstig, die Qualität von den Anbietern geprüft und garantiert. 1.000 Tabletten Paracetamol à 500 mg kosten nur etwa 11 €. Solche Großpackungen sind platzsparend und erleichtern Transport und Lagerhaltung sehr.
  • Förderung der inländischen Produktion
In vielen Ländern gibt es inzwischen eine gute Arzneimittelherstellung. Nach Möglichkeit sollten Arzneimittel im Empfängerland erworben werden. Dies ist meistens nicht nur preisgünstiger, sondern stärkt auch die Wirtschaft im Land und gibt den Menschen Zugang zu ihnen bekannten Medikamenten.
  • Emergency Health Kits
Bei Notfalleinsätzen haben sich sogenannte Emergency Health Kits bewährt. Solch ein Notfallsortiment aller wichtigen Arzneimittel für Katastropheneinsätze ist bereits fertig verpackt und preisgünstig. Bei verschiedenen Einsätzen der Apotheker ohne Grenzen Deutschland kommen solche Emergency Health Kits zum Einsatz. Weltweit sind Mediziner mit den Kits vertraut. Mit einem Kit können bis zu 10.000 Menschen über drei Monate medizinisch mit dem Nötigsten versorgt werden.

Auszeichnungen

  • Erster Preis für AoG beim südamerikanischen Apothekerkongress FeFaS (2012)
Die Arbeit „Einhaltung der oralen Arzneimitteltherapie bei Diabetikern Typ II eines Armenviertels in An- bzw. Abwesenheit von Apothekern im Gesundheitsteam“ erhielt im Bereich „Atención Farmacéutica“, in dem 34 Poster vorgestellt wurden, zum zweiten Mal in Folge den Preis.
  • Der Apotheken Award für soziales Engagement (2015)
Für die weltweite Hilfe für Menschen in Not, besonders für den Nothilfeeinsatz während des Erdbebens in Nepal, erhielt Apotheker ohne Grenzen und ihr Vorstandsvorsitzender Jochen Schreeck den Apotheken Award[11].
  • Bundesverdienstkreuz für AoG-Mitglied (2016)
Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. Mitglied Eva-Christine Trischler erhielt für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement als Apothekerin das Bundesverdienstkreuz persönlich überreicht von Bundespräsident Joachim Gauck.[12]
  • Der Vision A Award in Silber (2016)
Für das Projekt „Die Pille rollt“, initiiert von ehrenamtlichen Mitgliedern, wurde Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. unter 50 Unternehmen und Agenturen mit dem 2.Platz in der Kategorie „Nachhaltige Corporate Social Responsibility Initiativen“ ausgezeichnet[13].

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Pharmaciens sans frontièrs CI: historique (abgerufen am 5. September 2013)
  2. Internationale Charta der PSF-Gruppe
  3. http://www.apotheker-ohne-grenzen.de/mitmachen/regionaltreffen/
  4. http://www.apotheker-ohne-grenzen.de/fileadmin/user_upload/PDFs/PDF_allgemein/Satzung_AoG_Okt_Fassung_April_2013.pdf
  5. http://www.apotheker-ohne-grenzen.de/ueber-uns/unsere-partner/
  6. http://www.apotheker-ohne-grenzen.de/ueber-uns/unsere-foerderer/
  7. Essential Drug List
  8. Projekt IMPACT
  9. Notfalleinsätze der Apotheker ohne Grenzen
  10. http://apps.who.int/medicinedocs/pdf/s4962e/s4962e.pdf
  11. http://www.apotheker-ohne-grenzen.de/fileadmin/user_upload/PDFs/Presse/Presse_2015/DeA_06.2015_Seite_6.pdf
  12. http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Joachim-Gauck/2016/03/160307-Verdienstorden-Engagierte-Frauen.html
  13. http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/visiona-award-pillen-machen-hilfsorganisation-bekannt-apotheker-ohne-grenzen/?L=0%3Ft%3Ft%3Ftx_ttnews%5Bttnews%5D%3D17800%3Ft%3D1

Kategorien: Pharmazie | Humanitäre Hilfsorganisation | Gegründet 2000 | Entwicklungshilfeorganisation

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Apotheker ohne Grenzen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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