Antidiabetikum - LinkFang.de





Antidiabetikum


Ein Antidiabetikum (Plural Antidiabetika) ist ein Medikament zur Behandlung des Diabetes mellitus.

Es gibt mehrere Substanzgruppen mit verschiedenartigen Wirkprinzipien und Einsatzgebieten. Prinzipiell unterscheidet man zwischen insulinotropen (beta-zytotrop) und nicht-insulinotropen (nicht-beta-zytotrop) Medikamenten[1].

Insulinotrope Substanzen: Diese bewirken an den beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse eine Insulinausschüttung und behandeln somit ein Sekretionsdefizit. Die Wirkung kann bei späteren Erkrankungsstadien abnehmen, da die Funktion der Betazelle mit zunehmender Krankheitsdauer abnehmen kann.

  • Sulfonylharnstoffe
  • Sulfonylharnstoffanaloga (Glinide)
  • DPP-4-Inhibitoren (Gliptine)
  • Inkretinmimetika

Nicht-insulinotrope Substanzen: Diese wirken in der Peripherie und behandeln die Insulinresistenz (z.B. Metformin), verzögern die Glukoseaufnahme aus dem Darm (α-Glukosidase-Hemmer) oder fördern die Ausscheidung von Glucose über die Niere (SGLT-2-Hemmer). Es gibt keine Gefahr der Hypoglykämie und die Medikamente sind insbesondere für adipöse Patienten geeignet, da sie zu keiner Gewichtszunahme führen.

  • Biguanide (Metformin)
  • α-Glukosidase-Hemmer (Acarbose)
  • Glitazone
  • SGLT-2-Hemmer (Gliflozine)

Insulin

Hauptartikel: Insulin

Bei absolutem oder relativem Insulinmangel muss dieses durch Insulinpräparate ersetzt werden.

α-Glucosidase-Hemmer

Diese Substanzen verzögern durch die Hemmung der α-Glucosidase die Glukoseaufnahme aus dem Darm in das Blut und mildern dadurch die Blutzuckerspitzen nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten.

Die für Typ2-Diabetes zugelassenen Substanzen sind Acarbose, Miglitol und Voglibose.

Sulfonylharnstoffe

Hauptartikel: Sulfonylharnstoffe

Sie stimulieren an den Betazellen der Bauchspeicheldrüse die Insulinsekretion, wodurch der Blutzuckerspiegel gesenkt wird. Kommt es zu einem signifikanten Insulinmangel durch Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse (sogenanntes Sekundärversagen), muss meist eine Insulintherapie begonnen werden. Bekannte Vertreter sind Glibenclamid und Glimepirid.

Biguanide

Hauptartikel: Biguanid

Biguanide hemmen die Glucose-Neubildung (Gluconeogenese) in den Leberzellen. Sie senken die Resorption der Glucose aus dem Darm und steigern deren Verwertung in der Körperperipherie, z. B. in den Muskeln.

Metformin ist der einzige derzeit zugelassene Wirkstoff aus der Gruppe der Biguanide.

Glinide

Hauptartikel: Glinide

Die Gruppe der Glinide setzt sich aus zwei chemisch heterogenen Substanzen zusammen, deren Wirkung in einer schnellen und kurzzeitigen Insulinfreisetzung liegt.

Während Repaglinid ein Benzoesäurederivat ist, stammt Nateglinid von der Aminosäure Phenylalanin ab.

Repaglinid ist seit 1999 und Nateglinid seit 2000 auf dem deutschen Markt zugelassen.

Die Glinide werden zur Behandlung von Typ2-Diabetes eingesetzt und ermöglichen eine höhere Variabilität in der Nahrungsaufnahme bei geringerer Gefahr von Hypoglykämien.

Insulin-Sensitizer (Glitazone)

Hauptartikel: Insulin-Sensitizer

Glitazone verbessern die Wirkung des vorhandenen Insulins mittels Synthese-Steigerung von GLUT4-Rezeptoren und senken dadurch die Insulinresistenz beim Typ2-Diabetes.

Als einziges zugelassenes Glitazon darf Pioglitazon seit April 2011 nur noch in begründeten Ausnahmefällen zu Lasten der GKV verordnet werden.

Inkretinmimetika und Dipeptidyl-Peptidase-4-Hemmer

Die Inkretinmimetika und die Inhibitoren der Dipeptidylpeptidase 4 wirken über den Inkretin-Effekt.

Während die Inkretin-Mimetika die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 simulieren, hemmen die Inhibitoren der Dipeptidylpeptidase-4 dessen Abbau. Leitsubstanz der Inkretinmimetika ist das Exenatid. Zugelassene Wirkstoffe sind Sitagliptin, Vildagliptin und Saxagliptin.

SGLT-2-Hemmer

SGLT-2-Hemmer fördern die Ausscheidung von Glucose über die Niere, dies führt zu einer Senkung des Blutzuckers.

Amylin-Analoga

Amylin wird normalerweise zu den Mahlzeiten in den Betazellen des Pankreas produziert. Es hemmt die Glukagonsekretion nach dem Essen. Bei Diabetikern ist die Ausschüttung verringert.

Pramlintide (US-Handelsname: Symlin) ist ein Analogon des Hormons Amylin und wurde in den USA für die Behandlung von Typ-1- und auch von Typ-2-Diabetikern zugelassen. Symlin ist damit das erste Medikament, das seit Insulin für Typ-1-Diabetiker zugelassen wurde.[2]

Weblinks

 Wiktionary: Antidiabetikum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Herold: Innere Medizin 2011
  2. Ryan G, Briscoe TA, Jobe L. Review of pramlintide as adjunctive therapy in treatment of type 1 and type 2 diabetes. Drug Des Devel Ther. 2009 Feb 6;2:203-14. PMID 19920907
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Kategorien: Antidiabetikum

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