Antidotarium Nicolai - LinkFang.de





Antidotarium Magnum

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Antidotarium Magnum, Antidotarium Nicolai und Grabadin sind die Namen von drei Rezeptbüchern aus dem 11. bis 13. Jh. Sie beeinflussten die pharmazeutische Theorie und Praxis in Europa bis ins 19. Jh.

Antidotarium Magnum

„Antidotarium Magnum“ (bzw. „Liber Antidotarius Magnus“[1]) ist der Name einer Sammlung von medizinischen Rezepten. Diese Rezeptsammlung wurde Ende des 11. Jh. in Süditalien zusammengestellt und enthält bis zu 1300 medizinische Rezepte in alphabetischer Anordnung. Die Sammlung speist sich aus spätantiken, frühbyzantinischen und (z. B. über Constantinus Africanus vermittelten) arabischen sowie frühmittelalterlichen Quellen.[2] Eine genaue Analyse des Inhalts fehlt bisher. Mögliche Quellen des „Antidotarium Magnum“ sind:

Liber iste (= Pseudo-Platearius-Glossen)

Zu Beginn des 12. Jh. wurde in der Schule von Salerno ein pharmakologischer Kommentar zu den 70 gebräuchlichsten Rezepten des „Antidotarium Magnum“ verfasst. Dieser Kommentar (mit dem Titel „Glossulae“) erhielt nach seinen ersten Worten die Bezeichnung „Liber iste“[13][14] und wurde - entgegen früheren Annahmen nicht durch einen „Platearius“ verfasst.[15]

Antidotarium Nicolai

Spätestens im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts wählte ein Arzt aus Salerno („Nikolaus Salernitanus“) die 136 gebräuchlichsten Rezepte des „Antidotarium Magnum“ aus, ergänzte sie durch 6 weitere Rezepte von Ärzten der Schule von Salerno und fügte ein Vorwort und einen Teil des Kommentartextes des „Liber iste“ hinzu. Diese Zusammenstellung wurde in Europa als „Antidotarium Nicolai“ zum führenden pharmazeutischen Bezugstext, von dem Teile bis in die nationalen amtlichen Arzneibücher des 19. Jahrhunderts überlebten.[16][17][18][19]

Grabadin (=Pseudo-Mesue-Filius)

Im 13. Jh. erschien, wahrscheinlich in Norditalien, unter dem Autoren-Pseudonym „Mesue-Filius“, ein „Grabadin“ genanntes Rezeptbuch, welches sich bald neben dem „Antidotarium Nicolai“ behauptete.[20][21]

Literatur

  • Alfons Lutz: Der verschollene Antidotarius magnus in einer Basler Handschrift aus dem 12. Jahrhundert und das ‚Antidotarium Nicolai‘. Acta Pharmaciae Historica 1 (1959), S. 1–25
  • Antidotarium Nicolai. Edition princeps. Venedig (Nicolaus Jenson) 1471
  • W[outer] S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche Vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. Te Brussel) met den Latijnschen Tekst der eerste gedrukte Uitgave van het Antidotarium Nicolaï, E. J. Brill, Leiden 1917
  • Paul Dorveaux: L'Antidotaire Nicolas. Deux traductions françaises de l'Antidotarium Nicolai. L'une di XIVe siècle suivie de quelques Recettes de la même epoche et d'un Glossaire, l'autre du XVe siècle, incomplète publiées d'après les manuscrits français 25,327 et 14,827 de la Bibliothèque Nationale, Paris 1896
  • Dietlinde Goltz: Mittelalterliche Pharmazie und Medizin dargestellt an Geschichte und Inhalt des Antidotarium Nicolai. Stuttgart 1976
  • Gundolf Keil: Antidotarium Nicolai. In: Lexikon des Mittelalters, I (1980), Sp. 708–710
  • Kurt-Heinz Lebede: Das Antidotarium des Nicolaus von Salerno und sein Einfluß auf die Entwicklung des deutschen Arzneiwesens. Text und Kommentar von zwei Handschriften der Berliner Staatsbibliothek, Hamburg 1939

Einzelnachweise

  1. Francesco J. M. Roberg: Studien zum ‚Antidotarium Nicolai‘ anhand der ältesten Handschriften. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 21 (2002), S. 73–129; S. 78–83
  2. Christine Becela-Deller: Die Weinraute (Ruta graveolens L.) als Beispiel für eine Heilpflanze zur Zeit der Schule von Salern (10.–14. Jh.). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 12, 1994, S. 143-152; hier: S. 146
  3. In: Carl Gottlob Kühn. Claudii Galeni Opera Omnia. Leipzig 1826, Band 12, S. 378–1007. Digitalisat Leipzig 1827, Band 13. S. 1–361. Digitalisat
  4. In: Carl Gottlob Kühn. Claudii Galeni Opera Omnia. Leipzig 1827, Band 13, S. 362–1085. Digitalisat
  5. Ausgabe. Valentin Rose. Plinii secundi quae fertur una cum Gargilii Martialis medicina. Nunc primum edita. Teubner, Leipzig 1875.
  6. Ausgabe. Max Niedermann (Hrsg.): Marcelli De medicamentis liber. Teubner, Leipzig und Berlin 1916 (Corpus medicorum Latinorum, Band 5)
  7. Theodori Prisciani Archiatri ad Timotheum fratrem, Phaenomenon Euporiston. Froben, Basel 1532 Bayerische Staatsbibliothek
  8. Ausgabe. Theodor Puschmann (Hrsg.): Alexander von Tralles. Original-Text und Übersetzung nebst einer einleitenden Abhandlung. Ein Beitrag zur Geschichte der Medizin. 2 Bände, Wien 1878–1879. Band I Internet Archive Band II Internet Archive
  9. Druck (in der Bearbeitung durch Andrea Alpago, 1450–1521). Basel 1556 Bayerische Staatsbibliothek
  10. Alfons Lutz. Der verschollene frühsalenitanische Antidotarius magnus in einer Basler Handschrift aus dem 12. Jahrhundert und das Antidotarium Nicolai. Veröff. d. int. Ges. f. Gesch. d. Pharmazie NF 16 (1960), S. 97–133.
  11. Andreas Kramer und Korinna Scheidt. Die Handschriften des Antidotarius magnus. In: Sudhoffs Archiv 83 (1999), S. 109–116.
  12. Francesco J.M. Roberg. Das ‚Antidotarium Nicolai‘ und der ‚Liber Antidotarius magnus‘. (Marburger Beiträge zur Kulturgeschichte der Medizin.) Eudora, Leipzig 2007, S. 251–268.
  13. Gundolf Keil. Liber iste. In: Lexikon des Mittelalters. Stuttgart 1999, Band V, Sp. 1945.
  14. Francesco J. M. Roberg, a.a.O. (2002), S. 99 f.
  15. Konrad Goehl: Kurzindex zum pseudoplatearischen 'Liber iste'. In: „gelêrter der arzeniê, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Willem F. Daems. Hrsg. von Gundolf Keil, Horst Wellm Verlag, Pattensen/Hannover 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 24), ISBN 3-921456-35-5, S. 655–666; hier: S. 657 f.
  16. Willy Braekmann und Gundolf Keil. Fünf mittelniederländische Übersetzungen des ‚Antidotarium Nicolai‘. Untersuchungen zum pharmazeutischen Fachschrifttum der mittelalterlichen Niederlande. In: Sudhoffs Archiv 55, 1971, S. 257–320; hier: S. 258–268.
  17. Dietlinde Goltz. Mittelalterliche Pharmazie und Medizin. Dargestellt an Geschichte und Inhalt des Antidotarium Nicolai. Mit einem Nachdruck der Druckfassung von 1471. Wiss. Verl. Ges., Stuttgart 1976.
  18. Gundolf Keil. Antidotarium Nicolai. In: Lexikon des Mittelalters. Stuttgart 1999, Band I, Sp. 708–709.
  19. Francesco J. M. Roberg: Studien zum ‚Antidotarium Nicolai‘ anhand der ältesten Handschriften. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 21, 2002, S. 73–129
  20. Gundolf Keil. Mesuë Junior. In: Lexikon des Mittelalters. Stuttgart 1999, Band VI, Sp. 567–568.
  21. Lenka Vaňková und Gundolf Keil. Mesuë und sein „Grabadin“. Ein Standardwerk der mittelalterlichen Pharmazie. Edition – Übersetzung – Kommentar. Tilia, Ostrava 2005.

Weblinks


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Antidotarium Magnum (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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